Fehlgeburt: Ursachen, Risiken und Umgang mit dem Verlust

Eine Schwangerschaft ist oft mit großer Freude und Zukunftsvorfreude verbunden. Wenn diese jedoch endet, bevor das Kind lebensfähig ist, spricht man von einer Fehlgeburt oder einem Abort. Dieses Ereignis kann für die Betroffenen äußerst belastend sein und die Angst vor einer erneuten Schwangerschaft verstärken. Fehlgeburten sind leider keine Seltenheit und treten oft auf, manchmal sogar noch bevor die Schwangerschaft überhaupt festgestellt wurde.

Was ist eine Fehlgeburt?

„Wenn die Schwangerschaft endet, bevor das Kind lebensfähig ist, spricht man von einer Fehlgeburt oder auch Abort“, erklärt Dr. Susanne Worms, Frauenärztin mit Praxis in Bielefeld. Als lebensfähig definiert die Medizin ein Baby mit mindestens 500 Gramm und ab der 24. Schwangerschaftswoche.

Definitionen und Zeiträume

  • Frühabort: Vom Ausbleiben der Periode bis zur 12. Schwangerschaftswoche.
  • Abort: Sterbe des Embryos bis zur 16. Woche.
  • Spätabort: Ende der Schwangerschaft nach der 16. Woche.
  • Frühgeburt: Ende der Schwangerschaft ab der 24. Woche.

Im Fall der persönlichen Erzählung trat die Fehlgeburt in der siebten Schwangerschaftswoche ein, als auf dem Ultraschall kein Herzschlag mehr zu sehen war.

Ultraschallbild eines frühen Embryos

Häufigkeit und Risikofaktoren von Fehlgeburten

Die meisten Aborte ereignen sich in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen. Danach nimmt die Häufigkeit stark ab. Das generelle Risiko für eine Fehlgeburt liegt bei etwa 5 Prozent.

Alter der Mutter und genetische Faktoren

Mit zunehmendem Alter der Frau steigt das Risiko für genetische Veränderungen, die zu einer Fehlgeburt führen können:

  • Eine 25-Jährige hat ein Risiko von etwa 15 Prozent.
  • Bei einer 35-Jährigen liegt das Risiko bei 21 bis 23 Prozent.
  • Eine Frau über 40 Jahren trägt ein Risiko von etwa 40 Prozent.

Die persönliche Erfahrung der Erzählenden, mit 39 Jahren schwanger gewesen zu sein, deckt sich mit dieser Risikobetrachtung.

Häufigste Gründe für Fehlgeburten

Die häufigste Ursache für Fehlgeburten sind chromosomale Veränderungen. Dabei gibt es entweder zu viele oder zu wenige Chromosomen, was eine normale Entwicklung des Fötus verhindert. Bei älteren Frauen funktioniert die korrekte Aufteilung der Chromosomensätze häufiger nicht mehr.

Grafische Darstellung menschlicher Chromosomen

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Virusinfektionen: Auch scheinbar harmlose Infekte wie Erkältungen oder Magen-Darm-Infekte können zu einem vorzeitigen Ende der Schwangerschaft führen.
  • Defekte in der Gebärmutter (Uterus): Eine nicht optimale Durchblutung oder Probleme mit der Gebärmutterschleimhaut können eine Einnistung verhindern oder beeinträchtigen.
  • Myome oder Polypen: Gutartige Wucherungen in der Gebärmutter können die Funktion der Schleimhaut stören.
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen: Sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse kann das Risiko erhöhen.
  • Gerinnungsstörungen des Blutes: Diese können wiederholt zu Aborten führen, da die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut beeinträchtigt ist.

Weitere Risikofaktoren

  • Chronische Erkrankungen der Schwangeren (z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck).
  • Übergewicht.
  • Hormonelle Störungen (z. B. Progesteronmangel).
  • Erbgutdefekte von Mutter oder Vater.
  • Blutarmut (Anämie), die zu einer Unterversorgung des Fötus mit Sauerstoff führen kann.
  • Fieberhafte Infekte, die wehenähnliche Kontraktionen der Gebärmutter auslösen können.
  • Zwei oder mehr frühere Aborte in der Anamnese (habituelle Aborte).
  • Mangelernährung, insbesondere Eisenmangel, aber auch Mangel an Vitamin B12, Folsäure oder Jod.

