Neugeborenes schaut interessiert: Entwicklung des Sehvermögens und der visuellen Wahrnehmung

Bereits in den ersten Lebenswochen gestaltet das Baby seine Umwelt aktiv mit. Es nimmt mehr wahr, als man früher dachte, und von Anfang an kommuniziert es mit seinen Eltern. Von Geburt an ist Ihr Baby an einem Austausch mit Ihnen interessiert. Ist es wach und aufmerksam, nimmt es mit Ihnen Kontakt auf, indem es Sie anschaut. Anfangs gelingt ihm das nur für wenige Minuten, später immer länger. Wenn das Baby seinen Blick wieder abwendet, zeigt es Ihnen, dass es eine Pause braucht. Durch Gähnen, Seufzen und Quengeln signalisiert es, dass es müde ist.

Mit ihrem ganzen Körper drücken Säuglinge aus, wie es ihnen aktuell geht. Die meisten Eltern reagieren intuitiv richtig auf diese Signale oder lernen es schnell. Wenn Sie Ihr Baby beobachten, werden Sie seine Signale immer besser einordnen können und immer sicherer erkennen, was Ihnen Ihr Baby "sagen" möchte und welche Unterstützung es gerade benötigt.

Ein zufriedenes Baby - Merkmale und Signale

Ein zufriedenes Baby zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Atmet regelmäßig und ruhig.
  • Hat eine rosige Hautfarbe.
  • Bewegt sich ruhig und gleichmäßig.
  • Schaut Sie an.
  • Plappert oder macht andere kleine Geräusche.
  • Lächelt.

Ein belastetes Baby - Warnsignale und Reaktionen

Ein belastetes Baby hingegen zeigt oft folgende Anzeichen:

  • Wendet den Blick ab, dreht den Kopf oder den Körper weg.
  • Reibt sich die Augen.
  • Rudert heftig mit den Armen.
  • Überstreckt den Rücken.
  • Windet sich oder tritt.
  • Starrt vor sich hin.
  • Atmet schnell und gepresst.
  • Hat eine marmorierte, blasse oder gerötete Haut.
  • Spuckt oder würgt.
  • Quengelt oder schreit.

Wie ein Baby sich selbst beruhigt

Kleine alltägliche Belastungen können Babys schon selbst eigenständig bewältigen, zum Beispiel durch Nuckeln oder Saugen.

Wann Sie Ihr Baby beruhigen sollten

Sind Babys überfordert oder verunsichert, können sie sich nicht mehr selbst beruhigen. Dies ist oft der Fall, wenn sie zu viele Eindrücke auf einmal verarbeiten müssen. In solchen Momenten brauchen sie Ihre Unterstützung, Trost und Körperkontakt. Meistens werden Sie Ihr Kind beruhigen können, indem Sie es auf den Arm nehmen, sanft mit ihm sprechen oder ihm die Brust oder seinen Schnuller geben.

Die ersten Wochen: So unterstützen Sie Ihr Baby

Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Kind zu beobachten und seine feinen Signale für Offenheit und Belastung zu verstehen. Trösten Sie Ihr Baby zuverlässig jedes Mal sofort, wenn es weint. Stimmen Sie Ihr Tempo auf das Tempo Ihres Babys ab. Vermeiden Sie abrupte oder hektische Bewegungen. Ermöglichen Sie Ihrem Baby ausreichend Pausen. Benennen Sie das, was Sie mit Ihrem Baby tun. Zum Beispiel beim Wickeln: "Jetzt machen wir dich sauber", beim Baden: "Ja, das ist schön warm" oder beim Füttern: "Hmm, das schmeckt dir!" Das Baby liebt den Klang Ihrer Stimme und kann sich dabei auf die Abläufe in seinem Leben einstellen.

In den ersten Wochen braucht Ihr Baby kein Spielzeug. Sie selbst, Ihre Stimme, Ihre Mimik, Ihre Hände und alles, was sich sonst in seiner Umgebung befindet, sind für das Baby Anregung genug. Sprechen Sie von Anfang an mit Ihrem Kind und erzählen Sie ihm, was in seiner neuen Welt vorgeht, was es sieht, was es fühlt.

