Prämenstruelles Syndrom (PMS): Ursachen, Symptome und Behandlung

Das prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, ist eine weit verbreitete Beschwerde, die Frauen in der zweiten Zyklushälfte, also vor der Regelblutung, erleben können. Es umfasst eine breite Palette von körperlichen und psychischen Symptomen, die das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen und den Alltag zur Herausforderung machen können. Die Bezeichnung "prämenstruell" bedeutet wörtlich "vor der Periode auftretend".

Während viele Frauen leichte Beschwerden erfahren, leiden etwa 30 von 100 Personen mit Regelblutung unter stärkeren Symptomen, die ihren Alltag, Beruf und ihr Familienleben beeinträchtigen können. Bei rund zwei bis acht von 100 Menschen, die menstruieren, sind die psychischen Beschwerden vor der Periode so stark, dass sie ihren Alltag nicht mehr wie gewohnt bewältigen können.

Statistik zur Häufigkeit von PMS-Betroffenen in der Bevölkerung

Was ist das prämenstruelle Syndrom?

Das PMS dient als Oberbegriff für verschiedene körperliche und psychische Symptome, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus stehen. Diese Beschwerden treten typischerweise in der zweiten Zyklushälfte auf, nach dem Eisprung und vor dem Einsetzen der Menstruation. Sie können wenige Tage oder auch bis zu zwei Wochen andauern und bessern sich in der Regel schlagartig mit Beginn der Regelblutung.

Ursachen und Risikofaktoren des PMS

Die genauen Ursachen für das Entstehen des PMS sind noch nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass das Syndrom multifaktoriell bedingt ist, das heißt, mehrere Ursachen und Risikofaktoren spielen wahrscheinlich zusammen.

Hormonelle Schwankungen

Die Hauptursache sind vermutlich zyklusbedingte Hormonschwankungen. Die Blutwerte der Hormone Östrogen und Progesteron sowie ihrer Stoffwechselprodukte verändern sich im Verlauf des Menstruationszyklus auf natürliche Weise. Insbesondere nach dem Eisprung bildet der Körper Progesteron. Manche Menschen reagieren empfindlich auf die stoffwechselbedingten Abbauprodukte von Progesteron, die beispielsweise die Körpertemperatur beeinflussen können. Eine weitere Hypothese besagt, dass Progesteron mit Botenstoffen im Gehirn wie Serotonin wechselwirkt, was Stimmung und Wohlbefinden beeinflussen kann.

Umwelt- und Lebensstilfaktoren

Umweltbedingungen und der Lebensstil haben möglicherweise ebenfalls Einfluss darauf, ob und wie stark PMS-Beschwerden auftreten. Obwohl ein direkter wissenschaftlicher Zusammenhang nicht immer eindeutig belegt ist, werden folgende Faktoren als denkbar angesehen:

  • Regelmäßiger Alkoholkonsum
  • Genuss koffeinhaltiger Getränke
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Nährstoffmangel
  • Stress im Beruf, in der Familie oder im persönlichen Umfeld

Auch eine familiäre Veranlagung und psychosoziale Konflikte wie Beziehungsprobleme oder berufliche Überlastung können die Symptome zusätzlich verstärken.

Grafik, die den Einfluss von Hormonen und Lebensstilfaktoren auf PMS darstellt

Typische Symptome bei PMS

Das PMS kann eine breite Palette von körperlichen und psychischen Symptomen hervorrufen. Über 150 verschiedene Symptome sind bekannt, wobei die Häufigkeit und Intensität von Frau zu Frau und von Zyklus zu Zyklus variieren können. Häufig treten die Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte auf und verschwinden mit Einsetzen der Menstruation.

Körperliche Symptome

Die körperlichen Beschwerden sind vielfältig und können umfassen:

  • Heißhunger
  • Gewichtszunahme
  • Wassereinlagerungen (Ödeme), vor allem in den Beinen
  • Geschwollene Brüste, Brustschmerzen (Mastodynie)
  • Hautunreinheiten wie Pickel
  • Bauchschmerzen, Blähbauch, Völlegefühl
  • Verdauungsprobleme
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Unterleibsschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Kreislaufprobleme

Psychische Symptome

Neben den körperlichen Symptomen macht sich PMS meist auch in der Psyche bemerkbar. Dazu gehören:

  • Stimmungsschwankungen
  • Reizbarkeit
  • Überempfindlichkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Lethargie und Lustlosigkeit
  • Erschöpfung
  • Depressive Verstimmungen
  • Ängste
Illustration, die verschiedene körperliche und psychische PMS-Symptome zeigt

Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS)

Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) ist eine schwere Form des PMS. Sie äußert sich durch ausgeprägte psychische Symptome wie starke depressive Stimmungen, aggressive oder impulsive Handlungen und ein starkes Gefühl des Kontrollverlusts über die eigenen Emotionen. Etwa zwei bis acht von 100 Menschen mit Periode erleben die Symptome der PMDS, die Freundschaften, das Familienleben und die Arbeit erheblich beeinträchtigen können. Studien zeigen, dass Personen mit PMDS häufiger Suizidgedanken und Suizidversuche haben. Der Leidensdruck ist hierbei sehr hoch.

Diagnose des PMS

Menschen mit wiederkehrenden starken Beschwerden vor der Menstruation sollten diese in einer hausärztlichen oder gynäkologischen Praxis abklären lassen. Um festzustellen, ob tatsächlich ein PMS vorliegt, erfragt die Ärztin oder der Arzt, wann bestimmte Symptome im Monatsverlauf auftreten und wie stark sie sind. Dies dient auch dazu, andere Erkrankungen auszuschließen, deren Symptome einem PMS ähneln könnten (Differenzialdiagnostik).

