Die Fruchtbarkeit einer Frau hängt von einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Organe ab. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Eileiter, die für die Aufnahme der Eizelle nach dem Eisprung, die Befruchtung und den Transport der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter zuständig sind. Ein Verschluss der Eileiter, auch Tubenverschluss genannt, stellt eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch dar.
Die Funktion der Eileiter im Fortpflanzungsprozess
Die Eileiter, auch Tuba uterina oder Ovidukt genannt, sind paarig angelegte, schlauchartige Organe, die sich zwischen den Eierstöcken und der Gebärmutter befinden. Sie sind etwa 10-12 cm lang und besitzen einen Durchmesser von ungefähr 1,5-2 cm. Ihre Hauptfunktionen sind:
- Aufnahme der Eizelle: Nach dem Eisprung wird die reife Eizelle vom Eierstock von den fimbrienartigen Ausstülpungen am Ende des Eileiters, dem sogenannten Tubentrichter, aufgenommen.
- Befruchtung: Die Befruchtung der Eizelle durch eine Samenzelle findet in der Regel im äusseren Drittel des Eileiters statt.
- Transport in die Gebärmutter: Die befruchtete Eizelle, nun Zygote genannt, wird durch die muskuläre Kontraktion der Eileiterwand und die Bewegung von Flimmerhärchen in der Schleimhaut in Richtung Gebärmutter transportiert. Diese Reise dauert etwa drei bis fünf Tage.

Die Gesundheit und Durchgängigkeit der Eileiter sind somit essenziell für eine natürliche Empfängnis. Erkrankungen der Eileiter sind für etwa 25-35% der weiblichen Unfruchtbarkeit verantwortlich.
Ursachen für einen Tubenverschluss
Ein Verschluss der Eileiter kann verschiedene Ursachen haben, die oft zu Entzündungen, Narbenbildung und Verklebungen führen:
1. Infektionen, insbesondere sexuell übertragbare Krankheiten (STIs)
Infektionen, vor allem durch Bakterien wie Chlamydien oder Gonorrhoe, sind eine der Hauptursachen für Tubenverschlüsse. Unbehandelte Geschlechtskrankheiten können zu einer Salpingitis (Eileiterentzündung) führen, die Narbenbildung und Verklebungen in den Eileitern verursacht. Chlamydien verlaufen oft symptomlos, was die Gefahr einer unbemerkten Infektion erhöht.
2. Endometriose
Bei der Endometriose wächst gebärmutterähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle, oft im Beckenbereich. Dieses Gewebe kann Entzündungen und Verwachsungen verursachen, die die Eileiter blockieren können. Endometrioseherde können sich direkt an den Eileitern ansiedeln oder durch die Entzündungsreaktion um die Eileiter zur Verklebung führen.
3. Beckenentzündung (Pelvic Inflammatory Disease, PID)
Eine Beckenentzündung ist eine Infektion der weiblichen Fortpflanzungsorgane, die häufig durch STIs verursacht wird. PID kann zu schweren Schäden an den Eileitern führen, einschliesslich Narbenbildung und Verklebungen.
4. Frühere Operationen im Bauchraum
Operationen an den Eileitern, der Gebärmutter oder anderen Organen im Beckenbereich können Narbenbildung und Verwachsungen verursachen. Auch Operationen wie ein Kaiserschnitt oder eine Blinddarmentfernung können in seltenen Fällen zu Verklebungen führen, die die Eileiter betreffen.
5. Eileiterschwangerschaften
Wenn eine befruchtete Eizelle im Eileiter stecken bleibt und dort zu wachsen beginnt, spricht man von einer Eileiterschwangerschaft. Das Risiko einer erneuten Eileiterschwangerschaft ist nach einer solchen Episode erhöht. Frühere Eileiterschwangerschaften, Entzündungen im Beckenbereich, Verstopfungen der Eileiter oder Fehlbildungen der Eileiter können Risikofaktoren sein.
6. Angeborene Fehlbildungen
In seltenen Fällen können Frauen mit angeborenen Fehlbildungen der Eileiter geboren werden, die deren Funktion beeinträchtigen.

