Fieber ist ein häufiger Grund für den Besuch beim Kinderarzt oder in der Notaufnahme. Bei Kindern tritt es häufiger auf als bei Erwachsenen, da sie Krankheitserreger zum ersten Mal durchmachen. Fieber ist eine bewährte Strategie vieler Lebewesen, auf Krankheitserreger oder zerstörte Zellen zu reagieren. Gesteuert wird die Körpertemperatur im Hypothalamus, einem Teil des zentralen Nervensystems, der wie ein Thermostat den Soll-Wert für die Körpertemperatur einstellt.
Normalerweise liegt die Kerntemperatur bei etwa 37 Grad Celsius (°C) und schwankt im Tagesverlauf um etwa ein halbes Grad. Bewegung oder zu warme Kleidung können die Körpertemperatur erhöhen. Bei gesunden Kindern liegt die Kerntemperatur in der Regel zwischen 36,5 und 37,5 °C. Steigt sie auf bis zu 38,5 Grad, spricht man von erhöhter Temperatur. Ab 38,5 Grad liegt Fieber vor, und ab 39,5 °C spricht man von hohem Fieber.
Da die Temperaturregelung bei kleineren Kindern noch nicht vollständig ausgereift ist, schwitzen sie bei Wärme weniger als ältere Kinder und Erwachsene. Fieber wird durch exogene und endogene Pyrogene ausgelöst, wie z. B. Bestandteile von Bakterien, Viren, anderen Krankheitserregern oder zerstörten Zellen. Eine erhöhte Körpertemperatur erschwert Bakterien und Viren die Replikation, während das Immunsystem besser arbeiten kann. Der Körper erzeugt mehr Wärme durch Aktivierung des Sympathikus und des Stoffwechsels, was zu einer Verengung der Hautgefäße und Muskelzittern führt. Dies erhöht den Energiebedarf: Bei einer Erhöhung der Körpertemperatur um 2 bis 3 °C steigt der Energiebedarf um 20 Prozent.
Von Fieber abzugrenzen ist die Überwärmung (Hyperthermie), bei der die Körpertemperatur stark ansteigt, ohne dass der Soll-Wert im Gehirn erhöht ist. Dies geschieht, wenn der Körper von außen oder innen aufgeheizt wird und sich nicht ausreichend kühlen kann, z. B. durch Sauna, heißes Bad oder starke körperliche Anstrengung.
Fieber messen: Methoden und Genauigkeit
Die rektale Fiebermessung ist die genaueste Methode. Ein digitales Fieberthermometer sollte angefeuchtet oder mit etwas Creme bestrichen und vorsichtig in den After eingeführt werden. Nach der Messung muss das Thermometer gründlich gereinigt werden.
Wenn das Kind eine rektale Messung nicht akzeptiert, empfiehlt sich die Messung unter der Achsel oder mit einem Ohrthermometer. Bei der Ohrmessung muss das Ohr leicht nach hinten und oben gezogen werden, damit der Infrarotstrahl das Trommelfell erreicht. Die gemessenen Werte können je nach Methode und Ausführung deutlich abweichen.

Wann ist ein Arztbesuch notwendig?
Die Notwendigkeit eines Arztbesuchs oder des Einsatzes von fiebersenkenden Mitteln hängt nicht primär von der gemessenen Gradzahl ab, sondern maßgeblich vom Zustand des Kindes. Professor Dr. Tim Niehues betont, dass der Zustand des Kindes ausschlaggebender sei als die genaue Temperatur.
Empfehlungen für den Arztbesuch:
- Säuglinge unter drei Monaten: Bereits bei leichtem Fieber ab 38,0 °C.
- Babys im Alter von drei bis sechs Monaten: Bei einer Körpertemperatur von mindestens 39 °C.
Bei Neugeborenen liegt die Inzidenz schwerer bakterieller Infektionen bei 10 Prozent, bei Säuglingen von einem bis drei Monaten bei 5 Prozent. Eine bakterielle Infektion kann schnell zu einer Sepsis führen und ist bei Neugeborenen mit einer Sterblichkeit von 10 Prozent verbunden.
Weitere Symptome einer schweren bakteriellen Infektion können sein:
- Blaufärbung der Haut (Zyanose)
- Gesteigerte Atemfrequenz (Tachypnoe)
- Schlechte periphere Durchblutung
- Stecknadelkopfgroße Einblutungen unter der Haut (Petechien)
- Hohes Fieber über 40 °C (rektal gemessen)
Diagnostik und Behandlung durch den Arzt
In Deutschland gibt es keine einheitliche Leitlinie für das Vorgehen bei fiebernden Kindern. Der Arzt wird in der Regel die Fiebermessung wiederholen und gezielte Fragen stellen:
- Seit wann fiebert das Kind?
- Wie hoch war die höchste gemessene Temperatur und gab es Schwankungen?