Mögliche andere Ursachen, die ausgeschlossen werden müssen, sind:

  • Depressionen
  • Andere psychische Erkrankungen
  • Schilddrüsenunter- oder -überfunktion
  • Reizdarmsyndrom
  • Erste Anzeichen der Menopause
  • Endometriose

Ein Symptomtagebuch, in dem die Beschwerden über mehrere Monate hinweg erfasst werden, ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Diagnosestellung. Auch Zykluskalender-Apps können zur Dokumentation genutzt werden. Dieses Tagebuch hilft, die PMS-Beschwerden von anderen Erkrankungen abzugrenzen, deren Symptome nicht klar zyklusabhängig auftreten.

Beispiel eines Symptomtagebuchs für PMS

Behandlungsmöglichkeiten von PMS und PMDS

Eine Therapie wird empfohlen, wenn die Beschwerden die Lebensqualität über einen längeren Zeitraum deutlich einschränken, insbesondere bei psychischen Symptomen. Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung von PMS und PMDS:

Medikamentöse Therapie

  • Hormonpräparate: Hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille, insbesondere Präparate mit dem Gestagen Drospirenon und niedrig dosiertem Östrogen, können hormonelle Schwankungen abmildern und Symptome wie depressive Verstimmungen lindern. Auch Kombinationspillen mit Dienogest können eingesetzt werden. GnRH-Analoga werden selten bei sehr schweren Fällen angewendet. Progesteronpräparate sind nicht explizit für PMS zugelassen, ein progesteronhaltiges Gel ist jedoch bei Spannungsgefühlen in der Brust zugelassen.
  • Schmerzmittel: Gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol können bei Kopf- und Unterleibsschmerzen helfen. Eine längerfristige Einnahme sollte ärztlich abgesprochen werden.
  • Diuretika: Entwässernde Medikamente (Diuretika) können bei Wassereinlagerungen helfen, sollten aber vorsichtig und nicht dauerhaft angewendet werden, um eine Überwässerung oder einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.
  • Antidepressiva: Insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) können bei psychischen Symptomen wie starker Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Ängsten und depressiven Verstimmungen Linderung verschaffen. Sie können entweder dauerhaft oder nur in der zweiten Zyklushälfte eingenommen werden und bei PMDS auch mit hormonellen Verhütungsmitteln kombiniert werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass einige dieser Medikamente in Deutschland nicht speziell für die PMS-Behandlung zugelassen sind, was dazu führen kann, dass die Kosten selbst getragen werden müssen.

Nicht-medikamentöse Ansätze

Verschiedene Maßnahmen können dazu beitragen, PMS-Beschwerden vorzubeugen und zu lindern:

  • Lebensstiländerung:
    • Risikofaktoren vermeiden: Reduzierter Konsum von Alkohol und koffeinhaltigen Getränken.
    • Stressabbau: Entspannungsübungen, bewusste Kürzung von To-Do-Listen und Schaffung von "Ruhe-Inseln" im Alltag.
    • Regelmäßige Bewegung: Moderater Ausdauersport kann körperliche Symptome wie Krämpfe und Schmerzen lindern, Heißhungerattacken entgegenwirken und positive Effekte auf psychische Symptome wie Reizbarkeit haben. Yoga kann ebenfalls zur Linderung beitragen.
    • Ernährungsumstellung: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung wird generell empfohlen. Weniger Schokolade, Alkohol, Koffein und Salz können Symptome abmildern.
  • Pflanzliche Mittel: Präparate mit Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) und Johanniskraut können Hinweise auf eine lindernde Wirkung geben, wobei die wissenschaftlichen Belege oft schwach oder widersprüchlich sind. Auch Safran, Ginkgo biloba, Magnesium und Nachtkerzenöl werden eingesetzt. Die Einnahme sollte immer mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden, um Wechselwirkungen zu vermeiden.
  • Nährstoffe und Vitamine: Ein Mangel an Vitamin B6, E, D oder Kalzium könnte PMS-Beschwerden verstärken. Eine ausgewogene Ernährung ist daher ratsam.
  • Wärmeanwendung: Bei akuten Unterleibsschmerzen können Wärme, z. B. durch ein Wannenbad oder eine Wärmflasche, Linderung verschaffen.
  • Psychotherapie: Bei psychischen Beschwerden wie Ängsten und Traurigkeit kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Betroffene lernen, negative Gedanken zu kontrollieren und beruhigende Verhaltensweisen anzuwenden.
  • Alternative Therapien: Akupunktur oder Akupressur könnten ebenfalls Linderung bei prämenstruellen Beschwerden bringen.

Prämenstruelles Syndrom: Das unterschätzte Gesundheitsproblem

Wann zum Arzt?

Wenn die Beschwerden das Wohlbefinden über einen längeren Zeitraum deutlich einschränken, insbesondere die psychischen Symptome, ist ärztlicher Rat einzuholen. Hausärzte und Gynäkologen sind die ersten Ansprechpartner, um eine genaue Diagnose zu stellen und andere Erkrankungen auszuschließen. Bei starken psychischen Beeinträchtigungen können auch Psychiater oder gynäkologische Endokrinologen spezialisierte Hilfe anbieten.

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