Follikel und ihre Rolle im weiblichen Zyklus

Follikel sind im Grunde kleine Bläschen, doch in den Eierstöcken der Frau spielen sie eine ganz besondere Rolle: In ihnen kann die Eizelle reifen und gedeihen, um auf eine erfolgreiche Befruchtung vorbereitet zu werden. Der Begriff “Follikel” stammt aus der mikroskopischen Anatomie und beschreibt im Allgemeinen eine bläschenförmige Hohlraumstruktur. Ovarialfollikel stellen eine Einheit aus der Eizelle (= Oozyte) sowie den umgebenden Zellen dar, welche unter anderem für die Ernährung zuständig sind. Eizelle und Follikel sind keine Synonyme!

Die Eizelle (= Oozyte) stellt die weibliche Keimzelle dar, also jene Zelle, die nach der Befruchtung für die Entstehung des Embryos sorgt. Der Follikel hingegen ist eine anatomisch-funktionelle Struktur des Eierstocks. Innerhalb des Follikels kann die Eizelle geschützt heranwachsen.

Die Entwicklung der Follikel: Follikulogenese

Der Reifungsprozess der Follikel wird insgesamt als Follikulogenese bezeichnet. Die Follikel entwickeln sich dabei über verschiedene Stadien hinweg, angefangen beim Primordialfollikel. Angetrieben wird dieser Prozess durch das Follikelstimulierende Hormon (FSH). Mit jedem Zyklus reifen zunächst mehrere Follikel heran. Allerdings besitzt einer davon einen Vorsprung und wird zum sogenannten “dominanten Follikel”, welcher schließlich “springt”. Alle anderen Follikel bilden sich zurück.

Grafische Darstellung der verschiedenen Follikelstadien im Eierstock

Die Stadien der Follikelentwicklung

  • Primordialfollikel: Diese entstehen bereits vor der Geburt aus primären Eizellen. Sie befinden sich als ruhender Vorrat in der Randzone der Ovarien und weisen eine Größe von rund 40 Mikrometern auf. Sie bestehen lediglich aus einer Keimzelle und einer einzigen Schicht von Follikelepithelzellen.
  • Primärfollikel: Diese sind schon rund fünf Mal so groß wie ihre Vorgänger, nämlich ungefähr 200 Mikrometer. Das umgebende Epithel ist nun iso- bis hochprismatisch. Zwischen der Zellmembran der Eizelle (= Oolemm) und den Follikelepithelzellen befindet sich außerdem eine Membran, die Zona pellucida (“Glashaut”). Bei der Zona pellucida handelt es sich um eine Glykoproteinschicht, die aus den Zona-pellucida-Proteinen (ZP1 bis ZP4) besteht.
  • Sekundärfollikel: Diese weisen eine Größe von circa 300 Mikrometer auf. Die Follikelepithelzellen aus der primären Stufe haben sich nun aufgrund der Stimulation durch Gonadotropine (LH und FSH) zu Granulosazellen weiterentwickelt. In den Granulosazellen der heranwachsenden Follikel wird das Anti-Müller-Hormon (AMH) produziert. Da jeder Follikel in der Regel eine Oozyte enthält, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem AMH-Spiegel und der Anzahl an reifungsfähigen Eizellen. Um das Stratum granulosum herum entstehen außerdem Bindegewebszellen und bilden die Theca folliculi. Getrennt sind Theca- und Granulosaschicht durch eine Basalmembran. Diese wiederum stellt gleichzeitig eine Grenze für die Blutversorgung dar. Die im Sekundärfollikel befindliche Eizelle vergrößert sich des Weiteren durch die Aufnahme von Proteinen und die Ansammlung von Fetten.
  • Tertiärfollikel: Beim Übergang in die tertiäre Stufe bilden sich zudem Spalträume im Stratum granulosum. Die mit Liquor gefüllten Spalträume verschmelzen schließlich im Tertiärfollikel zu einem einzigen großen Hohlraum, auch bezeichnet als “Follikelhöhle” oder “Antrum folliculi”. Das Antrum ist von mehreren Schichten an Epithelzellen ausgekleidet. Die Theca folliculi hat sich in diesem Stadium des Follikels weiter differenziert. Die Theca externa ist eher faserreich und beinhaltet muskelähnliche Zellen. Dahingegen enthält die innere Thecazellschicht viele Zellen und Gefäße und ist endokrin aktiv.
  • Graaf-Follikel: Der dominante und sprungreife Follikel, welcher sich gegenüber allen anderen Mitstreitern durchgesetzt hat, wird als Graaf-Follikel bezeichnet. Er stellt das Endstadium des Reifeprozesses dar und weist eine Größe von rund zwei Zentimetern auf. Spezifische Kennzeichen des Graaf-Follikels sind eine große Follikelhöhle sowie der Eihügel (Cumulus oophorus) mit der Eizelle. Die Oozyte ist nach wie vor von der Zona pellucida umgeben. Daran angrenzend befindet sich eine dicht gepackte Schicht an Follikelepithelzellen, die die kranzförmige Corona radiata ausbilden. Insgesamt ist die gesamte Follikelhöhle mit Follikelepithel ausgekleidet und wird von der Theca folliculi umgeben.

