Die Frage, ob Saunabesuche während der Schwangerschaft sicher sind, beschäftigt viele werdende Mütter. Grundsätzlich ist Saunieren in der Schwangerschaft möglich, erfordert jedoch besondere Vorsicht und die Beachtung bestimmter Regeln, um Risiken für Mutter und Kind zu minimieren.
Saunieren im ersten Trimester: Besondere Vorsicht geboten
Die ersten drei Monate der Schwangerschaft sind die sensibelste Phase für das ungeborene Kind. In dieser Zeit entwickeln sich alle wichtigen Organe und Strukturen, und das Fehlgeburtsrisiko sowie die Anfälligkeit für Fehlbildungen sind am höchsten. Die extreme Hitze in der Sauna stellt einen zusätzlichen Stressfaktor dar, der in dieser Phase vermieden werden sollte. Viele Frauen leiden zudem in den ersten Wochen unter Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit, was durch die Hitze verstärkt werden kann. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis spricht in der Frühschwangerschaft eher gegen Saunieren, da das Baby keinen direkten Nutzen davon hat, aber potentiell zu viel Hitze schaden könnte.
Es wird generell empfohlen, dass Schwangere, die noch keine Saunaerfahrung haben, in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft auf einen Saunabesuch verzichten. Auch wenn belastbare Beweise am Menschen fehlen, raten Frauenärzte dennoch zur Zurückhaltung.

Saunieren im zweiten Trimester: Optimale Zeit für maßvolle Besuche
Ab dem vierten Monat hat sich die Schwangerschaft meist stabilisiert. Das Fehlgeburtsrisiko ist deutlich gesunken, und die sensibelsten Entwicklungsphasen sind abgeschlossen. Für geübte Saunagängerinnen ohne medizinische Einwände kann das zweite Trimester ein geeigneter Zeitpunkt sein, um wieder moderat zu saunieren. Entscheidend bleiben Zurückhaltung, moderate Temperaturen und kurze Sitzungen.
Auch wenn Sie die Hitze gewohnt sind, ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu achten. Sind Sie die Hitze nicht gewöhnt, lohnt es sich womöglich auch im zweiten Trimester nicht, mit dem Saunabaden zu beginnen.
Saunieren im dritten Trimester: Erhöhte Vorsicht geboten
In den letzten drei Monaten wächst der Bauch kräftig, und die Schwangerschaft fordert dem Körper nochmals viel ab. Prinzipiell dürfen geübte, gesunde Schwangere auch im dritten Trimester noch in die Sauna gehen, sogar bis kurz vor der Geburt. Jedoch raten manche Ärzte, im neunten Monat die Saunagänge entweder einzustellen oder deutlich zu reduzieren. Hitze kann bei geschwollenen Beinen zwar angenehm sein, aber häufig fühlt man sich schneller angestrengt. Kurz vor der Entbindung ist Vorsicht geboten.
Wenn Sie ohnehin bald ins Krankenhaus zur Geburt müssten, sollte die Sauna nicht alleine besucht werden. Manche Kliniken oder Geburtshäuser raten ab der 38. Schwangerschaftswoche vom Saunabesuch ab.
Risiken und worauf Schwangere achten sollten
Körpertemperatur und Hitzestress
Ein Saunabesuch bedeutet Hitzestress für den Körper. Normalerweise ist das positiv: Die hohe Temperatur erweitert die Blutgefäße, lässt einen schwitzen und kurbelt Kreislauf sowie Stoffwechsel an. Der Körper der Schwangeren reagiert jedoch stärker auf Hitze. Die Körperkerntemperatur sollte dauerhaft unter 39 °C bleiben. Praktisch bedeutet das: lieber moderat saunieren und rechtzeitig abbrechen.
Studien zeigen, dass selbst nach 20 Minuten in einer 70-°C-Sauna die durchschnittliche Kerntemperatur bei etwa 37,6 °C lag. Höhere Temperaturen über 80 °C sollten, wenn überhaupt, nur sehr kurz und nur von erfahrenen Saunagängerinnen genutzt werden, besser jedoch vermieden werden.
Kreislaufbelastung und Blutdruck
Durch die Hitze weiten sich die Blutgefäße, der Blutdruck kann abfallen, während der Puls steigt. Gleichzeitig fließt mehr Blut zur Haut, um Wärme abzugeben, wodurch die Durchblutung innerer Organe und des Gehirns kurzfristig sinken kann. Besonders anfällig sind Sie, wenn Sie vor der Schwangerschaft keine Saunaerfahrung hatten. Ihr Kreislauf ist starke Temperaturwechsel dann schlechter gewohnt, Blut kann in der Hitze vermehrt in die Beine absacken, vor allem beim Aufstehen. Deshalb gilt: lieber auf den unteren Bänken sitzen, langsam aufstehen, sich festhalten und nicht alleine saunieren.