Eine Mutter hält ihr Baby im Arm und blickt es liebevoll an, das Baby schaut interessiert zurück.

Entwicklung des Sehvermögens im ersten Lebensjahr

Kaum auf der Welt, betrachten Neugeborene neugierig die Umgebung - so scheint es. Doch Babys sehen nicht von Anfang an gut, das Sehvermögen muss erst reifen. Neugeborene sind zwar in der Lage, Hell-Dunkel-Kontraste voneinander zu unterscheiden, sie sehen jedoch unscharf - nach der Geburt nehmen sie ihr Umfeld lediglich als Umrisse wahr. Das ändert sich jedoch schnell - auf der Schwelle vom Baby zum Kleinkind, also mit etwa einem Jahr, erreichen Kinder bereits 50 Prozent der Sehschärfe, die Erwachsene haben. Bis dahin meistern Babys jedoch viele einzelne Entwicklungsschritte.

Was sehen Babys in den ersten Lebenswochen?

Schon bald nach der Geburt werden Sie und Ihr Baby sich zum ersten Mal in die Augen sehen. Nach der Zeit in der lichtgeschützten Gebärmutter sind die kleinen Augen noch empfindlich und grelles Licht sollte daher vermieden werden. Wie Ihr neugeborenes Baby seine Umgebung wahrnimmt, unterscheidet sich sehr von Ihrem eigenen Sehvermögen. Doch ein paar Dinge kann es dennoch sehen:

  • Hell-Dunkel-Kontraste
  • Formen und Umrisse
  • Grobe Muster
  • Gesichter

Noch fehlt Ihrem Neugeborenen die Fähigkeit, scharf zu sehen, hauptsächlich bei Dingen, die weiter entfernt sind. Auch das Fokussieren muss erst noch erlernt werden. Neugeborene haben ein sehr eingeschränktes Sehvermögen: Am besten sehen Neugeborene auf eine Entfernung von etwa 20 bis 25 Zentimetern. Diese Distanz entspricht in etwa der Entfernung der Augen zwischen Mutter und Kind beim Stillen. Alles, was darüber hinausgeht, sehen Babys am Anfang ihres Lebens verschwommen oder gar nicht - in etwa vergleichbar mit einem stark kurzsichtigen Erwachsenen, der keine Sehhilfe trägt.

Die Entwicklung des Auges und die Fähigkeit zu fokussieren

Wenn ein Baby geboren wird, ist der optische Apparat bereits weitgehend entwickelt. Dazu gehören beispielsweise die Hornhaut, Pupille, Iris und Linse des Auges. Die Netzhaut und das Gehirn wurden bis zur Geburt allerdings kaum Reizen ausgesetzt: Im Mutterleib dringt nur sehr wenig Licht durch die Bauchdecke und der Fötus kann lediglich zwischen verschiedenen Helligkeitsstufen unterscheiden. Doch Sehreize können die Augen von Babys vom ersten Moment an wahrnehmen - sie müssen nur noch lernen, sie richtig zu verarbeiten.

Schon als Neugeborenes wird Ihr Baby Ihnen in die Augen schauen, vor allem beim Kuscheln oder Stillen. Im 1. Monat lernt Ihr Kind, Ihr Gesicht als Ganzes wahrzunehmen. Mit 2 oder 3 Monaten verbessert sich die Fähigkeit, zu fokussieren. Das Fokussieren entwickelt sich in den kommenden Wochen stetig weiter. Mit 2 bis 3 Monaten können Babys die Blickachsen beider Augen bereits nach innen richten, um etwas direkt vor sich deutlicher ins Visier zu nehmen, etwa die eigene Hand. Parallel dazu kann es den Blickwinkel auch nach außen lenken, um entfernte Dinge anzuschauen.

