Trisomie 18, auch bekannt als Edwards-Syndrom, ist eine seltene Chromosomenstörung, die zu schweren Entwicklungsstörungen führt. Sie wird durch ein zusätzliches Exemplar des Chromosoms 18 verursacht, was bedeutet, dass betroffene Zellen drei Kopien dieses Chromosoms anstelle der üblichen zwei enthalten.
Die Inzidenz von Trisomie 18 wird auf etwa 1:6.000 bis 1:8.000 Geburten geschätzt. Bei den Lebendgeborenen sind deutlich mehr Mädchen als Jungen betroffen, ein Phänomen, dessen Ursache noch unbekannt ist. Leider versterben die meisten betroffenen Föten im Mutterleib (bis zu 95%), und von den lebend geborenen Kindern überlebt weniger als 10% das erste Lebensjahr. Die Überlebensraten liegen bei etwa 13,5% im Alter von einem Jahr und 12,3% im Alter von fünf Jahren. Längeres Überleben, in einigen Fällen bis ins Erwachsenenalter, wurde vor allem bei Mosaik- oder partieller Trisomie beobachtet.

Formen der Trisomie 18
Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Trisomie 18, die sich in ihrer Ursache und Ausprägung unterscheiden:
Freie Trisomie 18
Dies ist die häufigste Form und macht über 90% der Fälle aus. Bei der freien Trisomie 18 liegt in allen Zellen des Kindes ein dreifaches Set des Chromosoms 18 vor. Diese Störung entsteht meist zufällig vor der Befruchtung, in über 90% der Fälle aus der mütterlichen Eizelle.
Mosaiktrisomie 18
Diese seltenere Form (etwa 5% der Fälle) tritt auf, wenn die fehlerhafte Chromosomenzahl erst nach der Befruchtung während der Zellteilung entsteht. Dadurch existieren im Körper sowohl normale als auch trisomische Zellen. Der phänotypische Ausprägung und die Lebenserwartung hängen vom Anteil der trisomischen Zellen ab und können von einem normalen Phänotyp bis zum klassischen T18-Syndrom variieren.
Partielle Trisomie 18
Bei dieser Form ist nur ein Teil des Chromosoms 18 in dreifacher Ausfertigung vorhanden. Die Symptome hängen davon ab, welche Bereiche des Chromosoms betroffen sind.
Translokationstrisomie 18
Dies ist die seltenste Form (ca. 1% der Fälle) und wird durch eine Translokation verursacht, bei der Teile des Chromosoms 18 an ein anderes Chromosom angelagert sind. Dies kann von einem Elternteil vererbt werden, der selbst gesund ist.
Ursachen von Trisomie 18
Die Hauptursache für Trisomie 18 ist eine zufällige Fehler bei der Zellteilung während der Bildung von Ei- oder Samenzellen (Meiose) oder nach der Befruchtung während der Embryonalentwicklung. Obwohl die genauen Gründe für diese Fehler nicht vollständig geklärt sind, gibt es Hinweise darauf, dass das mütterliche Alter ein Risikofaktor sein kann. So steigt das Risiko für Trisomie 18 mit zunehmendem Alter der Mutter.
Was sind Chromosomen?
Chromosomen sind Strukturen im Zellkern, die die DNA (Desoxyribonukleinsäure) enthalten, welche die genetische Information trägt. Normalerweise haben Menschen 23 Chromosomenpaare (insgesamt 46 Chromosomen), wobei ein Satz von der Mutter und der andere vom Vater stammt. Bei Trisomie 18 liegt ein zusätzliches Chromosom 18 vor, was zu einer veränderten Genexpression und dadurch zu Entwicklungsstörungen und Fehlbildungen führt.
Symptome von Trisomie 18
Das klinische Erscheinungsbild von Trisomie 18 ist äußerst variabel und reicht von intrauteriner Wachstumsrestriktion (IUGR) mit geringfügigen dysmorphen Zeichen bis hin zu extrem beeinträchtigten Patienten. Die Symptome treten häufig bereits während der Schwangerschaft auf und sind nach der Geburt oft sehr ausgeprägt:
Äußerliche Merkmale und körperliche Anomalien
- Kopf und Gesicht: Mikrozephalie (kleiner Kopf), Dolichozephalie (länglicher Schädel) mit vorstehendem Hinterhaupt, Mikrognathie (kleiner Unterkiefer), tief angesetzte, fehlgeformte Ohren mit spitzen Ohrmuscheln, kleine Augenlidspalten, die einen "verkniffenen" Blick erzeugen, und gelegentlich Lippen-Gaumenspalten.
- Hände und Füße: Geballte Fäuste mit überlappenden Fingern (typischerweise liegt der zweite Finger über dem dritten und der fünfte über dem vierten), unterentwickelte Fingernägel, Pes equinovarus (Klumpfuß) und/oder Schaukelfuß.
- Rumpf: Niedriges Geburtsgewicht, kurzes Brustbein mit abgeschirmtem Brustkorb, schmales Becken.
- Weitere Auffälligkeiten: Radialisaplasie (Fehlbildung der Speiche), Arthrogryposis (Gelenkkontrakturen), Hautfalten im Nackenbereich.

