Der Muttermund, auch bekannt als Portio oder Zervix, ist ein entscheidender Teil des weiblichen Fortpflanzungssystems. Er bildet den unteren, in die Vagina ragenden Teil des Gebärmutterhalses und erfüllt während des weiblichen Zyklus, der Schwangerschaft und der Geburt vielfältige Funktionen. Die genaue Kenntnis seiner Beschaffenheit und Veränderungen kann wichtige Hinweise auf den Fruchtbarkeitsstatus, den Verlauf der Schwangerschaft und den bevorstehenden Geburtsprozess geben.
Anatomie und Funktion des Muttermundes
Der Muttermund ist die Öffnung des Gebärmutterhalses, der die Gebärmutterhöhle mit der Vagina verbindet. Man unterscheidet zwischen dem inneren Muttermund, der zur Gebärmutter hin geöffnet ist, und dem äußeren Muttermund, der in die Vagina hineinragt. Der Gebärmutterhalskanal (Zervixkanal) sondert den sogenannten Zervixschleim ab, der eine natürliche Barriere zwischen Vagina und Gebärmutter darstellt. An unfruchtbaren Tagen verschließt dieser Schleim den Muttermund und schützt die Gebärmutter vor Keimen. Während der fruchtbaren Tage wird der Zervixschleim dünnflüssiger und spinnbar, um Spermien den Eintritt zu erleichtern.
Funktionen des Muttermundes:
- Eintrittspforte für Spermien während der fruchtbaren Tage.
- Schutz der Gebärmutter vor Keimen und Infektionen durch den Zervixschleim und den verschlossenen Muttermund.
- Öffnung zur Geburt des Kindes.

Veränderungen des Muttermundes im weiblichen Zyklus
Die Beschaffenheit des Muttermundes verändert sich im Laufe des Menstruationszyklus maßgeblich:
- Nach der Menstruation: Der Muttermund ist relativ fest, geschlossen und ragt tief in die Vagina hinein. Der Zervixschleim ist zähflüssig und klebrig.
- Vor und während des Eisprungs (fruchtbare Tage): Der Muttermund verlagert sich nach oben, wird weicher, feuchter und öffnet sich leicht. Der Zervixschleim ist dünnflüssig, spinnbar und fast wässrig.
- Nach dem Eisprung: Der Muttermund schließt sich wieder, wird fester und trockener. Er ragt wieder tiefer in die Vagina hinein.
Das regelmäßige Ertasten des Muttermundes, oft in Kombination mit der Basaltemperaturmessung, kann Frauen helfen, ihren Zyklus besser zu verstehen, fruchtbare Tage zu bestimmen oder den Beginn der Periode vorherzusagen.
Der Muttermund in der Schwangerschaft
Mit Eintritt einer Schwangerschaft verändert sich der Muttermund erneut, um das heranwachsende Kind zu schützen:
- Frühe Schwangerschaft: Der Muttermund ist fest verschlossen. Der Zervixkanal bildet zusammen mit dem inneren und äußeren Muttermund eine feste Barriere.
- Schleimpfropfbildung: Bereits vor der Einnistung bildet sich ein zäher Schleimpfropf, der sich mit Östrogenen und Progesteron anreichert und den Muttermund sicher verschließt. Diese natürliche Schutzbarriere verhindert das Eindringen von Keimen in die Fruchtblase.
- Länge des Gebärmutterhalses: In einer normal verlaufenden Schwangerschaft misst der Gebärmutterhals zwischen 3 und 5 Zentimetern.
Die Länge des Gebärmutterhalses wird oft mittels eines vaginalen Ultraschalls gemessen, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Eine Verkürzung des Gebärmutterhalses kann ein Hinweis auf eine drohende Frühgeburt sein.
Risikofaktoren und Zervixinsuffizienz
Eine Zervixinsuffizienz, auch Muttermundschwäche genannt, beschreibt eine vorzeitige Öffnung und Verkürzung des Muttermundes, die zu einer Frühgeburt führen kann. Diese Komplikation tritt oft zwischen dem 4. und 6. Schwangerschaftsmonat auf und kann auch ohne spürbare Wehen erfolgen.
Faktoren, die das Risiko für eine Zervixinsuffizienz erhöhen, sind:
- Mehrlingsschwangerschaften (erhöhter Druck auf den Muttermund).
- Vorherige späte Fehl- oder Frühgeburten.
- Angeborene Bindegewebsstörungen oder Fehlbildungen der Gebärmutter.
- Konisation oder andere Operationen am Gebärmutterhals.
- Infektionen im Vaginalbereich.
