Bereitschaftspflege für Babys: Ein vorübergehendes Zuhause in Krisenzeiten

Wenn ein Kind in Gefahr ist oder seine Eltern es vorübergehend nicht versorgen können, werden sie manchmal sofort aus ihrer Familie genommen. In solchen dringenden Fällen bieten Bereitschaftspflege-Familien einem Kind kurzfristig und vorübergehend ein sicheres und geborgenes Zuhause. Diese vorübergehende Unterbringung in einer Familie ist für ein Kind in einer schwierigen Situation oft ein großes Glück und dient dem schnellen Schutz des Kindes.

Was erwartet Sie als Bereitschaftspflege-Familie?

Als Bereitschaftspflege-Familie stehen Sie bereit, einem Kind kurzfristig ein Zuhause zu geben, bis seine Zukunftsperspektive geklärt ist. Während dieser Zeit sind Sie die zentrale Stütze des Kindes. Das Kind kann anschließend entweder wieder zu seinen leiblichen Eltern zurückkehren oder findet ein langfristiges Zuhause in einer anderen Familie. Sie helfen Ihrem Pflegekind in der Zeit der Klärung, indem Sie es behüten und es zu Arztterminen oder Treffen mit seiner Herkunftsfamilie begleiten.

Bereitschaftspflege-Personen nehmen ein Kind so an, wie es ist. Sie sind geduldig mit dem Kind und seinen Lebensumständen, haben geringe Erwartungen, tragen Verantwortung und zeigen Toleranz gegenüber den Erfahrungen, die das Kind bereits gemacht hat. Daher ist Ihre Lebensform nicht entscheidend, wenn Sie ein Kind bei sich aufnehmen möchten. Wir freuen uns über die Vielfalt unserer Bereitschaftspflegefamilien.

Kinder, die ihre Familien spontan und unvorhergesehen verlassen müssen, benötigen für einen begrenzten Zeitraum ein Zuhause. Sie sind in einem emotionalen Ausnahmezustand und brauchen eine liebevolle Versorgung und Betreuung. Die Aufnahme eines Kindes erfolgt aus unterschiedlichen Anlässen und an unterschiedlichen Orten. Für das Kind stellt dies eine hohe emotionale Belastung dar und es erlebt Emotionen wie Angst, Kontrollverlust, Ausgeliefertsein, Hilflosigkeit, Ohnmacht und Trauer.

Schema der Inobhutnahme eines Kindes und der anschließenden Unterbringung in Bereitschaftspflege

Die Projekt-Bereitschaftspflege

Die Projekt-Bereitschaftspflege ist ein familiäres Angebot, das einer Krisenintervention dient, vor allem der Notunterbringung eines Kindes zu dessen Schutz und der Abklärung der weiteren Perspektive innerhalb von 48 Stunden. Der Fachbereich „familiäre Bereitschaftsbetreuung“ bietet diese Hilfeform als kurze, befristete, krisenorientierte Unterbringung und Maßnahme des aktiven Kinderschutzes an. Im Familiensetting sollen die Bedürfnisse und Belange des Kindes kurzfristig sichergestellt werden. Die Verweildauer eines Kindes in Projekt-Bereitschaftspflege ist hierbei auf maximal eine Woche begrenzt, um die vorhandenen Notplätze schnell neuen Krisensituationen zur Verfügung stellen zu können.

Wie werde ich Pflegefamilie auf Zeit (Projekt-Bereitschaftspflege)?

Für eine Bewerbung als Pflegefamilie auf Zeit ist ein erster Kontakt mit der zuständigen Stelle erforderlich. Sie benötigen verschiedene Unterlagen, wie ein erweitertes Führungszeugnis, ein Gesundheitsattest und gegebenenfalls Gehaltsnachweise. Zudem sollten Sie über ausreichenden Wohnraum verfügen. Im Rahmen von mehreren Gesprächen werden Ihr eigenes Leben und Ihre Erziehungsvorstellungen beleuchtet und reflektiert. Es ist wichtig, dass Sie ein stabiles Lebensumfeld entwickelt haben, in dem sich das Kind gesund entwickeln kann. Sie werden intensiv auf diese verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet und geschult.