Wichtig: Rauchen, Alkohol und Drogen können zu Fehlbildungen des Fötus führen, lösen aber keinen Abort aus. Ebenso kann körperliche Überanstrengung keinen Abort auslösen, wie die persönliche Erfahrung der Erzählenden zeigt, die sich Sorgen machte, ob ihre Mountainbike-Tour schuld gewesen sein könnte. Frauenärztin Dr. Worms beruhigt: „Der Embryo bzw. Fötus ist im Körper der Mutter optimal geschützt. Eine Schwangere kann einen Abort nicht durch eigenes Fehlverhalten provozieren.“

Symptome und Verlauf einer Fehlgeburt

Die Symptome einer Fehlgeburt können variieren, insbesondere je nachdem, ob die Schwangere bereits weiß, dass sie schwanger ist.

Symptome einer beginnenden oder fortschreitenden Fehlgeburt

  • Blutungen: Von leichten Schmierblutungen bis hin zu starken Blutungen mit Blutklumpen und Gewebeanteilen.
  • Schmerzen: Unterleibsschmerzen, Krämpfe oder wehenähnliche Kontraktionen des Uterus. Diese Schmerzen entstehen durch die Kontraktionen des Uterus und die notwendige Öffnung des Muttermundes.
  • Nachlassen von Schwangerschaftsanzeichen: Plötzliches Verschwinden von Symptomen wie morgendlicher Übelkeit oder Brustspannen.
  • Nachlassende oder ausbleibende Kindesbewegungen: Dies ist eher in späteren Schwangerschaftsstadien relevant.
  • Vorzeitige Wehen mit oder ohne Blasensprung.

Bei einer verhalteten Fehlgeburt (missed abortion) stirbt der Embryo, wird aber vom Körper noch nicht abgestoßen. Dies kann unbemerkt bleiben, bis es bei einer Routineuntersuchung festgestellt wird.

Dauer und Ablauf des Abgangs

Der Abgang kann unterschiedlich lange dauern. Wenn die Schwangere nicht weiß, dass der Embryo abgestorben ist, kann es zu plötzlichen, starken Blutungen und Schmerzen kommen, die etwa einen Tag andauern. Danach folgt eine Blutung, die einer starken Menstruation ähnelt und vier bis fünf Tage anhalten kann. Insgesamt kann der Prozess des Abstoßens des Embryos zwischen wenigen Tagen und zwei bis drei Wochen dauern.

Illustration des weiblichen Fortpflanzungssystems

Diagnose und Behandlung von Fehlgeburten

Die Diagnose einer Fehlgeburt erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Symptomen und bildgebenden Verfahren.

Diagnoseverfahren

  • Ultraschalluntersuchung: Feststellung des Fehlens eines Herzschlags oder der fehlenden Weiterentwicklung des Embryos (verhaltener Abort).
  • Ärztliche Untersuchung: Bei Blutungen und Schmerzen wird ein Ultraschall durchgeführt, um die Ursache abzuklären.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Frau hat in der Regel die Wahl zwischen verschiedenen Behandlungsmethoden:

  • Natürlicher Abgang: Der Körper stößt den Embryo von selbst ab. Dies kann mit Schmerzen und Blutungen verbunden sein.
  • Medikamentöse Behandlung: Die Einnahme von Medikamenten wie Prostaglandinen kann den Abstoßungsprozess beschleunigen. Diese Medikamente werden oft im Off-Label-Use eingesetzt.
  • Ausschabung (Curettage oder Saugkürettage): Ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Gebärmutter ausgeräumt wird. Dies geschieht meist unter Vollnarkose.

Frauenärztin Dr. Worms betont, dass es aus medizinischer Sicht oft besser ist, wenn der Körper den Prozess selbst regelt. Dennoch kann eine Ausschabung notwendig sein, um Infektionen vorzubeugen oder wenn der natürliche Abgang nicht vollständig erfolgt.

Symbolbild einer gynäkologischen Untersuchung

Was tun nach einer Fehlgeburt?

Der Verlust eines Kindes, auch im frühen Stadium der Schwangerschaft, ist eine tiefe emotionale Belastung. Die Zeit nach einer Fehlgeburt ist geprägt von Trauer und der Notwendigkeit, sich körperlich und seelisch zu erholen.

Körperliche Erholung

Nach einem natürlichen Abgang oder einer Ausschabung ist es wichtig, sich körperlich zu schonen. Der Körper hat eine Belastung durchgemacht, und die seelische Wunde muss heilen. Dr. Worms rät, sich nach diesen Ereignissen erst einmal zu Hause zu erholen.

Seelische Unterstützung und Trauerbewältigung

Die emotionale Verarbeitung einer Fehlgeburt ist ein individueller Prozess. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen:

  • Psychologische Unterstützung: Beratungsstellen wie Pro Familia oder psychologische Therapeuten können Hilfe bei der Trauerbegleitung anbieten. „Man muss nicht alles allein durchstehen“, betont Dr. Worms.
  • Hebammenhilfe: Auch nach einer Fehlgeburt besteht Anspruch auf die Hilfe einer Hebamme, die bei der Bewältigung der Trauer unterstützen kann.
  • Rückbildungskurse: Die Kosten für einen Rückbildungskurs werden übernommen, wenn dieser neun Monate nach der Fehlgeburt abgeschlossen wird.