Schielen bei Säuglingen

Wundere Sie sich nicht, wenn Ihr kleiner Liebling schielt. Auch kann es vorkommen, dass die Augen sich gelegentlich ganz unabhängig voneinander bewegen. Dies liegt daran, dass sich die Augenmuskeln von Neugeborenen noch aufeinander einstimmen müssen und erst etwas später synchron arbeiten. In der Regel gibt sich dies bis zum 3. Lebensmonat. Sollte Ihr Baby danach noch öfter schielen, sollten Sie dies von einem Arzt/einer Ärztin untersuchen lassen.

Farben und Muster erkennen

Babys können bereits ab den ersten Lebenstagen bestimmte Farben erkennen. Vor allem Rot scheint Neugeborene magisch anzuziehen. In den ersten Wochen können Babys die Farben noch nicht gut voneinander unterscheiden, sondern nehmen viel mehr Hell-Dunkel-Kontraste wahr. Allerdings ist die Farbwahrnehmung eines Neugeborenen noch nicht vollständig ausgereift. Es kann lediglich sehr intensive Farbreize in bestimmten Farbtönen verarbeiten - am liebsten natürlich Rot. Rottöne haben sogar eine beruhigende Wirkung auf ein Neugeborenes.

Bereits mit 4 Wochen lernt Ihr kleiner Schatz, immer mehr Farben voneinander zu unterscheiden. Ab 4 Monaten können Babys die meisten Farben und Farbtöne erkennen und damit die Welt in ihrer bunten Pracht sehen. Im ersten Lebensjahr gilt allerdings noch: Je satter die Farben sind, desto besser werden sie von Ihrem Kind wahrgenommen.

Durch die eingeschränkte Farbwahrnehmung wird sich Ihr Baby zunächst eher für Schwarz-Weiß-Muster als für farbige Bilder interessieren - je kontrastreicher diese aussehen, desto besser. Mit 1 Monat können Karomuster oder Streifen spannend sein, später mit etwa 3 Monaten Kreise oder Spiralen. Kleine Kinder mögen Formen und Muster - auch noch zu einem späteren Zeitpunkt ihrer Entwicklung.

Eine Grafik, die die Entwicklung der Sehschärfe eines Babys von der Geburt bis zum Alter von 5 Jahren zeigt.

Die Faszination für Gesichter

Ab dem ersten Augenblick werden Sie feststellen, dass sich Ihr Baby ganz besonders für Ihr Gesicht interessiert und wann immer es möglich ist, Ihren Blickkontakt sucht. Die Faszination für Gesichter haben Babys schon im Mutterleib. Dies haben britische Wissenschaftler herausgefunden: Wenn Lichtpunkte durch die Bauchdecke scheinen und sie einem Gesicht ähneln, folgt ein Baby diesen mit den Augen eher als einer anderen beliebigen Lichtquelle. Gesichter wahrzunehmen, muss also nicht erst erlernt werden, sondern ist angeboren. Babys schauen Gesichter auch lieber und länger an als andere Dinge und studieren diese regelrecht. Schließlich sind Neugeborene auf ihre Bezugspersonen angewiesen und müssen sie identifizieren können.

Ihr Baby wird Ihnen und Ihrem Partner von Geburt an länger in die Augen schauen als anderen Menschen. Gesichter sehen für Ihren Liebling allerdings alle noch gleich aus. Ihr Baby benötigt Zeit, um zu lernen, Gesichter voneinander zu unterscheiden. Ab dem 3. Lebensmonat wird ihm das schon sehr viel besser gelingen. Ihr Baby kann dann auch bestimmte Gesichtsausdrücke erkennen und darauf reagieren. Wie Studien gezeigt haben, können Babys ab 6 Monaten Gesichter sogar feiner wahrnehmen, als dies Erwachsene tun.

