Die HCG-Diät, auch bekannt als Stoffwechselkur, hat durch Prominente wie Catherine Zeta Jones und Britney Spears an Bekanntheit gewonnen. Sie basiert auf einer stark eingeschränkten Kalorienzufuhr in Kombination mit der Einnahme des körpereigenen Hormons humanes Choriongonadotropin (hCG). Ursprünglich wurde die Idee, hCG zur Gewichtsreduktion einzusetzen, in den 1950er Jahren vom englischen Arzt Dr. Simeons aufgegriffen. Er beobachtete, dass schwangere Frauen auch bei Hunger und Entbehrungen leistungsfähig blieben, da hCG Fettreserven mobilisiert und so Mutter und Embryo mit Energie versorgt.

Die Funktionsweise der HCG-Diät
Die Theorie hinter der HCG-Diät besagt, dass das Hormon hCG, das während der Schwangerschaft vermehrt produziert wird, auch bei nicht-schwangeren Personen und Männern zur Mobilisierung von Fettreserven beitragen soll. Strukturell ist hCG dem luteinisierenden Hormon (LH) ähnlich und wird daher in der Kinderwunschbehandlung zur Auslösung des Eisprungs eingesetzt. Bei einer Schwangerschaft sorgt hCG für die optimale Versorgung des Fötus, indem es bei Energieengpässen körpereigene Fettreserven der Mutter mobilisiert.
Bei der HCG-Diät wird angenommen, dass die zusätzliche Gabe von hCG, kombiniert mit einer drastischen Kalorienreduktion auf etwa 500 kcal pro Tag, dazu führt, dass der Körper gezielt Fettreserven abbaut, ohne dabei Muskelmasse zu verlieren. Dies soll Hungergefühle unterdrücken und die Leistungsfähigkeit erhalten.
Die Phasen der HCG-Stoffwechselkur
Die HCG-Stoffwechselkur ist typischerweise in drei Phasen unterteilt:
1. Ladephase (Vorbereitungsphase)
Zu Beginn der Kur stehen zwei sogenannte Ladetage. In dieser Phase ist es erlaubt, nach Belieben alles zu essen, insbesondere fett- und kalorienreiche Mahlzeiten. Diese Tage sollen den Stoffwechsel anregen und den Körper auf die bevorstehende Diät vorbereiten, um die ersten Tage ohne starken Hunger zu überstehen. Mit Beginn der Ladetage wird auch die Einnahme der HCG-Globuli C30 begonnen: Morgens, mittags und abends jeweils 5 Globuli.
2. Diätphase
Die anschließende Diätphase dauert 21 Tage und kann auf bis zu 42 Tage verlängert werden. Sie ist durch eine stark eingeschränkte Kalorienzufuhr von maximal 500 kcal pro Tag gekennzeichnet. In dieser Phase werden ausschließlich erlaubte Lebensmittel verzehrt, wobei auf Fett, Zucker und Alkohol verzichtet wird. Stattdessen liegt der Fokus auf kohlenhydratarmem Gemüse und proteinreichen Lebensmitteln wie magerem Fleisch, Fisch oder Tofu.
3. Stabilisierungsphase
Nach der Diätphase folgt die Stabilisierungsphase, die ebenfalls 21 Tage andauert. Ziel ist es, das erreichte Gewicht zu halten. Die eiweißhaltige Ernährung aus der Diätphase wird beibehalten, und gesunde Fette werden schrittweise hinzugefügt. Die Kalorienzufuhr wird langsam auf etwa 1.000 kcal in der ersten Woche und bis zu 1.200 kcal in den folgenden Wochen gesteigert. Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index (GI) wie Kichererbsen oder Linsen dürfen ab der dritten Woche der Stabilisierungsphase integriert werden. Produkte aus Weißmehl und Zucker sollten weiterhin gemieden werden. Tägliches Wiegen zur Gewichtskontrolle ist in dieser Phase unerlässlich. Bei einer Gewichtszunahme von mehr als einem Kilogramm wird empfohlen, umgehend zur Diätphase zurückzukehren und viel zu trinken.