- Gibt es weitere Symptome wie Schmerzen, Infekte der Atemwege, Husten, Durchfall, Ausschlag, Anzeichen einer Blinddarm- oder Hirnhautentzündung oder Krampfanfälle?
Obwohl meist keine ernsthafte Erkrankung vorliegt, liegt die Herausforderung für den Arzt darin, die wenigen ernsten Fälle rechtzeitig zu erkennen.
Häufige und seltene Ursachen für Fieber
Drei-Tage-Fieber (Roseola infantum)
Eine sehr häufige und in der Regel harmlose Erkrankung bei Säuglingen und Kindern unter drei Jahren. Sie beginnt plötzlich, dauert drei bis vier Tage und klingt abrupt ab. Erst danach tritt der typische kleinflächige, rote Hautausschlag auf, der sich vor allem an Brust, Bauch und Rücken ausbreitet. Verursacher ist das humane Herpesvirus (HHV) Typ 6. Während der Fieberphase können die Kinder schwer krank wirken und sollten ärztlich untersucht werden. Fast alle Kinder machen diese Infektion bis zum Ende des dritten Lebensjahrs durch und sind danach lebenslang immun.

Andere Ursachen für Fieber
- Infektionen: Viren oder Bakterien (z. B. Erkältung, Mittelohrentzündung, Harnwegs- oder Magen-Darm-Infekt, Kinderkrankheiten wie Mumps, Masern, Röteln, Scharlach, Windpocken).
- Impfungen: Als Reaktion des Immunsystems auf die Impfung.
- Durstfieber: Bei zu geringer Flüssigkeitsaufnahme, z. B. bei Erbrechen oder Durchfall.
- Hautkrankheiten: Z. B. Nesselsucht.
- Ernsthafte Erkrankungen (eher selten): Lungen- oder Hirnhautentzündung, Blinddarmentzündung, Gelenk- oder Knochenmarksinfektion.
- Stoffwechselerkrankungen (sehr selten).
- Rheumatische Erkrankungen (sehr selten).
- Allergische Reaktionen auf Lebensmittel und Medikamente (sehr selten).
- Sonnenbrand und Sonnenstich/Hitzschlag: Hohes Fieber kann auf einen Hitzschlag hinweisen, der lebensbedrohlich sein kann.
Bei Neugeborenen ist Fieber eher selten, tritt es auf, liegt häufig ein schwerer Infekt vor, der eine stationäre Behandlung erfordert. Bei Säuglingen im Alter von einem bis drei Monaten treten vermehrt virale Infektionen (z. B. mit Respiratory-Syncytial-, Influenza- und Enteroviren) sowie bakterielle Harnwegsinfektionen auf.
Fieber unklarer Genese
Eine besondere Herausforderung stellt das Monitoring und die Behandlung von Fieber ohne erkennbare Ursache (kürzer als sieben Tage) oder Fieber unklarer Genese (länger als sieben Tage) dar. Hält das Fieber länger als sieben Tage an, gibt es eine S1-Leitlinie für das weitere Vorgehen. Der Arzt legt hierbei Wert auf eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung.
Mögliche Ursachen, neben Krankheitserregern (ca. 50% der Fälle), sind:
- Autoimmunerkrankungen
- Medikamente (z. B. Ampicillin, Cefaclor, Vancomycin)
- Entzündliche Erkrankungen (z. B. juvenile idiopathische Arthritis)
- Krebserkrankungen (z. B. Leukämien, Lymphome, Neuroblastome)
In 10 bis 30 Prozent der Fälle gelingt es laut Studien nicht, die Fieberursache zu finden.
Akutes rheumatisches Fieber
Nach einer Mandel- und Rachenentzündung durch β-hämolysierende Streptokokken kann ein bis drei Wochen später akutes rheumatisches Fieber auftreten. Dies führt zu einer Entzündung des Herzens (Karditis) und der Gelenke (Poststreptokokken-Arthritis). In der Akutphase kommt es typischerweise zu einer Herzklappeninsuffizienz. Bei einem chronischen Verlauf können sich Entzündungsprozesse in Herzklappen, Gelenken, Gehirn, Blutgefäßen und unter der Haut manifestieren. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem vierten und zehnten Lebensjahr.
Die Behandlung erfolgt mit Penicillin V oder Makroliden/Cephalosporinen über zehn Tage. Bei einmaligem Auftreten besteht ein hohes Rezidivrisiko, was zu weiteren Schäden führen kann. Die Betroffenen müssen je nach Herzzustand über Jahre Antibiotika einnehmen.
Fiebersenkende Medikamente: Wann und wie?
Fiebersenkende Mittel (Antipyretika) werden heutzutage zurückhaltender eingesetzt, da Fieber dem Körper in der Regel hilft, Probleme zu bewältigen. Eine Fixierung auf die Körpertemperatur sollte vermieden werden; stattdessen sollten Eltern auf Zeichen einer schweren Erkrankung achten (Atmung, Hautveränderungen, Verhalten, Bewusstseinszustand).
