Die Haut ist unsere wichtigste Schutzbarriere gegen schädliche Eindringlinge wie Viren und Bakterien. Dennoch ist sie auch sehr verletzlich. Vor allem lebhafte Kinder können sich bei Stürzen leicht Platzwunden zuziehen, die eine schnelle Erste Hilfe erfordern.
Erste Hilfe bei Platzwunden
Bei einer Platzwunde ist es wichtig, zunächst die Blutung zu stoppen. Drücken Sie dazu mit einem sterilen Tupfer oder einer Kompresse auf die Wunde. Bei starken Blutungen kann ein Druckverband angelegt werden. Nach der Erstversorgung sollte eine Platzwunde immer von einem Arzt kontrolliert werden, da die Tiefe der Verletzung als Laie oft nicht korrekt eingeschätzt werden kann. Der Arzt wird die Wunde gründlich untersuchen, bei Bedarf fachgerecht spülen und eventuell die umliegenden Knochenpartien untersuchen. Bei Kopfverletzungen muss eine Gehirnerschütterung ausgeschlossen und der Tetanus-Impfschutz überprüft werden.
Sehr große und klaffende Wunden werden genäht, geklammert oder geklebt. Die weitere Versorgung kann oft zu Hause fortgesetzt werden. Regelmäßiges Behandeln mit einer heilenden Salbe auf Dexpanthenol-Basis kann die schnelle und schöne Wiederherstellung der Haut unterstützen.

Wann ist ein Arztbesuch notwendig?
Ein Arztbesuch ist unerlässlich bei:
- Wunden mit auseinanderklaffenden Rändern oder einer Länge über 1 cm.
- Anhaltenden starken Blutungen.
- Starken Schmerzen.
- Wenn die letzte Tetanus-Impfung länger als 10 Jahre zurückliegt.
- Stark verschmutzten Wunden mit hohem Infektionsrisiko.
Auch wenn die Wunde stark verschmutzt ist oder die Wundränder zerfetzt sind, ist ärztliche Hilfe ratsam. Bei Kopfverletzungen ist wegen der Gefahr einer Gehirnerschütterung oder Gehirnblutung besondere Vorsicht geboten.
Behandlungsmethoden von Platzwunden
Die Behandlung einer Platzwunde hängt von ihrer Stelle, Größe und Tiefe ab. Gängige Methoden sind:
- Kleben: Bei kleineren, nicht stark klaffenden Wunden kann die Wunde geklebt werden. Der Kleber löst sich in der Regel nach einigen Tagen von selbst auf.
- Klammern: Ähnlich wie Kleben, wird hierbei das Wundnahtmaterial verwendet, um die Wundränder zu verschließen.
- Nähen: Große oder tief klaffende Wunden werden genäht. Dies geschieht in der Regel bis zu sechs Stunden nach der Verletzung, um das Infektionsrisiko zu minimieren.
Bei der Versorgung von Wunden im Gesicht wird auf möglichst unauffällige Methoden geachtet, um die Narbenbildung gering zu halten.

Spezielle Fälle und Pflege
Beulen
Beulen, die häufig zusammen mit Platzwunden auftreten, sind Schwellungen des Gewebes durch Flüssigkeitsansammlungen. Kühlen hilft meist, damit die Beule nach wenigen Tagen abklingt.
Verwendung von Salben
Frische Wunden sollten zunächst nicht mit Salben behandelt werden, um die Wundreinigung nicht zu beeinträchtigen. Salben können den Abfluss von Wundflüssigkeit behindern. Verschlossene Wunden können mit einer Wundheilcreme behandelt werden.
Wasserkontakt
Die versorgte Wunde sollte etwa eine Woche keinen direkten Wasserkontakt haben. Bei Bedarf kann ein wasserdichtes Pflaster zum Schutz beim Duschen angebracht werden.
Desinfektion
Zur Desinfektion einer Platzwunde können farblose Desinfektionssprays verwendet werden, die eine bessere Gewebeverträglichkeit als Jodprodukte aufweisen.
Zinksalbe
Zinksalbe sollte nicht auf eine akute Platzwunde aufgebracht werden.
Ursachen für aufgeplatzte Lippen bei Kleinkindern
Stürze sind eine häufige Ursache für Verletzungen bei Kleinkindern. Dabei kann es zu Schürfwunden kommen, bei denen die oberste Hautschicht abgeschabt wird. Auch ein Biss auf die Lippe, beispielsweise beim Fallen auf eine harte Kante, kann zu einer Platzwunde führen. Solche Verletzungen sehen oft schlimmer aus als sie sind, da die Lippen sehr gut durchblutet sind.

