Hashimoto-Thyreoiditis und ihre Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaft

Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch begeben sich nicht selten auf eine wahre Behandlungsodyssee. Die Ursachen für eine mögliche Unfruchtbarkeit müssen jedoch nicht zwingend im weiblichen oder männlichen Unterleib liegen. Sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) als auch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) können die Empfängnis negativ beeinflussen und dazu führen, dass das lang ersehnte Wunschkind ausbleibt. Denn die Schilddrüsenhormone steuern alle wichtigen Vorgänge im Körper, einschließlich der Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Schilddrüsen- und Sexualhormone wie Östrogen stehen miteinander in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Geraten die Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, hat dies Auswirkungen auf die Eizellreifung und den Zyklus, was dazu führt, dass betroffene Frauen seltener schwanger werden.

Insgesamt sind etwa zehn Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen von einer Schilddrüsenstörung betroffen. Meist handelt es sich dabei um eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Auch bereits diskrete oder schlafende Unterfunktionen (latente Hypothyreose) können sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Grafische Darstellung der Schilddrüse und ihrer Hormone

Schilddrüsenfunktionsstörungen und ihre Verbindung zur Fruchtbarkeit

Bei einer latenten Unterfunktion der Schilddrüse wird von den meisten Endokrinologen eine großzügige Einstellung der Schilddrüsenhormone propagiert. Dies ist inzwischen auch wenig umstritten, da ein Zusammenhang zwischen subklinischer Hypothyreose und Infertilität bei Frauen nach Studiendaten wahrscheinlich ist und ein Zusammenhang mit Fehlgeburten gesichert ist. Die angestrebten Grenzwerte sind jedoch umstritten und in keiner Richtlinie eindeutig geregelt. Empfohlen wird jedoch oft ein Grenzwert für das TSH von 2,5 mU/l. Im Falle von Schilddrüsenantikörpern gilt der weiter oben erwähnte Wert von 1,0 mU/I.

Die Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) wird durch die medikamentöse Gabe von Schilddrüsenhormonen behandelt. Die anzustrebenden Grenzwerte für die genaue Dosierung der Medikamente sind in der Fachwelt zum Teil umstritten. Normalerweise wird für das TSH ein Grenzwert zwischen etwa 1.0 bis 2,5 mU/l empfohlen.

Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wird zunächst durch Thyreostatika behandelt. Diese Medikamente können bei einer Schwangerschaft sehr schädlich für Mutter und Kind sein.

Sowohl bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) als auch bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse kann es zur Einschränkung der Fruchtbarkeit von Frauen und Männern kommen. Daher gehört die Untersuchung der Schilddrüsenfunktion zum Basisprogramm bei der Abklärung ungewollter Kinderlosigkeit.

Hashimoto-Thyreoiditis: Eine häufige Ursache für Fruchtbarkeitsprobleme

Die Hashimoto-Thyreoiditis, auch als chronische lymphozytäre Thyreoiditis bekannt, ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem irrtümlich das eigene Schilddrüsengewebe angreift. Dies führt zu Entzündungen, die langfristig zu einer Schädigung und Verkleinerung der Schilddrüse führen können. In der Anfangszeit verläuft Hashimoto häufig unbemerkt oder wird mit Stress, Überlastung oder hormonellen Schwankungen verwechselt. Hashimoto zählt zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen und betrifft Frauen im gebärfähigen Alter deutlich häufiger als Männer.

Etwa 6% der Frauen haben eine genetische Veranlagung, an einer Hashimoto-Schilddrüsenentzündung zu erkranken. Bei etwa 8% der Frauen vor den Wechseljahren (Klimakterium) lassen sich im Blut die für die Hashimoto-Thyreoiditis typischen Abwehrstoffe (MAK, TAK) nachweisen. Nach den Wechseljahren haben sogar etwa 16% der Frauen diese Antikörper im Blut.

