Hormonbehandlung zur Zyklusregulation und Förderung des Eisprungs

Viele Frauen setzen auf die Hormonbehandlung, um sich ihren lang gehegten Kinderwunsch zu erfüllen. Durch eine gezielte Stimulation der Eierstöcke kann der Zyklus normalisiert und ein Eisprung ausgelöst werden, was die Chancen auf eine natürliche Empfängnis erhöht.

Grundlagen der Hormonbehandlung bei unerfülltem Kinderwunsch

Anhand einer genauen Zyklusanamnese und Zyklusbeobachtung wird analysiert, ob Ihr Zyklus in Ordnung ist. Bei Frauen, bei denen aufgrund einer Hormonstörung sehr selten oder gar kein Eisprung stattfindet, kann eine gezielte Stimulation der Eierstöcke Abhilfe schaffen. Bei einem nun regelmäßigen Eisprung tritt meistens in wenigen Monaten auf natürliche Weise eine Schwangerschaft ein.

Die hormonelle Stimulation wird in den meisten Fällen mit Tabletten durchgeführt, die helfen, schwanger zu werden. Der älteste und am häufigsten verwendete Wirkstoff ist Clomifen. Diese Tabletten werden für einige Tage am Zyklusanfang eingenommen und stimulieren das Wachstum der Eibläschen.

Wenn die hormonelle Stimulation in Tablettenform nicht erfolgreich ist, wird im nächsten Schritt eine hormonelle Stimulation mit FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und eventuell LH (Luteinisierendes Hormon) durchgeführt. Diese Hormone sind als Injektionen verfügbar. Dank moderner Pens und Fertigspritzen ist die Handhabung wesentlich einfacher geworden, sodass die Hormone täglich zu Hause selbst ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden können.

Schema der hormonellen Achse im weiblichen Zyklus (Hypothalamus, Hypophyse, Eierstöcke)

Ziele und Ablauf der Hormonbehandlung

Das primäre Ziel der Hormonbehandlung ist es, die Eizellreifung zu unterstützen und den Eisprung auszulösen. Dies kann entweder geschehen, um eine natürliche Empfängnis zu ermöglichen, oder als vorbereitender Schritt für Verfahren der künstlichen Befruchtung wie In-vitro-Fertilisation (IVF), Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) oder IMSI.

Die Behandlung beginnt meist am 3. bis 5. Tag der Menstruationsblutung. Der erste Zyklustag ist der Tag, an dem die Blutung „richtig“ anfängt. Wenn die Regel nach 18 Uhr beginnt, zählt der nächste Tag als erster Zyklustag.

Im Vorzyklus legt der Arzt die Dosis individuell anhand von Ultraschalluntersuchungen und Hormonanalysen fest. Sobald der nächste Zyklus beginnt, erfolgt ein erster Ultraschalltermin, bei dem die Gebärmutterschleimhaut und die Eibläschen beurteilt werden. Anschließend wird besprochen, wann die Stimulation beginnt und der nächste Ultraschalltermin stattfindet (meist 8-10 Tage später).

Nach dem zweiten Ultraschalltermin wird in der Regel alle 2-3 Tage das Wachstum der Eibläschen kontrolliert. Durch ergänzende Analyse weiterer Hormone kann das Eibläschen beurteilt und der Zeitpunkt des Eisprungs vorausgesagt werden. Häufig ist es sinnvoll, mit einem weiteren Medikament den Eisprung zu unterstützen, sodass der Zeitpunkt des Eisprungs genau bekannt ist.

Darstellung des Follikelwachstums im Eierstock mittels Ultraschall

Verschiedene Stimulationsprotokolle

Je nachdem, ob eine Intra-Uterine Insemination (IUI) oder eine Eizellentnahme durch Follikelpunktion geplant ist, werden unterschiedliche Follikel-Stimulationsprotokolle verwendet. Die medikamentöse Stimulation der Eierstöcke erfolgt meist mit Hormonen, die der Körper selbst produziert (Gonadotropine).

Diese Hormone werden zum größten Teil als Injektionen entweder in den Muskel (intramuskulär) oder unter die Haut (subkutan) verabreicht. Moderne Injektionshilfen wie Pens und Fertigspritzen erleichtern die Verabreichung zu Hause.

Bei einem langen Protokoll wird im Vorfeld (ca. in der zweiten Hälfte des vorherigen Zyklus) durch eine Hormongabe, gelegentlich auch mittels einer Anti-Baby-Pille, die körpereigene Produktion von Fruchtbarkeitshormonen vorübergehend reduziert. Dies verhindert die Produktion störender Hormone seitens der übergeordneten Hirnregionen und beugt einem vorzeitigen Eisprung vor. Man nennt dies Down-Regulierung des Zyklus.

Für den "natural cycle IVF" werden nur jene Hormone verwendet, welche zur Steuerung des Eisprungzeitpunktes nötig sind. Bei diesem Protokoll kann allerdings kein Einfluss auf die Zahl der Eizellen genommen werden, sodass in der Regel nur eine Eizelle für die Befruchtung zur Verfügung steht.

Häufigkeit von Eizellen und individuelle Schwankungen

Im Durchschnitt konkurrieren jedes Mal etwa 10 Follikel um die Dominanz. Nur ein Follikel wird zum Leitfollikel mit der reifen Eizelle. Eine Frau kommt durch die hormonelle Stimulation der Follikel nicht vorzeitig in die Wechseljahre.

