Nach einer Frühgeburt oder aus anderen medizinischen Gründen kann es notwendig sein, dass Mütter zunächst vollständig abpumpen. Wenn das Baby dann zuhause ist und die Stillbeziehung sich etabliert hat, stehen viele vor der Frage, wie sie vom Milchpumpen wegkommen, ohne die Milchproduktion zu stark zu reduzieren. Die Sorge, dass die Milchmenge nicht mehr ausreicht, wenn das Baby mehr trinkt, ist verständlich. Ebenso kann das Gefühl von extrem vollen und schmerzenden Brüsten ohne regelmäßiges Abpumpen belastend sein.
Die Umstellung vom Abpumpen zum Stillen
Wenn das Abpumpen von Muttermilch nicht mehr medizinisch notwendig ist, kann eine schrittweise Umstellung erfolgen. Ziel ist es, den Körper langsam daran zu gewöhnen, dass weniger Milch benötigt wird, ohne die Milchbildung abrupt zu stoppen.
Strategien zur Reduzierung des Abpumpens
Ein wichtiger Schritt ist, das Abpumpen nach dem Stillen anzupassen. Anstatt die Brust vollständig zu entleeren, kann man versuchen, nur so viel Milch abzupumpen, bis der Druck und die Schmerzen nachlassen. Dies signalisiert dem Körper, dass die aktuelle Milchmenge ausreicht und keine zusätzliche Produktion notwendig ist.
Eine weitere Methode ist, nach dem Stillen nur noch auszustreichen, anstatt abzupumpen. Dies kann helfen, die Brust zu entlasten, ohne die Milchbildung stark anzuregen.
Die Sorge, dass die Milchmenge zurückgeht, wenn das Baby mehr trinkt, ist unbegründet. Die Milchproduktion passt sich flexibel an den Bedarf des Babys an. Wenn das Baby mehr trinkt, wird es dies durch häufigeres Stillen signalisieren, was dem Körper wiederum mitteilt, dass mehr Milch produziert werden muss.
Weiche Brüste sind kein Indikator für eine zu geringe Milchmenge. Im Gegenteil, es ist ein Zeichen einer gut eingespielten Stillbeziehung, wenn die Brüste nach dem Stillen weich sind und sich nicht mehr prall anfühlen.
Muttermilch: Wertvolle Nahrung und Bindung
Muttermilch gilt als die beste und gesündeste Ernährung für Babys, da sie alle notwendigen Nährstoffe und Antikörper enthält. Das Stillen fördert zudem die einzigartige Bindung zwischen Mutter und Kind.
Auch das gelegentliche oder regelmäßige Abpumpen von Muttermilch ist für viele Mütter ein wichtiger Bestandteil einer harmonischen Stillbeziehung. Es ermöglicht Müttern, kleine Auszeiten zu nehmen oder wieder in den Beruf einzusteigen, ohne dass ihr Kind auf die wertvolle Muttermilch verzichten muss.
Wann und wie mit dem Abpumpen beginnen?
Generell wird empfohlen, nach der Geburt mindestens vier bis sechs Wochen mit dem ersten Abpumpen zu warten, sobald eine gefestigte Stillbeziehung etabliert ist. Dies gilt, wenn das Abpumpen nicht aus medizinischen Gründen notwendig ist.
Die richtige Milchpumpe wählen
Für das Abpumpen ist eine passende manuelle oder elektrische Milchpumpe erforderlich. Bei medizinischer Notwendigkeit kann eine elektrische Doppelmilchpumpe verschrieben werden. Ansonsten ist die Wahl der Pumpe vom individuellen Bedarf der Mutter abhängig. Eine professionelle Beratung durch eine Hebamme oder Stillberaterin ist empfehlenswert. Manuelle Pumpen sind oft günstiger und leiser, während elektrische Pumpen effizienter sind, besonders bei regelmäßigem Abpumpen.

Tipps für erfolgreiches Abpumpen
Das Erlernen des Umgangs mit einer Milchpumpe erfordert Geduld und Übung. Wichtig ist, sich nicht unter Druck zu setzen.
Vorbereitung und Entspannung
Eine entspannte Atmosphäre ist entscheidend für die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das den Milchspendereflex auslöst. Entspannende Musik, das Betrachten von Fotos des Babys oder eine sanfte Brustmassage können dabei helfen.
Vor dem Abpumpen sollten alle benötigten Utensilien griffbereit sein, wie Flaschen, Aufbewahrungsbeutel, Wasser oder Snacks. Ein spezieller Abpump-BH kann die Hände frei machen und das Pumpen erleichtern.