Mutterschutz nach einer Fehlgeburt

Seit dem 1. Juni 2025 gilt das neue Mutterschutzanpassungsgesetz. Frauen haben auch nach einer Fehlgeburt Anspruch auf Mutterschutzfristen, deren Dauer von der Schwangerschaftswoche abhängt (zwei Wochen ab der 13. Woche, sechs Wochen ab der 17. Woche, acht Wochen ab der 20. Woche). Ab der 24. Woche gelten die Regelungen wie bei einer Totgeburt. Die Inanspruchnahme dieser Fristen ist freiwillig.

Wieder schwanger werden nach einer Fehlgeburt

Nach einer Fehlgeburt fragen sich viele Paare, wann es möglich ist, wieder schwanger zu werden.

Zeitrahmen und Empfehlungen

Nach einem Abort dauert es meist einige Zeit, bis der Körper bereit für eine neue Schwangerschaft ist. Der erste Zyklus kann fünf bis sechs Wochen dauern. In dieser Zeit wird zum Verhüten geraten, damit sich die Gebärmutterschleimhaut gut aufbauen kann.

  • Bei natürlichem Abgang: Wenn die Gebärmutter vollständig leer ist, kann die Frau sofort wieder schwanger werden.
  • Nach Ausschabung: Wenn Gewebereste in der Gebärmutter verblieben sind und abgesaugt werden mussten, empfehlen Ärzte oft, drei Monate zu warten, um Verletzungen des Uterus ausheilen zu lassen.

Die persönliche Erfahrung zeigt, dass eine Schwangerschaft zwei Monate nach einer Ausschabung möglich war und zu einem gesunden Kind führte.

Symbolbild einer Familie mit Kindern

Alternativen zur Ausschabung und der Umgang damit

Die Erfahrung von Dana Algül, die trotz der Diagnose einer verhalteten Fehlgeburt eine Ausschabung ablehnte, beleuchtet alternative Herangehensweisen.

Abwartendes oder medikamentöses Vorgehen

Viele Frauen würden ein abwartendes oder medikamentöses Vorgehen bevorzugen, werden aber oft nicht ausreichend darüber aufgeklärt. Dr. Jana Maeffert, Frauenärztin und Geburtshelferin, kritisiert, dass in Deutschland oft zu schnell zu einem operativen Eingriff geraten wird. Ein Abwarten kann bei 60 Prozent der Frauen innerhalb von zwei Wochen zu einer spontanen Blutung führen.

Die medikamentöse Behandlung mit einer Kombination aus Mifepriston und Misoprostol ist eine gute Option, wenn weder abgewartet noch operiert werden möchte. Diese Medikamente lösen Kontraktionen der Gebärmutter aus, sodass das Gewebe ausgestoßen wird.

Die Fehlgeburt als emotionale Ausnahmesituation

Hebamme Cornelia Klemm betont, dass es für die betroffenen Frauen wichtig ist, Zeit und Raum zu bekommen und in dem Prozess selbst entscheiden zu können. Eine frühe Fehlgeburt ist oft noch ein Tabuthema, was es Frauen erschwert, darüber zu sprechen und Unterstützung zu suchen.

Lioba Drott, Hebamme, hebt hervor: „Es geht nicht um besser oder schlechter. Jede Frau muss ihren Weg finden. Das klappt nur, wenn sie informiert ist.“

Zeit zum Abschiednehmen

Für viele Eltern ist die Beerdigung oder eine andere Form des Abschieds ein wichtiger Schritt. In einigen Kliniken werden Sammelbestattungen auch für frühe Fehlgeburten angeboten. Das bewusste Abschiednehmen kann helfen, den Verlust zu verarbeiten.

Symbolbild eines Trauernden

Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen

Der Text enthält auch detaillierte Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen, sowohl medikamentös als auch operativ. Hierbei werden verschiedene Methoden wie Vakuumaspiration und Kürettage erläutert, ebenso wie die medikamentöse Einleitung mit Mifepriston und Misoprostol. Es werden Risiken, Komplikationen und die Fruchtbarkeit nach einem Abbruch thematisiert. Auch die rechtlichen und ethischen Aspekte sowie die psychologischen Auswirkungen werden beleuchtet.

Abtreibung - wie funktioniert ein Schwangerschaftsabbruch mit Tabletten?

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