Was passiert mit reifen Eizellen bei einem Tubenverschluss?
Wenn die Eileiter verschlossen oder verklebt sind, wird der natürliche Weg für die Eizelle unterbrochen:
- Keine Aufnahme der Eizelle: Die fingerartigen Fimbrien am Ende des Eileiters können die aus dem Eierstock freigesetzte Eizelle nicht mehr aufnehmen.
- Verhinderung der Befruchtung: Selbst wenn die Eizelle irgendwie in die Nähe des Eileiters gelangt, können die Spermien die Eizelle nicht erreichen, da der Weg blockiert ist.
- Absterben der Eizelle: Ohne Befruchtung und Transport stirbt die Eizelle ab und wird vom Körper abgebaut.
- Risiko einer Eileiterschwangerschaft: In manchen Fällen kann die blockierte Eizelle im Eileiter verbleiben und sich dort einnisten, was zu einer gefährlichen Eileiterschwangerschaft führt.
Es ist wichtig zu verstehen, dass reife Eizellen, die nach dem Eisprung freigesetzt werden, nur ein begrenztes Zeitfenster für die Befruchtung haben. Wenn dieser Prozess aufgrund eines Tubenverschlusses nicht stattfinden kann, ist eine natürliche Schwangerschaft nicht möglich.
Diagnostische Methoden zur Überprüfung der Eileiterdurchgängigkeit
Um die Ursache eines unerfüllten Kinderwunsches abzuklären, ist die Überprüfung der Eileiterdurchgängigkeit ein wichtiger Schritt. Folgende Methoden kommen zum Einsatz:
1. Ultraschalluntersuchung
Eine transabdominale Ultraschalluntersuchung kann erste Hinweise auf strukturelle Veränderungen oder Verklebungen liefern.
2. Hysterosalpingographie (HSG)
Dieses Röntgenverfahren mit Kontrastmittel stellt die Gebärmutter und die Eileiter dar und kann Blockaden aufzeigen.

3. HyCoSy (Hysterosonographie mit Kontrastmittel)
Eine schonendere Alternative zur HSG, die Ultraschall statt Röntgenstrahlen verwendet, um die Durchgängigkeit der Eileiter zu überprüfen.
4. Laparoskopie (Bauchspiegelung)
Die Laparoskopie ist die genaueste Methode zur Beurteilung der Eileiter. Durch einen kleinen Schnitt wird eine Kamera in den Bauchraum eingeführt, die eine direkte Sicht auf die Eileiter und mögliche Verwachsungen oder Blockaden ermöglicht.
Behandlungsmöglichkeiten bei Tubenverschluss
Die Behandlungsmöglichkeiten hängen vom Ausmass und der Ursache des Eileiterverschlusses ab:
1. Operative Behandlung
In einigen Fällen können Verwachsungen um die Eileiter laparoskopisch entfernt oder blockierte Eileiterenden wieder eröffnet werden. Verschlüsse am Anfangsteil der Eileiter sind heute jedoch schwerer chirurgisch zu behandeln, mit der Ausnahme der Wiederherstellung der Durchgängigkeit nach Sterilisation (Refertilisierung).
2. In-vitro-Fertilisation (IVF)
Bei einem vollständigen oder irreparablen Schaden der Eileiter ist die In-vitro-Fertilisation (IVF) oft die bevorzugte Behandlungsoption. Bei diesem Verfahren werden Eizellen im Labor befruchtet und der entstandene Embryo wird direkt in die Gebärmutter transferiert. Dadurch wird die Funktion der Eileiter umgangen.
How Does In Vitro Fertilization (IVF) Work? A Step-by-Step Explanation
Die Wahl der geeigneten Therapieform erfordert eine exakte Diagnose der Störung der Eileiterpassage und eine individuelle Beratung mit einem Reproduktionsmediziner.