Der Eisprung und die Folgen

Im gesamten Leben einer Frau reifen nur rund 400 Follikel bis zur Endstufe des Graaf-Follikels heran und vollführen den Eisprung. Am Zyklustag Nummer 14 rupturiert die Wand des Graaf-Follikels, da unter anderem der Druck im Inneren durch zunehmende Flüssigkeitsproduktion immer weiter ansteigt. Auch die Kapsel des Ovars und das umgebende Peritoneum reißen mit ein, sodass die Eizelle zunächst in den Intraperitonealraum gelangt. Zu diesem Zeitpunkt ist sie noch immer von der Zona pellucida und der Corona radiata umgeben. Anschließend wird die Oozyte vom Fimbrientrichter der Tuba uterina aufgenommen und in Richtung Uterus transportiert.

Erfolgt die Einnistung der befruchteten Eizelle außerhalb des Uterus, zum Beispiel in Peritoneum, Eileiter, Eierstock oder Zervix, kommt es zur sogenannten Extrauteringravidität. Am häufigsten erfolgt eine Einnistung in den Eileiter.

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Der Gelbkörper und die Schwangerschaftsvorbereitung

Nach dem Eisprung entwickeln sich die zurückgebliebenen Reste des Follikels (Granulosazellen und Thecaschicht) zum Gelbkörper (= Corpus luteum). Das Corpus luteum produziert Progesteron, was zusammen mit Östrogenen für die Vorbereitung des Endometriums auf die Einnistung der Eizelle sorgt. War die Befruchtung erfolgreich und hat sich die befruchtete Eizelle eingenistet, kommt es zur Produktion des Hormons hCG (humanes Choriongonadotropin). hCG stimuliert den Gelbkörper weiter. Somit wird das Endometrium aufrechterhalten.

Kann man mit einem Follikel schwanger werden?

Ja, man kann mit einem Follikel schwanger werden. Während eines Menstruationszyklus reift in der Regel mindestens ein Follikel in einem der Eierstöcke, der eine Eizelle enthält. Wenn dieser Follikel die Eizelle während der Ovulation freisetzt und diese Eizelle anschließend von einem Spermium befruchtet wird, kann eine Schwangerschaft entstehen. Daher ist die Anwesenheit eines reifen Follikels eine grundlegende Voraussetzung für die Möglichkeit einer natürlichen Schwangerschaft.

Ist in jedem Follikel ein Ei? Ja, in jedem reifen Follikel befindet sich typischerweise eine Eizelle. Die Follikel sind Strukturen in den Eierstöcken, die die Eizellen umgeben, schützen und ernähren, während sie auf ihre Reifung warten. Während des Menstruationszyklus wird normalerweise ein dominanter Follikel ausgewählt, der reift und schließlich die Eizelle während der Ovulation freisetzt. Nicht jeder Follikel erreicht jedoch diese letzte Reifestufe, die zur Freisetzung einer Eizelle führt.

Wann bildet sich ein Follikel?

Follikel beginnen sich während des Menstruationszyklus einer Frau zu bilden und reifen in der Follikelphase, die am ersten Tag der Menstruation startet und bis zur Ovulation andauert. Diese Phase dauert im Durchschnitt etwa 14 Tage, kann aber individuell variieren. Während dieser Zeit stimuliert das Follikel stimulierende Hormon (FSH) das Wachstum mehrerer Follikel, von denen normalerweise nur einer (der dominante Follikel oder Graaf-Follikel) vollständig reift und eine Eizelle zur Befruchtung bereitstellt. Die Entwicklung der Follikel ist ein entscheidender Teil des reproduktiven Zyklus einer Frau.

Was ist der Unterschied zwischen Follikel und Eizelle?

Eizelle und Follikel sind keine Synonyme. Die Eizelle (= Oozyte) stellt die weibliche Keimzelle dar, also jene Zelle, die nach der Befruchtung für die Entstehung des Embryos sorgt. Der Follikel hingegen ist eine anatomisch-funktionelle Struktur des Eierstocks. Innerhalb des Follikels kann die Eizelle geschützt heranwachsen.

Wann sieht man Follikel im Ultraschall?