Die Erkrankung wirkt sich auf den Zyklus, den Eisprung und die hormonelle Balance aus - Faktoren, die entscheidend für eine erfolgreiche Schwangerschaft sind. Studien zeigen, dass sich die Beschwerden je nach Art der Fehlfunktion unterscheiden. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, die für den Stoffwechsel und die Regulation anderer Hormone im Körper entscheidend sind. Bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, was den gesamten Hormonhaushalt durcheinanderbringen kann. Eine Hyperthyreose kann zudem das Risiko für andere gesundheitliche Probleme erhöhen, die indirekt die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Frauen mit einer Hashimoto-Schilddrüsenentzündung haben ein etwa 3-mal so hohes Risiko wie gesunde Frauen, dass sie ihr Kind durch eine Fehlgeburt verlieren. Dieses Risiko ist vermutlich unabhängig davon, ob die Schilddrüsenhormon-Werte normal sind oder nicht.

Infografik, die die Autoimmunreaktion bei Hashimoto-Thyreoiditis darstellt

Kinderwunsch und Schwangerschaft bei Hashimoto-Thyreoiditis

Bei guter Hormoneinstellung kann man mit Hashimoto ganz normal schwanger werden und auch ganz gesunde Kinder bekommen. Es ist jedoch wichtig, einige Aspekte besonders zu beachten.

Anpassung der Schilddrüsenhormontherapie während der Schwangerschaft

Man muss allerdings beachten, dass die werdende Mutter insbesondere in der Frühschwangerschaft einen erhöhten Bedarf an Schilddrüsenhormonen und Jod hat. Daher muss die Hormonsubstitution bei Hashimoto-Patienten mit einer tatsächlichen oder einer drohenden Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) entsprechend angepasst werden.

Generell steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen während der Schwangerschaft um etwa 30 bis 50%. Eine größere Menge an Östrogen veranlasst auch einen Anstieg des Thyroxin-bindenden Globulins (TBG), einem Transportprotein für die Schilddrüsenhormone. Schon während des Versuchs, schwanger zu werden, müssen ausreichend Schilddrüsenhormone vorhanden sein, um eine erfolgreiche Einnistung der Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut zu gewährleisten und das Risiko für Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten zu minimieren.

Wenn die betroffene Frau Schilddrüsenhormone (Levothyroxin) einnimmt, sollten diese während der Schwangerschaft fortgeführt werden. Die Dosis muss jedoch aufgrund des erhöhten Bedarfs an Hormonen gegebenenfalls angepasst werden. Im Durchschnitt wird L-Thyroxin um etwa 30-50% erhöht. Bei einer Behandlung mit Eltroxin sollte der TSH-Wert unter 1 liegen, während die Referenzwerte für fT3 und fT4 bei um die 50% liegen. Arbeitet man mit einem Schilddrüsenextrakt, wird ein T3-Wert von über 75% und ein T4-Wert um die 50% empfohlen.

Die Dosis der Schilddrüsenhormone sollte frühzeitig angepasst werden und nicht erst, nachdem eine Unterfunktion der Schilddrüse in den Laborwerten nachgewiesen wurde. Nur so kann verhindert werden, dass das ungeborene Kind über einen längeren Zeitraum einer mütterlichen Schilddrüsenunterfunktion ausgesetzt wird. Daher wird empfohlen, sofort beim Feststellen der Schwangerschaft die Thyroxindosis um 25µg zu erhöhen.

Für Frauen mit Kinderwunsch - besonders bei Hashimoto-Thyreoiditis - gehört ein gut eingestellter TSH-Wert zu den wichtigsten Grundlagen. Bereits leichte Schwankungen können den Zyklus beeinflussen, die Eizellreifung stören und die Einnistung erschweren. Studien legen nahe, dass auch subklinische Unterfunktionen, bei denen die Schilddrüsenhormone T3 und T4 noch normal sind, sich auf den Zyklus auswirken können. Fachgesellschaften empfehlen daher, dass alle Frauen mit Kinderwunsch ihre Schilddrüsenwerte prüfen lassen, vor allem TSH und TPO-Antikörper als mögliche Frühmarker für Hashimoto.

