Abschwellende Nasentropfen sind ein häufig eingesetztes Mittel bei Erkältungssymptomen von Säuglingen und Kindern. Sie können helfen, starke Erkältungssymptome zu lindern, schwerwiegende Mittelohrentzündungen zu verhindern und für ruhige Nächte zu sorgen. Die Apothekerkammer Niedersachsen betont die Wichtigkeit, für jede Person ein eigenes, altersgerechtes Präparat zu verwenden, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Wichtige Hinweise zur Anwendung von Nasentropfen für Kinder
Bei der Anwendung von Nasentropfen für Säuglinge und Kleinkinder sind mehrere Aspekte zu beachten:
- Altersgerechte Präparate: Es ist essenziell, dass Familienmitglieder niemals ein gemeinsames Fläschchen nutzen. Speziell für Säuglinge und Kinder unter zwei Jahren gibt es mittlerweile Präparate mit einem Dosiertropfer, der nur einen Tropfen Flüssigkeit ohne Druck abgibt. Diese unterscheiden sich von herkömmlichen Sprays und vermeiden einen Sprühnebel.
- Konzentration des Wirkstoffs: Abschwellende Nasentropfen enthalten Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin. Diese sind altersabhängig konzentriert und müssen entsprechend dosiert werden. Für die Kleinsten sind in der Regel Nasentropfen mit einer niedrigeren Konzentration (z.B. 0,025 Prozent) vorgesehen, keine Sprays.
- Entsorgung angebrochener Präparate: Nach dem Abheilen einer Infektion sollten angebrochene Sprays oder Tropfen entsorgt und nicht wiederverwendet werden, um eine erneute Ansteckung oder Kontamination zu verhindern.
Sichere Verabreichung bei Säuglingen und Kleinkindern
Die Apothekerkammer Niedersachsen gibt klare Anweisungen für die Verabreichung von Nasentropfen bei Säuglingen und Kleinkindern:
- Das Kind sollte zur Verabreichung auf dem Rücken liegen.
- Der Tropfer wird über das Nasenloch gehalten und nicht in die Nase eingeführt.
- Nach der Gabe eines Tropfens in ein Nasenloch wird der Kopf des Kindes leicht zur entsprechenden Seite gedreht, um den Tropfen einwirken zu lassen.
- Das Vorgehen wird für das andere Nasenloch wiederholt.
Diese Methode mit dem Dosiertropfer wurde entwickelt, da es mit den klassischen Tropfpipetten immer wieder zu Überdosierungen mit schwerwiegenden Nebenwirkungen kam. Die Dosiertropfer geben präzise einen Tropfen ab, ohne zusätzlichen Druck oder Sprühnebel.

Nasentropfen und Nasensprays für verschiedene Altersgruppen
Die Auswahl und Anwendung von Nasentropfen und -sprays unterscheidet sich je nach Alter des Kindes:
- Säuglinge und Kleinkinder bis 2 Jahre: Hier sind spezielle Nasentropfen mit Dosiertropfer und einer niedrigen Konzentration (z.B. 0,025 Prozent Xylometazolin) vorgesehen. Produkte wie Otriven® gegen Schnupfen 0,025% Nasentropfen oder Nasivin® Baby mit Dosiertropfer sind für diese Altersgruppe geeignet.
- Kinder zwischen 2 und 6 Jahren: Für diese Altersgruppe stehen Nasensprays sowie Nasentropfen mit Tropfpipette in einer Dosierung von 0,05 Prozent Xylometazolin oder Oxymetazolin zur Verfügung. Ein Sprühstoß kann einfacher zu dosieren sein als Tropfen aus der Pipette.
- Schulkinder ab 6 Jahren und Erwachsene: Hier sind Präparate mit einer höheren Konzentration (z.B. 0,1 Prozent Xylometazolin) erhältlich.
Es ist wichtig, die Altersangaben auf der Verpackung strikt zu befolgen, da Präparate für ältere Kinder oder Erwachsene eine zu hohe Wirkstoffkonzentration für Babys und Kleinkinder aufweisen.
Risiken und Nebenwirkungen von abschwellenden Nasentropfen
Obwohl abschwellende Nasentropfen Linderung verschaffen können, bergen sie auch Risiken:
- Überdosierung: Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern kann eine Überdosierung von Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin gefährlich sein. Mögliche Nebenwirkungen reichen von Herzklopfen und Blutdruckerhöhung bis hin zu schwerwiegenden systemischen Reaktionen wie Atemstillstand oder Koma.
