Bildung und Aufbau des Eis beim Huhn: Ein detaillierter Überblick

Die Entstehung des Eis beim Huhn ist ein komplexer Prozess, der sich über mehrere Abschnitte des Eileiters erstreckt. Der Eileiter, auch als Ovidukt bezeichnet, ist ein länglicher, muskulöser Schlauch, der für die Bildung und den Transport des Eis verantwortlich ist.

Die einzelnen Abschnitte des Eileiters und ihre Funktionen

Der Eileiter des Huhns ist in mehrere funktionelle Abschnitte unterteilt, die jeweils spezifische Aufgaben bei der Eibildung übernehmen:

1. Infundibulum (Eileitertrichter)

Der Eileitertrichter, auch Infundibulum genannt, ist der erste Abschnitt des Eileiters. Seine Hauptaufgabe ist die Aufnahme des Ovums (Eizelle) aus dem Eierstock. Dies geschieht etwa 15-30 Minuten nach der Ovulation. Gleichzeitig ist das Infundibulum der Ort, an dem die Befruchtung stattfindet, sofern eine Paarung vorausgegangen ist.

Schema des weiblichen Fortpflanzungssystems beim Huhn mit markiertem Eileiter

2. Magnum (Eiweißteil)

Nachdem das Ovum das Infundibulum durchlaufen hat, gelangt es in den längsten Abschnitt des Eileiters, das Magnum. Dieser Abschnitt wird auch als Eiweißteil bezeichnet, da hier das Eiklar gebildet wird. Der Transport durch das Magnum dauert etwa 2 bis 3 Stunden.

3. Isthmus (Engpass)

Der anschließende Isthmus, auch Engpass genannt, ist ein kürzerer Abschnitt des Eileiters. Hier wird das Eiklar über einen Zeitraum von 1 bis 5 Stunden durch die Bildung der inneren Schalenhaut umschlossen. Zudem wird in diesem Bereich die Calcifizierung der Eischale eingeleitet.

4. Schalendrüse (Uterus)

Im Uterus, oft als Schalendrüse bezeichnet, wird die bereits begonnene Calcifizierung, also die Schalenbildung, vollendet. Zusätzlich werden hier Pigmente in die Schale eingelagert, was der Eierschale ihre charakteristische Farbe verleiht. Die äußere Schalenhaut, auch Cuticula genannt, wird ebenfalls hier geformt. Die Dauer des Aufenthalts im Uterus beträgt etwa 5 Stunden. Die Farbe bei braunschaligen Eiern wird in den letzten 5 Stunden der Schalenbildung angelagert.

Durchwandert das Ei den Uterus zu schnell, können schalenlose Eier, sogenannte "Windeier", entstehen.

Querschnitt durch die Eischale mit Darstellung der einzelnen Schichten

5. Vagina (Scheide)

Die Vagina ist der Endteil des Eileiters und hat etwa die Länge des Eis. Hier findet keine weitere Bildung statt, aber sie spielt eine entscheidende Rolle beim Legen. Das fertige Ei verlässt den Hennenkörper, indem sich die Vagina und die Kloake nach außen stülpen.

Der Prozess der Eibildung im Überblick

Der gesamte Prozess der Eibildung beginnt im Eierstock, wo sich Tausende von Eizellen befinden. Innerhalb von 7 bis 10 Tagen vor dem Ablegen reift eine Eizelle zur Dotterkugel heran. Diese wird dann in den Eileiter abgegeben. Der Ablauf im Ovidukt ist wie folgt:

  1. Aufnahme des Ovums durch das Infundibulum.
  2. Befruchtung im Infundibulum (falls Paarung stattgefunden hat).
  3. Bildung des Eiklars im Magnum.
  4. Umschließung des Eiklars mit der inneren Schalenhaut und Einleitung der Calcifizierung im Isthmus.
  5. Vollendung der Schalenbildung, Einlagerung von Pigmenten und Formung der Cuticula in der Schalendrüse.
  6. Austritt des fertigen Eis über die Vagina und Kloake.

Video Wie kommt das Huhn zum Ei

Endokrinologische Steuerung der Eibildung und Eiablage

Der Zyklus von Ovulation und Eiablage wird durch ein komplexes endokrinologisches System gesteuert. Der Hypothalamus spielt eine übergeordnete Rolle bei der Freisetzung von gonadotropen Peptidhormonen wie dem luteinisierenden Hormon (LH) und dem follikelstimulierenden Hormon (FSH) aus der Hypophyse.

  • LH ist der wichtigste Auslöser der Ovulation.
  • FSH beschleunigt die Dotterablagerung.

Beide Hormone sind mit der Kontrolle der Steroidgenese verknüpft. Beim Geflügel besteht zudem eine enge Verbindung zwischen dem endokrinen System und der Tageslichtlänge, was die Bedeutung von Beleuchtungsprogrammen in der Aufzucht- und Legephase unterstreicht.

Die Eiablage selbst wird durch eine hormonvermittelte Muskelkontraktion des Uterus (Schalendrüse) ausgelöst. Das von der Neurohypophyse sezernierte Peptidhormon Arginin-Vasotocin (AVT) sowie Prostaglandine spielen eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der Eiablage.

Der Legvorgang

Beim Legen stülpt sich zunächst die Vagina in die Kloake nach außen, und anschließend stülpt sich die Kloake ebenfalls nach außen. Das Ei kommt somit streng genommen nicht direkt mit der Kloake in Berührung. Die meisten Eier werden mit dem spitzen Ende zuerst gelegt, wobei eine Drehung des Eis vor dem Legen häufig vorkommt.

Schematische Darstellung des Legens eines Eis mit nach außen gestülpter Vagina und Kloake

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