Hebammenkunde studieren: Ihr Weg zur akademisierten Hebamme

Der Beruf der Hebamme ist verantwortungsvoll, vielseitig und erfüllend. Hebammen begleiten und betreuen Frauen und Familien in einigen der bedeutendsten Phasen ihres Lebens: während der Schwangerschaft, der Geburt, im Wochenbett, in der Stillzeit und in der frühen Mutterschaft. Sie sind unverzichtbare Akteure im Gesundheitssystem und begleiten Familien mit Expertise und Einfühlungsvermögen durch diese prägenden Zeiten. Seit 2020 ist die Ausbildung zur Hebamme in Deutschland akademisiert und wird ausschließlich im Rahmen eines dualen Bachelor-Studiengangs absolviert. Dies trägt der Erweiterung des Aufgabengebietes und den gestiegenen gesetzlichen Anforderungen Rechnung.

Grafik mit den wichtigsten Phasen der Begleitung durch eine Hebamme: Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit

Das Studium der Hebammenkunde (B.Sc.)

Der Studiengang Hebammenkunde (B.Sc.) ist interdisziplinär aufgebaut und integriert verschiedene Disziplinen wie Medizin, Naturwissenschaften, Gesundheitswissenschaften, Sozialwissenschaften und Ethik. Diese Kombination vermittelt ein umfassendes und ganzheitliches Verständnis, das optimal auf die vielfältigen Anforderungen des Berufs vorbereitet. Die Regelstudienzeit für grundständig Studierende beträgt 7 Semester in Vollzeit, für bereits examinierte Hebammen sind es 5 Semester.

Das Studium ist in 3 Studienabschnitte unterteilt, denen jeweils Module zugeordnet sind. Der Bachelorabschluss, gemeinsam mit dem bestandenen Staatsexamen, führt zur Berufszulassung als staatlich examinierte Hebamme. Nach erfolgreichem Abschluss (B.Sc.) beantragen Sie Ihre Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Hebamme.

Praxisintegrierendes Studium mit hohem Praxisanteil

Der Studiengang ist als duales, praxisintegrierendes Studium konzipiert. Während der 7 Semester absolvieren die Studierenden insgesamt 2.200 Praxisstunden. Diese finden unter anderem in folgenden Bereichen statt:

  • Kreißsaal
  • Schwangerenambulanz
  • Integrative Wochenstation
  • Pflegestation
  • OP-Saal
  • Neonatologie
  • Außerklinische Praxis (bei freiberuflichen Hebammen und in der außerklinischen Geburtshilfe)

Diese engen Verzahnung von Theorie und Praxis bereitet optimal auf die zukünftige berufliche Tätigkeit vor. Die Praxisphasen werden durch die Hochschulen in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern umgesetzt. Zu den Partnern zählen unter anderem:

  • LMU-Klinikum (Standorte: Innenstadt und Großhadern)
  • Klinikum Starnberg
  • RoMed Klinikum Rosenheim
  • Rotkreuzklinik München
  • München Klinik
  • Kliniken Südostbayern (Kreisklinik Bad Reichenhall)
  • Krankenhaus Agatharied
  • Universitätsklinikum Halle (Saale)
  • Universitätsklinikum Magdeburg
Schema des dualen Studiums mit den Anteilen von Theorie (Hochschule) und Praxis (Kliniken/Praxispartner)

Vergütung während des Studiums

Aufgrund des hohen Praxisanteils des Studiums sieht das Hebammengesetz (HebG) eine Vergütung vor. Die monatliche Vergütung orientiert sich an dem Tarifvertrag des Trägers des Praxispartners. Das durchschnittliche Einkommen beträgt monatlich ca. 1.250 € bis 1.740 € brutto, abhängig vom Träger und Tarifvertrag. Im öffentlichen Dienst liegt das Einstiegsgehalt nach Tarifvertrag (TvöD oder TV-L) zwischen 3.300 und 3.880 Euro brutto im Monat. Bei freiberuflicher Tätigkeit ergeben sich die Einnahmen aus Aufträgen, die mit festgelegten Sätzen der Krankenkassen vergütet werden.

Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Der Beruf der Hebamme bietet eine Vielzahl an Arbeitsfeldern, die weit über die klassische Geburtshilfe hinausgehen. Durch die Akademisierung der Ausbildung und die stetige Weiterentwicklung des Berufsbildes eröffnen sich Hebammen zahlreiche Karrieremöglichkeiten. Neben der klassischen Tätigkeit in Kliniken und Geburtshäusern können sie auch in der Forschung, Lehre oder im öffentlichen Gesundheitswesen tätig werden.

