Windeln, Feuchttücher und Handtücher: Eine umfassende Betrachtung

Reinigung mit Feuchttüchern: Praktisch, aber mit Vorbehalten

Feuchttücher werden heutzutage häufig als „sanft“ oder „sensitiv“ beworben und versprechen höchste Verträglichkeit, selbst für die zarteste Babyhaut. Der Unterschied zu Standardtüchern liegt meist im Verzicht auf Parfum, Alkohol und potenziell allergieauslösende Stoffe.

Trotz des positiven Images sind Feuchttücher nicht unumstritten. Laut dem Onlineportal Testberichte.de, das Tests von Stiftung Warentest und ÖKO-Test auswertet, bemängeln Expertinnen und Experten insbesondere die konservierenden Stoffe sowie Tenside, die zur Unterstützung der Reinigungswirkung eingesetzt werden. Problematisch werden dabei insbesondere PEG (Polyethylenglykol) und dessen Derivate genannt. PEG dient als Emulgator, um Öl und Wasser zu verbinden, macht die Haut jedoch auch durchlässiger für andere Fremdstoffe. Tenside sind seifenähnliche Substanzen. Die regelmäßige Reinigung der Babyhaut mit Feuchttüchern kann mit der häufigen Nutzung von Duschgel verglichen werden.

Verbraucherschützer*innen sehen zudem kritisch zwei Stoffe, die oft auch in parfümfreien Feuchttüchern enthalten sind: Polyaminopropyl Biguanide (PHMB) und Phenoxyethanol. PHMB steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Ebenso kritisch werden die häufig enthaltenen Parabene betrachtet, die zwar keine Allergien auslösen, aber im Verdacht stehen, wie weibliche Hormone zu wirken. In Dänemark sind langkettige Parabene in Produkten für Kinder unter drei Jahren daher bereits seit Längerem verboten.

Darüber hinaus zeigt sich immer wieder, dass der feuchte Film, den Vliestücher auf der Babyhaut hinterlassen, jede Art von Windelausschlag begünstigen kann. Zwar wird die Haut auch mit einem Waschlappen feucht, doch greift man im Anschluss automatisch zu einem Handtuch, um sie abzutrocknen. Dies geschieht bei der Verwendung von Feuchttüchern oft nicht.

Vorteile von Feuchttüchern:

  • Sehr praktisch und unkompliziert
  • Hygienisch
  • Immer zur Hand und dank Spenderbox einfach zu verwenden

Nachteile von Feuchttüchern:

  • Teuer
  • Teilweise schädliche Inhaltsstoffe, die allergische Reaktionen auslösen können
  • Nicht wiederverwendbar, erzeugen viel Restmüll
  • Keine Möglichkeit, sie anzuwärmen - im warmen Windelbereich wirken sie wie ein kalter Umschlag
Infografik, die die Vor- und Nachteile von Feuchttüchern gegenüberstellt

Reinigung mit dem Waschlappen: Eine schonende und nachhaltige Alternative

Die Verwendung eines Waschlappens stellt eine günstige und umweltfreundlichere Alternative zu Feuchttüchern dar. Diese Methode garantiert eine schonende und rückstandsfreie Reinigung der empfindlichen Babyhaut und vermeidet zusätzliches Müllaufkommen. Sie ist zudem nahezu ebenso komfortabel wie die Nutzung eines Feuchttuches.

Vorteile des Waschlappens:

  • Günstiger als Feuchttücher
  • Garantiert schonende und rückstandsfreie Reinigung der empfindlichen Babyhaut
  • Kein zusätzliches Müllaufkommen
  • Beinahe ebenso komfortabel wie ein Feuchttuch

Nachteile des Waschlappens:

  • Müssen extra und aus hygienischen Gründen bei mindestens 60 Grad gewaschen werden
  • Für unterwegs unpraktisch, wenn keine Möglichkeit zur sofortigen Wäsche besteht

Wenn der Wickeltisch nicht direkt im Badezimmer steht, muss beim Wickeln ein zusätzlicher Arbeitsschritt eingeplant werden, da eine Schüssel mit lauwarmem Wasser bereitgestellt werden muss. Eine gute Lösung ist die Vorbereitung einer Thermosflasche, um auch unterwegs gut gerüstet zu sein. Es ist letztlich eine Frage der Gewohnheit.

Als Ersatz für Einweg-Vliestücher können kleine Babywaschlappen angeschafft werden, die bei 60 Grad waschbar sein müssen. Es empfiehlt sich, einen ganzen Stapel davon zu besorgen, da sie nach jedem Wickeln in die Waschmaschine gehören. Dazu werden weiche Handtücher zum Abtupfen benötigt, um den empfindlichen Windelbereich des Babys schön trocken zu halten - auch die Hautfalten!