Visuelle Präferenzen und genetische Einflüsse

Ob das, was Kleinkinder bevorzugt anschauen, von genetischen oder umgebungsbedingten Faktoren beeinflusst wird, ist eine spannende Frage. Schaut ein fünf Monate altes Baby lieber Gesichter an oder konzentriert es sich hauptsächlich auf nicht sozial geprägte Objekte wie Autos und Becher? Einer neueren EU-finanzierten Studie zufolge wird diese Vorliebe hauptsächlich durch genetische Faktoren bestimmt. Die im Rahmen der Projekte BRAINVIEW, SAPIENS, EU-AIMS und AIMS-2-TRIALS unterstützten Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass die Gene eine große Rolle bei der Bestimmung der visuellen Vorlieben von Säuglingen und der Dinge einnehmen, über die sie am meisten lernen.

Die Forscher der Universität Uppsala und vom Karolinska-Institut in Stockholm haben nachgewiesen: Ob Säuglinge im Alter von fünf Monaten vor allem Gesichter oder nichtsoziale Objekte betrachten, wird weitgehend von den Genen bestimmt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es eine biologische Grundlage dafür gibt, wie Säuglinge visuelle Erfahrungen machen und über welche Dinge sie am meisten lernen. Die Studie wurde in der Zeitschrift »Nature Human Behaviour« veröffentlicht.

Die Fachleute um Ana Maria Portugal von der Universität Uppsala untersuchten für ihre Studie mehr als 500 eineiige und zweieiige Zwillinge. Die Blicke der Babys zeichneten sie mit einem kindgerechten Eye-Tracker auf. Die Säuglinge saßen währenddessen jeweils auf dem Schoß eines Elternteils und betrachteten verschiedene Bilder auf einem Monitor. Das Team stellte fest, dass die Blickvorlieben von genetisch identischen Zwillingen sich ähnlicher waren als jene von zweieiigen Zwillingen. Wenn zum Beispiel ein eineiiger Zwilling vornehmlich nichtsoziale Objekte betrachtete, tat dies sein Geschwisterchen in der Regel auch. Zweieiige Zwillinge teilen im Durchschnitt nur 50 Prozent ihrer Gene und die Blickpräferenzen entsprechender Paare fielen weniger ähnlich aus.

Die Ergebnisse zeigen, dass die individuelle Vorliebe der Kinder für Gesichter weitgehend durch ihre Genetik bestimmt wird. Durch das familiäre Umfeld hingegen ließ sich visuelle Präferenz in diesem frühen Alter nicht erklären.

Blickverhalten und kognitive Entwicklung

Wie ein Baby sich selbst beruhigt, ist ein wichtiger Aspekt seiner Entwicklung. Kleine alltägliche Belastungen können Babys schon selbst eigenständig bewältigen. Zum Beispiel durch Nuckeln oder Saugen.

Das Blickverhalten von Babys kann auch Einblicke in ihre kognitive Entwicklung geben. Wissenschaftler um Kostas Papageorgiou von der London Metropolitan University untersuchten die Fixierungslänge bei Neugeborenen. Sie fanden heraus, dass Neugeborene, die ihre Fixierung länger halten konnten, im Grundschulalter weniger impulsiv, aggressiv oder hyperaktiv waren als Kinder, die nur eine kurze Fixierungslänge hatten. Dies deutet auf eine frühe biologische Grundlage für Verhaltensweisen hin, die bereits bei der Geburt vorhanden ist.

Darüber hinaus fanden die Forscher heraus, dass Säuglinge, die im Alter von fünf Monaten mehr auf Gesichter als auf nicht-soziale Objekte schauen, im zweiten Lebensjahr eher über einen größeren Wortschatz verfügen. Unterschiede darin, was Säuglinge betrachten, können sich gleichermaßen darauf auswirken, wie ihre Eltern mit ihnen interagieren.