In Hamburg gibt es für Interessierte eine verbindliche Grundqualifizierung, die zentral beim Bildungszentrum Hamburger Pflegefamilien und Patenschaften durchgeführt wird. Diese umfasst Informationsabende und zwei Seminarblöcke von jeweils 15 Stunden. Die Teilnahme ist kostenfrei. Zusätzlich zur Qualifizierung finden persönliche Gespräche mit Fachkräften des zuständigen Pflegekinderdienstes statt.

Besonderheiten der Bereitschaftspflege

Bereitschaftspflege ist eine besondere Hilfeform, bei der Kinder „von jetzt auf gleich“ in der Pflegefamilie aufgenommen werden müssen. Dies erfordert eine Hauptbetreuungsperson, die nicht oder nur eingeschränkt berufstätig ist. Eine weitere Besonderheit ist, dass Bereitschaftspflegefamilien im Laufe der Jahre verschiedene Kinder betreuen. Daher ist es von großer Bedeutung, dass alle Familienmitglieder damit einverstanden sind.

Die Aufnahme eines Kindes erfolgt aus unterschiedlichen Anlässen und an unterschiedlichen Orten, was für das Kind eine hohe emotionale Belastung darstellt. Diese möglichen Verhaltensweisen müssen durch die Bereitschaftspflegefamilien aufgefangen werden. Das Kind ist in den normalen Familienalltag integriert.

Im Unterschied zur Kurzzeitpflege, bei der die Dauer der Unterbringung oft bekannt ist (z.B. während eines Kur- oder Krankenhausaufenthalts der Eltern), erfolgt die Unterbringung in einer Bereitschaftspflegefamilie akut und für eine vorher nicht absehbare Dauer. Bereitschaftspflegefamilien müssen mit Widersprüchlichkeiten und Gegensätzen umgehen und diese professionell und stabil aushandeln. Hierzu gehören die Balance zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, die Erwartung, sowohl Hilfe anzubieten als auch Kontrolle über die Situation zu erlangen, mit Bindung und Trennung umzugehen sowie Entscheidungen ebenso reflektiert zu treffen wie spontan zu handeln.

Grafik, die die Altersverteilung von Kindern in Bereitschaftspflege zeigt

Welche Kinder kommen in Bereitschaftspflegefamilien?

Kinder aller Altersbereiche kommen in Bereitschaftspflegefamilien. Die größte Gruppe bilden mit rund 43% die Kinder bis zum vollendeten 3. Lebensjahr, gefolgt von Kindern im Kindergartenalter (rund 16%). Somit sind nahezu 60% der Kinder beim Eintritt in die Bereitschaftspflege im Vorschulalter. Die zweitgrößte Gruppe sind Jugendliche (rund 24%), die älter als 12 Jahre sind.

Wie lange bleibt ein Bereitschaftspflegekind in der Familie?

Die Kinder verbleiben für eine begrenzte Zeit in der Bereitschaftspflegefamilie. Der Zeitraum kann variieren und abhängig von den individuellen Umständen einige Wochen oder auch einige Monate betragen. In dieser Zeit klärt das Jugendamt mit allen Beteiligten, ob das Kind zu seinen Eltern zurückkehren kann oder dauerhaft ein anderer Lebensmittelpunkt gefunden werden muss.

Bei knapp 30% der Kinder und Jugendlichen dauert die Zeit in der Bereitschaftspflegefamilie maximal drei Wochen, während die meisten Kinder und Jugendlichen, nämlich rund 41%, zwischen drei Wochen und drei Monaten in der Bereitschaftspflege sind. Zwischen drei und sechs Monaten sind rund 18% der Kinder in einer Bereitschaftspflegefamilie. Je jünger ein Kind ist, desto länger bleibt es im Durchschnitt in der Bereitschaftspflegefamilie. Bei knapp 45% wird sich für eine Fremdplatzierung entschieden, wobei fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in eine Vollzeitpflege vermittelt wird.

