Frühchen: Wann gelten Babys als zu früh geboren und welche Unterstützung gibt es?

Die Geburt eines Kindes ist ein besonderes Ereignis, doch manchmal kommt es unerwartet früh. Jedes Jahr werden weltweit Millionen von Babys als Frühgeborene geboren, was für Eltern oft eine Zeit voller Unsicherheiten bedeutet. Eine häufig gestellte Frage ist: Wann gilt ein Baby eigentlich nicht mehr als Frühchen?

Definition und Klassifizierung von Frühchen

Ein Baby wird als Frühgeborenes oder Frühchen bezeichnet, wenn es vor der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt kommt. Die normale Schwangerschaftsdauer beträgt etwa 40 Wochen. In Deutschland trifft dies auf etwa sieben bis acht Prozent aller Lebendgeborenen zu. Der Großteil von ihnen wiegt bei der Geburt weniger als 2.500 Gramm.

Abhängig davon, in welcher Schwangerschaftswoche sie geboren werden, können Frühchen nur bedingt selbstständig atmen, trinken oder ihre Körpertemperatur regulieren. Daher müssen sie häufig auf einer Frühgeborenenstation intensivmedizinisch betreut und in einem Inkubator (Brutkasten) versorgt werden.

Es gibt verschiedene Einteilungen von Frühgeborenen, in der Regel nach Geburtsgewicht oder nach Gestationsalter:

  • Späte Frühgeborene sind Kinder, die zwischen der 34. und 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Von reif geborenen Kindern unterscheiden sie sich im Hinblick auf Gewicht und Größe nur wenig, jedoch fehlt ihnen wichtige Entwicklungszeit.
  • Sehr frühgeborene Babys (oft auch als "sehr unreife Frühgeborene" bezeichnet) kommen vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt.
  • Extrem frühgeborene Babys werden vor der 28. Schwangerschaftswoche geboren.

Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht sind Frühchen, die bei der Geburt weniger als 1.500 Gramm wiegen. In den meisten Fällen werden sie vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren.

Frühgeborene mit extrem niedrigem Geburtsgewicht wiegen bei ihrer Geburt weniger als 1.000 Gramm und werden meist vor der 29. Schwangerschaftswoche geboren.

Sogenannte untergewichtige Termingeborene sind reif geborene Babys, die bei ihrer Geburt weniger als 2.500 Gramm wiegen. Sie werden der Gruppe der Frühgeborenen gleichgestellt, da sie ähnliche Probleme wie Frühchen haben können.

Wann gilt ein Baby nicht mehr als Frühchen?

Medizinisch gesehen hört ein Baby mit Erreichen der 37. Schwangerschaftswoche auf, als Frühchen zu gelten. Babys, die nach der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, gelten als reif geborene Babys, auch wenn sie klein sind.

Obwohl ein Baby ab der 37. SSW nicht mehr als Frühchen gilt, können die Auswirkungen einer Frühgeburt noch länger bestehen. Ein allgemeiner Richtwert für die „Aufholentwicklung“ liegt zwischen 2 und 3 Jahren. Eltern von Frühgeborenen berichten häufig, dass sie erst dann aufhören, ihr Kind als Frühchen wahrzunehmen, wenn es keine besonderen Bedürfnisse oder medizinische Herausforderungen mehr hat.

Grafik, die die Schwangerschaftswochen zur Einteilung von Frühchen zeigt (z.B. bis 37. SSW = Frühchen, 37.-42. SSW = Termingeburt)

Herausforderungen für Frühgeborene

Frühgeborene stehen vor einer Reihe von Herausforderungen, da sie oft unvorbereitet auf das Leben außerhalb des Mutterleibs sind. Ihre Organe sind noch nicht vollständig ausgereift.

  • Lungenreife: Die Lunge ist eines der letzten Organe, das sich im Mutterleib vollständig entwickelt. Besonders Babys, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden, haben oft Schwierigkeiten mit der Atmung. Die Lungenreifung ist ein wichtiger Meilenstein, der oft um die 34. Schwangerschaftswoche herum fortschreitet.
  • Temperaturregulation: Frühgeborene haben oft Schwierigkeiten, ihre Körpertemperatur zu halten, da ihre Fettreserven und ihr Immunsystem noch nicht voll ausgebildet sind.
  • Saug- und Schluckreflex: Das Saugen und Schlucken ist bei Frühchen vor der 34. Woche oft noch nicht koordiniert.
  • Gehirnentwicklung: Das Gehirn entwickelt sich während der letzten Schwangerschaftswochen rasant. Bei sehr frühen Frühgeburten kann dies zu Entwicklungsverzögerungen führen.
  • Immunsystem: Frühgeborene sind anfälliger für Infektionen, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist und sie weniger Antikörper von der Mutter erhalten haben.