Dehydration
Beim Saunieren verliert der Körper grundsätzlich eine Menge Flüssigkeit. Aus diesem Grund ist es in der anschließenden Ruhephase wichtig, ausreichend zu trinken, um die Reserven wieder aufzufüllen. Empfehlenswert ist in erster Linie Wasser.
Hygiene und Infektionsrisiken
In Nassbereichen und damit auch in der Sauna ist grundsätzlich auf die Einhaltung einer guten Hygiene zu achten. Dieses Risiko ist streng genommen nicht hoch, sofern stets ausreichend große und frische Saunahandtücher verwendet werden. Schwangere sollten bei diesem Thema besonders achtsam sein, da sie einem höheren Risiko im Hinblick auf mögliche Pilzinfektionen ausgesetzt sind.
Risikoschwangerschaft und Vorerkrankungen
Bei einer ärztlich eingestuften Risikoschwangerschaft, Mehrlingen oder bestimmten Beschwerden wie Vorerkrankungen, vorzeitigen Wehen, erhöhtem Frühgeburtsrisiko, Zervixinsuffizienz, Gestose, Präeklampsie, HELLP-Syndrom, schwerem oder schlecht eingestelltem Bluthochdruck, Kreislaufproblemen oder ausgeprägten Krampfadern/Venenleiden sollte auf Saunabesuche verzichtet werden oder dies nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Geeignete Sauna-Arten und Empfehlungen
Finnische Sauna
Die Finnische Sauna ist am anspruchsvollsten für den Körper, trocken und sehr heiß. Sie stellt die höchste Hitzebelastung dar. Experten raten werdenden Müttern, entweder ganz auf die Finnische Sauna zu verzichten oder zumindest auf die oberen Bänke zu verzichten und sich auf den unteren Bänken aufzuhalten, wo die Temperatur etwas niedriger ist.
Dampfbad
Ein Dampfbad arbeitet mit feuchter Hitze, bei Temperaturen von meist nur 40 bis 50 °C, aber nahezu 100 % Luftfeuchtigkeit. Obwohl die Temperaturen niedriger sind, belastet die feuchte Hitze den Kreislauf oft stärker als trockene Hitze, da die körpereigene Kühlung eingeschränkt ist. Hier ist Vorsicht geboten.
Infrarotkabine
Infrarotkabinen erwärmen das Gewebe direkt bei niedrigerer Umgebungstemperatur (ca. 50-60 °C) und gelten daher als sicherer für schwangere Frauen, solange Temperatur und Dauer kontrolliert werden. Einige Quellen raten jedoch generell von Infrarotkabinen in der Schwangerschaft ab, da es kaum Studien dazu gibt.
Bio-Sauna und Sanarium
Eine milde Sauna oder Warmluftkabine (Bio-Sauna, Sanarium) ist die sicherere Wahl. Geeignet sind Temperaturen zwischen 50 und 60 °C, die meist gut vertragen werden und den Kreislauf weniger belasten.
Praktische Tipps für Schwangere in der Sauna
- Beratung einholen: Sprechen Sie unbedingt vorher mit Ihrem Gynäkologen oder Ihrer Hebamme.
- Temperatur und Dauer anpassen: Wählen Sie niedrigere Temperaturen (50-60 °C) und begrenzen Sie die Aufenthaltsdauer auf maximal 8-12 Minuten pro Durchgang. Für Sauna-Neulinge sind 5-10 Minuten sinnvoll.
- Sanfte Abkühlung: Verzichten Sie auf eiskalte Duschen oder Tauchbecken. Kühlen Sie sich langsam mit lauwarmem Wasser ab, beginnend bei den Füßen.
- Flüssigkeitshaushalt beachten: Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßte Tees vor, während und nach dem Saunabesuch. Auch die Zufuhr von Elektrolyten kann sinnvoll sein.
- Position wählen: Setzen Sie sich auf die unteren oder mittleren Bänke, wo die Temperaturen am niedrigsten sind.
- Langsames Aufstehen: Stehen Sie langsam auf, um Kreislaufproblemen vorzubeugen.
- Auf den Körper hören: Beenden Sie den Saunabesuch sofort bei Anzeichen von Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrasen oder jeglichem Unwohlsein.
- Begleitung: Besuchen Sie die Sauna nach Möglichkeit nicht alleine.
- Hygienemaßnahmen beachten: Verwenden Sie ausreichend frische Handtücher.
- Häufigkeit begrenzen: Ein- bis zweimal pro Woche ist ausreichend. Beschränken Sie sich auf maximal zwei Saunagänge pro Besuch.
Das 1. Trimester der Schwangerschaft – Das hätte ich gerne vorher gewusst
Die Angst, dass Sauna dem ungeborenen Kind schaden oder gar Fehlgeburten auslösen könnte, hält sich hartnäckig. Wissenschaftliche Studien und Beobachtungen, insbesondere aus Finnland, zeigen jedoch, dass regelmäßiges Saunieren bis zur Geburt ohne erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder Schwangerschaftskomplikationen möglich ist, sofern die genannten Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden. Was der Seele nützt, nützt Mutter und Kind.
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