Muttermilch richtig aufbewahren: Ein umfassender Leitfaden

Kleine Organisationstricks können im trubeligen Alltag mit Baby wahre Wunder bewirken. Ein Beispiel dafür ist das Lagern von Muttermilch. Dieser kleine Schritt kann dir etwas Flexibilität, Zeit und Gelassenheit schenken, da du einzelne Stillmahlzeiten ganz einfach durch ein Fläschchen mit Muttermilch ersetzen kannst. In diesem Beitrag erklären wir dir, wie du die Muttermilch richtig lagerst und was es dabei zu beachten gibt.

Vorbereitung vor dem Lagern von Muttermilch

Bevor es überhaupt ans Lagern der Muttermilch geht, fängt die Vorbereitung schon einen Schritt vorher beim Abpumpen an. Wasche dir davor immer gründlich die Hände und achte darauf, dass deine Utensilien richtig sauber sind. Das ist wichtig, damit keine Keime übertragen werden und die Milch zum Einlagern sicher bleibt.

Illustration von Händewaschen vor dem Abpumpen von Muttermilch

Die richtige Aufbewahrung von Muttermilch

Für die Aufbewahrung deiner Muttermilch stehen dir verschiedene praktische Optionen zur Verfügung. Besonders bekannt sind spezielle Muttermilchbeutel, die du in Apotheken und vielen Drogeriemärkten findest. Sie sind meist sofort einsatzbereit. Achte jedoch darauf, die Beutel sorgfältig zu verschließen, damit keine Keime eindringen können. Denk auch daran, dass die meisten Muttermilchbeutel nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen sind.

Eine nachhaltigere Alternative sind spezielle Aufbewahrungsbehälter aus Glas oder trübem Hartplastik. Diese kannst du mehrfach verwenden, allerdings sollten sie vor jeder Nutzung gründlich gereinigt werden. Wir empfehlen dir, die Behälter dafür zunächst mit heißem Wasser und Spülmittel zu spülen und sie anschließend kurz in einem Wasserbad oder einem Vaporisator auszukochen. Alternativ kannst du die Gefäße auch bei mindestens 65 °C in der Spülmaschine reinigen.

Bei der Wahl des Gefäßes muss darauf geachtet werden, dass es gut zu reinigen ist, eventuell sterilisiert werden kann, lebensmittelecht ist und dicht verschlossen werden kann. Falls Sie Muttermilch in Kunststoffbeuteln einfrieren wollen, sollten diese nicht aus Polyethylen bestehen. Normale Eisbeutel oder Tiefkühlbeutel sind nicht geeignet, da sie nicht vorsterilisiert sind. Ebenso sind Hartplastikgefäße aus Polycarbonat (PP) ungeeignet, da diese Bisphenol A enthalten können. Gut verschließbare Glasgefäße oder Kunststoffgefäße aus Polypropylen (PP) sind eine gute Wahl. Manche Hersteller bieten auch spezielle BPA-freie Muttermilchflaschen und Muttermilchbeutel an, die besonders flexibel und platzsparend sind.

Wichtiger Hinweis: Glasflaschen sollten nicht komplett mit Muttermilch gefüllt werden. Ein nicht gefüllter Luftraum von ca. 2,5 cm verhindert, dass die Flasche durch die Ausdehnung der Milch beim Gefrieren beschädigt wird. Leere, saubere Flaschen am besten im Kühlschrank aufbewahren.

Vergleich von Muttermilchbeuteln und Glasbehältern zur Aufbewahrung

Beschriftung der Behälter

Hebammentipp: Schreibe auf jeden Beutel/Behälter das Datum, an dem du die Muttermilch abgepumpt hast. So behältst du den Überblick und weißt genau, wie lange die Milch noch gut ist. Verwende sie daher auch immer in der Reihenfolge, in der du sie gesammelt hast, damit nichts unnötig verdirbt.

Lagerung und Haltbarkeit von Muttermilch

Die abgepumpte Muttermilch kann entweder kurze Zeit bei Raumtemperatur oder aber für einen längeren Zeitraum im Kühlschrank oder im Gefrierfach gelagert werden. Das hat dann auch einen Einfluss darauf, wie lange sie haltbar ist:

Lagerung bei Raumtemperatur

  • 19-22 °C: Hier kannst du die Milch zwischen 6-8 Stunden aufheben.
  • 27-32 °C: Bei so hohen Temperaturen kann die Muttermilch maximal für 4 Stunden aufbewahrt werden.