Den Milchspendereflex auslösen
Viele elektrische Milchpumpen verfügen über eine 2-Phasen-Expression-Technologie, die den Saugvorgang des Babys nachahmt. Eine Brustmassage vor und während des Abpumpens sowie warme Kompressen können den Milchfluss zusätzlich stimulieren.
Hautkontakt mit dem Baby, auch nur durch das Betrachten von Fotos oder das Riechen an Kleidungsstücken, kann die Oxytocin-Ausschüttung fördern und den Milchfluss anregen.
Effizientes Abpumpen
Es ist ratsam, auf den eigenen Milchspendereflex zu achten. Dieser zeigt sich oft als plötzlicher Milchfluss in die Flasche oder den Beutel. Bei Pumpen mit 2-Phasen-Technologie sollte in die Abpumpphase gewechselt werden, sobald der Milchfluss einsetzt, da dieser erste Reflex einen erheblichen Teil der Milchmenge liefert.
Das Abpumpen mit dem individuellen maximalen Komfort-Vakuum, also der höchsten angenehmen Einstellung, kann zu einer ähnlichen Milchmenge führen wie beim Stillen durch das Baby.
Die Dauer des Abpumpens variiert von Frau zu Frau und hängt von individuellen Faktoren ab. Es ist wichtig, eine Routine zu finden, die zum eigenen Rhythmus passt.
Wenn Sie regelmäßig abpumpen, ist eine elektrische Doppelmilchpumpe empfehlenswert. Studien zeigen, dass beidseitiges Abpumpen den Prolaktinspiegel erhöht und zu einer höheren Milchmenge und einem höheren Fettgehalt der Milch führen kann.

Häufigkeit und Dauer des Abpumpens
In den ersten Wochen nach der Geburt ist es wichtig, häufig und regelmäßig abzupumpen, um die Milchproduktion aufzubauen. Das Warten, bis die Brüste sehr voll sind, ist nicht ratsam, da ein einzelner Pumpvorgang dann möglicherweise nicht ausreicht, um sie vollständig zu entleeren.
Nachdem die Milchproduktion etabliert ist, kann die Dauer des Abpumpens individuell angepasst werden. Mütter mit häufigen oder späten Milchspendereflexen müssen möglicherweise länger abpumpen als solche, die ihre Milchreflexe eher am Anfang des Vorgangs haben.
Hygiene beim Abpumpen
Sorgfältige Hygiene ist unerlässlich. Hände sollten vor und nach dem Abpumpen gewaschen werden. Alle Teile der Milchpumpe, die mit Milch oder dem Mund des Babys in Kontakt kommen, müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.
Aufbewahrung von abgepumpter Muttermilch
Abgepumpte Muttermilch kann bei Raumtemperatur (16-29 Grad Celsius) etwa 4-6 Stunden aufbewahrt werden. Im Kühlschrank ist sie bis zu 48 Stunden haltbar, im Gefrierschrank bis zu 6 Monate.
Beim Einfrieren kann sich das Volumen der Muttermilch vergrößern, daher sollten die Behälter nicht zu voll gefüllt werden, um ein Überlaufen zu vermeiden.
Die Gewöhnung des Babys an die Flasche
Damit das Baby auch von anderen Personen gefüttert werden kann oder die Mutter eine Auszeit nehmen kann, ist es wichtig, dass es die Flasche akzeptiert. Dies kann einige Wochen dauern. Es empfiehlt sich, das Füttern mit der Flasche auszuprobieren, sobald eine stabile Stillbeziehung besteht.
Wenn das Baby die Flasche nicht akzeptiert, können Alternativen wie das Füttern mit einem Teelöffel oder einem kleinen Becher genutzt werden. Geduld ist hierbei entscheidend, da jedes Baby anders ist.
Zusammenbau elektrische Milchpumpe Medela Swing
Wann ist Abpumpen nicht mehr nötig?
Wenn die Milchproduktion gut etabliert ist und die Bedürfnisse des Babys gedeckt sind, kann das Abpumpen schrittweise reduziert und schließlich ganz eingestellt werden. Dabei ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu achten und die Umstellung nicht zu überstürzen, um Beschwerden wie Milchstau zu vermeiden.
Das Abpumpen von Muttermilch kann eine wertvolle Unterstützung in verschiedenen Phasen des Stillens sein. Mit der richtigen Technik und Geduld lässt sich die Umstellung vom Abpumpen zum ausschließlichen Stillen erfolgreich gestalten.