Follikel können im Ultraschall bereits in den frühen Phasen ihres Wachstums im Menstruationszyklus einer Frau sichtbar gemacht werden, oft schon ab dem dritten oder vierten Tag des Zyklus. Während der Follikelphase, die bis zur Ovulation andauert, können Ärzte die Entwicklung der Follikel mittels Ultraschall verfolgen, um Größe und Reife zu beurteilen. Der dominante Follikel, der zur Freisetzung einer Eizelle führt, erreicht typischerweise eine Größe von etwa 18 bis 24 Millimetern im Durchmesser, bevor er ovuliert. Diese bildgebende Technik wird häufig in der Fertilitätsbehandlung eingesetzt, um den optimalen Zeitpunkt für die Befruchtung zu bestimmen.

Ultraschallbild, das mehrere Follikel in einem Eierstock zeigt

Hat jede Frau Follikel?

Prinzipiell hat jede gesunde Frau, die sich im reproduktiven Alter befindet, Follikel in ihren Eierstöcken. Ab der Pubertät bis zur Menopause reifen jeden Monat Follikel, wobei normalerweise ein Follikel dominant wird und eine Eizelle für die mögliche Befruchtung freisetzt. Nach der Menopause hört die Follikelreifung und damit die Fähigkeit zur natürlichen Schwangerschaft auf. Krankheiten, die die Ovarien beeinflussen, können jedoch die Anzahl und die Qualität der Follikel sowie den allgemeinen ovulatorischen Zyklus einer Frau beeinträchtigen.

Zyklusmonitoring: Ein Schlüssel zum Erfolg in der Kinderwunschklinik

Zyklusmonitoring ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren, das Frauen dabei hilft, ihren Körper besser zu verstehen und die fruchtbaren Tage zu bestimmen. Durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und Hormonbestimmungen können Ärzte das Wachstum von Eibläschen in den Eierstöcken sowie die Qualität und Dicke der Gebärmutterschleimhaut beurteilen. Dies ermöglicht nicht nur die Ermittlung des Eisprungs, sondern auch die Festlegung des optimalen Zeitpunkts für eine Befruchtung.

Wie Zyklusmonitoring funktioniert

Das Zyklusmonitoring ist ein strukturierter Prozess, der darauf abzielt, die individuellen Phasen der Fruchtbarkeit einer Frau zu identifizieren. Der Ablauf umfasst typischerweise folgende Schritte:

  1. Erstberatung: Besprechung der medizinischen Vorgeschichte, bisheriger Schwangerschaften und des Lebensstils.
  2. Baseline Ultraschall und Hormontests: Zwischen dem 2. und 5. Zyklustag werden Eierstöcke und Gebärmutter beurteilt sowie Hormone wie Östrogen, Progesteron, LH und FSH analysiert, um ein individuelles Fruchtbarkeitsprofil zu erstellen.
  3. Follikulometrie: Ab etwa dem 10. Zyklustag wird das Wachstum der Follikel und die Qualität des Endometriums regelmäßig überwacht.
  4. Bestimmung des Eisprungs: Mittels Messung des luteinisierenden Hormons (LH) im Blut oder Urin wird der Eisprung präzise bestimmt. Gegebenenfalls kann der Eisprung durch eine gezielte Hormongabe (HCG-Trigger) exakt festgelegt werden.
  5. Überwachung der Gelbkörperphase: Messung des Progesteronspiegels in der zweiten Zyklushälfte zur Bewertung der Gelbkörperfunktion und Vorbereitung des Endometriums.
  6. Bewertung und Anpassung: Analyse aller gesammelten Daten zur Erstellung individuell zugeschnittener Therapiepläne.

Die Ergebnisse des Zyklusmonitorings sind von unschätzbarem Wert für Paare mit Kinderwunsch, da sie die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft maximieren.

Ovarielle Reserve und ihre Bedeutung

Die ovarielle Reserve der Frau nimmt mit zunehmendem Alter rapide ab, wodurch auch die Chance auf eine Schwangerschaft sinkt. Die Anzahl der Follikel im Mutterleib, bei Geburt, Pubertät und im späteren Leben variiert stark:

Zeitpunkt Follikelzahl (ca.)
Fötus im Mutterleib 6 - 7 Millionen
Geburt 1 - 2 Millionen
Beginn Pubertät 500.000
30 Jahre 100.000 - 150.000
50 Jahre 0

Diese Zahlen stellen grobe Orientierungswerte dar. Zur genaueren Abschätzung der ovariellen Reserve können hormonelle Tests (AMH, FSH, LH, Östradiol) durchgeführt werden. Die Messung der Follikelzahl mittels eines transvaginalen Ultraschalls (antral follicle count, AFC) zwischen dem zweiten und fünften Zyklustag ist aktuell die aussagekräftigste Methode.

Künstliche Befruchtung als Option

Wenn die Eizellreserve erschöpft ist oder andere Gründe eine natürliche Empfängnis verhindern, besteht die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung. Hierbei muss zunächst eine Eizelle aus einem reifen Follikel entnommen werden, ein Vorgang, der als Follikelpunktion bezeichnet wird. Nach der Follikelpunktion stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) oder die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI).

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