HCG-Diät: Kritische Betrachtung einer umstrittenen Stoffwechselkur

Die hCG-Diät, auch bekannt als Stoffwechselkur, verspricht einen schnellen und erheblichen Gewichtsverlust - bis zu 12 Kilogramm in nur drei Wochen. Diese Methode basiert auf der Einnahme des Schwangerschaftshormons hCG (humanes Choriongonadotropin) in Kombination mit einer drastischen Kalorienreduktion auf nur 500 Kilokalorien pro Tag. Ärzte und Ernährungsexperten warnen jedoch eindringlich vor den damit verbundenen erheblichen Gesundheitsrisiken und raten von dieser Radikaldiät ab.

Was ist die hCG-Diät und wie funktioniert sie?

Die hCG-Diät wird als eine Art "Reset-Button" für den Stoffwechsel angepriesen, der angeblich dazu dient, den Metabolismus auf seine "Werkseinstellungen" zurückzusetzen und neu aufzubauen. Um einen drohenden Nährstoffmangel aufgrund der extrem geringen Kalorienzufuhr zu vermeiden, werden in der Regel diverse Nahrungsergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren und Multivitamine empfohlen. Das namensgebende hCG wird dabei in Form von Globuli, Tropfen oder Sprays eingenommen, während in der ursprünglichen Methode tägliche Injektionen empfohlen wurden.

Das Hormon hCG wird während der ersten Schwangerschaftsmonate in der Plazenta vermehrt gebildet und signalisiert dem Körper, dass eine befruchtete Eizelle heranreifen soll. Es unterstützt die Einnistung und Versorgung des Embryos. Die Theorie hinter der hCG-Diät besagt, dass dieses Hormon den Körper dazu anregt, seine Fettreserven anzuzapfen, insbesondere in Notsituationen, wie es bei einer Schwangerschaft der Fall ist. Indem das Hormon künstlich zugeführt wird, soll es den Abbau von Fettgewebe fördern, auch an hartnäckigen Stellen.

Ein weiterer behaupteter Effekt der Hormongabe ist die Unterdrückung des Hungergefühls und die Linderung von Abgeschlagenheit, die während einer drastischen Kalorieneinsparung auftreten können. Diese Effekte werden ebenfalls mit den physiologischen Anpassungen des Körpers während einer Schwangerschaft in Verbindung gebracht.

Schema der hCG-Diät mit ihren Phasen und der Rolle von hCG

Der Ablauf der hCG-Diät: Phasen und Empfehlungen

Die Stoffwechsel-Diät ist in drei Hauptphasen unterteilt:

1. Ladephase (2 Tage)

Zu Beginn der hCG-Diät steht die sogenannte Ladephase. In diesen zwei Tagen ist es erlaubt, nach Herzenslust zu essen, um die Energiespeicher aufzufüllen. Diese "Schlemmerphase" soll den Stoffwechsel ankurbeln und den Verzicht in den folgenden Phasen erleichtern.

2. Diätphase (21 Tage)

Ab dem dritten Tag beginnt die eigentliche Diätphase, die 21 Tage dauert. In dieser Zeit ist die Kalorienzufuhr auf maximal 500 Kilokalorien pro Tag beschränkt. Fett, Zucker und Kohlenhydrate sind streng tabu. Erlaubt sind hauptsächlich natürliche Lebensmittel wie Gemüse, mageres Fleisch, Fisch, Tofu und bestimmte Obstsorten. Diese extreme Kalorienrestriktion unterschreitet den Grundumsatz des Körpers erheblich und wird von Experten als ungesund eingestuft.

3. Stabilisierungsphase (ca. 3 Wochen)

Nach Abschluss der Diätphase folgt die Stabilisierungsphase, die ebenfalls etwa drei Wochen andauert. In dieser Phase wird die Kalorienzufuhr langsam und schrittweise gesteigert, um den Körper wieder an eine normale Nahrungsaufnahme zu gewöhnen und dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt entgegenzuwirken. Dennoch wird empfohlen, auch weiterhin auf eine bewusste Ernährung zu achten.