4. Alltagsphase (Langfristige Stabilisierung)
Diese Phase dient der dauerhaften Stabilisierung des Gewichts und der Vermeidung des Jo-Jo-Effekts. Es wird empfohlen, die positiven Erfahrungen aus der Stoffwechselkur zu nutzen, um einen Ernährungsplan zu erstellen, der langfristig das Gewicht im Gleichgewicht hält, ohne ständige Verzichtgefühle. Die Steuerung erfolgt über die Energiebilanz, wobei eine Kalorienzufuhr unter dem täglichen Bedarf zu Gewichtsabnahme oder -erhalt führt. Krafttraining kann den Muskelaufbau unterstützen und somit helfen, den Kalorienrahmen leichter einzuhalten. Die Nutzung von Apps wie YAZIO zur Kalorienkontrolle kann dabei unterstützend wirken.
Plazenta-Entbindung (3D-Animation)
HCG-Globuli statt Injektionen
Die Verabreichung von hCG als Injektion ist kostspielig und erfordert regelmäßige Arztbesuche. In Deutschland sind für die Anwendung zur Gewichtsreduktion keine Arzneimittel mit dem Wirkstoff hCG zugelassen. Daher ist die Anwendung von HCG-Globuli oder -Tropfen, die homöopathisch aufbereitet sind, weiter verbreitet. Bei homöopathischen Mitteln liegt jedoch kein wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit vor. Nebenwirkungen, wie sie bei der Anwendung von reinem hCG denkbar sind, sind bei homöopathischen Mitteln nicht zu erwarten.
Wissenschaftliche Bewertung und Kritik
Die HCG-Diät ist wissenschaftlich stark umstritten. Zahlreiche Studien, darunter Doppelblindstudien und Meta-Analysen, konnten keine signifikanten Unterschiede im Gewichtsverlust zwischen Gruppen, die hCG erhielten, und Placebo-Gruppen feststellen. Die Food and Drug Administration (FDA) erklärte bereits 1976, dass hCG-Injektionen weder sicher noch effektiv für die Gewichtsabnahme seien. Es gibt keine Evidenz dafür, dass hCG den Fettabbau fördert oder das Hungergefühl bremst; der Gewichtsverlust wird allein auf die Energiereduktion zurückgeführt.
Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft kam bereits 1987 zu dem Ergebnis, dass hCG weder eine "fettmobilisierende" Wirkung noch einen Einfluss auf Appetit oder Hungergefühl hat. Auch internationale Fachgesellschaften stufen die Diät als potenziell schädlich ein.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Trotz der fehlenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit birgt die HCG-Diät Risiken. Mögliche Nebenwirkungen, die mit der Hormongabe in Verbindung gebracht werden, umfassen:
- Kopfschmerzen
- Störungen der Regelblutung
- Reizbarkeit und Unruhe
- Depressionen
- Müdigkeit
- Ödeme
- Gynäkomastie (bei Männern)
- Ovarialzysten
- Schmerzen an der Injektionsstelle
In Einzelfällen wurden auch schwerwiegendere Komplikationen wie Thrombosen oder eine Beeinträchtigung der Wirkung von Verhütungsmitteln berichtet. Die extreme Kalorienreduktion auf 500 kcal pro Tag birgt zudem das Risiko von Nährstoffmängeln, Elektrolytstörungen, Herzrhythmusstörungen und kann zu einem erheblichen Muskelabbau führen.
Die Qualität frei verkäuflicher HCG-Produkte ist oft nicht geprüft, und einige Präparate können wirkungslos sein oder sogar gesundheitsschädliche Substanzen enthalten.
Alternativen zur HCG-Diät
Experten wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) raten dringend von der HCG-Diät ab. Eine ausgewogene, vielfältige Ernährung und regelmäßige Bewegung werden als gesündere und nachhaltigere Methoden zur Gewichtsreduktion empfohlen. Langfristige Strategien, die eine moderate Kalorienreduktion (ca. 500-600 kcal Defizit pro Tag), eine Ernährungsumstellung, ein Bewegungsprogramm und Verhaltensänderungen umfassen, gelten als Goldstandard für die Adipositastherapie.
