Brustsoor in der Stillzeit: Ursachen, Symptome und Behandlung

Brustsoor ist eine unangenehme und oft schmerzhafte Infektion, die durch den Hefepilz Candida albicans verursacht wird und häufig in der Stillzeit auftritt. Diese ansteckende Pilzinfektion kann Mutter und Kind gleichermaßen betreffen und erfordert eine gemeinsame Behandlung, um eine gegenseitige Ansteckung zu verhindern.

Was ist Brustsoor?

Brustsoor ist eine Pilzinfektion der weiblichen Brust, die meist durch den Hefepilz Candida albicans ausgelöst wird. Dieser Pilz ist ein natürlicher Bewohner verschiedener Schleimhäute des Körpers, wie z. B. im Mund, im Verdauungstrakt und in der Scheide. Unter bestimmten Umständen, insbesondere wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann es zu einer übermäßigen Vermehrung des Pilzes kommen, was zu einer Infektion führt.

In der Stillzeit sind Mütter besonders anfällig für Brustsoor. Die hormonellen Veränderungen nach Schwangerschaft und Geburt sowie die Belastung durch die Geburt selbst können das Immunsystem beeinträchtigen. Oftmals infizieren sich Mutter und Kind gegenseitig, wobei das Baby gleichzeitig an Mundsoor und/oder Windelsoor erkranken kann. Auch eine Scheideninfektion kann begleitend auftreten.

Die Infektion betrifft in der Regel die Brustwarzen (Mamillen) und den Warzenhof, kann aber auch Schmerzen in der gesamten Brust verursachen. Das Stillen kann dadurch sehr schmerzhaft werden. Trotz der Beschwerden ist es wichtig zu wissen, dass Stillen auch während einer Soor-Infektion möglich ist, sofern die Schmerzen erträglich sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Hauptursache für Brustsoor ist eine übermäßige Vermehrung des Hefepilzes Candida albicans. Dieser Pilz ist normalerweise harmlos und gehört zur natürlichen Besiedlung der Schleimhäute. Faktoren, die das Immunsystem schwächen und eine Pilzinfektion begünstigen können, sind:

  • Schwangerschaft und Geburt
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Stress
  • Einnahme bestimmter Medikamente, wie Antibiotika oder Kortison
  • Hormonelle Umstellungen

In der Stillzeit kommen spezifische Risikofaktoren hinzu:

  • Das feuchtwarme Milieu unter Stilleinlagen kann das Wachstum von Candida begünstigen.
  • Babys haben aufgrund ihres noch unreiferen Immunsystems eine höhere Anfälligkeit für Soor. Eine Übertragung von Mundsoor oder Windelsoor auf die Mutter ist häufig.
  • Eine gestörte Hautbarriere der Brustwarzen, z. B. durch kleine Risse, kann das Eindringen des Pilzes erleichtern.

Die Übertragung des Pilzes kann auf verschiedene Weisen erfolgen:

  • Von Baby auf Mutter (z. B. beim Stillen von Mundsoor)
  • Von Mutter auf Baby (z. B. beim Stillen, oder durch kontaminierte Hände beim Wickeln)
  • Bei der Geburt
Schema zur Übertragung von Candida albicans zwischen Mutter und Baby

Symptome von Brustsoor

Die Symptome von Brustsoor können vielfältig sein und von Frau zu Frau variieren. Oftmals treten sie plötzlich auf, auch nach einer längeren Phase des problemlosen Stillens.

Symptome bei der Mutter:

  • Rötung und Glanz der Brustwarzen und des Warzenhofs
  • Schuppende, rissige oder gereizte Haut an Brustwarzen und Warzenhof
  • Kleine Bläschen oder Pickelchen
  • Weißliche Beläge
  • Brennen, Juckreiz oder stechende Schmerzen in den Brustwarzen, insbesondere während oder nach dem Stillen
  • Manchmal auch Schmerzen in der gesamten Brust
  • Leichte Schwellung der Brustwarzen
  • Helle (depigmentierte) Hautstellen an der Brustwarze

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome von Brustsoor unspezifisch sein können und auch auf andere Probleme wie Milchstau, Brustentzündung (Mastitis) oder bakterielle Infektionen hindeuten könnten. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen ist eine ärztliche Abklärung ratsam.

