Eine ausgewogene Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die Fruchtbarkeit, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Schon vor einer geplanten Schwangerschaft ist es sinnvoll, auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und anderen wichtigen Nährstoffen zu achten. Diese können nicht nur die Chancen auf eine Empfängnis erhöhen, sondern auch den Körper optimal auf die Strapazen einer Schwangerschaft vorbereiten und möglichen Komplikationen vorbeugen.
Die Bedeutung von Vitaminen bei Kinderwunsch
Obwohl es kein einzelnes nachweisbares "Fruchtbarkeitsvitamin" gibt, ist eine ausreichende Versorgung mit verschiedenen Vitaminen für Frauen mit Kinderwunsch von großer Bedeutung. Mangelerscheinungen können die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, reduzieren. Zudem hilft eine gute Versorgung, den erhöhten Bedarf während der Schwangerschaft von Anfang an zu decken.
Besonders wichtige Vitamine:
- Folsäure (Folat): Dieses B-Vitamin ist essentiell für die gesunde Entwicklung des Embryos in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen. Ein Mangel kann zu Missbildungen wie einer Spina bifida ("offener Rücken") führen. Experten empfehlen Frauen mit Kinderwunsch, mindestens einen Monat vor der Empfängnis täglich 400 Mikrogramm Folat zu sich zu nehmen.
- Vitamin D: Ein Mangel an Vitamin D kann den Kinderwunsch behindern. Studien deuten darauf hin, dass Frauen mit ausreichendem Vitamin D-Spiegel eine etwa viermal höhere Chance auf eine Schwangerschaft haben. Es ist ratsam, den Vitamin-D-Spiegel ärztlich überprüfen zu lassen und bei Bedarf ein Präparat einzunehmen.
- Vitamin C und E: Diese Vitamine, ebenso wie verschiedene B-Vitamine, spielen ebenfalls eine Rolle bei der Fruchtbarkeit.
Vorsicht mit Vitamin A: Produkte mit hohem Vitamin A-Gehalt, insbesondere Leber, sollten vor der Schwangerschaft und in den ersten Schwangerschaftswochen gemieden werden. Eine zu hohe Konzentration kann zu Entwicklungsstörungen beim Embryo führen, da der Körper dieses fettlösliche Vitamin nicht einfach ausscheiden kann.

Die ideale Ernährung bei Kinderwunsch
Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist die Grundlage für die Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen. Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bieten hierfür eine gute Orientierung.
Empfehlungen für die tägliche Ernährung:
- Viel Gemüse und Obst: Mindestens 5 Portionen täglich.
- Vollkornprodukte: Bevorzugen Sie Vollkornvarianten anstelle von Weißmehlprodukten.
- Milchprodukte: Eine gute Quelle für Kalzium.
- Fisch: Ein- bis zweimal pro Woche.
- Pflanzliche Fette: Bevorzugen Sie diese gegenüber tierischen Fetten (z.B. Rapsöl).
- Weniger gesättigte Fettsäuren, Zucker und verarbeitete Produkte: Reduzieren Sie den Konsum von Fleisch, Wurst, zuckerhaltigen Getränken und Fertiggerichten.
Eine schonende Zubereitung der Mahlzeiten hilft, die enthaltenen Nährstoffe zu erhalten.
Omega-3-Fettsäuren:
Neuere Studien legen nahe, dass Omega-3-Fettsäuren die weibliche Fruchtbarkeit steigern und den Erfolg einer künstlichen Befruchtung verbessern könnten. Gute Quellen sind fettreicher Fisch (wie Lachs) und Leinöl.
Die Bedeutung des Körpergewichts:
Ein gesundes Körpergewicht ist entscheidend. Sowohl Unter- als auch Übergewicht können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen:
- Untergewicht: Kann bei Frauen die Chance auf eine Schwangerschaft verringern, da dem Körper Reserven fehlen. Bei Männern kann es die Hodenfunktion und Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen.
- Übergewicht: Kann bei Frauen zu Zyklusstörungen und bei Männern zu einer gestörten Spermienproduktion führen.