Wissenschaftliche Evidenz und Kritik an der hCG-Diät

Trotz ihrer langjährigen Existenz - die hCG-Diät gibt es seit über 50 Jahren - fehlen bis heute belastbare wissenschaftliche Beweise für die angebliche Wunderwirkung des Hormons beim Abnehmen. Zahlreiche Studien konnten keinen Nutzen feststellen, der über die reine Kalorienreduktion hinausgeht. Einige Untersuchungen deuten sogar auf ein höheres Potenzial für Schäden als für Nutzen hin. Auch der Begründer der Diät, der britische Endokrinologe Albert T. W. Simeons, konnte seine Thesen nie eindeutig belegen.

Die moderne Form der hCG-Diät setzt vermehrt auf Globuli, Tropfen oder Sprays anstelle von Injektionen. Hierzu merkt der Internist Dr. Matthias Riedl an, dass hCG als Eiweißhormon nur injiziert werden kann, da es in Pillen- oder Tropfenform von der Magensäure zersetzt würde. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass hCG ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ist und nicht als Abnehmhilfe verkauft werden darf. hCG-Produkte als Schlankheitsmittel sind illegal.

Grafik mit Vergleich des Kalorienbedarfs einer durchschnittlichen Frau und der Kalorienzufuhr bei der hCG-Diät

Gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen

Die extrem niedrige Kalorienzufuhr der hCG-Diät birgt erhebliche Gesundheitsrisiken. Kopfschmerzen, Unruhe, Erschöpfungszustände, Depressionen und sogar Blutgerinnsel werden als mögliche Nebenwirkungen genannt. Bei anhaltend geringer Kalorienzufuhr kann es zu einem gravierenden Nährstoffmangel kommen, der irreversible Schäden verursachen kann. Der Organismus fährt herunter, was sich in Müdigkeit, ausbleibender Periode oder ständigem Frieren äußern kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät daher dringend von der hCG-Diät ab.

Die Zufuhr des Hormons selbst ist ebenfalls nicht unproblematisch. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für eine gewichtsreduzierende, stimmungsaufhellende oder appetitbremsende Wirkung von hCG. Zudem ist die Herkunft und Reinheit von im Internet angebotenen hCG-Präparaten oft unklar, was zusätzliche Risiken birgt.

Der Jo-Jo-Effekt und nachhaltige Alternativen

Der Gewichtsverlust bei der hCG-Diät ist laut Experten fast ausschließlich auf die drastische Kalorienreduktion zurückzuführen, nicht auf das Hormon selbst. Sobald die alten Essgewohnheiten wieder aufgenommen werden, kehren die verlorenen Pfunde mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück - der Jo-Jo-Effekt ist vorprogrammiert. Anstelle von kurzfristigen und fragwürdigen Diäten empfehlen Experten wie Dr. Riedl eine langfristige Ernährungsumstellung. Diese sollte eine Reduktion von Kohlenhydraten beinhalten und den Hauptanteil aus eiweißreichen, ballaststoffreichen Lebensmitteln sowie Obst und Gemüse bestehen.

Nachhaltiger Gewichtsverlust erfordert eine Kombination aus gesunder Ernährung, ausreichender Bewegung und einer Veränderung der Denkweise. Diäten mit extrem niedriger Kalorienzufuhr können dem Körper irreparable Schäden zufügen. Stattdessen sollte auf ein ausgewogenes Verhältnis von Energieaufnahme und -verbrauch geachtet werden, um langfristig erfolgreich abzunehmen und das Gewicht zu halten.

Abnehmen ohne Jojo-Effekt und nach Diät das Gewicht halten | Dr. Julia Fischer | ARD Gesund

Häufige Fragen zur hCG-Diät

  • Was genau ist hCG? hCG steht für humanes Choriongonadotropin, ein Schwangerschaftshormon.
  • Wie wirkt hCG angeblich beim Abnehmen? Es soll den Körper dazu anregen, seine Fettreserven anzuzapfen und das Hungergefühl unterdrücken.
  • Ist die Einnahme von hCG-Globuli wirksam? Experten bezweifeln die Wirksamkeit von hCG in nicht-injizierbarer Form, da es von der Magensäure zersetzt würde.
  • Welche Nebenwirkungen kann die hCG-Diät haben? Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Unruhe, Depressionen, Nährstoffmangel und Blutgerinnsel.
  • Ist die hCG-Diät eine gesunde Methode zum Abnehmen? Nein, aufgrund der drastischen Kalorienrestriktion und der fraglichen Wirkung des Hormons wird sie von den meisten Experten als ungesund und riskant eingestuft.

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