Symptome beim Baby:

Wenn der Pilz auf das Baby übertragen wurde, können folgende Symptome auftreten:

  • Mundsoor: Weißlich-graue Beläge auf der Wangenschleimhaut, der Zunge oder dem Gaumen, die sich nicht abwischen lassen. Darunterliegende Schleimhaut ist gerötet und empfindlich.
  • Windelsoor: Rötung und Entzündung im Windelbereich, oft mit kleinen Bläschen oder Pusteln.
  • Unruhe beim Stillen oder Trinkverweigerung aufgrund von Schmerzen im Mund.
Vergleich von Mundsoor bei Babys und Brustsoor bei Müttern

Diagnose von Brustsoor

Die Diagnose von Brustsoor erfolgt in der Regel anhand der typischen Symptome und des klinischen Erscheinungsbildes. Eine eindeutige Diagnose kann manchmal schwierig sein, da:

  • Die Symptome unspezifisch sind und mit anderen Brustproblemen verwechselt werden können.
  • Ein Erregernachweis durch Abstrich von der Brustwarze oder aus der Muttermilch nicht immer zuverlässig ist, da Candida albicans auch natürlicherweise auf der Haut vorkommen kann, ohne Symptome zu verursachen.

Bei Verdacht auf Brustsoor ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen:

  • Nachsorgehebamme oder Stillberaterin: Sie können oft schon durch Beobachtung und Anamnese eine erste Einschätzung geben und bei der Stilltechnik unterstützen.
  • Frauenärztin/Frauenarzt oder Kinderärztin/Kinderarzt: Sie können die Diagnose sichern und die entsprechende medizinische Behandlung einleiten, einschließlich der Verschreibung von Antimykotika.

Manchmal werden auch andere Ursachen für Brustschmerzen und wunde Brustwarzen ausgeschlossen, wie z. B. Milchstau, Mastitis oder eine ungünstige Anlegetechnik.

Behandlung von Brustsoor

Die Behandlung von Brustsoor ist erfolgreich, wenn sowohl die Mutter als auch das Baby gleichzeitig behandelt werden, um einen "Ping-Pong-Effekt" der gegenseitigen Ansteckung zu vermeiden.

Medikamentöse Behandlung:

  • Antimykotika (Antipilzmittel): Dies ist die primäre Behandlung.
    • Topische Anwendung: In der Regel wird eine Salbe oder Creme mit einem Antimykotikum (z. B. Nystatin, Miconazol, Clotrimazol) verschrieben. Diese wird mehrmals täglich auf die betroffenen Stellen der Brust aufgetragen, insbesondere auf die wunden Brustwarzen und den Warzenhof.
    • Für das Baby: Gegen Mundsoor wird dem Baby meist ein spezielles Gel oder eine Suspension mit einem Antimykotikum verschrieben.
    • Orale Medikamente: Nur wenn die äußerliche Therapie nicht ausreicht oder die Infektion hartnäckig ist, kann ein Antimykotikum zum Einnehmen (z. B. Fluconazol) verschrieben werden.

Die Behandlung mit Antimykotika ist in der Regel gut verträglich und ermöglicht das Weiterstillen. Es ist wichtig, die Behandlung über den vom Arzt empfohlenen Zeitraum fortzusetzen, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind, um eine vollständige Ausheilung zu gewährleisten.

Hausmittel und unterstützende Maßnahmen:

Hausmittel allein reichen in der Regel nicht aus, um eine Soor-Infektion effektiv zu bekämpfen, können aber unterstützend eingesetzt werden:

  • Kühlen: Regelmäßiges Kühlen der entzündeten Brustwarzen kann helfen, Juckreiz und Schmerzen zu lindern.
  • Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit wenig Zucker und Weißmehlprodukten kann helfen, das Wachstum des Pilzes einzudämmen.

