Feindiagnostik und Mutterpass: Abkürzungen und Befunde erklärt

Die Feindiagnostik und der Mutterpass sind wichtige Bestandteile der Schwangerschaftsvorsorge. Beide liefern wertvolle Informationen über die Entwicklung des Kindes und den Gesundheitszustand der Mutter. Jedoch können die zahlreichen Fachbegriffe und Abkürzungen, die in diesen Dokumenten verwendet werden, für werdende Eltern verwirrend sein. Dieser Artikel soll Klarheit in die Fachsprache bringen und die häufigsten Abkürzungen und Befunde im Kontext der Feindiagnostik und des Mutterpasses erläutern.

Der Mutterpass: Ein zentrales Dokument für werdende Mütter

Der Mutterpass ist ein wichtiges Dokument für werdende Mütter, in dem alle medizinischen Daten und Untersuchungsergebnisse während der Schwangerschaft festgehalten werden. Du erhältst ihn unmittelbar nach der Feststellung der Schwangerschaft von deinem/r Frauenarzt/-ärztin. Die bereits vorliegenden Daten werden dann direkt in das Heft eingetragen. Trage deinen Mutterpass immer bei dir und bringe ihn zu jeder Vorsorgeuntersuchung mit. Im Notfall haben Ärzte und Sanitäter durch deinen Mutterpass alle wichtigen Informationen parat und können ihm alle relevanten Fakten entnehmen.

Seiten des Mutterpasses und ihre Inhalte

Die Struktur des Mutterpasses ist in verschiedene Seiten unterteilt, die jeweils spezifische Informationen enthalten:

Seite 1: Allgemeine Angaben

Die erste Seite enthält allgemeine Angaben, wie die Kontaktdaten deines/r Gynäkologe/in, deiner Geburtsklinik und deiner Hebamme. Auch die Termine der anstehenden Untersuchungen werden notiert.

Seite 2: Persönliche Daten

Hier sind dein voller Name, deine Adresse mit Straße und Wohnort sowie dein Geburtsdatum vermerkt.

Seiten 5 und 6: Schwangerschaftsverlauf und Vorsorgeuntersuchungen

Auf Seite 5 des Mutterpasses werden die Ergebnisse der ersten Vorsorgeuntersuchungen dokumentiert. Der Arzt versucht dabei, alle Faktoren zu erfassen, die auf eine Risikoschwangerschaft hindeuten könnten. Seite 6 dokumentiert wichtige Fortschritte und Ereignisse während deiner Schwangerschaft, einschließlich deines voraussichtlichen Geburtstermins, der die Grundlage für den Beginn deines Mutterschutzes bildet.

Seiten 7 und 8: Ergebnisse der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen

Auf diesen Seiten sind alle Ergebnisse der Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchungen vermerkt. Hierbei wird oft mit Abkürzungen jongliert, die verwirrend sein können.

Seite 9: Zusammenfassung von Therapien und besonderen Vorkommnissen

Hier werden alle Therapien und besonderen Vorkommnisse dokumentiert, die in den Katalogen A und B aufgeführt sind. Zudem werden alle stationären Aufenthalte während der Schwangerschaft erfasst. Ab der 28. SSW werden hier auch relevante Befunde eingetragen.

Seiten 12 und 14: Weitere Ultraschalluntersuchungen

Wenn weitere Ultraschalluntersuchungen erforderlich sind, können die Ergebnisse auf diesen Seiten notiert werden.

Seite 13: Wachstumskurve des Fötus

Die "Normkurve für den fetalen Wachstumsverlauf" gibt Auskunft über den Entwicklungsverlauf des Babys. Es ist jedoch normal, dass sich der Fötus manchmal schneller oder langsamer entwickelt.

Seite 15: Befunde der Geburt und des Wochenbetts

Auf dieser Seite werden alle Befunde der Geburt und des Wochenbetts festgehalten. Der Zustand des Neugeborenen wird mithilfe des Apgar-Scores beurteilt. Anhand des pH-Werts der Nabelschnurarterie kann festgestellt werden, ob das Baby während der Entbindung eine Sauerstoffunterversorgung hatte. Die Abschlussuntersuchung findet in der Regel 6 bis 8 Wochen nach der Entbindung statt, und der Frauenarzt trägt hier die Ergebnisse der Nachsorgeuntersuchung ein.

Schema des Mutterpasses mit nummerierten Seiten und grober Inhaltsübersicht

Wichtige Laboruntersuchungen im Mutterpass

Der Mutterpass enthält auch Platz für wichtige Laborergebnisse:

  • Blutgruppe und Rhesusfaktor (Rh): Wichtig bei unterschiedlichem Rhesusfaktor von Mutter und Kind. Der Antikörper-Suchtest prüft, ob die Mutter Antikörper gegen das Blut des Babys gebildet hat.
  • Röteln-Impfung/Röteln-Antikörpertest (HAH-Test): Klärt, ob ausreichender Impfschutz besteht. Ein Titer von mindestens 1:32 zeigt Immunität an. Eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft kann das Kind schädigen.
  • Chlamydia trachomatis-DNA: Eine Infektion mit Chlamydien (Bakterien) wird anhand einer Urinprobe ermittelt und muss antibiotisch behandelt werden, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Hepatitis B, Lues (Syphilis), HIV: Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten, die eine Gefahr für das Kind darstellen können.
  • Zytomegalie (CMV-Infektion): Ein Erreger aus der Gruppe der Herpesviren. Die Werte für Cytomegalievirus-IgG-Ak und Cytomegalievirus-IgM-Ak geben Aufschluss über eine stattgehabte oder akute Infektion. IgG positiv und IgM negativ deutet in der Regel auf eine durchgemachte Infektion hin.
  • Toxoplasmose: Eine Infektion mit bestimmten Parasiten.

