Vorzeitige Wehen sind einer der häufigsten Gründe für Frühgeburten. Es ist wichtig, diese von den normalen Vor- oder Senkwehen zu unterscheiden, um im Bedarfsfall richtig handeln zu können. Dieser Artikel beleuchtet, was vorzeitige Wehen sind, wie man sie erkennt, welche Ursachen dahinterstecken können und wie sie behandelt oder vorgebeugt werden können.
Was sind vorzeitige Wehen?
Vorzeitige Wehen, auch Frühwehen genannt, sind muttermundwirksame Geburtswehen, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche einsetzen und zu einer Frühgeburt führen können. Muttermundwirksam bedeutet, dass die Wehentätigkeit den Gebärmutterhals verkürzt und den Muttermund weicher macht und öffnet. Nur wenn durch diesen Vorgang die erste der Geburtsphasen - die Eröffnungsphase - tatsächlich beginnt, handelt es sich um "echte" vorzeitige Wehen.
Eröffnungswehen ab der 38. Schwangerschaftswoche gelten nicht mehr als vorzeitig, auch wenn der errechnete Geburtstermin vielleicht noch einige Tage entfernt ist. Dieses Datum ist nur ein Anhaltspunkt, und die wenigsten Babys kommen tatsächlich am Stichtag auf die Welt. Setzen die Wehen vor dem Geburtstermin ein, muss man sich also nicht automatisch Sorgen machen: Nach Beginn der 38. Schwangerschaftswoche geborene Babys gelten als "reif" - davor zählen sie zu den Frühchen.

Abgrenzung zu anderen Wehenarten
Es ist entscheidend, vorzeitige Wehen von anderen Arten von Kontraktionen zu unterscheiden:
Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen)
Wehenarten, die keine Auswirkungen auf den Muttermund haben, sind keine Geburtswehen. Übungswehen können ab dem 2. Trimester in unregelmäßigen Abständen auftreten. Sie beginnen als schwache Alvarez-Wellen und gehen dann in die stärkeren Braxton-Hicks-Kontraktionen über. Dabei wird der Bauch für einige Sekunden hart, was aber nicht oder höchstens leicht schmerzhaft ist. Die Übungswehen sind normal und harmlos; sie trainieren die Gebärmutter für die Geburt.
Vor- oder Senkwehen
Vor- oder Senkwehen treten einige Wochen vor der Geburt auf und können durchaus schmerzhaft sein. Manche Frauen nehmen aber auch nur wahr, dass sich ihr Schwangerschaftsbauch plötzlich abgesenkt hat. Denn wie die Bezeichnung schon verrät, sorgen die Senkwehen dafür, dass sich dein Baby ins Becken absenkt - und damit in die optimale Position für die bevorstehende Geburt rutscht. Liegt dein Baby in der Gebärmutter weiter unten, sieht man das oft am Bauch und du kannst häufig auch wieder freier atmen.

Woran erkennt man vorzeitige Wehen?
Die Unterscheidung zwischen Übungswehen und echten vorzeitigen Wehen kann schwierig sein, insbesondere für Erstgebärende. Folgende Merkmale deuten auf echte vorzeitige Wehen hin:
- Sie treten in regelmäßigen, kürzer werdenden Abständen auf.
- Ihre Intensität nimmt zu.
- Sie verursachen menstruationsähnliche, ziehende Schmerzen.
Zusätzlich können ungewöhnliche Rückenschmerzen, ein Druckgefühl nach unten sowie ein Verlust von vaginaler Flüssigkeit oder blutiger Ausfluss Anzeichen für den Geburtsbeginn sein. Wenn der Muttermund beginnt, sich zu öffnen, kann sich der Schleimpfropf lösen, was zu einer sogenannten Zeichnungsblutung führen kann. Flüssigkeitsverlust kann auf einen vorzeitigen Blasensprung hindeuten - bei einem Verdacht ist es ratsam, direkt zum Arzt oder zur Ärztin zu fahren.
Ein einfacher Test kann helfen, die Wehenarten zu unterscheiden: Verschwinden die Kontraktionen im warmen Wasser eines Badewannentests, sind es ziemlich sicher Vor- oder Übungswehen. Umgehend in die Klinik fahren solltest du, wenn es zu plötzlichen Blutungen in der Schwangerschaft kommt oder du krampfartige, starke Schmerzen im Unterleib verspürst, da dies auf eine vorzeitige Plazentaablösung hindeuten könnte.
Zur genauen Feststellung einer vorzeitigen Wehentätigkeit und deren Auswirkung auf den Muttermund sind medizinische Untersuchungen wie ein Wehenschreiber (CTG), ein Ultraschallgerät oder eine Tastuntersuchung durch Arzt oder Hebamme notwendig.
Senkwehen, Vorwehen und Geburtswehen – was ist der Unterschied?
Ursachen für vorzeitige Wehen
Die Ursachen für vorzeitige Wehen sind vielfältig und nicht immer eindeutig bestimmbar. Bei etwa 50 % aller Frühgeburten bleibt der Grund unklar. Angenommen wird, dass vorzeitige Wehen oft eine körperliche Reaktion auf ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren sind.
Körperliche und sozio-ökonomische Risikofaktoren:
- Sozio-ökonomische Faktoren: Unter- oder Übergewicht, Alkohol- oder Drogenkonsum, Rauchen, schwere körperliche Arbeit, Mutter jünger als 18 oder älter als 35 Jahre.
- Risiken während der Schwangerschaft: Präeklampsie, Mehrlingsschwangerschaft, Plazenta praevia, Fehlbildungen des Kindes, Plazentainsuffizienz, Zervixinsuffizienz (Muttermundschwäche), Uterusanomalien (z.B. eine herzförmige Gebärmutter), Infektionen der Mutter, zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnion), Blasensprung.
- Vorerkrankungen und Vorgeschichte: Der stärkste Risikofaktor sind vorangegangene Frühgeburten. Ebenso stehen mütterliche Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck im Verdacht, das Frühgeburtsrisiko zu erhöhen.
Falsche Ernährungsgewohnheiten wie der Verzehr von Ananas in der Schwangerschaft lösen keine vorzeitigen Wehen aus, auch wenn sich dieser Mythos hartnäckig hält.
Psychische Faktoren:
Es wird angenommen, dass neben körperlichen auch seelische Ursachen zu vorzeitigen Wehen führen können. Stress, Angst und Depressionen - psychische Belastungen haben einen Einfluss. "Ein Großteil der vorzeitigen Wehen hängt mit Stress zusammen", erklärt Dr. Rupert Linder. Es sei ratsam, öfter mal eine Pause zu machen.

