Eine Fehlgeburt, insbesondere eine missed abortion (verhaltener Abort), stellt für betroffene Frauen eine emotionale und körperliche Belastung dar. In solchen Fällen ist die Frage nach dem weiteren Vorgehen - ob eine Ausschabung (Curettage) erfolgen soll oder ein abwartendes Verhalten ratsam ist - von zentraler Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Umgangs mit einer Fehlgeburt in der frühen Schwangerschaft, alternative Behandlungsmethoden und unterstützende natürliche Ansätze.
Was ist eine missed abortion?
Eine missed abortion liegt vor, wenn das ungeborene Kind in der Gebärmutter abgestorben ist, die Schwangerschaft jedoch nicht von selbst abgeht. Äußerlich zeigen sich oft zunächst keine Symptome, und die Blutung bleibt aus. Die Diagnose erfolgt meist erst bei einer routinemäßigen Vorsorgeuntersuchung, wenn kein Herzschlag mehr nachweisbar ist oder das Wachstum des Embryos stagniert. Dies ist für die betroffenen Frauen oft ein tiefer Schock und eine emotionale Katastrophe.
Der Umgang mit der Diagnose: Ausschabung vs. abwartendes Verhalten
Traditionell ist in Deutschland die Ausschabung (Curettage) die gängige medizinische Routine nach der Diagnose einer Fehlgeburt. Dabei wird das verbliebene Schwangerschaftsgewebe operativ aus der Gebärmutter entfernt. Dies ist ein Eingriff, der mit einer Narkose und den damit verbundenen Risiken verbunden ist. Viele Frauen empfinden jedoch den Gedanken, eine nicht mehr intakte Schwangerschaft länger in sich zu tragen, als belastend oder gar gruselig.
Eine Alternative zur Ausschabung ist das abwartende Verhalten. Dabei wird dem Körper Zeit gegeben, die Fehlgeburt auf natürliche Weise zu vollenden. Dieser Weg wird in anderen Ländern, wie Skandinavien oder der Schweiz, bereits häufiger praktiziert und zeigt vielversprechende Ergebnisse. Das abwartende Verhalten kann jedoch Wochen dauern und erfordert Geduld und emotionale Stärke. Es ist wichtig zu betonen, dass dieses Vorgehen ärztlicher Kontrolle bedürfen sollte, um Komplikationen wie Infektionen frühzeitig zu erkennen.
Die Risiken einer Ausschabung
Obwohl eine Ausschabung als Routineeingriff gilt, birgt sie potenzielle Risiken. Dazu gehören:
- Risiken im Zusammenhang mit der Narkose
- Verletzungen der Gebärmutterschleimhaut
- Infektionen
- Die Möglichkeit von Resten in der Gebärmutter, die später zu Problemen führen können
Vorteile des abwartenden Verhaltens
Das abwartende Verhalten bietet mehrere Vorteile:
- Schonung der Gebärmutter: Die Gebärmutter wird keinem operativen Eingriff ausgesetzt, was für zukünftige Schwangerschaften vorteilhaft sein kann.
- Psychische Verarbeitung: Es ermöglicht der Frau, sich in ihrem eigenen Tempo von dem Baby zu verabschieden und den Prozess der Trauerarbeit zu durchlaufen.
- Vermeidung von Narkose und OP-Risiken: Dies ist besonders für Frauen relevant, die Angst vor Operationen haben.
Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass das Warten eine Herausforderung darstellen kann. Die emotionale Achterbahnfahrt mit Phasen von Verzweiflung, Trauer und Wut ist normal. Zudem kann es schwierig sein, den Alltag mit der Ungewissheit und dem Wissen um die Fehlgeburt zu vereinbaren.
Natürliche Unterstützung und Hausmittel
Für Frauen, die eine natürliche Fehlgeburt anstreben, gibt es verschiedene unterstützende Maßnahmen:
Senfmehl-Fußbäder
Senfmehl-Fußbäder gelten als anregend und ausleitend. Sie können die Durchblutung fördern und den Körper auf den Prozess vorbereiten. Hierfür werden 2 Esslöffel Senfmehl in warmem Wasser (ca. 36°C) aufgelöst und die Füße für 10-15 Minuten gebadet. Währenddessen kann schrittweise heißeres Wasser hinzugefügt werden. Nach dem Bad kann die Haut gerötet sein und leicht brennen, was als normal gilt. Bei Hautverletzungen oder ausgeprägten Krampfadern sollte auf Senfmehl verzichtet werden.

Kräutertees und Öle
Einige Frauen berichten von positiven Erfahrungen mit Tees aus Gänsefingerkraut zur Schmerzlinderung oder Himbeerblättertee, der gebärmutteranregend wirken soll. Auch ein gebärmutteranregendes Massageöl wie das Ut-Öl von Ingeborg Stadelmann kann zur sanften Bauchmassage eingesetzt werden, um die emotionale Verbindung zum Körper zu stärken.
Hochdosiertes Vitamin C
Die Einnahme von hochdosiertem Vitamin C (ca. 6 Gramm über den Tag verteilt) kann ebenfalls die Gebärmutteraktivität anregen. Beachtet werden sollte, dass dies abführend wirken kann.
Homöopathie
Auch klassische Homöopathie kann eine unterstützende Rolle spielen, erfordert jedoch eine individuelle Beratung durch einen erfahrenen Therapeuten.
Medikamentöse Unterstützung
In einigen Fällen kann die Einnahme von Medikamenten eine Option sein, um eine Fehlgeburt auszulösen, ohne auf eine Ausschabung zurückgreifen zu müssen. Das Medikament Misoprostol (Cytotec®) wird hierfür häufig im Off-Label-Verfahren eingesetzt. Es kann eine Fehlgeburt recht zuverlässig herbeiführen und wird als "kleine Geburt" beschrieben. Dieser Prozess kann mit starken Blutungen und wehenartigen Schmerzen einhergehen, für die Schmerzmittel wie Ibuprofen und Buscopan empfohlen werden.
Es ist ratsam, eine medikamentös unterstützte Fehlgeburt nicht allein durchzuführen, sondern idealerweise in Begleitung des Partners, einer Freundin oder einer Hebamme. Eine vertrauensvolle und geschützte Umgebung ist dabei essenziell.
Die Bedeutung der Nachsorge und emotionalen Unterstützung
Unabhängig von der gewählten Methode ist die emotionale Verarbeitung einer Fehlgeburt von entscheidender Bedeutung. Körper und Seele benötigen Zeit, um den Verlust zu verarbeiten. Der Austausch mit anderen betroffenen Frauen, sei es im persönlichen Umfeld oder in Online-Foren, kann dabei sehr hilfreich sein.
Eine Hebamme kann eine wertvolle Unterstützung während des gesamten Prozesses bieten, sowohl körperlich als auch emotional. Sie kann bei der Begleitung einer natürlichen Fehlgeburt zu Hause helfen und bei Fragen und Ängsten zur Seite stehen.
Die Entscheidung treffen: Eine persönliche Reise
Letztendlich ist die Entscheidung, ob eine Ausschabung durchgeführt oder ein abwartendes Verhalten gewählt wird, eine sehr persönliche. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg. Wichtig ist, dass die Frau gut informiert ist, sich fachkundig beraten lässt und die für sie stimmigste Entscheidung trifft. Die Erfahrung zeigt, dass eine Fehlgeburt zwar eine schmerzhafte Erfahrung ist, aber mit der richtigen Unterstützung und Zeit für die Heilung bewältigbar ist.
Missed Abortion I Fehlgeburt ohne Symptome I Dr. K. Wagner
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