Silikonfugen entfernen und erneuern: Eine detaillierte Anleitung

Undichte Fugen sehen nicht nur unschön aus, sie stellen auch ein echtes Risiko für die Bausubstanz dar. Gelangt Wasser durch die undichten Stellen hinter die Fliesen oder die Duschwanne, kann sich dort Feuchtigkeit ansammeln. Im schlimmsten Fall droht Schimmelbildung. Gerade in Feuchträumen ist es wichtig, die Dichtungen im Auge zu behalten. Dieser Leitfaden liefert Ihnen eine detaillierte Anleitung, wie Sie alte Silikonfugen entfernen und anschließend fachgerecht erneuern.

Schema zur Entstehung von Feuchtigkeitsschäden durch undichte Silikonfugen

Warum Silikonfugen erneuern?

Silikonfugen werden mit der Zeit porös oder setzen manchmal sogar Schimmel an. Sie sollten erneuert werden, da sie mit den Jahren spröde und rissig werden können. Besonders im Sanitärbereich und in der Küche, wo Silikonfugen mit viel Feuchtigkeit in Kontakt kommen, wird das Material schneller angegriffen. Die Folge: Die Silikonfugen werden undicht, es kommt zu Wasserschäden oder es bildet sich gesundheitsschädlicher Schimmel. Den erkennt ihr meist daran, dass sich die Fugen schwarz oder fleckig verfärben. Experten empfehlen, Silikonfugen spätestens alle fünf bis acht Jahre zu erneuern. Die tatsächliche Haltbarkeit hängt stark von der Beanspruchung und den Umgebungsbedingungen ab. In stark genutzten Bereichen wie Duschen kann der Verschleiß schneller eintreten.

Materialwahl: Das richtige Silikon

Bevor Sie mit den eigentlichen Arbeiten beginnen, ist die Materialwahl entscheidend. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Dichtstoffe. Zwei Dichtstoffe, die häufig verwechselt werden, sind Silikon und Acryl. Sie kommen oft in gleichen Tuben und besitzen eine ähnliche Konsistenz.

Silikon vs. Acryl

Acryl hat den großen Nachteil, dass es bei dauerhaft höherer Feuchtigkeit wasserdurchlässig wird. Sie sollten in Feuchträumen immer ein spezielles Sanitärsilikon verwenden. Diesem Silikon sind spezielle pilztötende Stoffe zugesetzt, welche die Schimmelpilzbildung hemmen. Beachten Sie jedoch: Die pilztötende Wirkung ist nicht dauerhaft und schwächt sich mit der Zeit ab. Haben Sie es mit einer Acrylbadewanne zu tun, benötigen Sie ein spezielles Acrylwannensilikon. Herkömmliche Silikone können mit der Zeit die Oberfläche der Acrylwanne angreifen.

Welches Silikon für welchen Bereich?

Es gibt sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich Silikone. Hauptsächlich wird Silikon aber im Sanitärbereich oder bei Küchenzeilen verwendet, um die Fugen bei Fliesen zu erneuern. Das Material ist besonders elastisch, witterungsbeständig und pilzhemmend. Dazu verhindern die Silikonfugen in Bad oder Küche, dass Wasser in die Ritzen eindringen kann und somit Schimmel entsteht. Viele Silikone eignen sich jedoch nur für glatte Untergründe wie Keramik, Glas, Kunststoff oder den Sanitärbereich, nicht aber für poröse Materialien wie Naturstein, Beton oder Kalksandstein. Hierfür gibt es extra Silikone. Lesen Sie sich in jedem Fall die Hinweise auf dem Silikon-Gebinde durch, um die richtige Auswahl zu treffen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Alte Silikonfugen entfernen

Bevor Sie eine neue Fuge anlegen, müssen Sie die alte Dichtung komplett und gründlich entfernen. Das Entfernen gelingt am besten mit einem scharfen Cuttermesser oder einem speziellen Fugenmesser (auch Fugenhai genannt). Setzen Sie das Werkzeug an der oberen und unteren Kante der Silikonnaht an und schneiden Sie entlang der Kante, um die Haftung zum Untergrund zu trennen. Trotz aller Sorgfalt bleiben oft hartnäckige Silikonreste haften. Diese können Sie mit einem chemischen Silikonentferner beseitigen.

Werkzeuge zum Entfernen von Silikonfugen: Cuttermesser, Fugenkratzer, Spachtel

Mechanische Entfernung

Die Basis ist immer die Beseitigung mit einem Fugenkratzer, Cuttermesser, Schaber oder einer Rasierklinge. Mechanische Methoden eignen sich besonders, wenn Sie ausgehärtetes oder altes Silikon entfernen wollen, etwa an der Dusche, in der Küche oder an Fensteranschlüssen. Eine weitere Möglichkeit zur mechanischen Entfernung ist Drahtwolle. Diese kann bei feinen Silikonresten eingesetzt werden. Wichtig: Drahtwolle nur dort, wo Kratzer wirklich ausgeschlossen sind (z. B. nicht auf Acryl, empfindlichen Kunststoffen oder hochglänzenden Oberflächen). Auf Glas und Fliesen ist meist ein Kunststoffschaber zusammen mit einem Reiniger die sicherere Wahl.

