Bauchmuskeltraining in der Schwangerschaft: Vorteile, Risiken und sichere Alternativen

Viele werdende Mütter sind unsicher, ob Bauchmuskeltraining während der Schwangerschaft erlaubt ist. Oft erhalten sie zahlreiche Ratschläge, die von Verboten geprägt sind. Tatsächlich kann gezieltes Bauchmuskeltraining in der Schwangerschaft jedoch nicht nur sicher, sondern auch besonders wertvoll sein, wenn es korrekt und schwangerschaftsgerecht durchgeführt wird.

Warum Bauchmuskeltraining in der Schwangerschaft wichtig ist

Während der Schwangerschaft verändert sich der weibliche Körper grundlegend. Die wachsende Gebärmutter verschiebt den Körperschwerpunkt, und das zunehmende Gewicht belastet die Wirbelsäule. Ein angepasstes Bauchmuskeltraining kann verschiedene positive Effekte haben:

  • Stabilität für Rücken und Haltung: Die Bauchmuskulatur bildet zusammen mit den Rückenmuskeln ein natürliches Korsett, das den Rumpf stabilisiert und die Körperhaltung verbessert. Eine starke Rumpfmuskulatur hilft dabei, eine aufrechte Haltung einzunehmen und das zunehmende Gewicht des Babys sowie der Gebärmutter besser zu tragen. Ein trainierter Core kann effektiv Rückenschmerzen, Symphysenschmerzen und anderen Beckenbodenbeschwerden während der Schwangerschaft vorbeugen.
  • Verbindung zum Beckenboden: Die Bauchmuskulatur arbeitet eng mit dem Beckenboden zusammen. Besonders wichtig ist der tiefe quere Bauchmuskel (Musculus transversus abdominis), der die Gebärmutter während der Schwangerschaft stützt und stabilisiert. Regelmäßiges Aktivieren und Entspannen dieses Muskels zählt zu den wichtigsten Übungen. Durch die körperlichen und hormonellen Veränderungen kann eine Druckerhöhung im Bauch nicht mehr so gut stabilisiert werden, was zu Problemen wie Inkontinenz führen kann. Ein gezieltes Training der Bauch- und Beckenbodenmuskulatur kann diesem Risiko entgegenwirken.
  • Vorbereitung auf Geburt und Rückbildung: Ein angepasstes Bauchmuskeltraining bereitet den Körper optimal auf die Geburt vor. Starke Bauchmuskeln sind für die Austreibungsphase unerlässlich. Studien zeigen zudem, dass Frauen, die in der Schwangerschaft ihre Bauchmuskeln trainierten, eine geringere Rektusdiastase (Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskeln) aufwiesen, was die Rückbildung nach der Geburt erleichtert.
Grafik, die die verschiedenen Bauchmuskeln und ihre Lage im Körper zeigt

Die wichtigsten Bauchmuskeln im Überblick

Die Bauchmuskulatur besteht aus mehreren Muskeln, die alle miteinander agieren und über die Linea Alba (Bindegewebe in der Bauchmittellinie) verbunden sind:

  • Gerader Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis): Begrenzt den Bauchraum nach vorne, schützt die inneren Organe und hilft beim Atmen. In der Schwangerschaft wird er stark gedehnt.
  • Querverlaufender Bauchmuskel (Musculus transversus abdominis): Der tiefste Bauchmuskel wirkt wie ein natürliches Korsett und stabilisiert die Körpermitte. Er ist besonders wichtig für die Rückbildung.
  • Schräge Bauchmuskeln (Musculi obliqui externi et interni abdominis): Haben unterschiedliche Funktionen, stützen den Rumpf, sorgen für eine gute Haltung und stabilisieren die Wirbelsäule.

Was du in jedem Trimester beachten musst

Jede Phase der Schwangerschaft bringt unterschiedliche körperliche Veränderungen mit sich, die dein Bauchmuskeltraining beeinflussen. Ein angepasstes Training ist daher entscheidend.

