Die Plazenta, auch Mutterkuchen oder Nachgeburt genannt, ist ein Organ, das während der Schwangerschaft in der Gebärmutterwand gebildet wird und eine entscheidende Rolle bei der Versorgung des ungeborenen Kindes spielt. Nach der Geburt wird sie als Nachgeburt abgestoßen.
Was ist die Plazenta und wie bildet sie sich?
Der Begriff "Plazenta" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Kuchen", was die umgangssprachliche Bezeichnung "Mutterkuchen" erklärt. Sie bildet sich unmittelbar nach der Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut. Die äußerste Zellschicht der Blastozyste bildet fingerförmige Ausstülpungen, die Chorionzotten, welche in das Gewebe der mütterlichen Gebärmutterschleimhaut eindringen. Die Verbindung zwischen dem Embryo und der Plazenta wird durch die Nabelschnur hergestellt. Im Gegensatz zu anderen Organen ist die Plazenta sofort einsatzbereit und versorgt den Embryo bereits ab der ersten Schwangerschaftswoche.
Die Plazenta entwickelt sich dort, wo sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutterwand einnistet. Mögliche Lagen sind:
- Vorderwandplazenta: An der Vorderseite der Gebärmutter.
- Hinterwandplazenta: An der Hinterwand der Gebärmutter.
- Laterale Plazenta: Seitlich in der Gebärmutter.
- Plazenta am Fundus: Am oberen Rand der Gebärmutter.
- Plazenta praevia: Der Mutterkuchen sitzt tief in der Gebärmutter und bedeckt den inneren Muttermund oder Teile davon.
Am häufigsten liegt die Plazenta im hinteren oder vorderen Teil der Gebärmutter. Mischformen sind ebenfalls möglich. Der genaue Sitz des Mutterkuchens ist im Mutterpass vermerkt.

Funktionen der Plazenta
Die Plazenta erfüllt zwei grundlegende Funktionen:
- Stoffaustausch: Über die Nabelschnur erhält das Baby alle lebenswichtigen Nährstoffe und Sauerstoff aus dem mütterlichen Blut. Gleichzeitig werden Stoffwechselprodukte des Ungeborenen abtransportiert.
- Hormonausschüttung: Die Plazenta produziert Hormone wie Östrogen, Progesteron und das Schwangerschaftshormon HCG, die für den Erhalt der Schwangerschaft unerlässlich sind.
Darüber hinaus schützt die Plazenta das Ungeborene vor Schadstoffen. Die sogenannte Plazentaschranke, eine Membran aus drei Zellschichten, verhindert den direkten Austausch von Blutkreisläufen zwischen Mutter und Kind. Sie lässt Nährstoffe und Sauerstoff durch, hält aber viele schädliche Substanzen zurück. Dennoch ist sie kein vollständiger Schutz vor allen schädlichen Substanzen wie Nikotin oder Alkohol.
Der mütterliche Organismus versorgt die Plazenta mit Vorrang, um den Fötus zu nähren. Dies kann bei der Mutter zu Kreislaufschwankungen führen, die durch ausgewogene Mahlzeiten ausgeglichen werden können. Nach der Geburt fällt der Hormonspiegel der Mutter abrupt ab, was zum sogenannten Babyblues beitragen kann.
Größe und Gewicht der Plazenta
Am Ende der Schwangerschaft wiegt die Plazenta etwa 500 Gramm, ist zwei bis vier Zentimeter dick und hat einen Durchmesser von 15 bis 30 Zentimetern. Sie verfügt über eine mütterliche und eine kindliche Seite. Die mütterliche Seite ist schwammig und ähnelt in ihrem Aussehen oft Leber, während die kindliche Seite glatt und glänzend ist.
Nach der Geburt: Bräuche und Verwendungsmöglichkeiten
Nach der Geburt des Kindes folgt die Geburt der Plazenta, die als Nachgeburt bezeichnet wird. Dies kann wenige Minuten bis zu einer Stunde nach dem Baby erfolgen. Die Plazenta wird in vielen Kulturen als Zwilling des Babys betrachtet und ihr wird eine besondere Bedeutung beigemessen.
Lotusgeburt
Bei der Lotusgeburt wird die Nabelschnur nicht durchtrennt. Kind und Plazenta bleiben so lange wie möglich verbunden, bis die Nabelschnur von allein abfällt. Um die Plazenta zu konservieren, wird sie oft mit Speisesalz und Kräutern oder Ölen behandelt und in einem Säckchen aufbewahrt.