Behandlung und Stoppen vorzeitiger Wehen
Wurden vorzeitige Wehen diagnostiziert, ist das oberste Ziel, die drohende Frühgeburt so weit wie möglich hinauszuzögern, um dem Ungeborenen mehr Zeit zur Reifung zu geben.
Medikamentöse Behandlung:
In den meisten Fällen geht es darum, Zeit zu gewinnen, mithilfe von Wehenhemmern (Tokolytika). Durch die Gabe von Tokolytika kann die Wehentätigkeit gehemmt werden (Tokolyse). Das primäre Ziel ist es, die Geburt mindestens 48 Stunden hinauszuzögern, um das Ungeborene auf die bevorstehende Frühgeburt vorzubereiten.
- Magnesium und Kortison: Intravenös hochdosiertes Magnesium und intramuskulär verabreichtes Kortison (Glukokortikoide) können das unreife Gehirn des Babys schützen und seine Lungenreife beschleunigen. Die Lungenreife wird mittels Lungenreifespritze empfohlen bei Frühgeburten vor der 34. SSW, hochdosiertes Magnesium vor der 32. SSW.
- Antibiotika: Liegt eine Infektion vor, werden zudem Antibiotika verabreicht, um das Baby vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.
Nur selten bringen die Wehenhemmer die Kontraktionen ganz zum Stillstand. Liegt eine Infektion vor, werden Sie zudem mit Antibiotika behandelt. Das lässt zwar nicht die Wehen verschwinden, schützt aber Ihr Baby vor einer möglichen Ansteckung.
Weitere Maßnahmen:
- Perinatalzentrum: Bei diagnostizierten vorzeitigen Wehen erfolgt oft die Einweisung in ein Perinatalzentrum, das auf die Versorgung von Frühgeborenen spezialisiert ist.
- Schonung und Bettruhe: In Einzelfällen können Schonung und Bettruhe sinnvoll sein, sie sind jedoch laut medizinischen Leitlinien keine sichere Methode, um eine Frühgeburt aufzuhalten und werden daher nicht grundsätzlich empfohlen.
- Sofortige Geburt: Geht es dem Baby im Mutterleib nicht mehr gut, kann auch eine sofortige Geburt notwendig werden. Diese kann vaginal oder per Kaiserschnitt erfolgen.

Vorbeugung vorzeitiger Wehen
Ein Patentrezept zur Vorbeugung von Frühwehen gibt es leider nicht. Die Präventionsmaßnahmen müssen so individuell wie die Ursachen sein. Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge sammeln Hebamme, Frauenarzt oder -ärztin durch gezielte Fragen wichtige Informationen, um potenziellen Risikofaktoren entgegenzuwirken.
Individuelle Präventionsmaßnahmen:
- Medikamentöse Prophylaxe: Bei Frauen mit vorangegangener Frühgeburt kann eine vorbeugende Behandlung mit Progesteron infrage kommen.
- Cerclage oder Zervixpessar: Bei einer Zervixinsuffizienz (Muttermundschwäche) kann eine Cerclage (ein Band um den Muttermund) oder ein Zervixpessar (ein Ring aus Gummi) erwogen werden, um den Muttermund zu verschließen.
Allgemeine Empfehlungen:
- Gesunde Lebensweise: Moderate Bewegung und eine ausgewogene Ernährung tragen zu einer gesunden Schwangerschaft bei. Rauchen, Alkohol und Drogen sind tabu.
- Infektionsprophylaxe: Achte auf gute Mund- und Zahnhygiene (Zahnfleischentzündungen erhöhen das Frühgeburtsrisiko) und vermeide übertriebene Intimhygiene, da diese die schützende Scheidenflora irritieren kann.
- Stressreduktion: Nimm dir Zeit für dich und verzichte, wenn möglich, auf überanstrengende Tätigkeiten. Auch wenn Stress als Risikofaktor gilt, ist die Wirksamkeit von Stressreduktion als alleinige Präventionsmaßnahme nicht immer eindeutig belegt.
Geschlechtsverkehr während der Schwangerschaft verursacht keine vorzeitigen Wehen und ist daher weiterhin möglich.
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