Schema zur Anpassung der Schilddrüsenhormondosis während der Schwangerschaft

Die Bedeutung von Jod in der Schwangerschaft bei Hashimoto

Hashimoto-Patienten wird im Allgemeinen geraten, auf eine vermehrte Jodaufnahme, z. B. durch Nahrungsergänzungsmittel, zu verzichten. Dies ist im Rahmen des sogenannten Kretinismus grundsätzlich möglich. Als Kretinismus wird das Vollbild einer geistigen und körperlichen Entwicklungsstörung im Kindesalter durch eine schwere Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bezeichnet.

Dennoch ist eine ausreichende Jodversorgung der Mutter in der Schwangerschaft so wichtig. Schwangere benötigen täglich etwa 230 Mikrogramm Jod pro Tag. Diese Menge können die meisten Frauen über die normale Ernährung nicht aufnehmen. Frauenärzte empfehlen Schwangeren daher, ab der 10.-12. Schwangerschaftswoche täglich 100-200 Mikrogramm Jod in Form von Jodtabletten zu sich zu nehmen. Nimmt die Schwangere nicht genügend Jod zu sich, kann sich das Kind im Mutterleib nicht richtig entwickeln.

Leidet eine schwangere Frau mit Hashimoto-Schilddrüsenentzündung unter einer Unterfunktion der Schilddrüse, ist die Versorgung ihres Kindes mit Jod nicht sichergestellt. Experten empfehlen diesen Patientinnen, Jod einzunehmen, auch mit dem Risiko, dass sie möglicherweise eine Schilddrüsenüberfunktion entwickeln oder sich die Entzündung verschlimmert. Ob sich die Hashimoto-Schilddrüsenentzündung mit der Jodtherapie verschlimmert, kann der Arzt an den MAK- bzw. Anti-TPO-Werten erkennen. Er wird daher regelmäßig Blut abnehmen, um die Werte zu kontrollieren.

Bei Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis gibt es unterschiedliche Empfehlungen zur Jodzufuhr, da zu viel zusätzliches Jod die Schilddrüsenentzündung der Mutter verschlimmern kann, während zu wenig Jod dem ungeborenen Kind schadet. In solchen Fällen wird empfohlen, die individuelle Jodversorgung durch die Bestimmung des Jods im Urin zu messen. Im Zweifelsfall raten Ärzte Schwangeren mit Hashimoto-Thyreoiditis dringend dazu, ihre Jodzufuhr zu erhöhen. Bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und entsprechender Anpassung der Thyroxindosis stellt dies in der Regel kein wirkliches Problem dar. Jodmangel kann beim ungeborenen Kind zu Hirnschäden führen.

Weitere wichtige Mikronährstoffe und Hormone

Neben Jod spielen auch andere Mikronährstoffe eine wichtige Rolle. Folsäure ist für die Entwicklung des kindlichen Nervensystems unerlässlich. Bei 80% aller Autoimmunerkrankten ist die MTHFR-Mutation betroffen, was die Verstoffwechselung von Folsäure beeinträchtigt. Hier kann Methylfolat, die aktivierte Form der Folats, eine bessere Alternative sein.

Auch Mikronährstoffe wie Magnesium und Eisen spielen eine wichtige Rolle. Ein Eisenmangel kann die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigen und wird mit Frühgeburten, Trinkschwäche und postpartaler Depression in Verbindung gebracht.

Die Schilddrüsenhormone hängen eng mit den Geschlechtshormonen zusammen. Schilddrüsenhormone und die chronische Entzündung einer Autoimmunerkrankung können den Steroidhormonhaushalt beeinflussen. Dies kann zu einem Verlust der Libido und einer schlechteren Lubrikation führen. Wenn zu wenig Schilddrüsenhormone vorhanden sind, wird auch die Eizellreifung beeinträchtigt. Durch diese Anovulation kann außerdem kein Gelbkörper gebildet werden, der für die Produktion von Progesteron verantwortlich ist.

