Natürlich machen Sie sich Sorgen, wenn es Ihrem Baby nicht gut geht. Es ist jedoch beruhigend zu wissen, dass Fieber ein wichtiger natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers ist. Das Fieber zeigt an, dass der Körper auf Infektionserreger wie Viren und Bakterien oder Gewebeverletzungen reagiert und seine Abwehrkräfte mobilisiert. Der Körper reagiert mit Fieber, weil es die Funktion des Immunsystems unterstützen kann und sich Viren und Bakterien bei hoher Körpertemperatur nicht vermehren können - Fieber ist somit eine notwendige Reaktion des Immunsystems.
Normale Körpertemperatur
Fieber wird am besten als eine Körpertemperatur beschrieben, die über den Normalwert ansteigt. Die normale Körpertemperatur eines gesunden Kindes liegt zwischen 36,5 und 37,5 °Celsius. Die Körpertemperatur kann je nach Tageszeit schwanken; sie ist beispielsweise abends meist etwas höher als morgens. Generell ist die Temperatur morgens am niedrigsten, mit Ausnahme von besonders aktiven Kindern. Die Körpertemperatur wird vom Hypothalamus kontrolliert, welcher kontinuierlich die Temperatur anpasst, indem er die aktuelle Temperatur mit dem Normalwert von etwa 37 Grad Celsius vergleicht. Ist die Temperatur zu niedrig, sendet der Hypothalamus Signale aus, sodass der Körper genügend Wärme für den Körper produziert.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Körpertemperatur von Person zu Person und je nach Messort variiert. Auch leichte Schwankungen sind normal und können durch Faktoren wie die Tageszeit, körperliche Aktivität, hormonelle Unterschiede oder die Stoffwechselrate beeinflusst werden. Die Körpertemperatur kann zwischen 0,5 °C und 1,0 °C schwanken.
Messwert-Tabelle der Körpertemperatur in °C
| Messort | Bezeichnung | Ohr / Stirn | Rektum | Mund / Achsel |
|---|---|---|---|---|
| Messwert | Untertemperatur | <35,7 | <36,2 | <35,8 |
| Normaltemperatur | 35,8 - 36,9 | 36,3 - 37,4 | 35,9 - 37,0 | |
| Erhöhte Temperatur | 37,0 - 37,5 | 37,5 - 38,0 | 37,1 - 37,5 | |
| Leichtes Fieber | 37,6 - 38,0 | 38,1 - 38,5 | 37,6 - 38,0 | |
| Mäßiges Fieber | 38,1 - 38,5 | 38,6 - 39,0 | 38,1 - 38,5 | |
| Hohes Fieber | 38,6 - 39,4 | 39,1 - 39,9 | 38,6 - 39,5 | |
| Sehr hohes Fieber | 39,5 - 42,0 | 40,0 - 42,5 | 39,6 - 42,0 |
Sie sollten auch die Tageszeit im Auge behalten, denn die Körpertemperatur ist morgens meist niedriger als abends. Dementsprechend sollte die Temperatur immer zur gleichen Tageszeit gemessen werden, damit der Wert nicht falsch gedeutet wird.

Fieber bei Säuglingen und Kleinkindern
Im Allgemeinen sind Säuglinge und Kleinkinder häufiger krank und leiden dementsprechend häufiger unter einer erhöhten Temperatur oder Fieber als Erwachsene. Das liegt daran, dass sich ihr unerfahrenes Immunsystem durch den Kontakt mit verschiedenen Krankheitserregern entwickeln muss. Bei Kindern spricht man ab einer Körpertemperatur von 38,5 Grad Celsius von Fieber. Bei Babys unter drei Monaten gilt bereits ab 38 °C Körpertemperatur Fieber, da ihre Fähigkeit, mit Fieber zu reagieren, eventuell noch nicht voll ausgeprägt ist. Daher kann bei Messung „normaler“ oder nur „leicht erhöhter“ Temperaturen dennoch eine schwere Infektion vorliegen. Bei einer Temperatur über 38,4 Grad Celsius wird von erhöhter Temperatur gesprochen, ab 39 Grad Celsius von hohem Fieber.
