Die Einführung von Beikost ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung eines Babys und markiert den Übergang von reiner Milchernährung zu einer vielfältigeren Kost. Dieser Prozess sollte schrittweise erfolgen und auf die individuellen Bedürfnisse und Reifezeichen des Kindes abgestimmt sein. Die Entscheidung, wann und wie viele Flaschen neben der Beikost gegeben werden, ist eine häufige Frage vieler Eltern.
Der richtige Zeitpunkt für die Beikosteinführung
Der ideale Zeitpunkt für den Beginn der Beikost liegt zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat. Entscheidend sind dabei die sogenannten Beikostreifezeichen, die anzeigen, dass das Baby bereit für feste Nahrung ist. Dazu gehören:
- Die Fähigkeit, den Kopf selbstständig zu halten.
- Das Interesse an fester Nahrung, das sich durch das Beobachten der Essensaufnahme der Eltern zeigt.
- Die Fähigkeit, Nahrung vom Löffel aufzunehmen und nach hinten zu schieben (Zungenstoßreflex lässt nach).
- Die Möglichkeit, in aufrechter Position zu sitzen, eventuell mit leichter Unterstützung.
Es ist wichtig, auf die Signale des Babys zu achten und flexibel zu bleiben, da jedes Kind seinen eigenen Rhythmus hat.
Der schrittweise Aufbau der Beikost
Die Beikosteinführung erfolgt in der Regel schrittweise, wobei zunächst eine Milchmahlzeit durch eine Breimahlzeit ersetzt wird. Ein typischer Aufbau sieht wie folgt aus:
Erste Breimahlzeit: Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei (Mittags)
Gestartet wird meist mit einem reinen Gemüsebrei (z. B. Karotte, Kürbis, Zucchini) zur Mittagszeit. Nach einigen Tagen wird dieser um eine gekochte Kartoffel und etwas Rapsöl ergänzt. Später kommt mageres Fleisch hinzu. Ziel ist es, nach etwa einem Monat eine vollständige Milchmahlzeit mittags durch diesen Brei zu ersetzen.
Zweite Breimahlzeit: Vollmilch-Getreide-Brei (Abends)
Etwa einen Monat nach Einführung des ersten Breis wird eine weitere Milchmahlzeit durch einen Vollmilch-Getreide-Brei ersetzt. Dieser wird oft als Abendbrei angeboten und kann mit Obstsaft oder Obstpüree angereichert werden. Für die Zubereitung kann pasteurisierte Vollmilch oder Säuglingsnahrung verwendet werden. Fertige Milchbreie aus dem Handel sind ebenfalls eine Option, sollten jedoch auf wenige, natürliche Zutaten geprüft werden.

Dritte Breimahlzeit: Getreide-Obst-Brei (Nachmittags)
Nach Einführung der ersten beiden Breie kann ein milchfreier Getreide-Obst-Brei folgen, der meist nachmittags gegeben wird. Hierfür werden Vollkorngetreideflocken (z. B. Hafer, Dinkel, Hirse) mit Wasser aufgekocht und mit Obst der Saison und etwas Rapsöl vermischt.
Die Rolle der Milchflaschen während der Beikosteinführung
Während der Einführung von Beikost bleibt Milch weiterhin eine wichtige Nährstoffquelle. Die genaue Anzahl der Flaschenmahlzeiten hängt vom Alter und den individuellen Bedürfnissen des Babys ab.
Neugeborene und Säuglinge in den ersten Monaten
- Neugeborene benötigen in der Regel sechs bis acht Flaschenmahlzeiten pro Tag, etwa alle zwei bis drei Stunden.
- Mit ein bis drei Monaten reduziert sich die Anzahl auf etwa fünf bis sechs Flaschenmahlzeiten, mit Abständen von drei bis vier Stunden. Die Trinkmenge pro Flasche liegt meist zwischen 120 und 180 ml.
- Zwischen vier und sechs Monaten kommen Babys oft mit vier bis fünf Flaschenmahlzeiten aus, mit Abständen von drei bis fünf Stunden. Die Milchmenge pro Flasche bleibt bei etwa 120 bis 180 ml.