Wichtige Hinweise zur Behandlung:

  • Muttermilch: Das Bestreichen wunden Brustwarzen mit Muttermilch wird bei Brustsoor nicht empfohlen, da Feuchtigkeit das Pilzwachstum fördern kann.
  • Brustwarzensalben: Pflegende Brustwarzensalben, die nicht antimykotisch wirken, sollten bei Brustsoor vermieden werden, da sie die Heilung behindern können.
  • Hygiene: Gründliche Hygiene ist entscheidend zur Vorbeugung und während der Behandlung.

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Kann man mit Brustsoor weiterstillen?

Ja, Stillen ist auch während einer Brustsoor-Infektion möglich. Es ist sogar wichtig, weiterzustillen, um die Brust gut zu entleeren und die Milchproduktion aufrechtzuerhalten. Die Behandlung mit stillverträglichen Antimykotika ermöglicht das Weiterstillen.

Wenn das Stillen extrem schmerzhaft ist, kann es hilfreich sein, das Baby zunächst an der weniger schmerzhaften Brust anzulegen oder die Stillmahlzeiten etwas kürzer zu gestalten. Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Stillberaterin über Stillpositionen, die den Druck auf die wunden Stellen minimieren.

Wie lange dauert die Erkrankung?

Mit einer konsequenten und richtigen Behandlung klingen die Beschwerden von Brustsoor in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Es ist jedoch wichtig, die Behandlung über den gesamten empfohlenen Zeitraum fortzusetzen, um eine vollständige Ausheilung zu erreichen und Rückfälle zu vermeiden. In seltenen Fällen kann die Erkrankung hartnäckig sein, was eine erneute ärztliche Abklärung erfordert.

Vorbeugung von Brustsoor

Obwohl Brustsoor nicht immer vollständig verhindert werden kann, gibt es Maßnahmen, um das Risiko einer Infektion zu minimieren:

  • Gute Hygiene:
    • Regelmäßiges und gründliches Händewaschen vor und nach dem Stillen und Wickeln.
    • Waschen von BHs, Handtüchern und Spucktüchern bei mindestens 60 °C.
    • Regelmäßiges Auskochen oder Sterilisieren von Stillutensilien wie Stillhütchen, Flaschen, Schnullern und Beißringen.
  • Feuchtigkeitsmanagement:
    • Häufiger Wechsel von Stilleinlagen, insbesondere wenn sie feucht sind.
    • Tragen von atmungsaktiver Kleidung und BHs.
    • Nach dem Stillen die Brustwarzen mit warmem Wasser reinigen und an der Luft trocknen lassen.
  • Gesunde Lebensweise:
    • Eine zuckerarme Ernährung kann das Wachstum von Hefepilzen reduzieren.
    • Stärkung des Immunsystems durch ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressmanagement.
  • Achtsamkeit beim Stillen:
    • Achten Sie auf eine gute Anlegetechnik, um Verletzungen der Brustwarzen zu vermeiden.
    • Bei den ersten Anzeichen von wunden oder gereizten Brustwarzen frühzeitig Rat bei einer Hebamme oder Stillberaterin suchen.
Infografik mit Hygienetipps zur Vorbeugung von Brustsoor

Abgepumpte Muttermilch bei Brustsoor

Abgepumpte Muttermilch, die während einer Soor-Infektion gewonnen wurde, sollte in der Regel nicht mehr verwendet werden. Die Pilzsporen können auch nach dem Einfrieren in der Muttermilch überleben und zu einer erneuten Ansteckung des Babys führen. Es wird empfohlen, solche Milch zu entsorgen.

Frisch abgepumpte Milch kann während der Behandlungsphase gefüttert werden, solange Mutter und Kind parallel behandelt werden. Nach Abklingen der Infektion und Rücksprache mit dem Arzt oder der Stillberaterin kann die Milchproduktion wieder aufgenommen und eingefroren werden.

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