Herztöne des Babys: Ursachen für schlechter werdende Werte und ihre Bedeutung

Nicht jede Geburt verläuft reibungslos. Die moderne Medizin bietet jedoch zahlreiche Möglichkeiten, um Komplikationen während des Geburtsvorgangs zu bewältigen und die Sicherheit für Mutter und Kind zu gewährleisten. Instrumente wie die Saugglocke oder die Geburtszange können in Notfällen eingesetzt werden, um das Baby schnell und sicher auf die Welt zu holen. Auch ein Kaiserschnitt kann notwendig sein, um die Geburt zu einem guten Ende zu bringen. Das Vertrauen in das medizinische Fachpersonal ist dabei essenziell.

Ein Geburtsstillstand, der bei 3 bis 6 % aller unauffälligen Schwangerschaften auftritt, ist eine solche Komplikation. Er liegt vor, wenn in der Eröffnungsphase innerhalb von 2 Stunden oder in der Austreibungsphase nach einer Stunde kein Geburtsfortschritt erzielt wird. Ursachen hierfür können vielfältig sein:

  • Wehenschwäche: Die Wehen sind nicht stark oder regelmäßig genug, um den Geburtsfortschritt zu unterstützen, selbst mit medikamentöser Unterstützung (Wehentropf).
  • Muttermund: Eine unzureichende Öffnung des Muttermundes kann den Geburtsverlauf behindern.
  • Größenverhältnis: Ist der Kopf des Babys im Verhältnis zum mütterlichen Becken zu groß, kann dies zu Komplikationen führen.
  • Periduralanästhesie (PDA): Eine zu starke PDA kann das mütterliche Schambewegungsgefühl beeinträchtigen, was das aktive Mitpressen erschwert.
  • Erschöpfung der Mutter: Starke Müdigkeit kann die Fähigkeit der Mutter, aktiv an der Geburt mitzuwirken, einschränken.

Bei fortgeschrittenem Geburtsstillstand, wenn das Baby bereits tief im Geburtskanal sitzt, kommen häufig Saugglocke oder Geburtszange zum Einsatz. Dies kann auch einen Dammschnitt erfordern.

Lage des Babys und Geburtsfortschritt

In den meisten Fällen drehen sich Babys bis zur 36. Schwangerschaftswoche in die optimale Geburtsposition: das Köpfchen liegt in Richtung Beckeneingang, das Gesicht dem Rücken der Mutter zugewandt. Diese vordere Hinterhauptslage ermöglicht dem kindlichen Kopf, sich optimal an das mütterliche Becken anzupassen.

Manchmal kann es jedoch trotz anfänglich korrekter Positionierung zu einer hinteren Hinterhauptslage kommen, umgangssprachlich als "Sternengucker" bezeichnet. Dabei schaut das Gesicht des Babys zum Bauch der Mutter. Diese Lage kann zu einer verzögerten Geburt oder einem Geburtsstillstand führen, da der Kopf mit seinem größten Durchmesser durch das Becken gleiten muss. In solchen Fällen können ebenfalls Saugglocke, Geburtszange und ein Dammschnitt notwendig werden.

Auch Beckenendlage (Babys liegen mit dem Po nach unten) oder Querlage (Baby liegt quer in der Gebärmutter) können eine natürliche Geburt erschweren. Geburtshelfer versuchen in solchen Fällen oft, das Baby vor der Geburt durch eine äußere Wendung in eine günstigere Geburtsposition zu bringen, was in etwa 50 % der Fälle erfolgreich ist.

Schema der verschiedenen kindlichen Geburtslagen im mütterlichen Becken: vordere Hinterhauptslage, hintere Hinterhauptslage, Beckenendlage.

Überwachung der kindlichen Herztöne: Das Kardiotokogramm (CTG)

Während der Geburt wird die Gesundheit des Babys mithilfe eines Herzton-Wehenschreibers, auch Kardiotokograph (CTG) genannt, kontinuierlich überwacht. Dieses Gerät zeichnet die Herztöne des Fötus und die Wehentätigkeit der Mutter auf.

Was misst ein CTG?

Das CTG besteht aus einem Bauchgurt mit zwei Sensoren:

  • Ein Ultraschallsensor erfasst die kindlichen Herztöne.
  • Ein Drucksensor misst die Kontraktionen der Gebärmutter (Wehen).

Die aufgezeichneten Daten werden als Kurven auf einem Papierstreifen dargestellt. Die obere Kurve zeigt die fetale Herzfrequenz (in Herzschlägen pro Minute), die untere Kurve die Wehentätigkeit.

Abbildung eines CTG-Geräts mit Bauchgurt und Sensoren, daneben ein ausgedruckter CTG-Streifen mit den Kurven für kindliche Herztöne und Wehentätigkeit.

Wann kommt das CTG zum Einsatz?

Früher gehörte das CTG zu den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen ab der 30. Schwangerschaftswoche. Gemäß aktuellen Mutterschaftsrichtlinien wird es bei einer komplikationslosen Schwangerschaft ohne besonderen Grund nicht mehr pauschal empfohlen. Während der Geburt wird ein CTG in der Regel bei Aufnahme ins Krankenhaus, bei Verdacht auf Komplikationen oder in bestimmten Phasen der Geburt (z.B. Austreibungsphase) eingesetzt.

Wie werden CTG-Werte interpretiert?

