Hebammenstudium in Hildesheim: Voraussetzungen, Inhalte und Bewerbung

Das primärqualifizierende Bachelorstudium Hebammenwissenschaft bereitet Studierende auf die anspruchsvollen und verantwortungsvollen Aufgaben im Hebammenberuf vor. Es vereint wissenschaftliches, evidenzbasiertes und praktisches Arbeiten in klinischen sowie außerklinischen Tätigkeitsfeldern und berücksichtigt die aktuellen Entwicklungen im Berufsbild der Hebamme. Dieses Studium stützt sich sowohl auf Erkenntnisse der evidenzbasierten Forschung als auch auf traditionelles Hebammenwissen.

Schema des dualen Studiums Hebammenwissenschaft mit den drei Lernbereichen Theorie, Skills-Lab und Praxisphasen

Struktur und Inhalte des Studiums

Das Studium ist in drei eng miteinander verzahnte Lernbereiche gegliedert: Theorie, Skills-Lab und praktische Studienphasen. Zunächst werden theoretisch erworbene Kenntnisse im Skills-Lab am Modell geübt, bevor sie anschließend in die Praxis umgesetzt werden. In den praktischen Studienphasen lernen die Studierenden den Berufsalltag von Hebammen auf der Schwangerenstation, im Kreißsaal, auf der Wöchnerinnenstation und in außerklinischen Settings kennen.

Voraussetzungen für das Studium

Um das Studium der Hebammenwissenschaften (B.Sc.) aufnehmen zu können, sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen. Zentral ist die Notwendigkeit eines Ausbildungsplatzes für die praktische Ausbildung in einer Klinik. Die Bewerbung erfolgt daher zunächst primär bei den kooperierenden Kliniken.

Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung

Für die Bewerbung an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) sind folgende Nachweise erforderlich:

  • Nachweis der Hochschulzugangsberechtigung (z.B. Zeugnis der (Fach-)Hochschulreife)
  • Lebenslauf
  • Nachweis der Berufserfahrung (falls vorhanden)
  • Ggf. dein Ausbildungszeugnis (z.B. als Gesundheits- und Krankenpfleger*in, Pflegefachfrau oder Pflegefachmann)
  • Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis
  • Ärztliches Gesundheitsattest/-zeugnis

Hinweis: Zeugnisse müssen nicht zwingend beglaubigt sein, und auch mit einem vorläufigen Abiturzeugnis ist eine Bewerbung möglich.

Voraussetzungen für die praktische Ausbildung

Die praktische Ausbildung ist ein integraler Bestandteil des Studiums. Ein Vertrag mit einer kooperierenden verantwortlichen Praxiseinrichtung (vPE) ist zwingend erforderlich. Es wird empfohlen, sich frühzeitig bei den Kooperationspartnern bzw. Kliniken nach den entsprechenden Bewerbungsfristen zu erkundigen, da die verfügbaren Plätze begrenzt sind.

Kooperierende Kliniken und eigenständige Initiativen

Zu den kooperierenden Kliniken zählen unter anderem:

  • Klinikum Bielefeld
  • Klinikum Herford
  • Mathilden Hospital Herford
  • Klinikum Höxter
  • Klinikum Lippe
  • Johanniter Krankenhaus Bonn
  • Klinikum Neuwied
  • Helios Klinikum Goslar
  • Helios Klinikum Salzgitter
  • Städtisches Klinikum Wolfenbüttel
  • Helios Klinikum Gifhorn
  • Diakovere Hannover
  • Klinikum Wolfsburg
  • Sana Klinikum Hameln-Pyrmont
  • Klinikum Wolfenbüttel

Sollte eine Wunschklinik noch nicht mit der FHM kooperieren, ist es möglich, selbstständig Kliniken anzusprechen, mit denen beispielsweise über einen Vorkontakt (Praktikum, Hospitation) eine Beziehung besteht, bezüglich einer möglichen Kooperation für Praxiseinsätze.

Spezifische Zulassungskriterien (Beispiel HAWK Göttingen)

Für das Bachelorstudium Hebammenwissenschaft an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen gelten zusätzliche spezifische Zulassungskriterien:

  • Hochschulzugangsberechtigung: Allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife oder eine vergleichbare Qualifikation.
  • Vorpraktikum: Ein Vorpraktikum von mindestens vier Wochen Vollzeit im geburtshilflichen Bereich ist verpflichtend. Dieses sollte nicht älter als zwei Jahre sein und kann in zwei 2-wöchige Abschnitte aufgeteilt werden. Es muss vollständig bis zur Bewerbungsfrist absolviert sein.
  • Ärztliches Gesundheitszeugnis: Bestätigt die gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Hebammenberufs.
  • Masernimpfungen: Nachweise über Masernimpfungen müssen bei Unterschreiben eines Ausbildungsvertrages vorliegen.
  • Deutschkenntnisse: Ausreichende Deutschkenntnisse (z.B. durch TestDaF, DSH oder telc C1) sind erforderlich, da die Lehrveranstaltungen auf Deutsch stattfinden.

Beruflich Qualifizierte mit entsprechender Aufstiegsfortbildung (z.B. Fachwirt*in im Gesundheitswesen) können ebenfalls zugelassen werden.

Bewerbungsverfahren und Fristen

Das Bewerbungsverfahren für das Hebammenstudium kann je nach Hochschule variieren. Generell ist eine frühzeitige Bewerbung ratsam.

Bewerbung an der FHM

Die Bewerbung an der FHM ist das ganze Jahr über möglich. Um einen Studienplatz im gleichen Jahr (ab Oktober) zu sichern, sollte die Bewerbung möglichst bis zum 31.08. eingereicht werden. Schüler können sich auch vor Erhalt des (Fach-)Abiturzeugnisses vorläufig bewerben.