Die Nebenniere spielt hier eine wichtige Rolle, da sie für die Produktion des Stresshormons Cortisol verantwortlich ist. Wenn die Nebenniere durch chronische Entzündung oder dauerhaften Stress zu sehr beansprucht wird, verbraucht sie besonders viel Pregnenolon, sodass für die Geschlechtshormone, insbesondere Progesteron, zu wenig Ausgangsstoff zur Verfügung steht. Progesteron ist für die zweite Zyklushälfte essentiell. In den ersten Schwangerschaftswochen wird daher häufig eine Behandlung mit bioidentischem Progesteron empfohlen.

Infografik über die Bedeutung von Jod und Folsäure während der Schwangerschaft

Diagnostik und Behandlung im Kinderwunschzentrum

Lange war unbekannt, welchen Einfluss der Gesundheitszustand der Schilddrüse auf die Chance einer Schwangerschaft hat. Mittlerweile gibt es hierzu Klarheit. Umso wichtiger ist es, dass sich Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch und Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion bei einem Endokrinologen vorstellen.

Gibt es Anzeichen für die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis, sind Frauen auf die Hilfe eines immunologisch versierten Reproduktionsmediziners angewiesen. Kinderwunschzentren betrachten die Hashimoto-Erkrankung oft aus immunologischen Gesichtspunkten. Sie legen Wert auf eine erfahrene und kompetente Betreuung, um den TSH-Wert bewusst zu scharf einzustellen. Während auf Jod verzichtet wird, gilt es in der Ernährung auf Zink und Selen zu achten.

Die medikamentöse Behandlung besteht in der Regel aus der Einnahme von Schilddrüsenhormonen, um den Hormonmangel auszugleichen. Eine operative Entfernung der Schilddrüse ist nur selten notwendig.

Postpartale Thyreoiditis

Frauen, die gerade ein Kind geboren haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine Schilddrüsenentzündung. 6-24 Wochen nach der Geburt entwickeln etwa 4% der Wöchnerinnen eine so genannte Post-Partum-Thyreoiditis. Die Schilddrüsenentzündung führt in den ersten 2 Monaten häufig zu einer Überfunktion der Schilddrüse, die dann nach etwa 6-8 Monaten in eine Unterfunktion übergeht. Es kann jedoch auch zunächst eine Unter- und später eine Überfunktion auftreten. Bei einer Unterfunktion verschreibt der Arzt Schilddrüsenhormone.

Frauen mit einer postpartalen Thyreoiditis sollten regelmäßig ihre Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen, am Anfang etwa alle 4-8 Wochen. Nimmt die Patientin wegen einer Schilddrüsenunterfunktion Schilddrüsenhormone (Levothyroxin) ein, kann nach etwa einem halben Jahr das Medikament probeweise abgesetzt werden. In den meisten Fällen normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion ein Jahr nach der Geburt wieder. Doch etwa 10% der Frauen mit einer postpartalen Thyreoiditis entwickeln eine chronische Hashimoto-Schilddrüsenentzündung.

Kinderwunsch: ohne Reagenzglas in die Schwangerschaft | Fachärztin Marianne Krug | QS24

Zusammenfassung und Ausblick

Die Schilddrüsenfunktion spielt eine entscheidende Rolle für die Fruchtbarkeit und den Verlauf einer Schwangerschaft. Insbesondere die Hashimoto-Thyreoiditis kann zu Komplikationen wie unerfülltem Kinderwunsch, Fehlgeburten und Entwicklungsproblemen beim Kind führen.

Eine frühzeitige Diagnose, eine individuelle Anpassung der Schilddrüsenhormontherapie und eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen wie Jod und Folsäure sind entscheidend für den Erfolg. Frauen mit Kinderwunsch und einer Hashimoto-Erkrankung sollten eng mit ihrem behandelnden Arzt oder einem spezialisierten Kinderwunschzentrum zusammenarbeiten, um die bestmöglichen Voraussetzungen für eine gesunde Schwangerschaft zu schaffen.

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