Lebensmittelallergien bei Kleinkindern: Erkennung, Symptome und Behandlung

Allergien sind ein komplexes Thema, und es ist wichtig, zwischen verschiedenen Begriffen wie Lebensmittelallergie, Nahrungsmittelunverträglichkeit und Pseudoallergie zu unterscheiden. Besonders bei Kleinkindern können diese Reaktionen den Alltag stark beeinträchtigen. Der Lebensmittelallergietag am 21. Mai rückt dieses Thema in den Fokus.

Was ist eine Lebensmittelallergie?

Eine Lebensmittelallergie liegt vor, wenn das Immunsystem eines Kindes auf eigentlich harmlose Eiweiße in Lebensmitteln wie auf einen Krankheitserreger reagiert. Dabei bildet der Körper Antikörper, die eine Abwehrreaktion auslösen. Ein wichtiger Botenstoff in diesem Prozess ist Histamin, das zu verschiedenen allergischen Reaktionen führen kann.

Häufigkeit von Lebensmittelallergien bei Kindern

Lebensmittelallergien sind bei Kindern weit verbreitet. Schätzungen zufolge sind etwa 4-6 % der Kinder betroffen, während es bei Erwachsenen nur etwa 2-3 % sind. Dies liegt daran, dass der Verdauungstrakt von Kindern noch nicht vollständig ausgebildet ist und bestimmte Nahrungs-Eiweiße nicht richtig aufspalten kann.

Allergien können bereits früh auftreten, sind aber am häufigsten im zweiten und dritten Lebensjahr zu beobachten. Erfreulicherweise verschwindet die Allergie in drei Viertel der Fälle bis zum Schulalter von selbst, vorausgesetzt, das auslösende Lebensmittel wurde identifiziert.

Unterschiede zu anderen Reaktionen

Es ist wichtig, zwischen einer echten Lebensmittelallergie und anderen Reaktionen zu unterscheiden:

  • Nahrungsmittelunverträglichkeit: Hier können andere Ursachen zugrunde liegen, wie beispielsweise das Fehlen bestimmter Enzyme (z. B. bei Laktoseintoleranz).
  • Pseudoallergie: Hier treten scheinbar allergische Reaktionen auf, ohne dass allergische Reaktionen nachweisbar sind. Das Immunsystem ist nicht beteiligt.
  • Nahrungsmittelintoleranz: Im Gegensatz zur Lebensmittelallergie, die sich erst nach wiederholtem Kontakt entwickelt, kann eine Nahrungsmittelintoleranz typische Beschwerden schon beim ersten Kontakt hervorrufen.
Schema zur Unterscheidung von Lebensmittelallergie, Nahrungsmittelunverträglichkeit und Pseudoallergie

Häufige Auslöser bei Kindern

Im Gegensatz zu Erwachsenen, die oft erst im Anschluss an andere Allergien (z. B. Pollen) eine Lebensmittelallergie entwickeln, treten bei kleinen Kindern Allergien meist zuerst gegen Stoffe auf, die über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden. Säuglinge und Kleinkinder sind oft auf ein bis zwei Grundnahrungsmittel allergisch. Die häufigsten Auslöser sind:

  • Kuhmilch
  • Hühnerei
  • Fisch
  • Soja
  • Weizen
  • Nüsse

Diese Lebensmittel sind auch außerhalb des Kindesalters häufige Allergene. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) gibt an, dass diese Lebensmittel für 90 Prozent der allergischen Reaktionen in den USA verantwortlich sind. Die Europäische Union hat 14 Hauptallergene identifiziert, die auf Lebensmitteln gekennzeichnet werden müssen, darunter zusätzlich Sellerie, Lupinen, Senf und Sulfite.

Symptome einer Lebensmittelallergie

Die Symptome einer Lebensmittelallergie bei Kindern können vielfältig sein und verschiedene Körperorgane betreffen:

  • Haut: Juckreiz, Hautrötungen, Quaddeln (Nesselsucht), Ekzeme (z. B. Milchschorf, Neurodermitis), Schwellungen von Lippen, Gaumen und Zunge.
  • Magen-Darm-Trakt: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Koliken, Verstopfung, blutige Stühle, frühe Sättigung, Kopfverdrehen, Schreien, Flaschenverweigerung (bei Säuglingen).
  • Atemwege: Niesattacken, Schnupfen, Husten, Verschleimung, Atemnot, Asthma.
  • Mund: Brennen, Schwellungen.

Bei Säuglingen können auch ein verzögertes Wachstum, frühe Sättigung, häufiges Wegdrehen des Kopfes, ausgeprägtes Schreien und eine generelle Verweigerung der Flasche Hinweise auf eine Lebensmittelallergie sein.

Zeitpunkt und Schwere der Symptome

Die Symptome können sehr unterschiedlich schnell nach dem Verzehr auftreten: von Sekunden bis zu mehreren Stunden, selten bis zu 24 Stunden. Die Heftigkeit der Reaktion hängt oft von der verzehrten Menge des Allergens ab. In schweren Fällen kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen, einer lebensbedrohlichen Notfallsituation.

Warnzeichen für einen anaphylaktischen Schock sind:

  • Atembeschwerden
  • Anschwellen der Zunge
  • Engegefühl im Hals
  • Heisere Stimme
  • Husten oder Keuchatmung
  • Kreislaufzusammenbruch (Blutdruckabfall, Schwindel, Bewusstseinstrübung)

Bei Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks sollte sofort der Notarzt gerufen werden.

Infografik mit den häufigsten Symptomen einer Lebensmittelallergie bei Kindern

Wann zum Arzt?

Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie sollten Eltern immer einen Arzt aufsuchen. Zur Vorbereitung auf den Arztbesuch ist die Führung eines Ernährungstagebuchs sehr hilfreich. Darin sollten Eltern notieren, welche Lebensmittel das Kind wann gegessen hat und wann welche Beschwerden aufgetreten sind. Das Fotografieren von Hautausschlägen kann ebenfalls nützlich sein.

Diagnose von Lebensmittelallergien

Die Diagnose einer Lebensmittelallergie erfordert Geduld und eine genaue Untersuchung. Der Kinder- und Jugendarzt wird nach einer ausführlichen Befragung spezielle Allergietests durchführen:

  • Prick-Test: Ein Hauttest, bei dem kleine Mengen von Lebensmittelextrakten auf die Haut aufgetragen und leicht angeritzt werden. Eine Schwellung und Rötung an der Einstichstelle deuten auf eine Allergie hin. Dieser Test wird in der Regel ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr angewendet, unter Umständen auch früher.
  • Blutuntersuchung (RAST/RAST-Test): Hierbei werden spezifische Antikörper (Immunglobulin E, IgE) im Blut nachgewiesen. Ein positiver Antikörpernachweis ist jedoch nur dann aussagekräftig, wenn auch entsprechende Beschwerden vorliegen.
  • Intrakutantest: Ein Hauttest, bei dem Allergenextrakte direkt unter die Haut gespritzt werden. Dieser Test ist empfindlicher, kann aber auch zu stärkeren Reaktionen führen und wird eher bei älteren Kindern eingesetzt.
  • Provokationstest (orale Provokation): Dies gilt als Goldstandard in der Diagnostik. Dabei wird dem Kind unter ärztlicher Aufsicht schrittweise das verdächtigte Lebensmittel in steigender Menge verabreicht, um eine allergische Reaktion gezielt auszulösen oder auszuschließen. Dies kann stationär erfolgen und birgt Risiken, ist aber oft die sicherste Methode zur Bestätigung oder Widerlegung einer Allergie.
  • Ausschlussdiäten: Bei unklaren Fällen können spezielle Diäten, beginnend oft mit einer Kartoffel-Reis-Diät, eingesetzt werden, bei denen schrittweise neue Lebensmittel eingeführt werden, um den Auslöser zu identifizieren. Dies kann eine langwierige Prozedur sein.

Es ist wichtig zu wissen, dass routinemäßige Allergietests vor der Einführung von Lebensmitteln nicht empfohlen werden, da positive Ergebnisse fälschlicherweise als Allergie interpretiert werden und zu unnötigen Einschränkungen führen können. Ausnahmen können Säuglinge mit hohem Risiko für eine Erdnussallergie (z. B. bei schwerem Ekzem und/oder Eiallergie) sein.

Nahrungsmittelallergie: Was erschwert die Diagnose?

Behandlung und Management von Lebensmittelallergien

Die wichtigste Maßnahme bei einer diagnostizierten Lebensmittelallergie ist das konsequente Meiden des auslösenden Lebensmittels. Dies sollte jedoch nur in enger Abstimmung mit einem Kinderarzt erfolgen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Vorbeugung und Einführung von Beikost

Aktuelle Empfehlungen zur Vorbeugung von Allergien haben sich geändert. Früher wurde empfohlen, allergene Lebensmittel zu meiden. Studien wie die LEAP-Studie haben jedoch gezeigt, dass eine frühe Einführung von allergenen Lebensmitteln das Allergierisiko senken kann. Allergieauslösende Lebensmittel können daher, bis auf wenige Ausnahmen, bereits ab einem Alter von vier bis sechs Monaten schrittweise eingeführt werden. Eine regelmäßige Exposition ist wichtig, um die Toleranz aufrechtzuerhalten.

Die Einführung sollte schrittweise erfolgen, indem allergene Lebensmittel einzeln angeboten werden, um mögliche Reaktionen besser zuordnen zu können. Wenn ein Lebensmittel gut vertragen wird, sollte es weiterhin mindestens dreimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen.

Stillen in den ersten vier bis sechs Monaten wird weiterhin als positiv für die Gesundheit des Babys und die Stärkung des Immunsystems angesehen. Die Vermeidung von Allergenen während der Schwangerschaft oder Stillzeit scheint das Allergierisiko bei Babys jedoch nicht zu verringern.

Umgang im Alltag

Eltern sollten die Schule oder Kindertageseinrichtung über die Lebensmittelallergie ihres Kindes informieren, damit diese auch bei der Gemeinschaftsverpflegung berücksichtigt werden kann.

Bei stark ausgeprägten Allergien ist es ratsam, ein Notfallset mit wichtigen Medikamenten (Antihistaminika, Cortisontabletten, Adrenalinspritze) bereitzuhalten, die bei Bedarf vom Kinderarzt verschrieben werden.

Immuntherapie

Eine Behandlungsart von Allergien ist die sogenannte Immuntherapie, bei der das Immunsystem schrittweise an das Allergen gewöhnt wird. Dies ist jedoch ein langwieriger Prozess und nicht für alle Allergien gleichermaßen geeignet.

Fortschritte in der Diagnostik

Die Forschung arbeitet kontinuierlich an verbesserten Diagnosemethoden. Ein neuer Ansatz ist der Hoxb8 Mastzellaktivierungstest (Hoxb8 MAT), der die allergische Reaktion im Reagenzglas nachahmt und eine höhere diagnostische Genauigkeit als bisherige Methoden aufweisen soll. Dieser zellbasierte Test ermöglicht eine schnelle und zuverlässige Messung der Allergieauslöser.

Nahrungsmittelallergien können chronisch werden und die Lebensqualität erheblich einschränken. Eine frühzeitige Diagnose und ein angepasstes Management sind daher entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Kindes.

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