Nach Eingang der Unterlagen prüft die FHM diese auf Vollständigkeit und die formale Hochschulzugangsberechtigung. Bei fehlenden Unterlagen wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. Eine Zusage zu diesem Zeitpunkt steht unter dem Vorbehalt des Zustandekommens des Studiengangs, was eine ausreichende Anzahl qualifizierter Bewerbungen voraussetzt.

Bewerbung an der HAWK Göttingen

Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester an der HAWK endet in der Regel am 15. Juli. Die Bewerbung erfolgt online über das Bewerbungsportal der Hochschule. Erforderliche Unterlagen umfassen das Abschlusszeugnis, den Nachweis über das Vorpraktikum, einen Lebenslauf und ggf. einen Sprachnachweis. Internationale Bewerber müssen ihre Dokumente rechtzeitig übersetzen und anerkennen lassen.

Bewerbung an anderen Hochschulen (Beispiel MHH)

Die Studienplatzvergabe für das erste Fachsemester ist in der Regel nur zum Wintersemester eines jeden Jahres möglich.

  • Deutsche und EU-Bürger*innen sowie Personen mit deutscher Hochschulzugangsberechtigung: Bewerbung vom 01.06. bis 15.07. über MHH Online Campus.
  • Bewerber*innen aus Nicht-EU-Ländern und Staatenlose: Bewerbung bis zum 31.05. über Uni Assist.

Die Wahl der Bewerbungsplattform hängt von der Staatsangehörigkeit und dem Ort des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung ab. Die Unterlagen müssen über das hochschuleigene Bewerbungsportal eingereicht und im Falle der Zulassung im Original vorgelegt werden.

Auswahlverfahren

Das Auswahlverfahren berücksichtigt in der Regel die Abschlussnote des höchsten Bildungsabschlusses, ggf. relevante Berufsausbildungen, Wartezeit und ehrenamtliche Tätigkeiten. Gesetzlich vorgeschriebene Quoten sowie Regelungen zum Zweitstudium werden ebenfalls beachtet.

Praktische Ausbildung und Kooperationspartner

Die praktische Ausbildung ist ein zentraler Bestandteil des Studiums und findet in Kooperation mit verschiedenen Kliniken statt. Viele Krankenhäuser, wie das St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim, bieten Ausbildungsplätze für Hebammen an und integrieren diese in ihre geburtshilflichen Abteilungen.

Collage aus Logos kooperierender Kliniken und Krankenhäuser für die praktische Ausbildung von Hebammen

St. Bernward Krankenhaus Hildesheim als Ausbildungsstätte

Das St. Bernward Krankenhaus Hildesheim ist ein akademisches Lehrkrankenhaus und bildet seit Jahrzehnten junge Menschen in verschiedenen Gesundheitsberufen aus. Für Hebammen werden die praktischen Studienphasen überwiegend in den Kreißsälen und auf den geburtshilflichen Stationen absolviert. Das Krankenhaus bietet zudem eine Vielzahl weiterer Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in diversen medizinischen und kaufmännischen Bereichen an.

Duales Studium und weitere Angebote

Das Studium ist primärqualifizierend und oft als duales Studium konzipiert, das Theorie und Praxis eng miteinander verbindet. Neben dem Studium der Hebammenwissenschaften bietet das St. Bernward Krankenhaus auch Ausbildungen in Berufen wie Pflegefachkraft, ATA, OTA, PTA, Biologielaborant*in, Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen und Fachinformatiker*in an.

Besonderheiten des Studiums an der HAWK Göttingen

Das Studium an der HAWK in Göttingen zeichnet sich durch eine enge Kooperation mit dem Universitätsmedizin Göttingen (UMG) aus, was den Zugang zu fachlicher, wissenschaftlicher und klinischer Expertise auf hohem Niveau ermöglicht. Die Regelstudienzeit beträgt 7 Semester (210 ECTS-Punkte).

Kosten und Finanzierung

Das Studium an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen ist an einer öffentlichen Hochschule grundsätzlich gebührenfrei. Es fallen lediglich Semesterbeiträge an (ca. 300-400 Euro pro Semester), die Verwaltungskosten, das Semesterticket und studentische Angebote abdecken. Internationale Studierende können sich um Stipendien des DAAD oder das Deutschlandstipendium bewerben. Werkstudententätigkeiten oder Anstellungen als studentische Hilfskraft sind ebenfalls möglich.

Berufsperspektiven nach dem Studium

Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums eröffnen sich vielfältige und zukunftssichere Berufsperspektiven. Absolvent*innen können als angestellte oder freiberufliche Hebammen in Kliniken, Arztpraxen, Geburtshäusern oder interdisziplinären Teams tätig werden. Die Nachfrage nach qualifizierten Hebammen ist hoch.

  • Angestellte Hebamme in Kliniken oder Arztpraxen: Einstiegsgehälter variieren.
  • Hebamme in Geburtshäusern oder als Beleghebamme in Krankenhäusern: Verdienstmöglichkeiten sind hier oft höher.
  • Mitarbeit in interdisziplinären Teams: z.B. in Beratungsstellen, beim Gesundheitsamt oder im Jugendamt.

Fokus Medizin: Geburtshilfe im Krankenhaus – Was Hebammen wirklich leisten

Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen

Für die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen kann eine spezielle Tabelle heruntergeladen und ausgefüllt werden. Diese dient dem Abgleich bisheriger Leistungen mit dem Curriculum des Studiengangs und muss im Bewerbungsportal als Anlage hochgeladen werden.

tags: #hebamme #studium #hildesheim