1. Trimester (Wochen 1-13)

In den ersten drei Monaten musst du deinen Trainingsplan noch nicht besonders anpassen, vorausgesetzt dein Arzt gibt grünes Licht und du fühlst dich körperlich wohl. Allerdings solltest du grundsätzlich einen Gang herunterschalten und die Gewichte reduzieren. Übungen mit intensiven Sprüngen oder hoher Verletzungsgefahr sind zu vermeiden. Bis zur 13. Schwangerschaftswoche kannst du normalerweise noch alle Bauchübungen machen, jedoch mit Fokus auf Kraftausdauer: mehr Wiederholungen, niedrigeres Gewicht. Auch Sit-ups sind in der Frühschwangerschaft noch erlaubt, solange du dich dabei gut fühlst.

2. Trimester (Wochen 14-27)

Mit Beginn des zweiten Trimesters fühlen sich die meisten Schwangeren wieder deutlich fitter. Der Bauchumfang nimmt langsam zu. Wichtig: Trainiere deine geraden Bauchmuskeln nur bis zur ca. 20. Schwangerschaftswoche! Ab dann gehen die linke und rechte Hälfte deiner Bauchmuskulatur auseinander, um dem Baby Platz zum Wachsen zu geben. Klassische Sit-ups, Crunches und Beinheben müssen nun aus deinem Trainingsplan gestrichen werden. Stattdessen solltest du die seitlichen oder schrägen Bauchmuskeln weiterhin trainieren, da sie deinen Bauch stützen und halten. Auch der querverlaufende Bauchmuskel (Transversus) ist wichtig.

Während dieser Zeit dehnen sich die Bauchmuskeln zur Seite, um Platz für das wachsende Baby zu schaffen. Dadurch wird die Linea Alba breiter und dünner, was zur sogenannten Rektusdiastase führt. Gezieltes und moderates Training der schrägen Bauchmuskeln und des Transversus machen die Rektusdiastase nicht schlimmer.

Vermeide außerdem Übungen, bei denen du lange auf dem Rücken liegst, da dies besonders zwischen dem 2. und 3. Trimester den Blutfluss zur Gebärmutter verringern kann.

Illustration einer Frau im Vierfüßlerstand, die eine sanfte Bauchübung ausführt

3. Trimester (Woche 28 bis Geburt)

In den letzten drei Monaten steht das Relaxen an erster Stelle. Höre intensiv in dich hinein und mache nur noch leichte Sportarten, wenn du dich gut fühlst. Grundsätzlich sind statische Übungen für die seitlichen Bauchmuskeln weiterhin in Ordnung. Achte jedoch darauf, dass sich kein "Doming" (Vorwölbung in der Mittellinie deines Bauches) bildet. Dieses Zuspitzen des Bauches bedeutet, dass die Linea Alba aufgrund des erhöhten Bauchinnendrucks weiter außen ist als die geraden Bauchmuskeln. Reduziere in diesem Fall die Wiederholungen, verkürze die Hebel oder nimm weniger Gewicht.

Übungen in Rückenlage sind im letzten Trimester nicht mehr zu empfehlen. Baby und Kreislauf müssen jetzt besser geschützt werden. Wechsle stattdessen auf die Seite oder in eine aufrechte Position.

Sichere Übungen für jede Phase der Schwangerschaft

Mit den richtigen Übungen kannst du deine Bauchmuskulatur während der gesamten Schwangerschaft sicher stärken. Wichtig dabei: Die Übungen sollten an jedes Trimester angepasst werden und keine Vorwölbung (Doming) in der Bauchmitte verursachen.

