Die Zukunft verspricht heißere Temperaturen und trockenere Böden. In diesem Szenario rückt die regenerative Landwirtschaft als vielversprechende Lösung in den Fokus. Ihr Ziel ist es, Böden gesünder und fruchtbarer zu machen, was im Extremfall sogar dazu führen kann, dass Wüsten wieder ergrünen.

Regenerative Landwirtschaft: Ein Weg zu mehr Nahrungssicherheit
Die regenerative Landwirtschaft revolutioniert das Agrarwesen, indem sie beschädigte Böden heilt. Dieser Ansatz macht trockenes Land wirtschaftlich nutzbar und trägt somit zur Nahrungssicherheit in Regionen bei, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind.
Verschiedene traditionelle Methoden tragen dazu bei, Böden wieder fruchtbar zu machen. Eine erhöhte Biodiversität sorgt für einen höheren Nährstoffgehalt. Eine durchdachte Fruchtfolge bringt die Böden in ein gesundes Gleichgewicht. In Kombination mit integrierter Viehhaltung entsteht ein stabiles Ökosystem. All diese Methoden erfordern jedoch viel Zeit und Wasser - beides sind knappe Güter angesichts der zunehmenden Verödung von Bodenflächen.
Nanolehm: Uraltes Wissen trifft modernes Engineering
Dass Lehmböden fruchtbarer sind als Sand, ist seit langem bekannt. Schon seit Jahrtausenden mischen Landwirte Lehm in ihre Böden. Dieser Prozess ist jedoch sehr arbeitsintensiv und komplex, da zu viel oder zu wenig Lehm schädlich sein kann. Ein innovativer Lösungsansatz ist Liquid Natural Clay (LNC).
Die Technologie des norwegischen Unternehmens Desert Control, seit 2007 im Einsatz, verwandelt Sandwüsten in wenigen Stunden in fruchtbares Ackerland. LNC ist eine Flüssigkeit, die aus natürlichen Mineralien, winzigen Lehmpartikeln und Wasser besteht. Sie bewirkt, dass sich die Lehmpartikel an die Oberfläche der Sandkörner binden und diese dadurch Wasser speichern können. Dies senkt den Wasserverbrauch um bis zu 50 Prozent und steigert die Ernte um bis zu 62 Prozent.

Die Wüste: Mehr als nur Sand und Trockenheit
Für viele Menschen ist die Wüste ein trostloser Ort, der oft negativ konnotiert ist. Doch Wüsten sind vielfältige Lebensräume, die eine erstaunliche Bandbreite an Bewohnern beherbergen: Menschen, Tiere und Pflanzen.
Vielfältige Bewohner der Wüste
In extrem wasserarmen Regionen wie der chilenischen Atacama-Wüste oder der Wüste Namib im Südwesten Afrikas regnet es nur sehr selten. Typische Wüstenbewohner sind Echsen, Schlangen, Insekten und Spinnentiere. Aber auch Säugetiere wie Springmäuse, Rennmäuse, Wüstenfüchse oder Wildkamele sind hier anzutreffen. Einige dieser Tiere kommen mit sehr wenig Wasser aus, während andere ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf aus der Nahrung decken.
Die meisten Tiere der Wüste sind in der kühleren Nacht aktiv. Doch auch tagsüber ist Leben unter und auf dem Wüstenboden zu finden. Der Apothekenskink, auch "Saharafisch" genannt, lebt unter der Sandoberfläche, um der extremen Hitze zu entgehen. Der Palmatogecko in der Wüste Namib hat zwischen seinen Zehen Schwimmhäute entwickelt. Das bodenbrütende Nama-Flughuhn im südlichen Afrika beschattet mit seinem Körper die Eier während der heißen Stunden des Tages. Die westamerikanische Taschenmaus gräbt sich tief in den Sand ein, um Kühlung zu finden.