Anomalien der inneren Organe
Trisomie 18 ist typischerweise mit erheblichen Fehlbildungen der inneren Organe verbunden, die oft die Ursache für die geringe Lebenserwartung sind:
- Herz: Schwere angeborene Herzfehler sind bei etwa 90% der Lebendgeborenen vorhanden. Dazu gehören Ventrikelseptumdefekte (Loch in der Herzkammerwand), Vorhofseptumdefekte (Loch in der Vorhofwand) und ein offener Ductus arteriosus (persistierender fetaler Kreislauf).
- Harnwege: Anomalien wie Hufeisenniere, Hydronephrose (Erweiterung des Nierenbeckens) und Agenesie (Nichtanlage) treten bei etwa 60% der Patienten auf.
- Gastrointestinaltrakt: Fehlbildungen wie Ösophagusatresie (Nichtanlage der Speiseröhre) und anorektale Fehlbildungen (Fehlbildungen des Enddarms) sind ebenfalls häufig.
- Gehirn: Charakteristische Hirnanomalien umfassen Kleinhirnhypoplasie (Unterentwicklung des Kleinhirns) und Agenesie des Corpus callosum (Nichtanlage des Balkens), gelegentlich auch Holoprosencephalie (fehlende Teilung des Vorderhirns).
- Weitere Organe: Anomalien von Leber und Lunge können ebenfalls vorkommen.
Mia feiert trotz Trisomie 18 ihren 3. Geburtstag - ein kleines Wunder
Diagnose von Trisomie 18
Der Verdacht auf Trisomie 18 kann bereits während der Schwangerschaft durch verschiedene Screening-Methoden und diagnostische Tests geäußert werden. Nach der Geburt wird die Diagnose durch klinische Untersuchung und genetische Tests bestätigt.
Pränatale Diagnostik
- Ultraschalluntersuchungen: Routine-Ultraschalluntersuchungen können auf Anomalien wie Wachstumsverzögerungen, eine breite Nackenfalte, Fehlbildungen von Herz oder Gehirn (z.B. kleines Kleinhirn) oder eine einzelne Nabelschnurarterie hinweisen.
- Nicht-invasive pränatale Tests (NIPT): Die Analyse fetaler DNA im mütterlichen Blut (ab der 10. Schwangerschaftswoche) hat eine hohe Sensitivität (>97%) und kann ein erhöhtes Risiko für Trisomie 18 anzeigen.
- Mütterliches Serum-Screening: Blutuntersuchungen, die bestimmte Marker im mütterlichen Blut analysieren, können ebenfalls Hinweise auf ein erhöhtes Risiko geben.
- Invasive Diagnostik: Bei einem auffälligen Screening-Ergebnis können invasive Verfahren wie die Chorionzottenbiopsie (Entnahme von Plazentagewebe) oder die Amniozentese (Entnahme von Fruchtwasser) durchgeführt werden, um die Diagnose durch eine Karyotypisierung (Analyse der Chromosomen) zu sichern.
Diagnose nach der Geburt
Nach der Geburt kann das charakteristische Erscheinungsbild des Säuglings den Verdacht auf Trisomie 18 lenken. Die definitive Diagnose wird durch eine konventionelle Karyotypisierung gestellt, die aus einer Blutprobe des Säuglings durchgeführt wird.
Behandlung und Prognose
Trisomie 18 ist eine nicht heilbare Erkrankung. Die Behandlung ist daher rein unterstützend und palliativ und zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen zu managen.
Therapeutische Ansätze
- Medizinische Versorgung: Behandlung von Herzfehlern, gastrointestinalen Problemen, Atemnot und Infektionen.
- Ernährung: Unterstützung bei Ernährungsproblemen durch spezielle Sauger oder Sondenernährung.
- Physio- und Ergotherapie: Förderung der motorischen Fähigkeiten und der Selbstständigkeit im Rahmen der Möglichkeiten.
- Psychosoziale Unterstützung: Beratung und Begleitung für die Eltern und Familien sind essenziell, um mit der emotionalen Belastung und den oft schwierigen Entscheidungen umzugehen.

Prognose
Die Prognose für Kinder mit Trisomie 18 ist leider sehr ungünstig. Wie bereits erwähnt, versterben die meisten Föten im Mutterleib oder in den ersten Lebensmonaten. Die häufigsten Todesursachen sind kardiale, renale oder neurologische Komplikationen sowie wiederholte Infektionen. Längeres Überleben ist hauptsächlich bei Mosaik- oder partieller Trisomie zu beobachten.
Die meisten Patienten ohne Mosaik entwickeln nur eine eingeschränkte Autonomie und sind in ihrer Sprach- und Gehfähigkeit stark beeinträchtigt. Es gibt jedoch Berichte über längeres Überleben, teilweise bis ins Erwachsenenalter, insbesondere bei Mosaikformen oder partieller Trisomie infolge einer Translokation. In diesen Fällen gewinnen die pädiatrische Palliativversorgung und die Unterstützung der Familien eine immer größere Bedeutung.