Illustration, die die wichtigsten Organe eines Frühchens zeigt, die noch Unterstützung benötigen (Lunge, Gehirn, Verdauungssystem)

Ursachen für eine Frühgeburt

Es gibt verschiedene Gründe dafür, weshalb ein Kind zu früh zur Welt kommt. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen, sodass nicht eine einzige Ursache verantwortlich gemacht werden kann. In etwa 40 Prozent der Fälle bleibt die genaue Ursache unbekannt.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Komplikationen während der Schwangerschaft: Gebärmutterfehlbildungen, Muttermundschwächen, Störungen der Plazenta, vorzeitiges Platzen der Fruchtblase, Infektionen der Geburtswege.
  • Gesundheitliche Faktoren der Mutter: Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, Herzleiden.
  • Alter der Mutter: Schwangere über 35 und unter 18 Jahren haben ein höheres Risiko.
  • Lebensstil der Mutter: Konsum von Alkohol, Tabakerzeugnissen oder Drogen, starkes Über- oder Untergewicht, starke körperliche Arbeit.
  • Mehrlingsschwangerschaften: Bereits bei Zwillingsschwangerschaften ist die Rate der Frühgeburten merklich erhöht. Drillinge, Vierlinge oder weitere Mehrlinge kommen fast immer zu früh zur Welt.
  • Medizinische Vorgeschichte: Eine bereits durchgemachte Frühgeburt, kurze Abstände zwischen Schwangerschaften, künstliche Befruchtung.
  • Infektionen: Blasen- oder Scheideninfektionen, aber auch Zahnfleischerkrankungen wie Parodontitis können das Risiko erhöhen.
  • Stress und psychische Belastung: Konflikte im Privatleben, berufsbedingte Belastungen oder finanzielle Schwierigkeiten können vorzeitige Wehen auslösen.
  • Erkrankungen des Kindes: Zum Beispiel Fehlbildungen.

Überlebenschancen und Entwicklung von Frühchen

Dank medizinischer Fortschritte und Möglichkeiten haben sich die Überlebenschancen von Frühgeborenen in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert. Statistisch gesehen überleben 60 Prozent der Frühchen mit einem Geburtsalter von 24 Schwangerschaftswochen, 90 Prozent derer mit einem Geburtsalter von 28 Schwangerschaftswochen.

In Deutschland werden alle Kinder, die die 24. Schwangerschaftswoche erreichen, intensivmedizinisch betreut. Bei Kindern, die noch früher zur Welt kommen, wird nach intensiver Aufklärung und Beratung gemeinsam mit den Eltern die Entscheidung getroffen, ob eine intensivmedizinische Betreuung erfolgen soll. Gerade bei ihnen ist das Risiko für dauerhafte körperliche oder geistige Beeinträchtigungen sehr hoch.

Die Vollendung der 24. Schwangerschaftswoche gilt als wichtiger Meilenstein. Ab der 34. Schwangerschaftswoche unterscheiden sich die Überlebenschancen der Frühgeborenen nicht mehr wesentlich von denen termingeborener Kinder, da ab dieser Woche die Lungen selbstständig arbeiten.

Spätfolgen: Um ihre Entwicklungsdefizite gegenüber Gleichaltrigen aufzuholen, benötigen viele Frühgeborene ungefähr acht Jahre, wobei der Entwicklungsunterschied mit den Jahren stetig kleiner wird. Kam es bei oder nach der Geburt nicht zu Hirnblutungen, sind die Frühgeborenen im Alter von 8 Jahren in der Regel auf dem gleichen Stand wie Termingeborene. Zuvor können Verhaltensauffälligkeiten auftreten wie beispielsweise Aufmerksamkeitsstörungen oder Probleme im Sozialverhalten.