Wichtige Mineralstoffe für die Fruchtbarkeit
Neben Vitaminen sind auch Mineralstoffe unerlässlich für die Fruchtbarkeit. Eine ausgewogene, pflanzenbasierte Ernährung liefert viele dieser wichtigen Stoffe.
Kritische Mineralstoffe bei Kinderwunsch:
- Eisen: Frauen verlieren durch die Menstruation regelmäßig Eisen. Da Eisen für die Blutbildung des Embryos wichtig ist, sollten Frauen mit Kinderwunsch ihre Eisenspeicher auffüllen. Die DGE empfiehlt für Frauen eine tägliche Zufuhr von etwa 15 mg.
- Kalzium: Wichtig für den Muskel- und Knochenaufbau, sowohl bei der Mutter als auch beim Ungeborenen. Die empfohlene Tagesdosis für Frauen über 18 Jahre beträgt 1.000 mg.
- Jod: Essentiell für die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Der Bedarf kann in der Schwangerschaft erhöht sein. Eine ausreichende Zufuhr ist bereits bei Kinderwunsch wichtig. Die empfohlene Tagesdosis liegt für Frauen und Männer bis 50 Jahre in Deutschland bei 200 Mikrogramm.
- Selen: Spielt eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Gehirns und der Nervenbahnen des Embryos. Frauen sollten täglich 60 Mikrogramm zu sich nehmen.
Empfehlungen für Männer
Auch Männer sollten auf ihre Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen achten, da einige Stoffe für die männliche Fertilität unverzichtbar sind.
Wichtige Nährstoffe für Männer:
- Zink: Beeinflusst die Samenanzahl und -qualität. Die DGE empfiehlt 11-16 mg pro Tag.
- Kalzium: 1.000 mg pro Tag (für Männer ab 19 Jahre).
- Magnesium: 350 mg pro Tag.
Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch
Obwohl eine ausgewogene Ernährung die meisten Nährstoffe abdecken sollte, kann in einigen Fällen eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.
Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel:
- Folsäure und Jod: Werden von Medizinern Frauen mit Kinderwunsch generell empfohlen (400 Mikrogramm Folsäure und 100 Mikrogramm Jod pro Tag).
- Weitere Mikronährstoffe: Bei nachgewiesenem Mangel oder vermuteten positiven Effekten können auch B-Vitamine, Vitamin C, D und E, Selen, Zink und Kalzium gezielt ergänzt werden.
Für Männer gibt es ebenfalls spezielle Präparate, jedoch zeigten einige Studien keine signifikante Verbesserung der Samenqualität oder Geburtsraten durch Zink und Folsäure.
Ärztliche Beratung ist unerlässlich:
Die Entscheidung für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen. Blutuntersuchungen können Mangelzustände aufdecken und eine Überdosierung sowie damit verbundene Nebenwirkungen vermeiden.
Welche Nahrungsergänzungsmittel bei Kinderwunsch wirklich helfen | Urologie am Ring
Exotische Lebensmittel und ihre Wirkung auf die Fruchtbarkeit
Einigen Lebensmitteln werden fruchtbarkeitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben, deren wissenschaftliche Belege jedoch oft fehlen.
Beispiele für umstrittene Mittel:
- Yamswurzel: Enthält Diosgenin, eine Vorstufe von Progesteron. Die positive Wirkung auf die Fruchtbarkeit ist wissenschaftlich nicht belegt.
- Granatapfelsaft: Gilt als Aphrodisiakum und soll die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen. Es gibt jedoch keinen wissenschaftlichen Beleg dafür.
- Kurkuma: Es wird vermutet, dass Kurkumin den Östrogenspiegel stabilisiert und den Eisprung fördert. Diese Annahmen sind bisher nicht belegt.

Lebensmittel, die die Fruchtbarkeit fördern können
Bestimmte Lebensmittel zeichnen sich durch eine hohe Nährstoffdichte aus und können die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen.
10 fruchtbarkeitsfördernde Lebensmittel:
- Leinsamen: Reich an Omega-3-Fettsäuren und Lignanen, die zur Regulierung des Hormonsystems beitragen können. Sie können die Qualität von Eizellen und Spermien verbessern und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut unterstützen.
- Rote Bete: Fördert die Durchblutung der Fortpflanzungsorgane, unterstützt die Leber bei der Entgiftung und ist reich an Folsäure. Sie kann den Aufbau einer gesunden Gebärmutterschleimhaut fördern.
- Wildlachs: Eine ausgezeichnete Quelle für Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) und Jod, die für die Fruchtbarkeit und Schilddrüsenfunktion essentiell sind.
- Eier: Besonders das Eigelb ist eine gute Cholin-Quelle, wichtig für die Zellbildung, Gehirnentwicklung und Hormonregulation.
- Walnüsse: Bieten pflanzliche Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien, die die Eizellgesundheit und männliche Fruchtbarkeit verbessern können.
- Spinat: Eine gute pflanzliche Eisenquelle, die zur Regulierung des Zyklus und zur Verbesserung der Durchblutung der Gebärmutter beitragen kann. Kombiniert mit Vitamin C wird die Eisenaufnahme optimiert.
- Heidelbeeren: Reich an Antioxidantien (Anthocyane), die entzündungshemmend wirken und eine Hauptursache für Fruchtbarkeitsprobleme darstellen können.
- Süßkartoffeln: Reich an Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A), das für den Aufbau einer gut durchbluteten Gebärmutterschleimhaut und die Progesteronproduktion wichtig ist.
- Quinoa: Eine pflanzliche Proteinquelle, die alle 9 essentiellen Aminosäuren enthält und für viele Prozesse im Kinderwunsch benötigt wird.
- Brokkoli: Enthält wichtige Mikronährstoffe und bioaktive Pflanzenstoffe (Indol-3-Carbinol, Sulforaphan), die die Eizellqualität und Hormonbalance verbessern. Er ist zudem eine gute Quelle für Folsäure und Vitamin C.

Eine Ernährung, die reich an diesen nährstoffdichten Lebensmitteln ist, kann einen wertvollen Beitrag auf dem Weg zum Wunschbaby leisten.
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