Angepasste Wüstenpflanzen
Bei den Wüstenpflanzen unterscheidet man zwei Hauptgruppen: Mehrjährige Pflanzen, die trotz Trockenheit lange überdauern können, und einjährige Pflanzen, die sich vor allem nach seltenen Niederschlägen entwickeln. Zu den mehrjährigen Pflanzen zählen die sogenannten Sukkulenten, die große Mengen Wasser in ihren Organen speichern können. Sie besitzen zudem oberflächennahe Wurzeln, um bei seltenen Regenfällen möglichst viel Wasser aufzunehmen.
Kakteen haben sich besonders gut an die Trockenheit angepasst, indem sie ihre Blätter zu Stacheln reduziert haben. Dies verringert ihre Oberfläche und somit die Verdunstung bei starker Sonneneinstrahlung. Die Stacheln und Seitenrippen erzeugen einen windstillen Raum, in dem sich Tautropfen aus der Luftfeuchtigkeit bilden und von der Pflanze aufgenommen werden können.

Menschliche Anpassung an Wüstenregionen
Auch Menschen siedeln in Wüstengebieten. Im Gegensatz zu Tieren und Pflanzen sind sie jedoch körperlich nicht an das Leben in der Wüste angepasst. Ein Mensch würde einen Tag in der Sahara ohne Schatten und Wasser kaum überleben. Die dort lebenden Menschen haben ihre Lebensform und Kultur an die unwirtliche Gegend angepasst. Während der Mittagshitze ziehen sie sich in ihre Zelte und Behausungen zurück und nutzen Brunnen, um Grundwasservorräte zu erschließen.
Mithilfe von Kamelen oder Fahrzeugen und einem geschulten Orientierungssinn können sie Hunderte von Kilometern in lebensfeindlichen Räumen zurücklegen. Ihre Kleidung schützt sie vor Austrocknung und Sonnenstrahlung. Traditionell gibt es für Wüstenbewohner drei Hauptlebensformen: Nomadismus, Sammeln und Jagen sowie Oasenwirtschaft. In Regionen, in denen Ackerbau unmöglich ist, leben bis heute nomadisierende Viehzüchter, die mit den knappen natürlichen Ressourcen auskommen und weiterziehen, wenn diese erschöpft sind.
Kamele spielten eine entscheidende Rolle bei der Besiedlung von Wüstenregionen; ohne sie wären die Wüsten wahrscheinlich bis in die Neuzeit unbewohnt geblieben. Entlang von Flüssen oder in Gebieten mit künstlicher Bewässerung haben sich Ackerbaukulturen entwickelt. Bereits vor 5000 Jahren bauten die alten Ägypter Dämme, um umliegende Felder mit dem Wasser des Nils zu bewässern.

Die globale Herausforderung: Desertifikation
Weltweit verliert die Erde an fruchtbarem Boden, und die Desertifikation schreitet voran. Dies geschieht, weil in trockenen Gebieten Böden, Vegetation und Wasservorräte durch intensive menschliche Nutzung beeinträchtigt oder zerstört werden und sich nicht mehr regenerieren können.
Die Wüstenbildung, auch Desertifikation genannt, betrifft weltweit Millionen von Menschen, meist in Armut lebend. Sie verschärft bestehende wirtschaftliche, soziale, gesundheitliche und ökologische Probleme und führt zu Nahrungs- und Wasserknappheit sowie zum Verlust der biologischen Vielfalt. Die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung, die 1996 in Kraft trat, hat zwar fast alle Länder der Welt ratifiziert, doch die Desertifikation schreitet weiter voran. Der Klimawandel, insbesondere anhaltende Dürren, spielt dabei eine immer deutlichere Rolle. Auch die wachsende Weltbevölkerung und die damit einhergehende Intensivierung der Landwirtschaft tragen zur Problematik bei.