Long-lookers und Short-lookers

Tatsächlich unterscheiden sich Babys so sehr darin, wie interessiert, schnell und konzentriert sie Neues erfassen, dass Forscher sie in sogenannte Long-lookers (LL) und Short-lookers (SL) einteilen - also in Kinder, die einen neuen Reiz eher lange oder eher kurz fixieren. Bis ins Vorschulalter bleibt so eine Tendenz stabil und zeigt messbar an, wie effektiv das Gehirn des Kindes arbeitet. Babys, die einen neuen Reiz aufmerksam, aber nur kurz fixieren, haben eine schnellere Auffassungsgabe - sie können auch Jahre später noch ihre Aufmerksamkeit besser steuern, sich selbst besser kontrollieren und haben ein besseres Gedächtnis, wie Untersuchungen zeigen konnten. Weil all dies wichtige Kennzeichen hoher Intelligenz sind, haben Wissenschaftler auch untersucht, ob das Blickverhalten von Babys mit ihrem späteren Intelligenzquotienten zusammenhängt, und in der Tat war der IQ von 18-Jährigen höher, wenn sie im Säuglingsalter Short-lookers waren.

Fixierungslänge und Verhaltensauffälligkeiten

Wissenschaftler um Kostas Papageorgiou von der London Metropolitan University untersuchten, ob das Blickverhalten von Babys das Risiko für spätere Verhaltensprobleme wie Impulsivität, Aggressivität oder Hyperaktivität vorhersagen kann. Sie erfassten die „Fixierungslänge“, die angibt, wie lange ein Baby einen Reiz fixiert. Je seltener die Augen springen, je länger also eine Fixierung gehalten wird, desto besser ist das Arbeitsgedächtnis und desto effektiver die Verarbeitung. Die Wissenschaftler untersuchten dies bei Neugeborenen und stellten fest, dass Neugeborene, die ihre Fixierung länger halten konnten, im Grundschulalter weniger impulsiv, aggressiv oder hyperaktiv waren. Dies deutet auf eine biologische Grundlage für solche Verhaltensweisen hin, die bereits bei der Geburt vorhanden sein kann.

Zeitraffer: So entwickelt sich das Baby in der Schwangerschaft

Kommunikation und soziale Interaktion

Von Geburt an ist Ihr Baby an einem Austausch mit Ihnen interessiert. Ist es wach und aufmerksam, nimmt es mit Ihnen Kontakt auf, indem es Sie anschست. Anfangs gelingt ihm das nur für wenige Minuten, später immer länger. Wenn das Baby seinen Blick wieder abwendet, zeigt es Ihnen, dass es eine Pause braucht.

Das soziale Lächeln, das um die sechste Woche auftaucht, ist ein wichtiger Meilenstein. Es zeigt, dass das Baby beginnt, auf äußere Reize zu reagieren und eine Verbindung zu seinen Bezugspersonen aufzubauen. Für Eltern ist das ein unheimlich tolles Erlebnis. Das soziale Lächeln zeigt auch gut: Entwicklungsschritte kommen zu ihrer Zeit. Angemessenen Input braucht das Kind natürlich trotzdem von Anfang an. Aber unterstützen Sie es lieber in dem, was es gerade interessiert, fasziniert, lernt oder kann - anstatt etwas mit ihm zu trainieren, was noch nicht da ist.

Ihr Baby beginnt nun auch, mit Ihnen zu kommunizieren. Zuvor konnte es sich lediglich durch Schmatzen, Weinen oder Aufstoßen mitteilen. Nun tauchen erste Gurrlaute wie „ooh“ oder „aaah“, aber auch vereinzelt solche mit einem Konsonanten wie „gaah“, „guuu“, „guhr“ auf. Wenn Sie in der Nähe sind und sich mit dem Kleinen beschäftigen, gurrt, schnaubt, murmelt, quietscht und kreischt es aus Freude. So lernen die Babys, ihre Lautäußerungen motorisch immer besser zu kontrollieren.

Lassen Sie sich auf das „Gespräch“ ein, wenn Ihr Kind brabbelt, imitieren Sie die Geräusche und die Mimik, und sprechen Sie mit ihm. Babys finden das unheimlich spannend, und sie reagieren nun auch schon auf die Ansprache. Auch wenn Sie sich noch nicht über Außenpolitik, Umweltschutz oder Atomphysik unterhalten können, ein kurzer wechselseitiger Dialog, ein Hin und Her, ist durchaus schon möglich.