Babys ab dem sechsten Monat und mit Beikost
Ab dem sechsten Monat, wenn die Beikosteinführung beginnt, verändert sich die Trinkmenge:
- Babys ab sechs Monaten können etwa drei bis vier Flaschenmahlzeiten pro Tag benötigen, mit Abständen von vier bis sechs Stunden. Die Gesamtmenge an Milch sollte weiterhin etwa 500-600 ml pro Tag betragen, angepasst an die Aufnahme fester Nahrung.
- Es ist wichtig, auf die Hunger- und Sättigungssignale des Babys zu achten. Wenn das Baby nach den Breimahlzeiten noch Hunger zeigt, kann eine zusätzliche Flasche angeboten werden.
- Ein Milch-Getreide-Brei (wie Grießbrei oder Haferbrei) zählt zur empfohlenen Milchmenge am Tag.
- Die auf Verpackungen angegebene Milchmenge (z. B. 4x235ml in 24h für Pre-Nahrung) bezieht sich auf die Zeit vor der Beikosteinführung und muss nach Einführung fester Mahlzeiten nicht starr eingehalten werden.

Flüssigkeitszufuhr neben Milch und Brei
Zusätzlich zu Milch und Brei ist die Flüssigkeitszufuhr durch Wasser wichtig, sobald die Beikost eingeführt wird.
- Mit der Einführung des dritten Breis (Getreide-Obst-Brei) sollte das Baby täglich etwa 200-600 ml Wasser angeboten bekommen.
- Das Anbieten von Wasser im Becher oder Glas hilft dem Baby, das Trinken als Teil der Mahlzeiten zu lernen.
- Ungezuckerter Tee kann ebenfalls angeboten werden, reines Wasser ist jedoch oft ausreichend.
Worauf Eltern achten sollten
Es ist entscheidend, auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Anzeichen dafür, dass ein Baby ausreichend ernährt wird, sind:
- Zufriedenheit und Entspannung nach den Mahlzeiten.
- Regelmäßige nasse Windeln (mindestens sechs bis acht pro Tag).
- Weich geformter Stuhlgang.
Bei Unsicherheiten bezüglich der Ernährung oder der Trinkmenge ist es ratsam, sich an einen Kinderarzt zu wenden, der individuelle Ratschläge geben kann.
Selbstgekochter Brei vs. Fertigbrei
Beide Varianten haben ihre Vorteile:
- Selbstgekochter Brei ermöglicht die Kontrolle über die Zutaten, ist oft kostengünstiger und bietet eine größere geschmackliche Vielfalt.
- Fertigbrei aus dem Handel ist praktisch, sofort einsatzbereit und lange haltbar. Wichtig ist hierbei, auf die Zutatenliste zu achten und Produkte mit möglichst wenigen Zusätzen zu wählen.
Es gibt kein pauschales Richtig oder Falsch; Eltern können die für sie passende Methode wählen oder beide kombinieren.
Besonderheiten bei der Ernährung
- Milch-Getreide-Brei ist eine wichtige Komponente für die Nährstoffversorgung und Sättigung.
- Bei der Auswahl von Getreide für Breie ist Abwechslung empfehlenswert. Spezielle Baby-Getreideprodukte sind oft milder und leichter verdaulich.
- Kuhmilch sollte im ersten Lebensjahr primär für die Zubereitung von Milchbrei verwendet werden (ca. 200 ml). Als Trinkmilch ist sie erst gegen Ende des ersten Lebensjahres und in Maßen geeignet.
- Die Einführung von potenziellen Allergenen (wie Milch, Ei, Nüsse, Fisch, Soja, Weizen) im ersten Lebensjahr wird heute nicht mehr pauschal vermieden, kann aber nach Absprache mit dem Arzt erfolgen.
- Von veganer Ernährung im Säuglingsalter raten Fachgesellschaften generell ab, da die Sicherstellung aller notwendigen Nährstoffe schwierig sein kann. Bei einer solchen Ernährung ist eine enge ärztliche Begleitung und ggf. die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln unerlässlich.