Innovative Lösungen zur Wiederbelebung von Wüstenböden
Das Start-up Desert Control hat eine Methode entwickelt, die extrem kleine Ton-Partikel, sogenannten "Nanoton", verwendet. Werden diese mit Wasser auf Sandboden gesprüht und erreichen sie eine Tiefe von zehn bis 20 Zentimetern, reichern sie den Boden an. Der Ton umhüllt die Sandkörner wie ein Mantel, vergrößert deren Oberfläche und ermöglicht so eine bessere Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Innerhalb weniger Stunden kann auf diesem behandelten Boden die erste Bepflanzung erfolgen.
Diese Methode birgt das Potenzial, den Hunger in Afrika zu lindern, sofern sie bezahlbarer wird. Ein wichtiger Aspekt ist die Notwendigkeit, den Nanoton auf den jeweiligen Bodentyp abzustimmen, was umfangreiche Tests erfordert.
Historische Perspektiven: Die grüne Sahara
In der Erdgeschichte gab es Phasen, in denen die Sahara ein grünes Ökosystem war, wie beispielsweise im frühen und mittleren Holozän (vor etwa 11.000 bis 5.000 Jahren). Wissenschaftliche Analysen von Sedimentkernen zeigen, dass der Übergang von einer grünen Savanne zu einer Wüste in Nordafrika sehr schnell erfolgen konnte, möglicherweise innerhalb weniger Jahrhunderte oder sogar Jahrzehnte. Dies wurde primär durch natürliche Klimaveränderungen verursacht, die zur Verlagerung des Afrikanischen Monsuns nach Süden führten. Ein Teil dieser Veränderung wird auch dem menschengemachten Klimawandel zugeschrieben.
Diese Erkenntnisse sind wichtig, um das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt besser zu verstehen und zukünftige Klimaveränderungen und deren Auswirkungen prognostizieren zu können. Die schnelle Veränderung der Vegetation könnte Menschen damals dazu gezwungen haben, ihre Lebensweise anzupassen und sich verstärkt dem Ackerbau oder der Viehzucht zuzuwenden, was letztendlich zur Entstehung von Hochkulturen wie dem altägyptischen Pharaonenreich beigetragen haben könnte.
Hoffnung durch traditionelle und neue Ansätze
In der Wüste Namib im Südwesten Afrikas, wo es fast nie regnet, bietet die traditionelle Lebensweise der Topnaar eine Überlebensstrategie durch die Nutzung der Nara-Melone. Es gibt Bestrebungen, diese Frucht zu kultivieren und systematisch anzubauen, um Arbeitsplätze zu schaffen und die Kultur der Topnaar zu bewahren. Die Nara-Melone ist vielseitig verwendbar, und selbst ihre Schalen dienen als Tierfutter. Wissenschaftler sehen auch Potenzial für die Kosmetikindustrie. Zur Pflanzenbewässerung könnte Luftfeuchtigkeit mittels Kollektoren gewonnen werden.
Ein weiteres Projekt in Saudi-Arabien, das Al Baydha Projekt nahe Mekka, setzt auf regenerative Landwirtschaft. Mit Hilfe von Dämmen, Terrassen und Gräben wird das Wasser von Sturzregen aufgefangen und langsam in den Boden geleitet, wo es einsickern kann. Dieses System ermöglicht es, verwüstete Böden wiederzubeleben und mehr Wasser in den Boden einzubringen als entnommen wird.

Technologische Ansätze zur Begrünung
In der Wüste Gobi, die als die am schnellsten wachsende Wüste der Erde gilt, werden neue Pflanzmethoden erprobt. Spezielle Wasserdüsen ermöglichen das Pflanzen von Setzlingen direkt in den Sand, wobei diese gleichzeitig bewässert werden. Diese neuen Graslandschaften dienen als Weide- und Anbauflächen für Bauern. Um das weitere Wachstum von Wüsten zu stoppen, ist eine Begrenzung der exzessiven Ausbeutung von Böden und Wasservorräten weltweit unerlässlich.
Ein vielversprechender Ansatz in der Sahara ist die Nutzung von Solaranlagen und Windparks. Die schwarze Oberfläche von Solarmodulen erwärmt die Luft und lässt sie aufsteigen. Die Rotation von Windrädern trägt ebenfalls zur Aufwärtsbewegung der Luft bei. Berechnungen zeigen, dass die Nutzung eines Fünftels der Sahara für solche Parks zu einer deutlichen Zunahme des Regens südlich der Sahara führen könnte. Gleichzeitig könnte diese Energieinfrastruktur eine nachhaltige Entwicklung in Afrika fördern.