Fieber selbst ist keine Krankheit, sondern eine gesunde Reaktion des Körpers, die anzeigt, dass das Immunsystem Krankheitserreger bekämpft. Bei hohen Körpertemperaturen können sich Viren und Bakterien nicht so gut vermehren. Der Körper erhöht die Temperatur, um Krankheitserreger besser zu bekämpfen. Während des Fieberanstiegs können Füße und Hände abkühlen, während das Gesicht gerötet und warm ist.
Typische Symptome bei fiebernden Säuglingen
Meist lässt sich Fieber schon an sichtbaren und fühlbaren Faktoren erkennen:
- Das Baby hat ein gerötetes Gesicht oder die Haut fühlt sich sehr warm an - vor allem an der Stirn und am Hals.
- Auf der anderen Seite können sich Füße und Arme kalt anfühlen.
- Die Augen Ihres Babys sehen wahrscheinlich müde oder glasig aus.
- Der Herzschlag ist schneller als gewöhnlich.
- Manche Babys sind weinerlich, schläfrig und fühlen sich deutlich unwohl.
- Darüber hinaus können auch Schwindel und Schwäche Anzeichen von Fieber sein.
- Schwitzen, Frösteln, Schütteln und Zittern sind ebenfalls Symptome, die manchmal beobachtet werden.
- Ihr Baby hat möglicherweise wenig Appetit oder verweigert sogar ganz die Nahrung.
Natürlich müssen nicht alle Symptome auftreten und auch nicht immer gleichzeitig. Es gibt auch Kinder, die sich in der Fieberphase komplett unauffällig verhalten, in guter Verfassung sind und ein normales Ess- und Trinkverhalten zeigen. In diesen Fällen müssen Sie sich keine Sorgen machen, denn Ihr Baby kommt mit dem Fieber gut zurecht.

Wie misst man Fieber beim Baby und Kleinkind richtig?
Für die zuverlässigste Messung der Körpertemperatur bei Säuglingen und Kleinkindern empfehlen Ärzteverbände die rektale Messung im Po. Die Körpertemperatur von Babys und Kleinkindern wird am zuverlässigsten rektal gemessen. Auch wenn es manchen Kindern unangenehm ist, liefert diese Methode die genauesten Ergebnisse. Alternativ eignen sich auch Ohrthermometer zum schnellen Fiebermessen bei kranken Kindern, jedoch liefern sie nicht immer ganz genaue Ergebnisse. Kontaktlose Stirnthermometer sind praktisch, aber leider nicht so genau.
Rektale Messung
Um die rektale Messung kleinen Kindern so angenehm wie möglich zu machen, verwendet man am besten ein Thermometer mit biegsamer Spitze und gibt etwas Vaseline oder Kokosöl darauf. Legen Sie Ihr Kind in eine entspannte Lage - auf den Rücken oder auf die Seite oder auch bäuchlings auf den Schoß. Geben Sie ein wenig Creme auf die Spitze des Thermometers und führen es dann ganz vorsichtig, bis Sie einen Widerstand spüren, etwa ein- bis maximal zwei Zentimeter in den Po (After) ein. Nach etwa ein bis anderthalb Minuten, bzw. wenn das Signal ertönt, können Sie das Thermometer wieder langsam herausziehen und die Temperatur ablesen. Sprechen Sie beruhigend mit Ihrem Kind und erklären Sie ihm, was Sie tun und weshalb Sie es tun.
Messung im Ohr
Mit einem speziellen Ohrthermometer - einem Infrarot-Trommelfellthermometer - kann die Temperatur im Gehörgang gemessen werden. Die Messung gilt bei Kindern ab einem Jahr in den meisten Fällen als ausreichend genau und geht sehr schnell. Man sollte jedoch geübt sein und die Anweisungen auf der Packungsbeilage genau befolgen. Das Ohr muss in der Regel etwas nach oben gezogen werden, damit das Thermometer besser in den Gehörgang vorgeschoben werden kann, in Richtung des Trommelfells. Es kann zu Fehlmessungen kommen, zum Beispiel durch Ohrenschmalz oder Zugluft, sodass die Messungen etwas ungenauer sein können als rektale Messungen.
