Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, erst spät im Leben Mutter zu werden. In Deutschland liegt das Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes bei über 30 Jahren, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu früheren Jahrzehnten. Diese Entwicklung wirft Fragen nach den Gründen für diese späte Familienplanung auf. Eine Studie der Online-Arztpraxis ZAVA in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Splendid Research untersuchte die Motivationen von 1004 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren in Deutschland.
Finanzielle Aspekte als Hinderungsgrund
Die finanziellen Kosten, die mit der Aufzucht eines Kindes verbunden sind, stellen für viele Frauen eine bedeutende Hürde dar. 31 Prozent der kinderlosen Frauen nennen die hohen Kosten als Grund, sich gegen eigene Kinder zu entscheiden. Auch für Frauen, die bereits Mütter sind, spielt die finanzielle Situation eine Rolle: 24 Prozent sehen sie als Grund gegen ein weiteres Kind an.
Besonders Akademikerinnen ohne Kinder geben mit 39 Prozent häufiger die hohen Kosten als Hindernis an. Regionale Unterschiede sind ebenfalls erkennbar: In Hamburg gaben 41 Prozent der Frauen an, aufgrund des Geldes auf ein Kind zu verzichten, gefolgt vom Saarland (40 Prozent) und Hessen (38 Prozent).
Das Statistische Bundesamt schätzte im Jahr 2013 die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für ein Kind auf 660 Euro, wobei die Kosten mit dem Alter des Kindes steigen. Bis zum 18. Lebensjahr summieren sich die Ausgaben für die Versorgung eines Kindes auf etwa 126.000 Euro. Insbesondere die Kosten für ein Studium können die finanzielle Belastung für Eltern erhöhen. Frauen mit einem Jahresgehalt unter 20.000 Euro gaben häufiger (38 Prozent ohne Kinder, 28 Prozent mit Kindern) an, sich aufgrund ihrer finanziellen Situation gegen ein (weiteres) Kind zu entscheiden.

Selbstverwirklichung und Karriere als Priorität
Neben finanziellen Erwägungen spielt der Wunsch nach Selbstverwirklichung eine wichtige Rolle. 28 Prozent der befragten kinderlosen Frauen möchten zunächst Zeit haben, um eigene Wünsche und Träume zu verwirklichen. Dieser Wunsch nach Selbstverwirklichung steht an zweiter Stelle der Gründe gegen das erste Kind. Besonders ausgeprägt ist dieser Anteil bei jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren (40 Prozent), gefolgt von Frauen zwischen 30 und 39 Jahren (rund 20 Prozent).
Dieser Trend ist ein Spiegelbild der Werte der "Generation Y" (Millennials), zu der auch Frauen zwischen 30 und 50 Jahren gehören. Für sie sind individuelle Wahlfreiheit im privaten und beruflichen Bereich zentral. Viele wünschen sich berufliche Auszeiten und flexible Arbeitsmodelle. Nicht verwunderlich geben 42 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an: "Erst Karriere, dann Familie." Insgesamt ist der berufliche Erfolg für fast ein Viertel der Frauen ein Grund, die Familienplanung aufzuschieben. Der Anteil der Frauen, die vor dem ersten Kind zunächst Karriere machen möchten, ist im Saarland (40 Prozent), Rheinland-Pfalz (37 Prozent) und Brandenburg (31 Prozent) überdurchschnittlich hoch.
Die "Motherhood Lifetime Penalty" beschreibt die Einkommenseinbußen, die Frauen durch Schwangerschaft und Kinderbetreuung erleiden. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung büßen Frauen mit Kind durchschnittlich 40 Prozent ihres Lebenserwerbseinkommens ein. Bei Frauen mit drei oder mehr Kindern kann dieser Wert nahezu 70 Prozent erreichen. Mütter, die versuchen, Karriere und Familie zu vereinbaren, sehen sich zudem mit Herausforderungen wie Stress und Leistungsdruck konfrontiert.
Zukünftige Unsicherheiten und fehlendes Bedürfnis
Weitere Gründe, die Frauen von einer Mutterschaft abhalten, sind Sorgen um den Klimawandel, gesellschaftliche Probleme und wirtschaftliche Krisen. Jede fünfte kinderlose Frau gibt an, aus diesen Gründen keine Kinder bekommen zu wollen, da sie eine schlechte Zukunft für ihre Nachkommen befürchten. Insbesondere Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen wie Doktorinnen (33 Prozent) und Frauen mit (Fach-)Hochschulreife (24 Prozent) neigen eher dazu, aufgrund des Weltgeschehens auf ein Kind zu verzichten. Auch die anhaltende Corona-Krise hat bei 8 Prozent der befragten kinderlosen Frauen zu einer Verschiebung des Kinderwunsches geführt.