Chemische Silikonentferner und Hausmittel

Lässt sich hartnäckiges Silikon nicht mechanisch lösen oder möchten Sie den zurückgebliebenen Silikon-Schmierfilm entfernen, können Sie auf chemische Produkte zurückgreifen. Silikonentferner sind im Baumarkt oder Fachhandel erhältlich und werden entweder flüssig oder als Gel angeboten. Setzen Sie diese Mittel ausschließlich in gut belüfteten Räumen ein und tragen Sie Gummihandschuhe, um Ihre Haut zu schützen. Achten Sie außerdem darauf, dass das Mittel für die entsprechende Oberfläche geeignet ist und empfindliche Materialien nicht angreift.

Wenn Sie umweltbewusst und kostensparend vorgehen möchten, greifen Sie zunächst zu vorhandenen Hausmitteln. Sie sind meist günstiger als Spezialprodukte aus dem Fachhandel. Bewährt haben sich unter anderem:

  • Essigessenz: Vermischen Sie Essigessenz mit Wasser im Verhältnis 1:2. Tragen Sie die Lösung mit einem Schwamm oder Tuch auf das Silikon auf und lassen Sie sie etwa zehn Minuten einwirken. Anschließend können Sie die aufgeweichten Reste vorsichtig mit einem Japanspachtel entfernen.
  • Backpulver oder Natron: Rühren Sie Backpulver und Wasser zu einer Paste an. Tragen Sie diese direkt auf die Silikonrückstände auf, lassen Sie sie einige Zeit einwirken und rubbeln Sie hinterher alles mit einem Tuch ab.
  • Babyöl und ölhaltige Cremes: Massieren Sie Öl oder eine fetthaltige Creme (Körperlotion) entlang der Silikonränder ein, sodass der Wirkstoff unter die Silikonschicht gelangt. Sobald das Material weicher wird, können Sie das Silikon lösen. Beachten Sie, dass Öl Flecken verursachen kann und sich daher nicht für empfindliche Untergründe wie Holz eignet.
  • Aceton und Nagellackentferner: Bestreichen Sie die Silikonreste mit acetonhaltigem Nagellackentferner und lassen Sie ihn kurz einwirken. Danach können Sie das Silikon mit einem Japanspachtel abtragen. Achten Sie dabei auf ausreichende Belüftung, da die Dämpfe gesundheitsschädlich sein können.

Hausmittel lösen häufig nicht das Silikon selbst „magisch weg“, sondern helfen eher beim Aufweichen, beim Anlösen von Randbereichen oder beim Entfernen von Fett-/Pflegefilm. Gerade Öl kann danach die Haftung neuer Fugen verschlechtern, wenn Sie nicht konsequent entfetten. Deshalb: Hausmittel eher als Ergänzung sehen, nicht als Ersatz für saubere mechanische Entfernung.

Vorbereitung des Untergrunds

Ist das alte Silikon vollständig entfernt, muss der Untergrund perfekt vorbereitet werden. Die Flächen rund um die Fuge müssen sauber, trocken und vor allem fettfrei sein. Für eine optimale Haftung der neuen Silikonmasse empfiehlt sich das Auftragen eines Primers (Haftvermittlers). Verwenden Sie Malerkrepp, um die Kanten in einer geraden Linie abzukleben. Dadurch verhindern Sie Schmierereien, und die Fuge erhält später eine schöne, gleichmäßige Form. Als Anhaltspunkt für die Fugenbreite orientieren Sie sich an der alten Fuge und geben Sie ein bis zwei Millimeter hinzu.

Abkleben der Fuge mit Malerkrepp für eine saubere Kante

Silikonfugen neu ziehen: Schritt für Schritt

Nachdem der Untergrund vorbereitet ist, kann mit dem eigentlichen Verfugen begonnen werden.

1. Kartuschenspitze vorbereiten

Schneiden Sie die Spitze der Kartusche schräg in einem Winkel von etwa 45 Grad ab. Je tiefer Sie schneiden, desto breiter wird der Austritt. Die Öffnung der Kartuschenspitze sollte der gewünschten Fugenbreite entsprechen. Es empfiehlt sich, lieber erst etwas weniger abzuschneiden, dann die Breite der Silikonnaht zu testen und gegebenenfalls nochmal etwas nachzuschneiden.

Schräges Anschneiden der Kartuschenspitze für die Silikondüse

2. Silikonmasse auftragen

Setzen Sie die Silikonspritze in einer Ecke an und bringen Sie das Silikon entlang der Fuge auf. Dabei sollten Sie im Zweifelsfall eher etwas zu viel als zu wenig Silikon auftragen, denn wenn Sie hinterher die Silikonfuge abziehen, lässt sich überschüssiges Silikon leicht entfernen. Ist die Kartuschenpistole gerade nicht in Betrieb, solltest du immer die Spannfeder am hinteren Ende lösen.

