In der modernen Geburtshilfe ist es nicht immer möglich, auf natürlichem Wege zu entbinden. Sowohl aus Gründen, die das Kind betreffen, als auch aus mütterlichen Indikationen kann ein geplanter Kaiserschnitt (Sectio caesarea) notwendig werden. Obwohl eine Kaiserschnittentbindung heutzutage als sichere Methode gilt, ist das mütterliche Risiko teilweise deutlich höher als bei einer natürlichen Geburt. Daher sollte die Entscheidung für einen Kaiserschnitt stets gut begründet und wohlüberlegt sein.
In vielen Kliniken wird die Operationsmethode nach Misgav-Ladach angewendet. Diese Methode zeichnet sich durch eine verkürzte Operationsdauer, geringere postoperative Schmerzen und eine schnellere Erholung der Mutter aus. Sie wird oft auch als „sanfter Kaiserschnitt“ bezeichnet.

Ablauf eines geplanten Kaiserschnitts
Vorbereitung
Im Rahmen der Geburtsplanung wird ein OP-Termin festgelegt, der in der Regel etwa eine Woche vor dem errechneten Entbindungstermin liegt. In bestimmten Fällen, wie beispielsweise nach vorherigen Kaiserschnitten, bei Plazenta praevia, Mehrlingsschwangerschaften oder bei Auffälligkeiten bei Mutter oder Kind, kann der Termin vorgezogen werden.
Sie werden über den geplanten Eingriff aufgeklärt und es wird Ihnen Blut abgenommen. Anschließend informiert Sie die Anästhesie über den Ablauf der Narkose - in der Regel eine Teilnarkose (Spinalanästhesie/SPA) - und deren mögliche Risiken. Ein Aufklärungsbogen, den Sie bitte im Vorfeld ausfüllen, wird Ihnen ausgehändigt. Für die Terminvereinbarung ist eine Anforderung von der geburtshilflichen Ambulanz erforderlich, die erst nach der Vorstellung zur Geburtsplanung erfolgen kann.
Am OP-Tag
Am Operationstag sollten Sie ab Mitternacht nüchtern bleiben und um 06:30 Uhr im Kreißsaal erscheinen. Die Anmeldung erfolgt im Eingangsbereich des ELKIs. Das bedeutet, dass ab Mitternacht keine Nahrung mehr aufgenommen und auch kein Kaugummi benutzt oder geraucht werden darf. Bis 6 Uhr morgens dürfen Sie klare Flüssigkeiten wie Wasser trinken. Bitte entfernen Sie sämtlichen Körperschmuck wie Ketten, Ohrringe, Piercings und Ringe.
Es wird eine CTG-Kontrolle durchgeführt. Gegebenenfalls erfolgt durch die Hebamme eine Rasur im Schnittbereich. Sie erhalten einen Venenzugang, ein OP-Hemd sowie Kompressionsstrümpfe.
Im Operationssaal
Im Operationssaal erwartet Sie das OP-Team. EKG-Elektroden und eine Blutdruckmanschette werden angelegt. Sie werden auf dem OP-Tisch sitzend für die Anlage der Spinalanästhesie positioniert. Nach erfolgter Rückenmarksbetäubung wird ein Blasenkatheter gelegt und der Bauch desinfiziert. Vor OP-Beginn wird die Wirkung der Schmerzbetäubung überprüft.
Es ist zu erwarten, dass Sie einen wohldosierten Druck auf den Bauch spüren werden, um das Kind zu entwickeln. Dies sollte Sie nicht beunruhigen. Wenn das Kind nach einer kurzen Untersuchung durch Hebamme und Kinderarzt als unauffällig eingestuft wird, kann es Ihnen an das Kopfende gebracht werden, wo Sie es auf die Brust legen können oder der Partner es im Arm hält. Während der OP erhalten Sie zur Infektionsprophylaxe ein Antibiotikum.

Nach dem Kaiserschnitt
Nach dem Kaiserschnitt verbleiben Sie in der Regel für zwei Stunden im Kreißsaalbereich zur Überwachung. Hier wird das Kind gewogen und vermessen. Diese Zeit bietet ausreichend Gelegenheit für Bonding und das erste Anlegen an die Brust.
Im Mittel bleiben Sie nach einem Kaiserschnitt drei Tage in der Klinik. Während dieser Zeit finden täglich Visiten durch Schwestern und Ärzte statt. Mit Schmerzen nach einem Kaiserschnitt ist zu rechnen, wobei der Schmerzmittelbedarf individuell unterschiedlich ist. Sie erhalten Schmerzmittel, die mit dem Stillen verträglich sind.
Der gelegte Blasenkatheter kann entfernt werden, sobald Sie wieder eigenständig aufstehen und zur Toilette gehen können. Zur Vermeidung von Blutgerinnseln (Thrombosen) erhalten Sie täglich eine Heparinspritze unter die Haut und behalten bis zur Entlassung die Kompressionsstrümpfe an.
Am Tag der Entlassung finden eine Abschlussuntersuchung und ein Abschlussgespräch statt. Die U2-Untersuchung wird in der Regel von den Kinderärzten durchgeführt.
Der Schleimpfropf: Bedeutung und Abgang
Was ist der Schleimpfropf?
Der Schleimpfropf ist eine Schleimansammlung, die sich zu Beginn der Schwangerschaft im Gebärmutterhalskanal bildet. Seine Hauptfunktion ist der Schutz der Gebärmutter und des Fötus vor Infektionen, indem er den Muttermund verschließt und so das Eindringen von Bakterien und Keimen verhindert.
Der Schleimpfropf besteht aus Wasser, Eiweißen, Elektrolyten, Enzymen sowie Abwehrzellen und Antikörpern. Während der fruchtbaren Tage im Zyklus wird das Sekret durch Östrogen dünnflüssiger, um die Spermienpassage zu erleichtern. Auch bei nichtschwangeren Frauen übernimmt der Zervixschleim eine Schutzfunktion.