Zusätzlich geben 28 Prozent der befragten kinderlosen Frauen an, schlichtweg kein Bedürfnis zu haben, Kinder zu bekommen. Dieser Anteil ist besonders hoch in Brandenburg (50 Prozent), Sachsen-Anhalt (45 Prozent) und Thüringen (40 Prozent). Über die Hälfte der kinderlosen Frauen mit Doktortitel (56 Prozent) verspürt dieses Bedürfnis nicht. Auch bei Frauen mit Berufsausbildung (39 Prozent) und mittlerer Reife (31 Prozent) ist der Anteil entsprechend hoch.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Fehlen eines geeigneten Partners. 19 Prozent der befragten kinderlosen Frauen gaben an, noch nicht den richtigen Partner für die Familiengründung gefunden zu haben. Dieser Anteil ist in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen am größten (24 Prozent). Insbesondere Frauen mit höheren akademischen Abschlüssen nennen das Fehlen eines Partners als Grund für den Verzicht auf ein Kind.
Medizinische Möglichkeiten für späte Mutterschaft
Mit zunehmendem Alter rücken Gedanken an die eigene Gesundheit und Fruchtbarkeit in den Vordergrund. 61 Prozent der 40- bis 49-jährigen Frauen mit Kindern fühlen sich zu alt für ein weiteres Kind. Gleichzeitig sinkt mit dem Alter die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit. Moderne medizinische Methoden wie künstliche Befruchtung und das Einfrieren von Eizellen bieten jedoch neue Möglichkeiten, den Kinderwunsch auch in höherem Alter zu erfüllen.
Laut der Umfrage kann sich jede vierte Frau zwischen 30 und 50 Jahren eine künstliche Befruchtung vorstellen, wobei der Anteil bei den 30- bis 39-Jährigen mit 37 Prozent am höchsten ist. Auch das Einfrieren von Eizellen gewinnt an Popularität: 14 Prozent der befragten Frauen zwischen 30 und 50 Jahren können sich diesem Verfahren unterziehen, um den Zeitpunkt der Mutterschaft flexibler zu gestalten. ZAVA-Ärztin Dr. med. Emily Wimmer betont, dass das Einfrieren von Eizellen der am schnellsten wachsende Bereich der Fruchtbarkeitsbehandlungen ist.
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Die Generation Y: Werte und Lebensplanung
Die Generation Y, auch Millennials genannt, zeichnet sich durch einen starken Fokus auf individuelle Wahlfreiheit, Selbstverwirklichung und eine ausgewogene Work-Life-Balance aus. Sie wachsen in einer Welt des Klimawandels, der Globalisierung und des Terrorismus auf und sind oft mit Unsicherheiten konfrontiert. Dies beeinflusst ihre Lebensplanung, einschließlich der Entscheidung für oder gegen Kinder.
Die Generation Y bevorzugt flache Hierarchien, Vernetzung und Teamwork im Beruf. Sie suchen Sinn in ihrer Tätigkeit und legen Wert auf Abwechslung und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen dabei oft. Unternehmen, die auf die Bedürfnisse dieser Generation eingehen, wie z.B. flexible Arbeitszeiten und eine gute Unternehmenskultur, können sich ihrer Arbeitskraft sicher sein.
Die demografische Entwicklung, mit einem erwarteten Fachkräftemangel, gibt der Generation Y eine starke Verhandlungsposition auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind bereit, sich für Arbeitgeber zu engagieren, die ihren Werten entsprechen und ihnen Entwicklungsmöglichkeiten bieten.
Generationen im Wandel: Von Babyboomern zu Generation Z
Im Laufe der Zeit haben sich die Werte und Prioritäten verschiedener Generationen verändert. Die Babyboomer (geboren ca. 1945-1964) waren stark auf Karriere und Arbeitsplatzsicherheit fokussiert. Die Generation X (geboren ca. 1965-1980) legte Wert auf eine gesunde Work-Life-Balance und strebte danach, "zu leben, um zu arbeiten".
Die Generation Z (geboren ca. 1996-2010) hingegen legt Wert auf klare Strukturen, eine Trennung von Berufs- und Privatleben und sucht Sinn und Selbstverwirklichung eher im sozialen Leben als im Beruf. Sie sind realistischer und individualistischer eingestellt und planen ihr Leben frühzeitig, einschließlich der Familiengründung.
Die Interaktion und das Verständnis zwischen diesen Generationen am Arbeitsplatz sind entscheidend für den Erfolg von Unternehmen. Unterschiedliche Kommunikationsstile, Werte und Erwartungen können zu Konflikten führen, aber auch zu einer bereichernden Vielfalt, wenn sie richtig gemanagt werden.
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