Die Rolle der Sinne bei der Zuneigung

Der Geruchssinn hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob das Zwischenmenschliche stimmt. Schon bevor wir überhaupt ein Wort mit einer fremden Person gewechselt haben, entscheidet unsere Nase, ob wir ihr wohlwollend oder ablehnend gegenübertreten. Babys können das auch schon. Sie entwickeln recht schnell eine Vorliebe für bestimmte Personen, wobei es vorrangig um Vertrauen geht. Zu- und Abneigungen entwickeln sich in Phasen. Neugeborene sind offen für alle, die es gut mit ihnen meinen, sie anlächeln, sich um sie kümmern. Eine Fähigkeit, die das Überleben sichert.

Nach und nach werden Beziehungen differenziert. Wer kommt, wenn ich Hunger habe? Wer tröstet mich? Wer wiegt mich in den Schlaf? Die Hauptbezugspersonen - in der Regel die Eltern - werden nun allen anderen vorgezogen. Und jeder wird mit ihnen verglichen. Ganz am Anfang geschieht das verstärkt über den Geruchssinn. Da kann es schon mal passieren, dass die Oma, die nach drei Monaten zum ersten Mal zu Besuch kommt, mit Geschrei auf Distanz gehalten wird. Ein starkes Parfüm oder Tabakrauch mögen Säuglinge meist auch nicht.

Auch das Gehör beeinflusst, ob das Kleine lächelt oder weint. Manche Babys lieben es, wenn jemand lautstark mit ihnen Späße macht. Andere fühlen sich sofort unwohl, wenn jemand nur eine laute Stimme hat. Sobald die Kleinen besser sehen können, entscheidet zusätzlich die Optik, ob sie jemandem ein Lächeln schenken oder die Mundwinkel nach unten gehen. Denn - so haben Studien gezeigt - Babys schauen lieber Gesichter an, die symmetrisch sind.

Vertrauen und Beziehungen aufbauen

Ab dem zweiten Lebenshalbjahr wählen Babys immer feiner aus. Jetzt können sie unterscheiden zwischen nicht so wichtigen Personen und sehr engen Bezugspersonen - und die werden klar bevorzugt. Alle anderen müssen sich Babys Vertrauen erst erarbeiten. Je sensibler die Erwachsenen auf das Baby eingehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie seine Zuneigung gewinnen.

Unterstützung der visuellen Entwicklung

Es gibt ein paar Dinge, mit denen Sie Ihren Schatz unterstützen können, während er/sie langsam die Welt ins Visier nimmt:

  • Visuelle Reize ermöglichen: Durch visuelle Reize reift das Sehvermögen heran. Eltern können dafür Spielzeug zum Anfassen in einer Entfernung von 20 bis 30 Zentimetern vor das Gesicht ihres Babys halten (0 bis 4 Monate). Ebenfalls empfehlenswert: Mit dem Baby reden, wenn man den Raum durchquert, und damit Anreize schaffen, Mama oder Papa nachzuschauen. Babys zwischen dem fünften und achten Lebensmonat profitieren zudem von viel Erkundungszeit auf dem Boden.
  • Spiele spielen: „Backe, Backe, Kuchen“, „Wo bin ich? Hier bin ich!“ und andere Spiele, bei denen Eltern die Hände des Babys führen und dabei sprechen, eignen sich gut, um die Hand-Augen-Koordination und das visuelle Gedächtnis zu trainieren (5 bis 12 Monate).
  • Bewegung und Körpererfahrung: Gönnen Sie Ihrem Kind auch möglichst oft Bewegungs- und Körpererfahrungen: etwa beim Strampeln auf der Krabbeldecke. Heben Sie es hoch, oder bewegen Sie Beinchen und Ärmchen beim Wickeln sanft mit, und tun Sie so, als ob Sie mit dem Kleinen turnen.
  • Blickkontakt und Spiegel: Wenn Sie Hautkontakt zu Ihrem Neugeborenen haben, positionieren Sie es möglichst so, dass es Ihnen ins Gesicht blicken kann. Ihr Gesicht ist Ihrem Baby von allen visuellen Reizen das liebste. Neugeborene und Babys betrachten sich gern im Spiegel. Sie könnten im Kinderzimmer einen Spiegel aufstellen und genießen, wie es sein eigenes Gesicht erkundet.
  • Mobile: Ein Mobile über dem Bettchen stimuliert die Augen eines Babys. Ab einem Alter von 4 bis 5 Monaten sollte es jedoch mit einem gewissen Sicherheitsabstand angebracht werden. Wenn Ihr Baby beginnt sich zu drehen, hilft ein Mobile über dem Wickeltisch dabei, dass es auf dem Rücken liegen bleibt.