Bei Frühgeborenen mit sehr niedrigem oder extrem niedrigem Geburtsgewicht kann es zu folgenden Entwicklungsstörungen kommen:

  • Bewegungsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Seh- (Amaurosis) oder Hörstörungen (Surditas)
  • Störungen der geistigen Entwicklung

Je später ein Kind geboren wurde, desto geringer ist das Risiko von Spätfolgen. Im späteren Leben sind Frühgeborene häufiger auf therapeutische Unterstützung wie Physiotherapie oder Logopädie angewiesen.

Grafik, die die steigende Überlebenswahrscheinlichkeit von Frühchen in Abhängigkeit von der Schwangerschaftswoche zeigt.

Unterstützung und Hilfen für Eltern von Frühchen

Eine Frühgeburt ist für Eltern eine große Belastung. Sie machen sich Sorgen um das Wohl ihres Kindes, haben oft Schuldgefühle und fühlen sich überfordert. Daher gibt es verschiedene Regelungen zur Entlastung und finanziellen Unterstützung für Eltern von frühgeborenen Babys.

Mutterschutz und Elterngeld

Bei einer Frühgeburt verlängert sich die Mutterschutzfrist nach der Geburt. Wenn Ihr Kind vor dem errechneten Termin auf die Welt kommt, endet die Mutterschutzfrist insgesamt 14 Wochen nach der Geburt. Wenn Ihr Kind eine medizinisch attestierte Frühgeburt ist (z.B. unter 2.500 Gramm Geburtsgewicht oder unreife Reifezeichen), endet die Mutterschutzfrist erst 12 Wochen nach der Geburt, insgesamt also 18 Wochen.

Elterngeld erhalten Sie ab dem tatsächlichen Geburtstermin. Kommt das Kind sechs Wochen vor dem errechneten Termin oder früher zur Welt, erhalten Eltern zusätzliche Monate Elterngeld.

Anmeldung der Elternzeit

Die Elternzeit muss bei Ihrem Arbeitgeber angemeldet werden. Bei einer Frühgeburt kann auch eine kürzere Frist möglich sein. Sollte Ihr Kind noch vor Beginn der üblichen Frist auf die Welt kommen, teilen Sie Ihrem Arbeitgeber die Inanspruchnahme der Elternzeit schnellstmöglich mit.

Finanzielle Hilfen und Beratungsangebote

Ihre Krankenkasse kann Kosten für folgende Unterstützungen übernehmen:

  • Fahrtkosten zum Besuch Ihres Kindes im Krankenhaus
  • Haushaltshilfe oder Tagesmutter, wenn Ihr anderes Kind während Ihres Krankenhausaufenthalts betreut werden muss
  • Familienentlastender Dienst
  • Häusliche Kinderkrankenpflege
  • Häusliche Pflegehilfe
  • Heil- und Hilfsmittel
  • Therapiekosten
  • Pflegegeld

Es gibt verschiedene Telefonische Hilfe und Beratung für Eltern von Frühchen:

  • Eltern-Hotline des Bundesverbands Das frühgeborene Kind: 0800 - 875 877 0 (Mo, Di, Do, Fr 9-12 Uhr; Mi 16-19 Uhr)
  • Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 - 111 0 550 (Mo-Fr 9-17 Uhr; Di, Do 9-19 Uhr)

Diese Beratungsangebote sind bundesweit anonym, kostenlos und vertraulich.

Sozialmedizinische Nachsorge und Frühe Hilfen

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus unterstützt die Sozialmedizinische Nachsorge bei der Pflege und Versorgung Ihres Kindes. Dies ist eine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung, die von Ihrem Arzt verordnet wird.

Frühe Hilfen sind lokale Angebote für Familien ab der Schwangerschaft bis zum 3. Geburtstag des Kindes. Sie helfen in schwierigen Lebenslagen, zum Beispiel auch bei Frühgeburten. Familienhebammen oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen können eine große Hilfe sein.

Frühförderung und Steuerentlastungen

Bei einer Frühgeburt können Sie pädagogische und therapeutische Maßnahmen zur Unterstützung der kindlichen Entwicklung in Anspruch nehmen (Frühförderung). Diese wird von Frühförderstellen und sozialpädiatrischen Zentren angeboten.

Folgende Posten können Sie bei Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen:

  • Kinderbetreuungskosten
  • Haushaltshilfe
  • Fahrten ins Krankenhaus (Kilometergeld oder Fahrkarten)

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