Wird der Po doch einmal rot, hilft es oft, die wunden Stellen vorsichtig mit Muttermilch oder schwarzem Tee abzutupfen. Der Tee sollte eine halbe Stunde ziehen, um seine antibakterielle Wirkung zu entfalten.

Gut zu wissen: Wenn das Baby nur Pipi gemacht hat, ist die Verwendung eines Feuchttuches nicht zwingend notwendig. Urin ist steril und enthält den hautpflegenden Stoff Urea (Harnstoff). Urea unterstützt die Haut dabei, gesund zu bleiben und wird deshalb vielen Cremes und Lotionen künstlich zugesetzt.

Tipp von DAK Klima-Expertin Lea Dohm: „Als Mutter weiß ich genau, dass Feuchttücher im Gegensatz zu Waschlappen einen erheblichen Einfachheits-Vorteil haben, und dass man sich gerade in stressigen Zeiten über jede Alltagserleichterung freut. Gleichzeitig sind wiederverwendbare Waschlappen bekanntermaßen viel besser für die Umwelt, genauso babyfreundlich und der geringere Ressourcenverbrauch kommt dann wiederum der Zukunft unserer Kinder zugute. Meine Empfehlung: Schrittweise ausprobieren, wo und wann die Umstellung machbar ist, und auf diese Weise in neue, gesunde Routinen hineinwachsen. Es geht!“

Foto von weichen Babywaschlappen und einem Handtuch neben einer Schüssel mit Wasser

Die Alternative: Feuchttücher selbst machen

Die Herstellung eigener Feuchttücher ist eine Möglichkeit, auf schädliche Inhaltsstoffe in herkömmlichen Produkten zu verzichten, die Umwelt zu schonen und gleichzeitig den Komfort eines Feuchttuches unterwegs nicht missen zu müssen. Die Tücher sind im Handumdrehen selbst hergestellt.

Es gibt zwei Varianten: mit Einwegtüchern oder mit kleinen Baumwoll-Waschlappen. Für beide Varianten wird eine verschließbare Mehrwegbox benötigt. Diese sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, oft kostenlos im Drogeriemarkt oder bei Babyausstattern. Eine einfache Brotbox tut es ebenfalls.

Zusätzlich wird ein gutes Öl, vorzugsweise in Bio-Qualität, benötigt. Geeignet sind Olivenöl oder Kokosöl, Mandelöl bietet einen angenehmeren Duft, ist jedoch teurer.

Anleitung zur Herstellung von DIY-Feuchttüchern:

  1. Die Waschlappen falten und in die Box legen.
  2. 250 ml Wasser abkochen und abkühlen lassen.
  3. Einen Esslöffel des gewählten Öls in das Wasser geben und beides mit einem Schneebesen vermengen. Da keine Emulgatoren verwendet werden, wird sich das Öl nach einiger Zeit wieder vom Wasser trennen.
  4. Das Wasser-Öl-Gemisch über die Lappen in der Box träufeln.
  5. Das Ganze einige Stunden durchziehen lassen.

Für unterwegs empfiehlt sich eine zweite Box oder eine wasserdichte Tüte, um gebrauchte Tücher wieder mit nach Hause nehmen zu können. Dort werden sie gewaschen, getrocknet und erneut getränkt.

Diese selbst befeuchteten, selbstgemachten Feuchttücher helfen, Müll zu sparen, unabhängig davon, ob Wegwerf- oder Stoffwindeln verwendet werden oder das Baby abgehalten wird.

Wichtige Inhaltsstoffe in Fertig-Feuchttüchern und ihre Wirkung:

  • PEG/PEG-Derivate: Als Emulgatoren verbinden sie Wasser und Fett. Sie können die Haut durchlässiger machen und Schadstoffe in den Körper einschleusen.
  • Parabene: Werden synthetisch hergestellt und sollen Produkte haltbarer machen. Ihre Wirkung ist umstritten, in Dänemark sind sie in Produkten für unter Dreijährige verboten.
  • Tenside: Sorgen für eine gute Durchmischung der Inhaltsstoffe und helfen bei der Reinigung. Sie können jedoch den pH-Wert der Haut verändern und so den natürlichen Säureschutzmantel zerstören, was Bakterien und Pilzen Tür und Tor öffnet.

Öko-Test rät Eltern dazu, auf Parfum zu verzichten und stattdessen auf den Waschlappen zurückzugreifen. Nur mit Wasser wird der Babypopo sauber. Aufgrund der Inhaltsstoffe sollten Fertig-Feuchttücher nur sparsam verwendet werden, da sie die sensible Babyhaut angreifen können.