Wichtige Untersuchungen und Entwicklungsmeilensteine

Zwischen dem dritten bis vierten Lebensmonat steht die U4 an. Bei dieser Untersuchung beobachtet der Arzt unter anderem, wie sich Ihr Baby bewegt, ob es sich auf den Unterarmen aufstützt, den Kopf hält und die Hände zur Körpermitte bringt. Geschaut wird auch, ob es einem sich bewegenden Gesicht oder Gegenstand mit den Augen folgen kann, ob es Blickkontakt hält und auf die Ansprache einer Bezugsperson reagiert, etwa mit einem Lächeln, einem Jauchzen, Quietschen oder mit Lauten. Auch Hören und Sehen werden überprüft.

Ab wann erkennen Babys Gesichter? Ihr Baby wird Ihnen und Ihrem Partner von Geburt an länger in die Augen schauen als anderen Menschen. Gesichter sehen für Ihren Liebling allerdings alle noch gleich aus. Ihr Baby benötigt Zeit, um zu lernen, Gesichter voneinander zu unterscheiden. Ab dem 3. Lebensmonat wird ihm das schon sehr viel besser gelingen. Ab wann sehen Babys scharf? Kinder sehen mit einem Jahr etwa halb so gut wie Erwachsene, die vollständige Sehschärfe erreichen sie etwa im Alter von fünf Jahren. Ab wann sehen Babys 3D? Das Sehen in dreidimensionalen Strukturen, sprich räumliches Sehen, entwickelt sich etwa in einem Lebensalter von drei bis vier Monaten.

Ein Baby liegt auf dem Rücken und schaut auf ein buntes Mobile über sich.

Unterstützung bei besonderen Herausforderungen

Manchmal ist der Start ins Leben nicht ganz einfach, sei es, weil das Kleine zu früh auf die Welt kam und erst einmal im Krankenhaus bleiben musste oder Sie als Mutter unter Depressionen litten. Vielleicht haben Ärztinnen auch eine Krankheit oder eine Behinderung bei dem Kind festgestellt oder Untersuchungen stehen an, um dies abklären zu lassen. Dann können Gefühle wie Trauer, Angst, Schmerz oder die Frage, ob man etwas falsch gemacht hat, auftreten. Sollten Sie solche Gefühle belasten, die in dieser Situation völlig normal sind, sprechen Sie darüber und suchen Sie sich Unterstützung.

Das Netzwerk an Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten war noch nie so vielfältig wie heute. Gleichzeitig ist der Schmerz über ein Kind, das nicht der angeblichen Norm entspricht, noch nie so groß gewesen wie heute, in einer Welt, in der uns alles machbar erscheint. Oftmals werde es als persönliches Scheitern empfunden, viel mehr als zu früheren Zeiten. Dennoch möchten viele Eltern und Fachleute betroffenen Eltern Mut machen, ohne die Schwierigkeiten und Herausforderungen zu ignorieren. Nach einer Phase der Trauer und der Anpassung zeigt sich oft, dass die Lebensqualität bei Familien, die ein Kind mit einer chronischen Krankheit, einer Behinderung oder Entwicklungsverzögerung haben, nicht wesentlich schlechter ist als bei Familien mit gesunden Kindern.

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