Wann und wie löst sich der Schleimpfropf?
Der Schleimpfropf löst sich, wenn sich der Körper auf die Geburt vorbereitet. Dies geschieht in der Regel zwischen der 38. und 42. Schwangerschaftswoche, kann aber auch früher oder später erfolgen. Der Abgang wird durch die Produktion von Prostaglandinen und das Absinken des Kindes im Becken begünstigt, wodurch der Gebärmutterhals weicher wird und sich zu öffnen beginnt.
Der Verlust des Schleimpfropfs kann auf verschiedene Arten geschehen: Er kann sich auf einmal lösen oder über mehrere Tage verteilt abgehen. Manche Frauen bemerken den Abgang gar nicht, etwa beim Duschen. Andere entdecken ihn nach dem Toilettengang am Toilettenpapier oder verlieren ihn dort.
Aussehen und Farbe des Schleimpfropfs
Das Aussehen des Schleimpfropfs ist individuell sehr unterschiedlich. Er kann milchig-weiß, geleeartig, durchsichtig, weißlich, hellrosa oder auch bräunlich sein. Leichte Blutspuren, die sogenannten Zeichnungsblutungen, können enthalten sein und deuten darauf hin, dass sich der Muttermund langsam zu öffnen beginnt.
Im Gegensatz zu normalem Vaginalausfluss, der oft dünn und weißlich oder hellgelb ist, ist der Schleimpfropf dicker und geleeartiger. Ein leichter Geruch ist dabei normal.
Was tun, wenn sich der Schleimpfropf löst?
Der Abgang des Schleimpfropfs ist in der Regel ein normales Anzeichen für die bevorstehende Geburt und kein Grund zur Hektik. Insbesondere wenn Sie sich in der 38. Schwangerschaftswoche oder später befinden, müssen Sie nicht sofort ins Krankenhaus fahren. Sie können weiterhin baden, Sport treiben oder andere Aktivitäten ausüben, die Ihnen guttun.
Wichtige Hinweise:
- Bei starkem Blutverlust: Wenn Sie im Ausfluss des Schleimpfropfs übermäßige Mengen an hellrotem Blut beobachten, sollten Sie umgehend Ihren Arzt kontaktieren oder die Klinik aufsuchen, da dies auf eine Schwangerschaftskomplikation wie Plazentaablösung hinweisen könnte.
- Bei sehr frühem Abgang: Löst sich der Schleimpfropf deutlich vor der 37. Schwangerschaftswoche, kann dies auf eine drohende Frühgeburt hindeuten. In diesem Fall sollten Sie Ihren Arzt konsultieren.
- Bei ungewöhnlichem Ausfluss: Gelblich-grüner, übelriechender oder schaumiger Schleim kann auf eine Infektion hindeuten und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Es ist ratsam, Datum, Uhrzeit, Aussehen und eventuelle Begleitsymptome (Schmerzen, Blutungen, Wehen) zu notieren, um diese Informationen mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt zu teilen.
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Schleimpfropf und geplanter Kaiserschnitt
Auch wenn ein geplanter Kaiserschnitt ansteht, kann sich der Schleimpfropf lösen. Sollten Sie Wehen bemerken oder die Fruchtblase platzen, ist es ratsam, sich mit der Klinik in Verbindung zu setzen. In solchen Fällen kann der Kaiserschnitt vorgezogen werden. Das Vorhandensein von Wehen kann sogar dazu beitragen, dass sich die Gebärmutter nach dem Kaiserschnitt besser zurückbildet.
Die Tatsache, dass sich der Schleimpfropf gelöst hat, schließt einen geplanten Kaiserschnitt nicht aus. Falls Wehen einsetzen, werden diese im Rahmen der Betäubung für den Kaiserschnitt nicht mehr wahrgenommen.
Nachsorge und Empfehlungen
Achten Sie nach dem Abgang des Schleimpfropfs auf sanfte Intimhygiene und vermeiden Sie Vaginalduschen oder aggressive Seifen. Bei einem geplanten Kaiserschnitt empfiehlt es sich, hochgeschnittene Slips und Hosen mit weichem Bund zu tragen, damit nichts auf die Narbe drückt. Das Kleben einer Mullbinde über die Narbe kann anfangs ebenfalls Linderung verschaffen.
Eine schnelle Mobilisierung nach dem Kaiserschnitt senkt das Risiko für Thrombosen und Embolien. Es wird jedoch davon abgeraten, schwere Lasten zu heben oder sich zu bücken. Bei Schmerzen helfen Ibuprofen oder Paracetamol, die auch beim Stillen unbedenklich sind.
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