Erste Hilfe bei Lippenverletzungen
Wenn die Lippe eines Kindes aufgeplatzt ist und blutet, sollte zunächst Ruhe bewahrt werden. Die Blutung kann durch Druck mit einem sauberen, fusselfreien Tuch oder einer sterilen Kompresse von innen und außen gestoppt werden. Nach Stillen der Blutung sollte die Wunde vorsichtig mit kühlem, klarem Leitungswasser abgespült werden. Seife oder scharfe Desinfektionsmittel sollten vermieden werden, da sie die empfindliche Schleimhaut reizen können. Kühlen mit einem in ein Tuch gewickelten Eisbeutel hilft, Schwellungen und Schmerzen zu lindern.
Es ist wichtig, dass Kinder nicht an der Wunde knibbeln oder daran lecken, da dies Keime in die offene Stelle bringen kann.
Vorbeugung von Lippenverletzungen
Um aufgeplatzten Lippen vorzubeugen, ist eine regelmäßige Lippenpflege wichtig. Die Verwendung eines feuchtigkeitsspendenden Lippenbalsams, insbesondere mit Lichtschutzfaktor im Sommer, schützt vor UV-Schäden. Ausreichendes Trinken versorgt den Körper und die Haut von innen mit Feuchtigkeit. Bei kaltem oder windigem Wetter sollte ein schützender Lippenbalsam getragen werden.
Risiken und Komplikationen
Obwohl die meisten Platzwunden gut verheilen, bergen sie auch Risiken:
- Wundinfektion: Eine Infektion kann die Heilung verzögern und zu Narbenbildung führen.
- Tetanusinfektion: Eine kleine Platzwunde kann ausreichen, um sich mit Tetanus-Bakterien zu infizieren, wenn keine ausreichende Impfung besteht. Unbehandelt kann Tetanus tödlich verlaufen.
- Blutvergiftung (Sepsis): Nicht behandelte, infizierte Wunden können zu einer Blutvergiftung führen, die lebensbedrohlich sein kann.
- Gehirnerschütterung: Bei Platzwunden am Kopf muss immer eine Gehirnerschütterung in Betracht gezogen und auf entsprechende Symptome geachtet werden.
Hausmittel wie Mehl, Butter, Zwiebelsaft oder herkömmlicher Sekundenkleber sollten bei der Behandlung von Platzwunden vermieden werden. Auch das Berühren der Wunde mit dem Mund oder das Aussaugen ist tabu.
Wann zum Arzt - Entscheidende Kriterien
Ein Arztbesuch ist ratsam bei:
- Starker oder anhaltender Blutung.
- Tiefen oder klaffenden Wunden.
- Anzeichen einer Infektion (Rötung, Schwellung, Eiter, zunehmende Schmerzen, Fieber).
- Starker Schwellung, die sich schnell ausbreitet.
- Ausbleibender Heilung oder Verschlimmerung der Symptome trotz Pflege.
- Einnahme von blutverdünnenden oder immunsuppressiven Medikamenten.
- Häufigem Wiederauftreten von Lippenverletzungen.
Bei Kindern ist besondere Aufmerksamkeit geboten, wenn sie nach einem Sturz schläfrig, weniger aufmerksam, schwindelig oder übel werden. In solchen Fällen sollte umgehend ein Arzt oder Rettungsdienst kontaktiert werden.
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Untersuchungen und Behandlung beim Arzt
Der Arzt wird zunächst eine Anamnese erheben, um die Umstände der Verletzung zu klären. Anschließend erfolgt eine gründliche Untersuchung der Wunde. Je nach Schweregrad und Lokalisation kann die Platzwunde genäht, geklammert oder geklebt werden. Der Impfstatus gegen Tetanus wird überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt. Bei Anzeichen einer Infektion können Antibiotika verschrieben werden.
Nachsorge und Heilungsdauer
Die Nachsorge richtet sich nach der Art der Wundversorgung. Fäden, Klammern oder Kleber werden nach einigen Tagen bis Wochen vom Arzt entfernt. Narben können mit panthenolhaltigen Salben gepflegt und vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Die Heilungsdauer von Platzwunden beträgt in der Regel zwei bis drei Wochen. An stark beanspruchten Stellen oder bei größeren Wunden kann die Heilung länger dauern.
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