Geburt: Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist und was bei einem Blasensprung zu tun ist

Der Zeitpunkt für die Fahrt ins Krankenhaus während der Geburt ist eine sehr individuelle Entscheidung. Während sich manche Gebärende zu Hause am wohlsten fühlen, können andere erst in der kontrollierten Umgebung der Klinik loslassen. Im Krankenhaus werden die Gebärende und ihre Begleitperson von der Hebamme empfangen, und es wird ein erster Befund erhoben.

Die Rolle der Hebamme und die Untersuchung im Krankenhaus

Mithilfe einer vaginalen Tastuntersuchung stellt die Hebamme fest, ob und wie weit die Wehen den Muttermund bereits geöffnet haben, ob ein Blasensprung stattgefunden hat und wie es dem Baby geht. Dies geschieht meist mithilfe eines CTG-Gerätes (Kardiotokographie). Dieses Gerät misst sowohl den Wehendruck als auch die Herztöne des Babys über zwei Ableitungssensoren, die an der Bauchdecke angebracht werden. Die Messung ist schmerzfrei, erfordert aber Geduld und dauert in der Regel mindestens 30 Minuten, um aussagekräftig zu sein. Einige Wahlhebammen führen diese Untersuchung auch zu Hause durch.

Schema eines CTG-Gerätes mit Sensoren zur Messung von Wehendruck und kindlichen Herztönen

Je nach Befund wird dann entschieden, ob der Zeitpunkt für die Fahrt ins Krankenhaus gekommen ist. In dieser Phase ist es ratsam, verschiedene Körperpositionen, Entspannungsmethoden, Massagetechniken und Atemmuster anzuwenden. Wenn die Pausen zwischen den Wehen noch lang sind, kann es sinnvoll sein, sich auszuruhen und Kräfte zu schonen, da die Geburt ein Prozess ist, der meist viele Stunden dauert.

Der Blasensprung: Ein sicheres Zeichen für den Geburtsbeginn?

Ein spontaner Blasensprung geschieht in der Regel nach Eintritt der Geburtswehen und ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass die Geburt begonnen hat. Dabei reißen die Eihäute, die das Baby umgeben, und das Fruchtwasser fließt ab. Etwa 20 % aller Geburten beginnen mit einem vorzeitigen Blasensprung, der ohne Wehen erfolgt. Meist setzen in den darauffolgenden 24 Stunden die Wehen ein. Bei einem vorzeitigen Blasensprung vor dem Geburtstermin muss wegen der aufsteigenden Infektionsgefahr immer die Klinik aufgesucht werden, und es kann strenge Bettruhe angeordnet werden. Solange der kindliche Kopf keinen festen Bezug zum kleinen Becken hat, besteht die seltene, aber zu bedenkende Gefahr eines Nabelschnurvorfalls.

Wenn die Fruchtblase zu Hause platzt, gilt es, die Klinik aufzusuchen. Ein Blasensprung wird als frühzeitig eingestuft, wenn er zu Beginn oder während der Eröffnungsphase auftritt. Die Eröffnungsperiode beginnt mit den ersten regelmäßigen Wehen und endet mit der vollständigen Öffnung des Muttermundes. Bei einem rechtzeitigen Blasensprung platzt die Fruchtblase am Ende dieser Eröffnungsperiode, einige Zeit nach der vollständigen Muttermunderöffnung. In diesem Fall wird die Fruchtblase oft von der Hebamme geöffnet, um der Gebärenden Erleichterung zu verschaffen. Es gibt auch Fälle, in denen das Fruchtwasser tröpfchenweise abgeht (hoher Blasensprung), da die Vorblase erhalten bleibt.

Illustration, die verschiedene Arten von Blasensprüngen zeigt: spontan, vorzeitig, hoher Blasensprung

Anzeichen und Erkennung eines Blasensprungs

Ein Blasensprung wird oft als "Platzen der Fruchtblase" bezeichnet. Wenn die Fruchtblase platzt, tritt die Flüssigkeit, das Fruchtwasser, das den Fötus umgibt, aus der Scheide aus. Diese Flüssigkeit kann tropfen oder in einem starken Strahl austreten. Im Gegensatz zu Urin ist Fruchtwasser geruchs- und farblos. Sobald die Blase geplatzt ist, sollte die Frau ihren Arzt oder Geburtshelfer kontaktieren. Die Fruchtblase platzt normalerweise während der Geburtswehen, kann aber auch vorher reißen (vorzeitiger Blasensprung). Ein vorzeitiger Blasensprung kann kurz vor dem Geburtstermin (ab der 37. Schwangerschaftswoche) oder früher (vor der 37. Schwangerschaftswoche, früher vorzeitiger Blasensprung) erfolgen. Bei einem frühen vorzeitigen Blasensprung ist das Risiko für Frühgeburten erhöht.

Die Diagnose eines vorzeitigen Blasensprungs erfolgt durch eine Untersuchung der Scheide und des Gebärmutterhalses mithilfe eines Spekulums. Wenn Fruchtwasser austritt, wird davon ausgegangen, dass die Fruchtblase geplatzt ist. Zusätzliche Tests können durchgeführt werden, um die Flüssigkeit zu untersuchen.