Die Auswertung eines CTGs erfolgt anhand verschiedener Kriterien, wie der Grundfrequenz (durchschnittliche Herzfrequenz), der Oszillationen (Schwankungen der Herzfrequenz), Akzelerationen (kurzzeitige Anstiege der Herzfrequenz) und Dezelerationen (kurzzeitige Abfälle der Herzfrequenz).

  • Grundfrequenz: Normalerweise liegt sie zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute. Werte unter 100 oder über 170 gelten als auffällig.
  • Oszillationen: Kleine, natürliche Schwankungen der Herzfrequenz sind normal.
  • Akzelerationen: Anstiege der Herzfrequenz, oft im Zusammenhang mit Kindsbewegungen, sind ein gutes Zeichen.
  • Dezelerationen: Kurzzeitige Abfälle der Herzfrequenz können verschiedene Ursachen haben. Wehenabhängige Dezelerationen sind oft harmlos, während spät auftretende Dezelerationen auf eine mögliche Sauerstoff-Mangelversorgung hinweisen können.

Zur systematischen Auswertung werden international anerkannte Scores wie der FIGO-Score (für die Geburt) und der Fischer-Score (vor der Geburt) verwendet. Diese Scores helfen Ärzten und Hebammen, die Situation objektiv einzuschätzen.

Tabellarische Darstellung des FIGO-Scores zur Interpretation von CTG-Werten.

Es ist wichtig zu betonen, dass Auffälligkeiten im CTG nicht zwangsläufig bedeuten, dass etwas mit dem Kind nicht stimmt. Oftmals sind sie auf natürliche Vorgänge wie Schlafphasen des Babys oder starke Kindsbewegungen zurückzuführen. Eine genaue Interpretation durch erfahrenes medizinisches Personal ist entscheidend.

Ursachen für schlechte Herztöne und fetale Not

Wenn die Herztöne des Babys sich verändern und auf Stress hinweisen, kann dies auf eine drohende Sauerstoff-Mangelversorgung (fetale Not) hindeuten. Diese kann verschiedene Ursachen haben:

Nabelschnurprobleme

  • Nabelschnurvorfall: Die Nabelschnur rutscht vor das Köpfchen des Babys und wird dadurch komprimiert, was die Sauerstoffzufuhr unterbricht. Dies ist ein absoluter Notfall, der einen sofortigen Kaiserschnitt erfordert.
  • Nabelschnurumschlingung: Die Nabelschnur wickelt sich um Teile des Babys (z.B. den Hals). Dies ist häufig und meist harmlos, kann aber in seltenen Fällen zu Zirkulationsstörungen führen.
Illustration einer Nabelschnurumschlingung um den Hals eines Fötus.

Plazenta und Gebärmutter

  • Vorzeitige Plazentaablösung (Abruptio placentae): Der Mutterkuchen löst sich vor oder während der Geburt von der Gebärmutterwand. Dies unterbricht die Sauerstoffversorgung des Babys und erfordert einen sofortigen Kaiserschnitt. Bei der Mutter kann es zu starken Blutungen und Gerinnungsstörungen kommen.
  • Uterusruptur (Riss der Gebärmutter): Ein Riss der Gebärmutterwand ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation. Sie führt zu einem plötzlichen Stopp der Wehen und einem Geburtsstillstand. Das Baby kann in die Bauchhöhle der Mutter gelangen. Ein Notfall-Kaiserschnitt ist zwingend erforderlich. Häufige Ursache sind vorangegangene Operationen an der Gebärmutter (z.B. Kaiserschnitte).
Schema einer vorzeitigen Plazentaablösung.

Andere Ursachen

  • Fruchtwasserembolie: Eine äußerst seltene, aber oft tödliche Komplikation, bei der Fruchtwasser in den mütterlichen Blutkreislauf gelangt. Die festen Bestandteile des Fruchtwassers können Blutgefäße verstopfen und zu Schock, Lungenversagen oder Herzstillstand führen.
  • Fehlbildungen des kindlichen Herzens: Angeborene Herzfehler können sich auf die kindlichen Herztöne auswirken.

Bei Verdacht auf eine Sauerstoff-Mangelversorgung kann eine Mikroblutuntersuchung aus der Kopfhaut des Kindes durchgeführt werden. Ein kritisch abfallender pH-Wert bestätigt den Sauerstoffmangel.

Zusätzliche Untersuchungen zur Beurteilung des kindlichen Wohlbefindens

Neben dem CTG gibt es weitere diagnostische Verfahren, die zur Beurteilung des kindlichen Zustands eingesetzt werden können:

  • Fetalblutanalyse (Mikroblutuntersuchung): Entnahme von Blut aus der kindlichen Kopfhaut zur Bestimmung des pH-Werts und anderer Parameter, die auf eine Sauerstoff-Mangelversorgung hinweisen können.
  • Doppler-Sonographie: Überprüfung des Blutflusses in den Gefäßen des Babys und der Mutter.
  • Kineto-Kardiotokographie (Kineto-CTG): Eine erweiterte Form des CTG, die zusätzlich die Bewegungen des Kindes aufzeichnet.
  • Wehenbelastungstest (Oxytocinbelastungstest): Unter kontrollierter Gabe von Oxytocin werden Wehen ausgelöst und die Reaktion des Kindes darauf mittels CTG überwacht.

Crashkurs Sono Ep.3 - Doppler

Die sorgfältige Überwachung und Interpretation aller verfügbaren Daten durch das medizinische Fachpersonal ist entscheidend, um frühzeitig auf mögliche Probleme reagieren zu können und die bestmögliche Versorgung für Mutter und Kind während der Geburt sicherzustellen.

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