Für beide Fälle gilt, dass du die Muttermilch vollständig verwenden und nicht weiter im Kühlschrank oder in der Gefriertruhe lagern solltest (auch keine Reste).

Lagerung im Kühlschrank (4-6 °C)

Wenn du die Muttermilch im Kühlschrank lagerst, ist sie dort bis zu 4 Tage lang haltbar. Wichtig: Stelle sie nicht in die Kühlschranktür, da die Temperatur dort schwanken kann. Gib sie stattdessen lieber in den hinteren Teil des Kühlschranks, wo die Temperatur konstant ist und die Qualität der Muttermilch gesichert wird. Bei einer Temperatur von 4 °C ist Muttermilch drei Tage haltbar. Perfekt hält sich Muttermilch im kältesten Teil des Kühlschranks, das ist in der Regel direkt über dem Gemüsefach (hinterer Bereich) bzw. je nach Hersteller in speziell gekühlten Fächern.

Kleine Mengen frisch abgepumpter Muttermilch können zu einem Behälter mit bereits abgepumpter Milch im Kühlschrank hinzugefügt werden, sofern die frisch abgepumpte Milch auch vorher im Kühlschrank gekühlt wird. Füge keine frisch abgepumpte Milch, die noch Körpertemperatur hat, zu bereits gekühlter Milch hinzu.

Am Arbeitsplatz sollte der Personalkühlschrank sauber sein und ebenfalls eine Temperatur von 4 bis 6 °Celsius aufweisen. Die Muttermilchflaschen sollten hier getrennt von anderen Lebensmitteln in einer Kunststoffbox gekühlt werden.

Lagerung im Gefrierfach (-17 °C)

Dort kannst du die Muttermilch bis zu 6 Monate lagern. Das ist also eine tolle Option, um große Vorräte für einen längeren Zeitraum anzulegen. Im Gefrierfach bei minus 18 °C kannst du deine Muttermilch bis zu sechs Monaten lagern.

Wir empfehlen, die gefrorene Milch im hinteren Teil des Tiefkühlgerätes aufzubewahren, um die Bildung von Eiskristallen zu vermeiden. Bei selbst entfrostenden Gefrierschränken achte darauf, dass die Behälter mit gefrorener Muttermilch nicht die Wände berühren.

Hebammentipp: Bei Muttermilch, die im Gefrierfach aufbewahrt wird, kann sich der Geschmack leicht verändern. Gefriere deshalb als Test eine kleine Menge Milch für kurze Zeit ein und prüfe, ob dein Baby die erwärmte Milch überhaupt mag. Wenn ja, kannst du bedenkenlos einen größeren Vorrat anlegen.

Schema zur Haltbarkeit von Muttermilch bei verschiedenen Temperaturen

Wichtige Hinweise zur Haltbarkeit

  • Einmal aufgetaute Milch sollte nicht wieder eingefroren werden!
  • Deshalb empfehlen wir dir, einige kleinere Mengen (je ca. 60-120 ml) abzufüllen und bei Bedarf mehrere dieser Portionen aufzutauen. So kannst du verhindern, dass zu viel Milch verworfen werden muss.
  • Wenn du deine Muttermilch hygienisch und sicher abpumpst hast, kannst du sie bei Raumtemperatur, im Kühlschrank oder im Gefrierschrank aufbewahren, je nachdem, wie zeitnah du sie füttern möchtest.
  • Die hier genannten Richtlinien zur Aufbewahrung und zum Auftauen von Muttermilch gelten als Empfehlung - für weitere Informationen wende dich an deinen Arzt, deine Hebamme oder an deine Stillberaterin.
  • Wenn dein Baby auf einer neonatologischen Intensivstation oder aus anderen Gründen besonders behandelt wird, gelten in deinem Krankenhaus möglicherweise strengere Empfehlungen zur Reinigung und Aufbewahrung.

Kombinieren von Muttermilch

Wenn du während eines Pumpvorgangs auf beiden Seiten (also rechts und links) abpumpst, kannst du die Muttermilch in einem gemeinsamen Behälter sammeln und lagern. Das gilt auch für Milch, die du zu verschiedenen Zeitpunkten an einem Tag gewonnen hast: Auch diese kannst du in einem Behälter zusammenführen (außer, wenn du die erste Portion eingefroren hast). Beachte aber, dass die Muttermilch beim Zusammenschütten die gleiche Temperatur haben sollte. Kühle die frisch gewonnene Milch wenn nötig also zuerst herunter.