- Rauchen, starkes Übergewicht, höheres Alter (>35 Jahre) oder schwere körperliche Arbeit.
Normale Zervixlängen in der Schwangerschaft:
- Vor der 22. SSW: > 40 mm
- Zwischen 22. und 32. SSW: ca. 40 mm
- Nach der 32. SSW: ca. 35 mm
Ein Gebärmutterhals von weniger als 15 mm gilt als alarmierend, unter 25 mm als ernst zu nehmendes Frühgeburtsrisiko. Werte zwischen 25 und 35 mm sollten sorgfältig beobachtet werden.

Erkennung und Behandlung eines offenen Muttermundes
Die Erkennung eines vorzeitig geöffneten Muttermundes kann schwierig sein, da die Symptome oft subtil sind oder mit normalen Schwangerschaftsbeschwerden verwechselt werden können. Mögliche Anzeichen sind ein Druckgefühl im Unterbauch, Rückenschmerzen, Bauchkrämpfe, Schmierblutungen oder Veränderungen des Ausflusses.
Diagnose:
- Transvaginaler Ultraschall: Die zuverlässigste Methode zur Messung der Zervixlänge und zur Erkennung einer möglichen Trichterbildung.
- Tastuntersuchung: Gilt als unsichere Beurteilungsmethode, wird aber im Rahmen der Vorsorge durchgeführt.
Behandlungsmöglichkeiten bei Zervixinsuffizienz:
- Körperliche Schonung: Moderate Schonung ohne strikte Bettruhe.
- Cerclage: Ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein Kunststoffband um den Gebärmutterhals gelegt wird, um ihn zu verschließen.
- Cerclage-Pessar: Ein Silikonring, der als Stütze in die Vagina eingelegt wird.
- Progesteron-Gabe: Vaginal verabreichtes Progesteron kann das Frühgeburtsrisiko senken.
Bei regelmäßigen Wehen, Blasensprung, stark verkürztem Gebärmutterhals oder Fruchtwasserabgang ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig.
Der Muttermund während der Geburt
Gegen Ende der Schwangerschaft (ab ca. 36. SSW) beginnt die Zervixreifung. Das Gewebe rund um den Gebärmutterhals lockert sich, der Gebärmutterhals verkürzt sich, und der Muttermund beginnt sich zu öffnen. Dies ist eine natürliche Vorbereitung auf die Geburt.
Geburtsphasen und Muttermundöffnung:
- Eröffnungsphase: Durch die Wehen verkürzt sich der Gebärmutterhals weiter, und der Muttermund öffnet sich schrittweise. Zuerst der innere, dann der äußere Muttermund.
- Schleimpfropfabgang: Der Schleimpfropf löst sich und geht oft mit einer leichten Schmierblutung ab ("Zeichnen").
- Fortschreitende Öffnung: Die Öffnung wird in Zentimetern gemessen. Bei etwa 2-3 cm können zwei Finger eingeführt werden, bei 4 cm bilden Zeige- und Mittelfinger ein "V".
- Presswehen: Beginnen meist bei etwa 8 cm Öffnung.
- Austreibungsphase: Die maximale Öffnung des Muttermundes beträgt 9-10 cm, um das Baby passieren zu lassen.
Hebammen und Ärzte überwachen die Öffnung des Muttermundes während der Geburt regelmäßig, um den Geburtsfortschritt einzuschätzen.
Normal Vaginal Geburt
Der Muttermund nach der Geburt
Nach der Geburt beginnt die Rückbildung, bei der sich die Gebärmutter verkleinert und der Muttermund sich wieder zusammenzieht. Das Aussehen des Muttermundes verändert sich:
- Vor der ersten Schwangerschaft: Rund, grübchenartig.
- Nach der Geburt: Länglich, ähnelt einem Mund mit einem Querspalt.
Der Muttermund schließt sich nach der Rückbildung wieder, behält aber seine veränderte Form bei. Die Funktion als schützende Barriere bleibt erhalten.
Selbstuntersuchung des Muttermundes
Das Ertasten des Muttermundes kann außerhalb der Schwangerschaft zur Zyklusbeobachtung und Familienplanung genutzt werden. In der Schwangerschaft wird jedoch generell davon abgeraten, den Muttermund selbst zu ertasten, da dies unsicher ist, Infektionen begünstigen oder sogar Wehen auslösen kann. Fachkundige Untersuchungen durch Hebammen oder Ärzte sind in der Schwangerschaft unerlässlich, insbesondere bei Risikofaktoren oder Symptomen, die auf eine Zervixinsuffizienz hindeuten könnten.
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