Die Anzahl der Eizellen kann von Zyklus zu Zyklus variieren. Solche Schwankungen können Paare mit Kinderwunsch verunsichern. Die Anzahl der Eizellen variiert aus ganz unterschiedlichen, teils biologischen Gründen. Die Eierstöcke reagieren von Zyklus zu Zyklus unterschiedlich.

Die zentralen Elemente sind die sogenannten antralen Follikel, kleine Eibläschen, die Eizellen beherbergen und auf ihre Reifung warten. Dazu kommen minimale Unterschiede in der Behandlung, wie die Dauer der Stimulation oder der Zeitpunkt des Auslösers.

Es konnte wissenschaftlich belegt werden, dass bei der Hälfte der Patientinnen unter 40 Jahren die Eizellzahl um mindestens ein Drittel zwischen zwei Behandlungen variierte. Wichtiger als die Anzahl einzelner Eizellen ist der Blick auf den gesamten Verlauf über mehrere Zyklen. Schwankungen der Eizellzahl sind keine Botschaft des Körpers, dass etwas nicht stimmt, sondern spiegeln die lebendige Dynamik der biologischen Abläufe wider.

Mögliche Ursachen für hormonelle Ungleichgewichte

Eine weitere hormonelle Ursache für unerfüllten Kinderwunsch kann eine Gelbkörperschwäche sein. Dabei produziert der Körper in der zweiten Zyklushälfte zu wenig Progesteron. Dieses Hormon bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung der Eizelle vor. Die Ursache des Progesteronmangels ist häufig durch eine gestörte Eizellreifung in der ersten Zyklushälfte bedingt.

Auch eine gestörte Balance zwischen männlichen (Androgene) und weiblichen (Östrogene) Hormonen (Hyperandrogenämie) kann ein Grund sein. Die Eibläschen reifen bei den betroffenen Frauen nur bis zu einer geringen Größe heran und der Eisprung bleibt aus. Eine erhöhte Konzentration des Hormons Prolaktin kann die Fruchtbarkeit ebenfalls hemmen.

Zu den weiteren Ursachen für einen ausbleibenden Eisprung zählen eine akute oder chronische Entzündung, ein ungesunder Lebensstil mit einseitiger Ernährung, viel Stress oder eine dauerhafte Hormonstörung. Auch altersbedingte Zyklusstörungen oder die ersten Phasen einer verfrühten Menopause können eine hormonelle Behandlung erfordern.

Nicht zu vernachlässigen sind darüber hinaus die Schilddrüsenhormone. Normale Schilddrüsenwerte spielen eine wichtige Rolle für die Chance auf eine Schwangerschaft.

Sicherheit und Nebenwirkungen der Hormonbehandlung

Viele Frauen vertragen die Hormone der Kinderwunschbehandlung gut. Die Dosierungen werden immer individuell angepasst, um Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Übelkeit, Schwindel oder Sehstörungen zu vermeiden. Dennoch sind leichte Begleiterscheinungen dieser Art nie ganz auszuschließen.

Die hormonelle Stimulation wird so gering wie möglich begonnen und bei Bedarf langsam gesteigert. Wenn bislang kein Eisprung stattgefunden hat oder es nur sehr selten dazu kam, ist das Ziel der Behandlung, ein einzelnes Eibläschen heranreifen zu lassen. So ist das Risiko für eine Mehrlingsschwangerschaft minimal, etwa 1 %.

Wenn die ersten Stimulationen nicht erfolgreich waren oder die Frauen über 35 Jahre alt sind, kann es sinnvoll sein, auch zwei Eibläschen heranreifen zu lassen, um die Schwangerschaftschancen zu erhöhen. Dann ist auch das Risiko für Mehrlinge leicht erhöht.

Die gefährlichste Nebenwirkung ist das Auftreten eines ovariellen Überstimulationssyndroms (OHSS). Eine geringe Überstimulation ist das eigentliche Ziel der Behandlung, eine schwere hingegen kann lebensbedrohlich sein. Sie tritt allerdings nur sehr selten auf. Bei diesem Syndrom entstehen zu viele und zu große Eibläschen und die Eierstöcke nehmen an Größe stark zu. Ein aufgeblähter Bauch, Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe und Atemnot sind die Folge. In diesem Fall muss die Patientin umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen.

Die Symptome einer Hormontherapie können den Symptomen der Wechseljahre ähneln: Übelkeit, Schwindel, Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Antriebsschwäche.

Erklärt und verstanden: Stimulation der Eierstöcke bei Kinderwunsch 🤷‍♀️💡

Erfolgsraten und Kostenübernahme

Die Erfolgsraten hängen stark vom Alter der Frau, der Ursache der ausbleibenden Schwangerschaft und der anschließenden Behandlung ab. Wenn die Schwangerschaft nach der Hormonbehandlung auf natürlichem Weg durch Geschlechtsverkehr zustande kommen soll, spielt auch die Befruchtungsfähigkeit der Spermien eine große Rolle.

Je nach Alter und Ursache des Kinderwunsches, wenn sonst alles in Ordnung ist und nur der Eisprung fehlt, liegen die Chancen:

  • bis 34 Jahre: ca. 20 - 30 % / Zyklus
  • 34 - 39 Jahre: ca. [Angabe fehlt im Originaltext]

Für manche Hormonbehandlungen zahlen die gesetzlichen Krankenkassen, zum Beispiel wenn eine Erkrankung vorliegt. Wenn auf eine hormonelle Stimulation eine IVF oder ICSI folgt, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen 50 % der Kosten für bis zu 3 Therapieversuche. Zusätzlich können Paare mit Kinderwunsch eine staatliche Förderung beantragen.

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