Einleitung und thematischer Fokus
Die vorliegende Analyse widmet sich dem Film "Sister My Sister", der in Großbritannien den Status eines lesbischen Klassikers erlangt hat, hierzulande jedoch bislang wenig Beachtung fand. Der Film thematisiert die komplexe und tabuisierte inzestuöse Liebe zwischen zwei Schwestern, Christine und Lea, und beleuchtet die psychologischen und emotionalen Dynamiken ihrer Beziehung.

Die Handlung von "Sister My Sister"
Die Geschichte spielt im ländlichen Frankreich des Jahres 1933, wo ständiger Regen die Atmosphäre des Hauses prägt. Für Madame stellt selbst die Einladung zu einer Beerdigung eine willkommene Abwechslung dar. In diesem Setting zieht die fünf Jahre ältere Christine ihre Schwester Lea zu sich, wodurch die beiden Frauen nicht nur Schwestern, sondern auch Kolleginnen werden.
Die intime Beziehung zwischen Christine und Lea wird von Beginn an durch zarte Berührungen angedeutet. Sie entwickelt sich gemächlich weiter, gekennzeichnet durch ein stetes Wechselspiel zwischen Anziehung und Distanz, bei dem letztendlich die Zuneigung überwiegt. Die beiden Darstellerinnen verstehen es, ihre Umgebung durch Emotionen und erotische Spannung aufzuwärmen.
Konflikte und Eskalation
Besonders Christine zeigt sich unberechenbar. Ihre Eifersucht richtet sich zunächst gegen die Mutter und später gegen die unverheiratete Isabelle. Diese Spannungen führen zu zunehmenden Konflikten zwischen den Schwestern, die immer häufiger streiten. Je emotionaler ihre Beziehung wird, desto mehr vernachlässigen sie ihre Arbeit.
Einleitend wird bereits angedeutet, dass die Situation "blutig" werden könnte, was die Kamera durch das herrschaftliche, aber blutverschmierte Treppenhaus unterstreicht.
Hintergründe und Vergleiche
Die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte zweier Schwestern wurde bereits zuvor von anderen Künstlern verarbeitet. So griff Jean Genet in seinem Drama "Die Zofen", das bei seiner Uraufführung heftig abgelehnt wurde, ein ähnliches Thema auf.
"Sister My Sister" ist nicht nur wegen der tabuisierten inzestuösen Liebe spannend, sondern auch aufgrund seiner filmischen Umsetzung und der Darstellungen.
Filmische Details und Veröffentlichung
Der Film "Sister My Sister", ein Kammerspiel der US-Regisseurin Nancy Meckler, hat in Großbritannien Kultstatus erreicht. Seine Veröffentlichung hierzulande steht noch aus, was angesichts der Qualität des Werkes bedauerlich ist.
Nun, über ein Vierteljahrhundert nach seiner Entstehung, besteht die Möglichkeit, diesen Film auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Filminformationen:
- Titel: Sister My Sister
- Genre: Drama
- Produktionsland: Großbritannien
- Erscheinungsjahr: 1994
- Regie: Nancy Meckler
- Darsteller*innen: Julie Walters, Joely Richardson, Jodhi May, Sophie Thursfield
- Laufzeit: 89 Minuten
- Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
- FSK: 16
- Verleih: Edition Salzgeber
- Kinostart (ursprünglich): Ab 7.