Messung an der Stirn
Eine Messung mit einem Infrarot-Stirn- und Schläfenthermometer ist ungenauer als die Messung rektal und im Ohr, kann jedoch erwogen werden. Diese Geräte messen die Wärmewellen, die von der oberflächlichen Schläfenarterie abgegeben werden. Dadurch sind diese Thermometer jedoch auch störanfällig. Schmutz und Schweiß auf der Haut oder körperliche Aktivität können die Messung erschweren und die Werte verfälschen. Daher ist es ratsam, bei Verdacht auf Fieber mit einem Stirnthermometer noch einmal eine andere Methode anzuwenden.
Messung im Mund und unter der Achsel
Das Fiebermessen im Mund empfiehlt sich erst ab dem Jugendalter, wenn Kinder den Mund zuverlässig schließen und durch die Nase atmen können. Die orale Messung gilt als fehleranfällig. Die Messung in der Achselhöhle ist die Methode mit der geringsten Genauigkeit und wird von Ärzten und Ärztinnen nicht empfohlen, da sie bei kleinen Kindern zu ungenauen Ergebnissen führt.
Fieber bei Babys - was müsst Ihr als Eltern wissen?
Was tun bei Fieber?
Selbst mit dem Wissen, dass Fieber bei Säuglingen häufiger auftritt als bei Erwachsenen, ist es natürlich nicht leicht zu ertragen, wenn Ihr Baby unter erhöhter Temperatur oder Fieber leidet. Ein paar Maßnahmen können Ihrem kleinen Liebling aber helfen:
- Besondere Aufmerksamkeit: Schenken Sie Ihrem Baby besondere Aufmerksamkeit, denn es braucht Ihre Nähe, um sich zu beruhigen.
- Ausreichend trinken: Achten Sie darauf, dass Ihr Baby ausreichend trinkt. Kinder verlieren bei erhöhter Temperatur und Fieber viel Flüssigkeit. Gestillte Säuglinge sollten häufiger angelegt werden. Nicht gestillten Kindern etwa alle halbe Stunde etwas zu trinken anbieten, am besten warmen milden Tee oder Wasser.
- Ruhe und Wärme: Achten Sie auf die Bettruhe Ihres Kindes. Hände und Füße sollten angenehm warm sein.
- Wäsche wechseln: Wechseln Sie Bettwäsche, wenn Ihr Kind geschwitzt hat, und Handtücher häufig.
- Regelmäßige Temperaturkontrolle: Überwachen Sie den Fieberverlauf Ihres Kindes, indem Sie in regelmäßigen Abständen seine Temperatur messen. Am besten notieren Sie den Fieberverlauf, da einige Erkrankungen mit ganz typischen Fieberverläufen einhergehen.
- Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache: Geben Sie niemals fiebersenkende Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt.
Wenn das Kind sich schlapp und unwohl fühlt, sollten Eltern Fieber messen. Am besten legen Sie Ihr fieberiges Kind ins Bett und kontrollieren die Temperatur regelmäßig. Achten Sie dabei darauf, möglichst immer mit der gleichen Methode Fieber zu messen, um widersprüchliche Werte zu vermeiden.
Wann sollte man Fieber senken?
Weil Fieber eine gesunde Reaktion des Körpers ist, sollten Eltern das Fieber nicht sofort senken. Nur in Ausnahmefällen - wenn Ihr Kind zum Beispiel sehr unter dem Fieber leidet und zunehmend erschöpft wirkt - und möglichst erst ab einer Körpertemperatur von mehr als 39 °Celsius (im Po gemessen) sollten Sie mit fiebersenkenden Maßnahmen beginnen. Für Kinder geeignete Mittel, um das Fieber zu senken, gibt es in Form von Zäpfchen, Säften, Tropfen oder Tabletten, die Sie jedoch nur gemäß ärztlicher Anweisung verabreichen sollten. Die Fiebersenkung lindert zwar die Beschwerden, nicht aber die eigentliche Ursache des Fiebers.
Wann zum Arzt?
Nicht bei jeder erhöhten Temperatur ist es grundsätzlich notwendig, die kinderärztliche Praxis aufzusuchen. Dies hängt nicht zuletzt davon ab, welche Erfahrungen Sie im Umgang mit Fieber haben und wie sicher Sie sich fühlen. In folgenden Fällen sollten Sie jedoch nicht zögern und mit Ihrem fiebernden Kind Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin aufsuchen:
- Wenn Ihr Kind noch ein sehr junges Baby (0-3 Monate) ist und die Temperatur 38 °Celsius und mehr beträgt.