Verzehr der Plazenta (Plazentophagie)
Manche Menschen entscheiden sich dafür, die Plazenta nach der Geburt zu verzehren. Dieser Brauch, bekannt als Plazentophagie, basiert auf der Annahme, dass die Plazenta Heilkräfte besitzt und der Mutter helfen kann, sich schneller von der Geburt zu erholen, Wochenbettdepressionen vorzubeugen oder die Milchbildung zu fördern. Es gibt verschiedene Zubereitungsformen, wie das Pürieren in Smoothies oder die Verarbeitung zu Kapseln. Wissenschaftliche Belege für diese Effekte liegen jedoch nicht vor.

Vergraben der Plazenta und Pflanzen eines Bäumchens
Ein weit verbreiteter Brauch ist das Vergraben der Plazenta, oft im eigenen Garten, und das Pflanzen eines Bäumchens darauf. Dies symbolisiert die Verbindung zwischen dem Kind und der Erde und soll dem Kind Glück und Wachstum bringen. Die Plazenta kann hierfür vorübergehend eingefroren werden, falls der Garten zugefroren ist.
Verwendung in der Kosmetik
Plazenta-Extrakte wurden früher häufig in Kosmetikprodukten verwendet, da ihnen eine verjüngende und hautpflegende Wirkung zugeschrieben wurde. Diese Extrakte enthalten Proteine, Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren. Auch hierfür gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise.
Entsorgung der Plazenta
Wenn keine besonderen Bräuche oder Verwendungen gewünscht sind, muss die Plazenta ordnungsgemäß entsorgt werden. Sie sollte nicht einfach weggeworfen, sondern über die Klinik oder die Sonderabfallverbrennung entsorgt werden. In einigen Fällen kann die Plazenta auch gespendet werden.
Plazenta-Komplikationen
Obwohl die Plazenta ein lebenswichtiges Organ ist, können verschiedene Komplikationen während der Schwangerschaft auftreten:
Placenta praevia
Eine Placenta praevia liegt vor, wenn sich der Mutterkuchen im unteren Bereich der Gebärmutter befindet und den inneren Muttermund ganz oder teilweise bedeckt. Dies kann zu starken und lebensbedrohlichen Blutungen während der Schwangerschaft oder Geburt führen. Die Diagnose erfolgt meist durch Ultraschalluntersuchungen. In vielen Fällen wandert die Plazenta im Verlauf der Schwangerschaft nach oben. Bei anhaltender Placenta praevia ist oft ein Kaiserschnitt notwendig. Risikofaktoren hierfür sind unter anderem fortgeschrittenes mütterliches Alter, Rauchen und künstliche Befruchtung.
Vorderwandplazenta: Alles zu Diagnose, Risiken und Besonderheiten
Plazentationsstörungen (Plazenta accreta, increta, percreta)
Diese seltenen Komplikationen treten auf, wenn die Plazenta zu tief in die Gebärmuttermuskulatur einwächst. Dies kann nach der Geburt zu starken Blutungen führen, da sich die Nachgeburt nicht oder nur schlecht löst.
Plazentainsuffizienz
Bei einer Plazentainsuffizienz ist der Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind beeinträchtigt, was zu einer Mangelversorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff führt. Dies kann eine sofortige Entbindung per Kaiserschnitt erforderlich machen.
Präeklampsie und HELLP-Syndrom
Diese Schwangerschaftskomplikationen, die mit erhöhtem Blutdruck und Eiweißausscheidung einhergehen, können durch einen gestörten Plazentaaufbau verursacht werden.
Vorzeitige Plazentalösung
Hierbei löst sich der Mutterkuchen vorzeitig von der Gebärmutterwand, was zu massivem Blutverlust und Gefährdung von Mutter und Kind führen kann.
Verkalkungen der Plazenta
Verkalkungen sind ein natürlicher Alterungsprozess der Plazenta. Bei starker Verkalkung (Grannum 3) kann die Versorgung des Ungeborenen gefährdet sein, was eine vorzeitige Geburt notwendig machen kann. Rauchen erhöht das Risiko für eine vorzeitige Verkalkung.
Die Nachgeburt nach der Geburt
Nach der Geburt des Kindes löst sich die Plazenta in der Regel innerhalb von 10 bis 20 Minuten und wird zusammen mit den Eihäuten und der Nabelschnur als Nachgeburt ausgestoßen. Die Nachgeburt wird sorgfältig auf Vollständigkeit untersucht, um sicherzustellen, dass keine Reste in der Gebärmutter verbleiben, die zu Komplikationen führen könnten.