Umgang mit einem vorzeitigen Blasensprung

Wenn ein vorzeitiger Blasensprung diagnostiziert wird und der Fötus außerhalb der Gebärmutter überleben kann, wird die Frau in der Regel ins Krankenhaus eingewiesen, um den Zustand des Fötus zu überwachen. Die Behandlung hängt vom Stadium der Schwangerschaft ab:

  • Ab 34 Schwangerschaftswochen: In der Regel wird eine künstliche Einleitung der Wehen vorgenommen, da der Fötus als reif genug erachtet wird.
  • Weniger als 34 Schwangerschaftswochen: Es erfolgt Bettruhe, eine enge Überwachung (meist im Krankenhaus), Antibiotika und manchmal Kortikosteroide zur Lungenreifung des Fötus.
  • Weniger als 32 Schwangerschaftswochen: Unter Umständen wird Magnesiumsulfat verabreicht, um das Risiko einer Gehirnblutung und damit verbundener Komplikationen bei der Gehirnentwicklung des Neugeborenen zu reduzieren.

Der Arzt muss das Risiko einer Infektion in der Gebärmutter und beim Fötus gegen die möglichen Probleme einer Frühgeburt abwägen. Bei einem ernstzunehmenden fötalen Distress oder einer Infektion der Gebärmutter werden die Wehen und die Entbindung des Kindes eingeleitet, unabhängig von der Schwangerschaftsdauer. Antibiotika werden verabreicht, um Infektionen zu behandeln oder ihnen vorzubeugen, was das Risiko einer Infektion des Neugeborenen reduziert und das Einsetzen der Wehen hinauszögern kann.

Infografik, die die wichtigsten Schritte nach einem Blasensprung darstellt: Ruhe bewahren, Klinik aufsuchen, Überwachung

Weitere Anzeichen der nahenden Geburt

Neben dem Blasensprung gibt es weitere Anzeichen, die auf die bevorstehende Geburt hindeuten:

  • Schleimpfropf: Der Abgang des möglicherweise leicht blutigen Schleimpfropfs ist ein Zeichen des sich langsam öffnenden Muttermundes. Bis zur Geburt können jedoch noch Stunden oder Tage vergehen.
  • Wehen: Regelmäßige Kontraktionen der Gebärmutter, die zunächst kurz und unregelmäßig sind und dann intensiver werden und kürzere Abstände aufweisen. Sie können als Ziehen im Unterleib oder Rücken empfunden werden.
  • Senkwehen: Etwa ab der 36. Schwangerschaftswoche rutscht das Baby tiefer ins Becken, was als Senkwehen wahrgenommen werden kann. Dies erleichtert das Atmen, erhöht aber den Druck auf die Blase.
  • Veränderungen am Körper: Der Gebärmutterhals wird weicher und verkürzt sich allmählich. Das Becken wird flexibler.
  • Verändertes Verhalten des Babys: Das Baby dreht sich häufiger und stößt mit den Füßen, was zu stärkeren Tritten führen kann. Es liegt idealerweise mit dem Kopf nach unten. Weniger Platz für ausladende Bewegungen kann die Kindsbewegungen dämpfen.
  • Nestbautrieb: Ein starker Wunsch, die Umgebung für das Baby vorzubereiten.
  • Rückenschmerzen, Durchfall, Übelkeit: Diese unspezifischen Anzeichen können auf die baldige Geburt hindeuten.
  • Gelassenheit: Eine innere Ruhe und Zuversicht kann ein Zeichen für die nahende Geburt sein.

Es ist wichtig, zwischen Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen) und echten Geburtswehen zu unterscheiden. Übungswehen sind unregelmäßig, nehmen nicht an Intensität zu und hören oft auf, wenn man sich hinlegt. Echte Wehen erfordern Konzentration, sind regelmäßig, werden intensiver und dauern länger an.

Die Phasen der Geburt

Die Geburt eines Kindes verläuft in der Regel in drei Phasen:

  1. Eröffnungsperiode: Beginn der regelmäßigen Wehen bis zur vollständigen Öffnung des Muttermundes (ca. 10 cm). Bei Erstgebärenden dauert diese Phase etwa 16-18 Stunden, bei Mehrgebärenden 6-8 Stunden. Die Herztöne des Kindes werden regelmäßig mittels CTG überwacht.
  2. Austreibungsperiode: Von der vollständigen Öffnung des Muttermundes bis zur Geburt des Kindes. In dieser Phase können die Gebärenden durch Presswehen aktiv mithelfen.
  3. Nachgeburtsperiode: Die Geburt von Plazenta und Eihäuten. Eine Untersuchung der Nachgeburt ist wichtig, um Entzündungen vorzubeugen.

Bei einem Blasensprung, der zu spät mit Wehen einsetzt (innerhalb von 6-12 Stunden), steigt das Risiko einer Infektion. Wenn die Schwangerschaft bereits 34 Wochen andauert und die Lunge des Fötus ausgebildet ist, wird die Entbindung eingeleitet. Bei Schwangerschaften unter 34 Wochen wird die Frau engmaschig überwacht, erhält Medikamente zur Lungenreifung und Antibiotika.

Befruchtung der Eizelle im Video

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