- Wirkt es insgesamt sehr schlapp, will nicht trinken oder treten Hautverfärbungen auf - auch schon bei einer Temperatur unter 38 °Celsius.
- Wenn Ihr Kind berührungsempfindlich ist, schrill schreit oder Ihnen insgesamt sehr verändert und schwer krank vorkommt.
- Wenn das Fieber bei älteren Babys und Kleinkindern bis zum Alter von zwei Jahren länger als einen Tag, bei älteren Kindern länger als drei Tage anhält.
- Wenn das Fieber trotz fiebersenkender Maßnahmen nicht zurückgeht.
- Wenn weitere Krankheitszeichen auftauchen, zum Beispiel Teilnahmslosigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Berührungsempfindlichkeit, Hautausschläge, erschwertes Atmen oder „Nackensteife“.
- Wenn Ihr Kind trotz fiebersenkender Maßnahmen und Rückgang der Temperatur teilnahmslos ist und nicht normal reagiert.
- Wenn das Fieber zwar zurückgeht, Ihr Kind aber immer noch deutlich beeinträchtigt ist.
- Wenn Ihr Kind bei Fieber überhaupt nicht trinken will.
- Wenn Ihr Kind über 12 Stunden hinweg keinen Urin ausscheidet.
- Wenn Ihr Kind einen Fieberkrampf hatte.
- Wann immer Sie beunruhigt sind und sich Sorgen machen.
Ihre Beobachtungen können dem Kinderarzt bzw. der Kinderärztin hilfreiche Hinweise für die Diagnose geben: Wie lange hat Ihr Kind schon Fieber? Wie hoch ist bzw. war das Fieber? Fühlt sich Ihr Kind durch das Fieber sehr beeinträchtigt?
Fieberkrämpfe
Fieberkrämpfe sind eine besondere Reaktion des Nervensystems, die vor allem dann auftreten kann, wenn das Fieber schnell ansteigt oder fällt. Das Kind verdreht die Augen, die Gliedmaßen werden erst steif und beginnen dann möglicherweise zu zucken - ganz umgekehrt kann das Kind auch völlig erschlaffen -, der Bereich um die Lippen ist blau gefärbt, und das Kind verliert für kurze Zeit das Bewusstsein. Ein solcher Krampfanfall kann einige Minuten dauern. Danach erholt sich das Kind rasch, ist aber meist müde und kann sich an den Krampf nicht erinnern.
Solche Fieberkrämpfe bzw. Fieberanfälle sind eher selten und betreffen etwa drei bis fünf Prozent der Kinder, meist im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. In den allermeisten Fällen geht ein Fieberanfall nach drei bis vier Minuten wieder von selbst vorüber und bleibt normalerweise ohne gesundheitliche Folgen für das Kind. Kinder mit Fieberkrämpfen sind in der Regel normal entwickelt und gesund und leiden auch nicht unter einer Erkrankung des Gehirns.
Auf Eltern wirkt es verständlicherweise sehr schlimm und bedrohlich, wenn ihr Kind einen Fieberkrampf erleidet. Dennoch sollten Sie versuchen, Ruhe zu bewahren. Bleiben Sie bei Ihrem Kind und versuchen Sie es zu beruhigen. Lagern Sie Ihr Kind möglichst seitlich und stabil - so dass das Gesicht gut zu sehen ist und Mund und Nase frei sind. Lockern Sie eventuell seine Kleidung, damit es gut Luft bekommt. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind während des Krampfes nicht verletzt und polstern Sie harte Gegenstände in der Nähe ab. Falls es erbricht, achten Sie darauf, dass das Erbrochene nicht in die Lunge gelangt. Schütteln Sie Ihr Kind auf keinen Fall. Geben Sie Ihrem Kind auf keinen Fall etwas zu trinken oder zu essen. Versuchen Sie zu kontrollieren, wie lange der Anfall dauert. Gleichzeitig sollte möglichst rasch ein Arzt oder eine Ärztin über den Notruf verständigt werden. Nach einem Fieberkrampf sollte die Körpertemperatur gemessen und, wenn erhöht, durch fiebersenkende Maßnahmen verringert werden. Wenn Ihr Kind einen Fieberkrampf hatte, sollte es danach unverzüglich kinderärztlich untersucht werden.
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