Empfohlene Übungen:

  • Vierfüßlerstand: Hände unter den Schultern, Knie unter dem Becken. Schon in der Grundposition müssen die Bauchmuskeln arbeiten. Wer die Belastung steigern möchte, hebt die Knie ab oder streckt einen Arm und/oder ein Bein.
  • Planke: Stütze dich auf Hände und Füße oder auf Ellbogen und Knie. Wichtig ist Abwechslung und eine gewisse Intensität. Ab der 20. SSW sind modifizierte Planks noch gut geeignet.
  • Seitstütz (Side Plank): Trainiert effektiv die seitliche Rumpfmuskulatur. Stütze dich auf dem Ellbogen oder der Hand ab, sodass Schulter, Hüfte und Knie eine Linie bilden.
  • Schwangere Katze: Basierend auf der Yoga-Position "Katze-Kuh", mobilisiert die Wirbelsäule und dehnt/kräftigt Rücken, Schultern und Nacken.
  • Sumo Squat mit Hüftöffnung: Trainiert die Hüftöffnung, entscheidend für die Geburtsvorbereitung.
  • Atmungsbasierte Aktivierung: Konzentriere dich auf die Ausatmung beim Anstrengen und Einatmung beim Entspannen, um den Beckenboden zu aktivieren und den Körper zu stabilisieren.
Collage verschiedener sicherer Bauchmuskelübungen für Schwangere

Übungen, die vermieden werden sollten:

  • Klassische Sit-ups und Crunches: Insbesondere nach der 20. Schwangerschaftswoche, da sie zu viel Druck auf den Beckenboden ausüben und die Rektusdiastase verstärken können.
  • Übungen auf dem Rücken liegend: Vor allem im 2. und 3. Trimester, da sie den Blutfluss zur Gebärmutter einschränken können.
  • Übungen mit schnellen Bewegungsmustern oder hohem Verletzungsrisiko.
  • Neue Sportarten oder sehr intensive Workouts wie HIIT.

Risiken und was du beachten solltest

Während der Schwangerschaft dehnen sich die Bauchmuskeln zur Seite, um Platz für das wachsende Baby zu schaffen. Dies führt zur sogenannten Rektusdiastase. Während dieser Zeit können die geraden Bauchmuskeln, die schrägen Bauchmuskeln und der Beckenboden belastet werden, was zu Rückenschmerzen, Haltungsproblemen und Inkontinenzproblemen führen kann.

Wähle die richtigen Übungen aus: Nicht alle Bauchmuskelübungen sind während der Schwangerschaft sicher oder angemessen. Wichtig sind speziell an die Schwangerschaft angepasste Übungen, ganzheitliches Trainieren und das Wissen um den tiefen queren Bauchmuskel.

Höre auf deinen Körper: Sobald du Schmerzen, Schwindel oder Unwohlsein verspürst, solltest du das Training abbrechen. Bei Unsicherheiten sprich am besten mit deinem Arzt oder deiner Hebamme.

Gewicht reduzieren: Frauen, die Krafttraining machen, sollten das Gewicht reduzieren, um den Beckenboden nicht zu stark zu belasten.

Sport in der Schwangerschaft - gesund oder Risiko? | SWR Sport

Bauchmuskeltraining nach der Geburt

Nach der Geburt beginnt für deinen Körper eine neue Phase der Regeneration. Die Rückkehr zum Bauchmuskeltraining sollte behutsam und gut geplant erfolgen.

Generell solltest du die ersten 6 Wochen nach der Geburt komplett auf Sport verzichten und dich danach immer mit deinen Ärzt:innen absprechen. Beginne am besten mit sanfter Rückbildungsgymnastik und gemäßigten Übungen für die schrägen Bauchmuskeln und den querliegenden Bauchmuskel. Dadurch werden die auseinander geschobenen Bauchmuskeln wieder in ihre ursprüngliche Lage zurückgebracht. Von Monat zu Monat kannst du dann dein Workout steigern.

Nach einem Kaiserschnitt gilt eine etwas längere Schonzeit. In der Regel solltest du mindestens 8 Wochen nach einer Kaiserschnitt-Geburt deine Bauchmuskulatur so wenig wie möglich anspannen. Starte danach langsam und konzentriere dich auf leichte Dehnübungen. Wenn du Schmerzen hast oder dich nicht wohlfühlst, gönne deinem Körper noch etwas Ruhe. Mit dem Wiederaufbau von Sit-ups solltest du warten, bis sich deine Bauchmuskeln gut erholt haben und die Rektusdiastase geschlossen ist.

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