Tipp zur Müllreduzierung: Gekaufte Feuchttücher können nach der Verwendung gewaschen oder als Windelvlies wiederverwendet werden. Die beste Methode ist jedoch, Feuchttücher zukünftig selbst herzustellen.

Bei überlaufenden Wegwerfwindeln, bei denen sich der Stuhl großflächig verteilt, können ein oder zwei Feuchttücher oft nicht ausreichen. In solchen Fällen ist ein kurzes Bad im Waschbecken oder eine Dusche effektiver. Dies mag umständlich klingen, ist aber mit etwas Übung oft schneller erledigt als das Wischen mit dutzenden Tüchern. Die Vorteile dieser Methode sind eine sehr gründliche Reinigung und dass die meisten Babys es genießen, unter Wasser gehalten zu werden.

Eine besonders einfache und praktische Möglichkeit, DIY-Feuchttücher und feuchtes Toilettenpapier herzustellen, bietet das Happy Bottom Kit von Bamboolik. Dieses nachhaltige Set enthält ein Waschöl, das frei von Konservierungsstoffen und synthetischen Duftstoffen ist, sowie ein kleines Wäschenetz.

Jessica Sawatzke von Stoffwindelliebe - Stoffwindelberatung Berlin bereitet gerne Waschlappen vor und zieht sie wie Feuchttücher aus einer Box. Die Lösung wird über die gefalteten Lappen in einer Box gegeben. Optional kann ein Spritzer Babywaschgel hinzugefügt werden. Nach Gebrauch werden die Tücher zum Trocknen in ein kleines Wäschenetz gehängt und bei 60 °C mit dem normalen Vollwaschmittel mit Sauerstoffbleiche zusammen mit den Stoffwindeln gewaschen.

Zusatztipp: Falls Sie nicht möchten, dass Ihr Baby nach Bounty riecht, empfiehlt sich Lavendelöl. Wenn die Feuchttücher nach der Verwendung weggeworfen werden sollen, können fertig vorgefaltete Vliestücher gekauft werden.

Waschen ist die bessere Alternative.

Umgang mit Schimmelbildung auf Waschlappen:

  • Zuerst können die Tücher normal mit Sauerstoffbleiche gewaschen werden.
  • Falls dies nicht hilft, ist Chlorbleiche die einzige Methode, um Schimmel wirklich zu entfernen. Beachten Sie die Anweisungen auf der Flasche.
  • Schimmel entsteht, wenn die Tücher luftdicht und warm gelagert werden.

Muttermilchstuhl kann in der Waschmaschine gemeinsam mit den Stoffwindeln gewaschen werden, da er wasserlöslich ist. Bei festem Stuhlgang können grobe Stücke mit weichem Klopapier oder Taschentüchern entfernt werden. Gut verdautes oder kleinere Reste werden von der Waschmaschine ausgewaschen. Alternativ können die Tücher vor dem Waschen eine Stunde oder länger eingeweicht werden.

Für welche der drei Alternativen Sie sich auch entscheiden: Feuchttücher lassen sich sehr leicht selbst machen. Sie benötigen nur einen Waschlappen und eine kleine Sprühflasche - oder eben fließendes Wasser.

Feuchttücher selbst machen - Die wichtigsten Tipps

Zero Waste Sparset für Eltern:

  • Waschbare Stilleinlagen: Extra weich und schonen die Brust.
  • Wickelunterlage: Lässt sich klein falten und immer wieder waschen.
  • Slipeinlagen: Schonen den Intimbereich und lassen die Haut atmen.
  • Waschlappen: Reinigen die Haut des Babys sanft.

Feuchttücher aus Plastikverpackungen, getränkt in einer mysteriösen Flüssigkeit, scheinen ein scheinbarer Status Quo für die Reinigung von Händen, Gesichtern und Babypopos zu sein. Dies wirft Fragen bezüglich des entstehenden Müllbergs und der chemischen Zusammensetzung auf, die auf die zarte Babyhaut gelangen.

Geeignet für Feuchttücher sind alle Stoffe, die Wasser gut aufsaugen und im nassen Zustand nicht zu kratzig sind. Um Mikroplastik zu vermeiden und Geruchsbildung vorzubeugen, sollten Naturfasern verwendet werden. Geeignet sind Frottee oder einfacher Baumwollstoff.

Am einfachsten ist die Verwendung von fertigen Waschlappen, die in unterschiedlichen Materialien und Größen erhältlich sind. Zur Sicherheit empfiehlt sich Bio-Qualität. Günstiger ist der Kauf gebrauchter Tücher. Wer nähen kann, kann Lappen auch selbst herstellen, beispielsweise aus alten Handtüchern oder Bettwäsche, und die Kanten versäumen. Auch Stoffreste von alten T-Shirts eignen sich, da Jersey sich nicht aufribbelt.