Solltest du drei oder mehr Kinder austragen, erhältst du zusätzliche Büchlein.

Feindiagnostik: Wann und warum?

Die Feindiagnostik, auch als Ultraschall-Screening im zweiten Trimester bekannt, wird üblicherweise zwischen der 20. und 24. Schwangerschaftswoche (SSW) durchgeführt. Früher gab es Überweisungen zur Feindiagnostik oft nur bei spezifischen Indikationen. Mittlerweile wird sie jedoch zunehmend als Standarduntersuchung für alle Schwangeren angeboten, die diese wünschen.

Die Feindiagnostik dient der detaillierten Untersuchung der Organe und Strukturen des Kindes, um Fehlbildungen oder Wachstumsstörungen frühzeitig zu erkennen. Sie umfasst die Beurteilung der kindlichen Anatomie, der Plazenta und des Fruchtwassers.

Ultraschallbild eines Fötus im zweiten Trimester

Häufige Befunde und Abkürzungen in der Feindiagnostik

Bei der Feindiagnostik können verschiedene Befunde auftreten, die eine nähere Erläuterung erfordern:

  • Erhöhter uteroplazentarer Wiederstand (z. B. rechts i.S.): Wenn in der Dopplermessung der Blutgefäße, die die Gebärmutter versorgen (Arteria uterina), ein sogenanntes Notching oder ein erhöhter Widerstand gezeigt wird, kann dies ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Komplikationen sein. Dies bedeutet jedoch nicht unmittelbar eine Gefahr, sondern dient als Anlass für weitere Kontrollen und Gespräche.
  • Dopplerwerte (z. B. PI-Wert): Der PI (Pulsatilitätsindex) ist ein Maß für die Wirksamkeit der Blutversorgung. Eine Erhöhung des PI-Werts kann auf eine Beeinträchtigung der Durchblutung hinweisen. Wenn sich der PI-Wert von einem Tag auf den anderen stark erhöht, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
  • Intrauteriner Sitz: Beschreibt die korrekte Lage des Embryos in der Gebärmutter.
  • Plazentalok/-struktur: Gibt Auskunft über den Sitz und die Beschaffenheit des Mutterkuchens (Plazenta).
  • Fundusstand: Die Messung des Fundusstands ermöglicht die Bestimmung der Gebärmuttergröße, indem der Abstand vom oberen Gebärmutterrand zu Referenzpunkten wie dem Rippenbogen oder dem Schambein gemessen wird.
  • Schädellage: Beschreibt die Position des Kindes in der Gebärmutter mit dem Kopf nach unten.
  • Fruchtsackdurchmesser (FS): Ab der 5. SSW ein Maß zur Beurteilung der frühen Schwangerschaft.
  • Länge des Fetus (SSL - Scheitel-Steiß-Länge): Die Länge des Fötus in Millimetern vom höchsten Punkt des Kopfes bis zum Steiß (bis zur 19. SSW) oder vom höchsten Punkt des Kopfes bis zur Ferse (ab der 20. SSW).
  • Kopfumfang (KU): Wird ab der 15. SSW bis zum 24. Lebensmonat des Kindes gemessen.
  • Abdomen (AU): Umfang des kindlichen Bauches.
  • Femurlänge (FL): Länge des Oberschenkelknochens.
  • Fixationsbedingt verworfenes hämorrhagisch durchsetztes Abortabradat: Dieser Begriff beschreibt Reste der Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt, die nicht vollständig ausgeschieden wurden.

Doppler-Sonographie (Blutfließgeschwindigkeit)

Weitere wichtige Begriffe und Abkürzungen

Neben den spezifischen Begriffen der Feindiagnostik und des Mutterpasses gibt es weitere wichtige Abkürzungen:

  • Vag. EU (Extrauteringravidität): Das befruchtete Ei hat sich außerhalb der Gebärmutter eingenistet.
  • Gravida: Anzahl aller bisherigen Schwangerschaften, einschließlich der aktuellen.
  • Para: Anzahl der Geburten nach der 20. SSW.
  • SSW: Schwangerschaftswoche.
  • o. B. (ohne Befund): Bedeutet, dass keine Auffälligkeiten festgestellt wurden.
  • Sediment: Untersuchung des Urins auf Zellen oder Kristalle.
  • Bakteriolog.: Untersuchung auf Bakterien.
  • Konsiliaruntersuchung veranlasst: Eine Untersuchung durch einen weiteren Arzt (Facharzt).
  • Nackentransparenzmessung (NT): Eine Ultraschalluntersuchung im Rahmen des Ersttrimesterscreenings zur Beurteilung des Risikos für Chromosomenanomalien.
  • Periduralanästhesie (PDA): Eine Form der Schmerzausschaltung während der Geburt.
  • Uterus: Gebärmutter.
  • Vaginalsekret: Sekrete aus der Vagina, z.B. Zervixschleim.
  • Follikelphase: Erster Teil des weiblichen Zyklus, zwischen Menstruation und Eisprung.
  • Temperaturkurve: Messung der Basaltemperatur zur Zyklusbeobachtung.

Bei Unklarheiten oder Fragen zu den Befunden solltest du dich immer an deinen Arzt oder deine Ärztin wenden. Sie können dir die Ergebnisse im Detail erklären und dich individuell beraten.

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