Wenn Ihr Baby plötzlich beginnt, stark zu sabbern, kann dies Eltern beunruhigen, insbesondere wenn es zuvor noch nie aufgetreten ist. In vielen Fällen ist vermehrtes Sabbern bei Babys ein normaler Teil der Entwicklung und kein Grund zur Sorge. Es gibt jedoch auch andere mögliche Ursachen, die es zu berücksichtigen gilt.
Häufige Gründe für vermehrtes Sabbern bei Babys
Die Speichelproduktion beim Menschen beginnt bereits im Mutterleib und hört nie wieder auf. Speichel erfüllt wichtige Funktionen wie den Schutz der Mundschleimhaut und die Erleichterung der Verdauung. Vermehrtes Sabbern kann verschiedene Gründe haben, die oft mit der Entwicklung des Kindes zusammenhängen.
Entwicklungsschübe und Hand-Mund-Koordination
Mit etwa 8 bis 9 Wochen befinden sich viele Babys in einem Entwicklungsschub. In dieser Phase beginnen sie, ihre Umwelt intensiver zu erkunden, und entdecken dabei zunehmend ihre Hände. Das Stecken der Hände in den Mund, das Lutschen daran und das damit verbundene Sabbern ist ein Zeichen dafür, dass Ihr Baby lernt, seinen Mund und seine Hände zu benutzen. Dies wird oft als Hand-Mund-Koordination bezeichnet.
Viele Eltern berichten, dass ihre Babys in diesem Alter beginnen, ständig die Hände in den Mund zu stecken, daran zu saugen und dabei stark zu sabbern. Manche Babys versuchen auch, auf Gegenständen wie Flaschen oder Schnullern zu kauen, was ebenfalls zu vermehrtem Speichelfluss führt.

Zahnen als mögliche Ursache
Obwohl es für ein Baby von 9 Wochen noch sehr früh für den Durchbruch von Zähnen ist, können die Zähne bereits im Kiefer "schießen" und sich für später positionieren. Dieser Prozess kann Druck im Kiefer verursachen und zu erhöhtem Speichelfluss führen. Einige Eltern bemerken Symptome wie vermehrte Reizbarkeit, Schwierigkeiten beim Einschlafen und vermehrtes Sabbern, die sie mit dem Zahnen in Verbindung bringen.
Erfahrungsberichten zufolge kann das Zahnen bereits mit 6 Wochen beginnen. Symptome können Schmerzen, häufiges und nur kurzes Trinken, ein wunder Po sowie Schlafstörungen sein. Zur Linderung werden oft Kügelchen wie Osanith, kalte Beißringe, Dentinox-Gel oder auch Schmerzmittel wie Benuron oder Nurofen eingesetzt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Mittel variieren kann.
Atemverhalten und Schlucken
Wenn ein Baby erkältet war und gelernt hat, durch den Mund zu atmen, kann dies zu vermehrtem Sabbern führen. Durch das Atmen mit offenem Mund wird weniger geschluckt, was dazu führt, dass Speichel aus dem Mund läuft. Das bewusste Schlucken ist eine Fähigkeit, die Babys erst erlernen müssen, und dieser Prozess kann bis zum Alter von 4 Jahren andauern.
Andere mögliche Gründe
- Entwicklungsschübe: Neben der Hand-Mund-Koordination können auch andere Entwicklungsschübe zu erhöhter Unruhe und damit verbundenem Sabbern führen.
- Mundmotorikspiele: Babys erkunden ihre Welt mit dem Mund. Das "Kauen" und "Knautschen" auf Gegenständen und den eigenen Händen ist Teil dieser Erkundung.
- Reizungen im Mund- oder Rachenraum: Obwohl seltener, können auch Beschwerden im Mund oder Rachen zu vermehrtem Sabbern führen.
Was Sie tun können, wenn Ihr Baby stark sabbert
Wenn Ihr Baby stark sabbert, gibt es einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um die Situation zu erleichtern:
Pflege und Schutz der Haut
Der vermehrte Speichelfluss kann zu Hautreizungen führen, insbesondere im Bereich von Mund, Nacken und Brust. Achten Sie darauf, die betroffenen Stellen regelmäßig sanft zu trocknen. Ein Lätzchen oder ein Halstuch aus saugstarkem Material wie Baumwolle oder Frottee kann helfen, die Kleidung Ihres Babys vor Nässe zu schützen. Achten Sie darauf, dass das Tuch nicht zu eng anliegt.