Gleichmäßiges Auftragen von Silikonmasse entlang der Fuge

3. Silikonfuge glätten

Sobald die Dichtmasse in der Fuge ist, müssen Sie schnell handeln, denn Silikon bildet relativ zügig eine Haut und lässt sich dann nicht mehr gut bearbeiten. Das Glätten sorgt für eine gleichmäßige und dichte Oberfläche. Dafür verwenden Sie am besten einen Fugenglätter aus Kunststoff. Bevor Sie glätten, müssen Sie die Fuge und das Glättwerkzeug benetzen. Alternativ reiben Sie den Fugenglätter mit Babyfeuchttüchern ab. Ziehen Sie die Fuge gleichmäßig und, wenn möglich, in einem einzigen Rutsch ab. Selbstverständlich können Sie auch den angefeuchteten Finger verwenden, um die Fuge abzuziehen.

Kritik am Seifenwasser-Trick: Einige Fachleute warnen, dass diese Methode die Fuge matt und stumpf erscheinen lassen kann. Ein beliebtes Hausmittel ist ein Gemisch aus Spülmittel und Wasser aus der Sprühflasche. Experten raten jedoch davon ab, da Spülmittel eine fettlösende Wirkung hat. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich Bestandteile des Silikons ablösen. Die Oberfläche der Silikonfugen wird angegriffen und die Fuge somit nicht richtig abgedichtet. Verwenden Sie lieber spezielle Glättmittel oder die Feuchttücher-Variante.

Glätten einer frisch aufgetragenen Silikonfuge mit einem Fugenglätter

4. Malerkrepp entfernen

Wichtig: Entfernen Sie das Kreppband sofort, solange das Silikon noch nass ist. Warten Sie keinesfalls, bis die Fuge getrocknet ist. Ziehen Sie das Malerkrepp auf keinen Fall erst ab, wenn die Silikonfuge getrocknet ist.

5. Aushärtung der Silikonfuge

Es ist ratsam, mindestens 24 Stunden zu warten, bevor Sie die Fuge wieder mit Wasser belasten, also beispielsweise duschen. Hier gilt es, die genauen Herstellerangaben auf der Kartusche zu beachten. Eine zu frühe Belastung kann die neue Fuge beschädigen und zu Undichtigkeiten führen. Eine Faustregel besagt, dass die Trocknungszeit von Silikon circa einen Millimeter pro Tag entspricht. Bei einer drei Millimeter dicken Silikonfuge ist sie dementsprechend erst nach drei Tagen vollständig durchgetrocknet. Manche Hersteller geben eine Trocknungszeit von zwei Millimeter pro Tag an, das Silikon trocknet dementsprechend schneller. Die Herstellerangaben zur Trockenzeit können Sie grundsätzlich als Richtwert nehmen.

Hinweisschild zur Aushärtezeit von Silikonfugen

Auffrischen statt komplett erneuern: Eine Option?

Manchmal ist ein kompletter Austausch der Fuge nicht zwingend notwendig. Dafür ziehen Sie einfach eine dünne, neue Schicht Silikon (etwa ein bis zwei Millimeter stark) über die bestehende Fuge. Dies spart Ihnen das zeitaufwendige Entfernen der alten Dichtung. Auch hier müssen Sie die Aushärtungszeit beachten. Nach wenigen Stunden kann die aufgefrischte Fuge oft wieder genutzt werden. Die bestehende Silikonfuge muss dafür intakt, sauber und schimmelfrei sein.

Häufige Fehler und Tipps

  • Zu wenig gründliches Entfernen: Altes Silikon muss immer so gründlich entfernt werden, dass keine sichtbaren und fühlbaren Reste in der Fuge bleiben. Dies verhindert, dass neues Silikon sauber an den Flanken anbindet. Die Fuge löst sich dann oft schon nach kurzer Zeit an den Rändern.
  • Falsches Material: Verwenden Sie immer spezielles Sanitärsilikon für Feuchträume. Für Acrylbadewannen ist Acrylwannensilikon erforderlich.
  • Falsches Werkzeug: Ein scharfes Cuttermesser oder ein spezieller Fugenentferner sind unerlässlich.
  • Feuchter Untergrund: Der Untergrund muss vor dem Neuverfugen sauber, trocken und fettfrei sein.
  • Zu schnelles Abkleben/Entfernen: Entfernen Sie das Malerkrepp sofort nach dem Glätten, solange das Silikon noch nass ist.
  • Zu frühe Belastung: Warten Sie die angegebene Aushärtezeit ab, bevor Sie die Fuge mit Wasser belasten.
  • Nicht ausreichend lüften: Bei der Verwendung von chemischen Silikonentfernern ist eine gute Belüftung unerlässlich.

Silikon richtig ziehen: Anleitung für perfekte Silikonfugen (+9 Tipps)

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