Zu Hause können die Tücher beim Wickeln nass gemacht und sofort genutzt werden. Wer nicht im Bad wickelt, kann eine Schüssel und eine Kanne mit Wasser neben dem Wickeltisch platzieren. Unterwegs können die Tücher feucht mitgenommen werden. Dazu eignet sich eine Plastikdose. Die Lappen können kurz unters Wasser gehalten und die überschüssige Flüssigkeit ausgedrückt werden. Alternativ kann Wasser separat mitgenommen und nach Bedarf befeuchtet werden. Dies kann auch einen pflegenden Effekt haben.

Benutzte Lappen können zusammen mit Stoffwindeln in einen kleinen Wetbag gegeben werden. Zu Hause wandert alles zusammen in die Wäsche. Wenn nicht unterwegs, werden die Tücher nach jeder Nutzung ausgewaschen.

Auch wenn Kinder keine Windeln mehr benötigen, bleiben feuchte Tücher praktisch für schmutzige Gesichter und Hände. Gut erhaltene Tücher können weitergegeben werden. Darüber hinaus finden sie als Putztücher, beim Spülen oder für Reparaturen Verwendung.

Vorteile von selbstgemachten Feuchttüchern:

  • Weniger Inhaltsstoffe: Sie haben selbst in der Hand, was auf die empfindliche Haut Ihrer Kleinen kommt.
  • Weniger Müll: Die Tücher können viele Male wiederverwendet werden.
  • Gleicher oder geringerer Aufwand: Wenn alles im Haus ist, hält sich der Aufwand in Grenzen und ist nicht größer als der Gang zur Drogerie.

Manche Eltern halten die ewige Wascherei, selbst nur mit Wasser, für nicht gesund, außer man wäscht von Hand ohne Lappen ab. Unterwegs werden der Bequemlichkeit halber oft Feuchttücher verwendet, aber der Verbrauch ist oft sehr gering.

Eine bewährte Methode ist die Verwendung von Hanf/Baumwollwaschlappen, die in einer Lock'n'Lock-Dose mit Wasser aufbewahrt und mit den Windeln zusammen gewaschen werden.

In einigen Krankenhäusern werden Wattepads oder spezielle Wischtücher zur Reinigung von Babys verwendet. Moltontücher oder Handtücher dienen zum Unterlegen beim Wickeln. Fehlen diese Materialien, muss auf den Kauf aus der Apotheke ausgewichen werden.

Feuchttücher können auch leicht selbst gemacht werden! Sie sind ein täglicher Helfer im Kampf mit Babys und Kleinkindern. Die Herstellung ist unkompliziert und spart Müll.

Zusätzliche Vorteile: Die meisten Feuchttücher enthalten Kunststoff, sind nicht biologisch abbaubar und können bei falscher Entsorgung Probleme in Kläranlagen verursachen. Über die Jahre sammelt sich bei regelmäßigem Gebrauch eine erhebliche Menge Müll an.

Ärzte empfehlen oft, keine Feuchttücher zu verwenden, da Babys Haut die notwendigen Konservierungsstoffe angreifen können.

Für Eltern, die keine Möglichkeit haben, ein Waschbecken in der Nähe des Wickeltisches zu nutzen, gibt es alternative Wegwerf-Feuchttücher, die auch aus Küchenrolle selbst hergestellt werden können. Zudem sind kompostierbare Feuchttücher ohne Kunststoff erhältlich.

Methoden zur Reinigung ohne Feuchttücher:

  • Im Krankenhaus: Wattepads, blaue Wischtücher, Moltontücher oder Handtücher werden zur Verfügung gestellt.
  • Zu Hause: Den Po unter fließendes Wasser halten und mit Waschlappen reinigen.
  • Unterwegs: Waschlappen mitnehmen, später Feuchttücher in geringer Menge.
  • Molton-Tücher: Nass machen und unterwegs mitnehmen.
  • Abhalten über dem Waschbecken: Mit Wasser abwaschen und mit einem Handtuch abtrocknen.
  • Abhalten über einer Schüssel: Erst mit Toilettenpapier trocken wischen, bei Bedarf am Waschbecken abwaschen.
  • Kosmetiktücher: Können mit einer Hand aus der Packung gezogen werden und zum Abtupfen von Pipiresten verwendet werden.
  • Klopapier: Trocken verwenden, bei Bedarf mit Wasser nachwaschen.
  • Nasse Baumwollwaschlappen: Nur bei Stuhlgang verwenden, bei Pipi nichts tun.
  • Wattepads oder spezielle Wischtücher im Krankenhaus.
Collage aus verschiedenen wiederverwendbaren Waschlappen und Stoffwindeln

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