Unterstützung beim Schlucken und der Mundmotorik
Sie können Ihrem Baby helfen, seine Mundmuskulatur zu trainieren, indem Sie Mundmotorikspiele mit ihm machen. Dazu gehört, es zum Schneiden von Grimassen oder zum Aufblasen der Backen anzuregen. Dies kann helfen, die Fähigkeit zum bewussten Schlucken zu fördern.
Umgang mit Reizbarkeit und Schlafstörungen
Wenn Ihr Baby aufgrund des Sabberns oder anderer Entwicklungsschritte sehr unruhig ist oder schlecht schläft, können Sie versuchen, ihm etwas Linderung zu verschaffen. Beißringe, die gekühlt wurden, können helfen, den Druck im Kiefer zu mindern. Manche Eltern greifen bei starker Unruhe auch zu homöopathischen Mitteln wie Viburcol-Zäpfchen oder, nach Absprache mit dem Arzt, zu milden Schmerzmitteln.
Erste Hilfe: Hand-Fuß-Mund: Das musst du SOFORT tun! 🚨 (Arzt in der Kindermedizin erklärt)
Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten
In den meisten Fällen ist vermehrtes Sabbern im Babyalter normal. Wenn das Sabbern jedoch nach dem 4. Lebensjahr anhält oder sehr stark ausgeprägt ist, sollten Sie dies von einem Kinderarzt abklären lassen. Selten kann starker Speichelfluss ein Anzeichen für eine Grunderkrankung sein, wie zum Beispiel:
- Neurologische Erkrankungen: Dazu gehören Zerebralparese oder schwere Kopfverletzungen, die zu Schluckschwierigkeiten und mangelnder Muskelkontrolle im Mundbereich führen können.
- Fehlstellungen von Kiefer oder Zähnen: Diese können mit kieferorthopädischen Maßnahmen behandelt werden.
Sollten Sie sich unsicher sein oder zusätzliche Symptome wie Fieber, Durchfall oder anhaltende Reizbarkeit bemerken, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen.
Pädiatrische chronische Sialorrhoe
Wenn Säuglinge und Kleinkinder übermäßig sabbern, handelt es sich in der Regel um einen normalen Entwicklungsschritt. Sollte der vermehrte Speichelfluss jedoch nach dem 4. Lebensjahr nicht abnehmen, kann dies ein Anzeichen für Sialorrhoe sein. Die Medizin spricht von Sialorrhoe oder Hypersalivation bei unkontrolliertem Speichelfluss, der durch eine verminderte Schluckfähigkeit oder seltener durch eine übermäßige Speichelproduktion verursacht wird.
Bei Kindern wird von Pädiatrischer Sialorrhoe gesprochen. Diese ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine Folgeerscheinung einer Grunderkrankung. Häufig tritt sie bei Kindern mit Zerebralparese auf, verursacht durch eine frühkindliche Hirnschädigung, die zu Bewegungsstörungen und Schluckschwierigkeiten führen kann.
Weitere Ursachen können neurologische Erkrankungen, schwere Schädel-Hirn-Verletzungen oder Entwicklungsstörungen sein.
Auswirkungen von chronischer Sialorrhoe
- Hautreizungen: Ständiger Speichelfluss kann zu gereizter Haut führen.
- Dehydration: Ein stetiger Verlust von Speichel kann zu Flüssigkeitsmangel führen.
- Fehleinschätzung kognitiver Fähigkeiten: Vermehrter Speichelfluss kann fälschlicherweise mit geminderter Intelligenz gleichgesetzt werden.
- Soziale Isolation: Kinder können sich aufgrund von Schamgefühlen oder Hänseleien zurückziehen.
Behandlungsmethoden bei Pädiatrischer Sialorrhoe
Die Behandlung von Sialorrhoe ist individuell und schrittweise. Mögliche Ansätze umfassen:
- Abklärung beim Arzt: Ab dem 4. Lebensjahr sollte anhaltendes Speicheln ärztlich abgeklärt werden.
- Schluck- und Sprachtherapie: Diese Therapie trainiert die Mund- und Gesichtsmuskulatur und verbessert das Schluckverhalten.
- Medikamentöse Therapie: Bei unzureichender Wirkung anderer Maßnahmen können Medikamente wie Glycopyrronium oder Botulinum-Neurotoxin Typ A eingesetzt werden. Diese sind verschreibungspflichtig und erfordern ärztliche Überwachung.
- Operationen: In seltenen Fällen können operative Eingriffe an den Speicheldrüsen erwogen werden, sind jedoch nicht umkehrbar und bergen Risiken.