Das Bachelorstudium eröffnet zudem die Möglichkeit, ein weiterführendes Masterstudium zu beginnen, was den Einstieg in Wissenschaft und Forschung ermöglicht. Beispiele hierfür sind Masterstudiengänge in Midwifery Led-Care (M.Sc.) oder Hebammenwissenschaft (M.Sc.). Auch berufspädagogische Masterstudiengänge in den Gesundheitsberufen sind möglich.

Infografik zu verschiedenen Karrieremöglichkeiten für Hebammen nach dem Studium

Spezialisierung und Praxisanleitung

Nach erfolgreichem Studium stehen für die weitere Qualifizierung verschiedene Fort- und Weiterbildungen zur Auswahl, zum Beispiel zur fachlichen Spezialisierung oder zur Praxisanleiterin bzw. zum Praxisanleiter. Die Vermittlung berufspädagogischer Inhalte ist Bestandteil des Studiums und eine Voraussetzung für die spätere Tätigkeit als Praxisanleiterin.

Zulassungsvoraussetzungen und Bewerbung

Der Studiengang Hebammenkunde (B.Sc.) ist zulassungsbeschränkt. Die Zulassungsvoraussetzungen umfassen in der Regel:

  • Nachweis über eine Hochschulzugangsberechtigung (allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife, Fachhochschulreife) oder eine vergleichbare Qualifikation für beruflich Qualifizierte.
  • Ein berufsbezogenes Vorpraktikum von mindestens vier Wochen, idealerweise im Kreißsaal.
  • Gesundheitliche Eignung.
  • Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift (z.B. DSH 2).

Für bereits examinierte Hebammen gibt es spezielle Zulassungsverfahren, bei denen unter Umständen bereits erworbene Kompetenzen angerechnet werden können. Sie können in ein höheres Fachsemester einsteigen.

Bewerbungsfristen und Auswahlverfahren

Die Bewerbungsfristen variieren je nach Hochschule, liegen aber oft zwischen dem 1. Mai und dem 15. Juni für das darauffolgende Wintersemester. Bei Hochschulwechsel oder Wiedereinstieg können abweichende Fristen gelten. Das Auswahlverfahren basiert häufig auf der Abiturnote bzw. Abschlussnote in Kombination mit nachgewiesenen Zusatzleistungen, wie z.B. dem Vorpraktikum. Oftmals findet zusätzlich ein Auswahlgespräch statt.

Die KSH München beispielsweise bietet 38 Studienplätze für grundständig Studierende und mindestens 5 Studienplätze für examinierte Hebammen. Der Bewerbungszeitraum für das Wintersemester ist in der Regel vom 01.05. bis 15.06.

Beispiel für ein Bewerbungsformular oder eine Checkliste mit erforderlichen Unterlagen

Der Campus und die Atmosphäre

Einige Hochschulen, wie die KSH München, legen Wert auf eine familiäre Atmosphäre trotz Großstadtlage. Der Campus Benediktbeuern wird beispielsweise als Ort beschrieben, an dem "niemand anonym" ist und eine "familiäre Atmosphäre" herrscht. Hier treffen historische Bauten auf moderne Seminargebäude, und Studierende stehen im engen Kontakt mit den Lehrenden. Interkulturelle Erfahrungen, vertiefte Sprachkenntnisse und Praxiswissen im internationalen Kontext können durch Auslandspraktika, beispielsweise im Rahmen des Erasmus+ Programms, erweitert werden.

Das Hebammengesetz und die Ausbildung

Das Gesetz über das Studium und den Beruf von Hebammen (Hebammengesetz - HebG) vom 22. November 2019 bildet die Grundlage für die akademisierte Ausbildung. Es trat am 1. Januar 2020 in Kraft und hat die Hebammenausbildung auf die Hochschulen übertragen.

Nach bestandener staatlicher Prüfung und Vorliegen der übrigen vorgeschriebenen Voraussetzungen wird von der zuständigen Behörde auf Antrag die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Hebamme“ erteilt. Die staatliche Prüfung besteht in der Regel aus einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungsteil.

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Zusammenarbeit und Vernetzung

Die Hochschulen arbeiten eng mit Kooperationspartnern zusammen, um den Studierenden vielfältige Praxiserfahrungen zu ermöglichen. Dies beinhaltet Einsätze in Krankenhäusern, ambulanten hebammengeleiteten Einrichtungen und der außerklinischen Geburtshilfe. Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis ist ein zentrales Element des Studiums.

Der Career Service der Hochschulen unterstützt die Studierenden beim Übergang vom Studium in den Beruf oder in eine wissenschaftliche Laufbahn. Auch die Anrechnung von Studienleistungen, die an anderen Hochschulen erbracht wurden, ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

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