Du kannst gekühlte flüssige Muttermilch zu bereits gefrorener Milch dazugeben, wenn du die Flasche sofort wieder einfrieren kannst. Ebenfalls ist es möglich, die Muttermilch der letzten 24 Stunden bei einer Temperatur von 4 bis 6 Grad Celsius zu sammeln und dann einzufrieren.

Auftauen und Erwärmen von Muttermilch

Sei beim Auftauen von Muttermilch vorsichtig, um zu gewährleisten, dass sie für dein Baby sicher ist:

  • Muttermilch kann im Kühlschrank aufgetaut werden, in der Regel dauert dies ca. 12 Stunden.
  • Alternativ kannst du die Flasche oder den Beutel mit gefrorener Milch auch unter laufendes warmes Wasser (max. 37 °C) halten.
  • Lass gefrorene Milch nicht bei Raumtemperatur auftauen.
  • Sobald die Milch vollständig aufgetaut wurde, kann sie für maximal zwei Stunden bei Raumtemperatur oder bis zu 24 Stunden im Kühlschrank aufbewahrt werden.
  • Gefrorene Muttermilch sollte nie in der Mikrowelle oder in kochendem Wasser aufgetaut oder erhitzt werden.
  • Du solltest dein Baby innerhalb von zwei Stunden mit der aufgetauten Muttermilch füttern, wenn sie nach dem Auftauen bei Raumtemperatur aufbewahrt wird. Danach sollte sie entsorgt werden.
  • Friere aufgetaute Milch nie erneut ein.

Gesunde termingeborene Babys können raumtemperierte oder auf Körpertemperatur angewärmte Muttermilch trinken. Um deine Milch aufzuwärmen, stelle die Muttermilchflasche oder den Beutel ein paar Minuten lang in eine Tasse, eine Kanne oder eine Schale mit lauwarmem Wasser, um sie auf Körpertemperatur zu erwärmen (37 °C). Alternativ kannst du einen Flaschenwärmer verwenden. Achte darauf, dass die Temperatur 40 °C nicht übersteigt, und verwende keine Mikrowelle, da die Milch dadurch überhitzt werden kann.

Schwenke die Flasche oder den Beutel sanft, ohne Schütteln oder Rühren, um abgesetztes Fett wieder mit der Milch zu vermischen. Durch starkes Rühren oder Schütteln kann ein Teil der nährenden und schützenden Inhaltsstoffe der Milch beschädigt werden.

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Muttermilch unterwegs aufbewahren

Doch was, wenn dein Kleines einmal ohne dich einen Ausflug macht und du ihm trotzdem deine Muttermilch geben möchtest? Auch das ist möglich! Dazu sollte die abgepumpte Muttermilch unterwegs möglichst kühl transportiert werden. Hierfür eignet sich eine gut isolierte auf etwa 15 Grad temperierte Kühltasche mit Kühlakkus. In einer Kühltasche oder Styroporbox mit Kühlelementen kann die Milch bei 15 °Celsius bis zu 24 Stunden transportiert werden. Die Milch möglichst vorkühlen und die Kühltasche beim Transport nicht öffnen, um eine Unterbrechung der Kühlkette zu verhindern. Werden mehrere Milchflaschen transportiert, sollten die Flaschen (insbesondere bei Glasflaschen) umwickelt und die Kühlelemente zwischen die Flaschen gelegt werden.

Reinigung von Milchflaschen und Pumpensets

Zur Reinigung der Milchflasche und des Pumpensets sollten diese in Einzelteile zerlegt und zeitnah mit heißem Wasser und Spülmittel gesäubert werden. Danach unter fließendem Wasser abspülen. Abtrocknen kann man dann mit Papierhandtüchern oder man lässt alles an der Luft trocknen. Die Flaschen sollten danach mit einem sauberen Tuch abgedeckt werden. Eine Sterilisation ist nicht nötig. Alternativ können die Teile auch drei Minuten ausgekocht oder in der Geschirrspülmaschine bei ≥ 65 °Celsius gesäubert werden.

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