- Austrocknung der Nasenschleimhaut: Eine längere oder unsachgemäße Anwendung kann die Nasenschleimhaut austrocknen und zu Borkenbildung (Rhinitis sicca) oder Nasenbluten führen.
- Abhängigkeit: Bei regelmäßiger Anwendung über einen längeren Zeitraum (länger als 7 Tage am Stück) kann sich die Nasenschleimhaut an den abschwellenden Wirkstoff gewöhnen, was zu einem chronischen Bedarf und einer Abhängigkeit führen kann.
- Reizerscheinungen: Mögliche Nebenwirkungen sind auch Reizerscheinungen in der Nase wie Brennen, Niesen oder ein Gefühl der verstopften Nase.
Daher wird empfohlen, abschwellende Nasensprays und -tropfen nur im Ausnahmefall, korrekt dosiert und über kurze Zeit sowie in Rücksprache mit einem Kinderarzt oder Apotheker zu verwenden.
Kindern Nasentropfen geben - Hilfevideo - Mit Wuffel zusammen Nasentropfen nehmen
Alternativen zu abschwellenden Nasentropfen
Bei leichten Erkältungssymptomen und verstopfter Nase bei Babys und Kleinkindern gibt es mehrere Alternativen zu chemisch abschwellenden Nasentropfen:
- Kochsalzlösung: Physiologische Kochsalzlösungen (0,9% Natriumchlorid) befeuchten die Nasenschleimhaut, verflüssigen zähen Schleim und erleichtern dessen Abtransport. Sie sind für alle Altersgruppen geeignet und können nach Bedarf angewendet werden, da keine Gefahr der Überdosierung oder Abhängigkeit besteht. Diese kann auch selbst hergestellt werden (1 Gramm Speisesalz auf 100 ml abgekochtes Wasser).
- Muttermilch: Einige Tropfen frische Muttermilch können ebenfalls Linderung verschaffen, da sie Antikörper enthält.
- Erhöhung der Luftfeuchtigkeit: Regelmäßiges Lüften, die Verwendung eines Luftbefeuchters oder das Aufhängen feuchter Tücher über Heizkörpern kann helfen, die Nasenschleimhäute feucht zu halten.
- Kopfhochlagern: Das Hochlagern des Kopfes des Kindes beim Schlafen kann den Abfluss von Nasensekret erleichtern. Hierfür kann beispielsweise ein eingerolltes Handtuch unter die Matratze gelegt werden.
- Viel trinken lassen: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr hilft, das Sekret zu verflüssigen.
- Pflanzliche Mittel: Produkte wie Engelwurzbalsam, der auf die Nasenflügel aufgetragen wird, können das Atmen erleichtern.
Von der Anwendung klassischer Erkältungssalben für Erwachsene bei Babys und Kleinkindern wird dringend abgeraten, da diese gefährlich sein können. Ebenso ist Vorsicht bei der Anwendung von Nasensaugern geboten, da diese die empfindliche Nasenschleimhaut reizen oder verletzen können.
Wann ist ein Arztbesuch ratsam?
Obwohl viele Erkältungssymptome bei Kindern normal sind und das Immunsystem trainieren, gibt es Warnsignale, bei denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:
- Fieber: Anhaltendes Fieber, insbesondere bei Säuglingen bis drei Monate, sollte immer ärztlich abgeklärt werden, um schwerwiegende Erkrankungen wie Lungen- oder Hirnhautentzündung auszuschließen.
- Schlechter Allgemeinzustand: Deutliche Schlappheit, Apathie oder wenn das Kind kaum noch trinkt, sind Anzeichen, die ärztliche Aufmerksamkeit erfordern.
- Anhaltende Symptome: Wenn der Schnupfen nach einer Woche nicht besser wird oder von starken Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Fieber begleitet wird.
- Verdacht auf Mittelohrentzündung: Bei starken Ohrenschmerzen oder wenn der Arzt dies vermutet, können abschwellende Nasentropfen als unterstützende Maßnahme angezeigt sein, um die Belüftung des Mittelohrs zu gewährleisten.
Die Anwendung von abschwellenden Nasentropfen sollte stets kritisch hinterfragt und idealerweise mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden, um Risiken zu minimieren und die Gesundheit des Kindes zu schützen.
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