Unterstützung und Vergütung

Die Bereitschaftspflegefamilien erhalten eine fachliche Beratung und Begleitung. Es finden Fortbildungen und Supervisionen sowie ein Austausch mit anderen Bereitschaftspflegefamilien statt. Darüber hinaus wird die Tätigkeit mit einer Bereitschaftspauschale und - bei Belegung - mit einem Pflegegeld vergütet. Die Pauschale für den Lebensunterhalt des Kindes deckt Aufwendungen wie Nahrungsmittel, Kleidung und Spielzeug ab. Die Abgeltung der Erziehungsleistung erhalten die Pflegeeltern für ihre pädagogischen Bemühungen.

Die Fachberater*innen der Stiftung kreuznacher diakonie begleiten interessierte Familien im gemeinsamen Austausch und unterstützen sie bei ihrem Entscheidungsprozess. In den folgenden Hausbesuchen lernen Sie das Fachberatungsteam kennen und es finden intensive Gespräche statt. Wir benötigen von allen im Haushalt lebenden volljährigen Personen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis ihres Hausarztes.

Die Hamburger Pflegekinderdienste informieren, beraten und unterstützen Bereitschaftspflegefamilien engmaschig in der Vorbereitungsphase, bei der Aufnahme eines Kindes und während der gesamten Zeit der Unterbringung. Als Bereitschaftspflegeeltern steht Ihnen das Weiterbildungsangebot des Bildungszentrums Hamburger Pflegefamilien und Patenschaften zur Verfügung. Die Ausgestaltung der Zusammenarbeit wird mit dem Pflegekinderdienst vertraglich festgelegt. Für die Zeit, in der Sie ein Kind betreuen, erhalten Sie einen Erziehungskostenanteil. Zudem zahlt das Jugendamt den Unterhalt für das Pflegekind.

Voraussetzungen für Bereitschaftspflegeeltern

Weitere Voraussetzungen für Bereitschaftspflegeeltern sind:

  • Herzlichkeit, Geduld und Flexibilität
  • Humor und eine positive Lebenseinstellung
  • Kommunikations- und Lernbereitschaft
  • Erfahrung im Umgang mit Kindern
  • Ausreichender Wohnraum und finanzielle Stabilität
  • Hohe Bereitschaft zur engen Zusammenarbeit mit dem Pflegekinderdienst, dem Jugendamt und der Herkunftsfamilie

Die eigene Familienform spielt für die Eignung als Bereitschaftspflegefamilie keine Rolle. Gleichgeschlechtliche Paare, Alleinstehende oder Patchworkfamilien kommen hier ebenso in Frage wie Familien mit und ohne leibliche Kinder. Eigene Kinder sollten älter als zwei Jahre sein.

Bereitschaftspflege: Wenn es schnell gehen muss

Der Prozess der Aufnahme

Das gesamte Vorbereitungsverfahren und die Vermittlung eines Kindes dauern in der Regel mehrere Monate. Bei akuter Gefährdung eines Kindes - etwa durch Vernachlässigung, Gewalt oder eine familiäre Krise - kann das Jugendamt dieses Kind in Obhut nehmen. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) prüft dann die Lage und entscheidet über die Maßnahme. Danach sucht der Hamburger Pflegekinderdienst eine geeignete Bereitschaftspflegefamilie. Die Pflegefamilie erhält erste Informationen zum Kind und entscheidet, ob sie die Aufnahme leisten kann. Die Unterbringung erfolgt zeitnah und mit viel Einfühlungsvermögen - oft innerhalb weniger Stunden. Parallel beginnt die Perspektivklärung für das Kind.

Die Bereitschaftspflege dient dem schnellstmöglichen Schutz der betreffenden Kinder und wird als „Clearingphase“ zur raschen Klärung weiteren Hilfebedarfs verstanden. Die Bereitschaftspflege dient deshalb als kurzfristige Brückenfunktion. Um eine zu starke emotionale Bindung der Kinder an die Bereitschaftspflegeeltern zu vermeiden, wird stets ein kurzer Zeitraum des Aufenthalts geplant. Die Zeitspanne vom ersten Informationsabend bis zur Aufnahme eines Pflegekindes beträgt ca. neun Monate. Auf die Aufgabe als Pflegeeltern werden Sie durch die Pflegeelternschulung vorbereitet.

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