Anwendungsgebiete für fiebersenkende Mittel:
- Wenn das Kind dehydriert ist und kaum Flüssigkeit zu sich nimmt.
- Wenn das Kind stark beeinträchtigt ist.
- Wenn das Kind zusätzlich Schmerzen hat (z. B. Mittelohrentzündung).
- In speziellen Situationen: Schockzustand, Bronchiolitis, Grunderkrankungen (chronische Herz-, Lungen- oder Darmleiden).
Wichtiger Hinweis: Nach einer Impfung sollten fiebersenkende Mittel in der Regel nicht eingesetzt werden, um die Immunreaktion nicht zu beeinträchtigen.
Dosierung und Wirkstoffe
Antipyretika werden nach Gewicht, nicht nach Alter dosiert.
- Paracetamol: Gilt als Mittel der Wahl für Neugeborene und Kinder. Es ist wirksam, sicher und gut verträglich bei korrekter Dosierung (10-15 mg/kg Körpergewicht (KG) alle 4-6 Stunden, Tageshöchstmenge 60 mg/kg KG). Die Wirkung tritt nach 30-60 Minuten ein und hält 4-6 Stunden an. Die rektale Applikation als Suppositorium eignet sich bei Erbrechen oder Lethargie.
- Ibuprofen: Alternative für ältere Säuglinge und Kinder (zugelassen ab 3-8 Monaten bzw. 6-8 kg KG). Dosierung: 10 mg/kg KG alle 6-8 Stunden, maximale Tagesdosis 40 mg/kg. Eine genaue Berechnung der Dosis auf Basis des Körpergewichts ist unerlässlich.
Nebenwirkungen: Bei korrekter Dosierung von Paracetamol treten kaum Nebenwirkungen auf. Bei Ibuprofen können vereinzelt Gastritis, Magen-Darm-Geschwüre und Nierenschäden auftreten.
Kombinationstherapie: Die kombinierte oder abwechselnde Gabe von Paracetamol und Ibuprofen ist nicht evidenzbasiert und kann das Risiko für Nebenwirkungen und Überdosierungen erhöhen.
Anwendungstipp: Fiebersaft sollte nicht in den Rachen gespritzt, sondern vorsichtig und langsam in die Wangentasche geträufelt werden, um ein Verschlucken zu vermeiden.
Metamizol (Novaminsulfon): Kann vom Arzt verordnet werden, wenn das Fieber trotz Paracetamol- oder Ibuprofen-Gabe nicht sinkt. Seltene, aber lebensgefährliche Nebenwirkungen wie anaphylaktischer Schock, Agranulozytose und schwere Hautreaktionen sind möglich.
Acetylsalicylsäure (ASS): Darf bei Kindern und Jugendlichen nur unter strenger Indikationsstellung eingesetzt werden, da ein Verdacht auf Auslösung eines Reye-Syndroms besteht.
Hausmittel bei Fieber
Hausmittel wie Wadenwickel können unterstützend wirken, ihre Wirksamkeit ist jedoch umstritten. Sie kühlen den Körper nur von außen. Sie sollten nur angewendet werden, wenn das Kind warme Füße hat und sie als angenehm empfindet. Bei kleinen Kindern sollten Wadenwickel nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet und nicht länger als zehn Minuten aufgelegt werden.
Lauwarme Waschungen können ebenfalls erfrischend wirken.
Heilpflanzen wie Linden- und Holunderblüten in Form von Tees wirken schweißtreibend und beruhigend und können den Körper auf natürliche Weise unterstützen.

Fieberkrämpfe bei Kindern
Etwa zwei bis fünf von 1000 Kindern erleiden bis zum fünften Lebensjahr mindestens einmal einen Fieberkrampf. Dieser ist meist harmlos und vergeht ohne Folgeschäden. Steigt die Körpertemperatur sehr schnell an, kann die Muskulatur verkrampfen. Das Kind zuckt und streckt sich unnatürlich, kann die Augen verdrehen oder der Blick wird starr.
Verhalten bei einem Fieberkrampf:
- Kind vor Verletzungen schützen.
- Ruhe bewahren.
- Kind seitlich lagern, damit es gut atmen kann und Erbrochenes nicht in die Lunge gelangt.
- Kleidung lockern.
Ein Fieberkrampf dauert meist weniger als eine Minute, maximal drei bis vier Minuten. Hält er länger an, sollte der Notarzt gerufen werden.
Ein Kind mit Fieberkrämpfen in der Vorgeschichte benötigt nicht zwingend ein Antipyretikum.
Fieberträume
Fieber kann auch zu intensiven, oft bizarren und beunruhigenden Träumen führen, sogenannten Fieberträumen. Diese treten bevorzugt während fieberhafter Phasen auf und werden durch die erhöhte Körpertemperatur und die veränderte Gehirnaktivität beeinflusst. Bei Kindern äußern sie sich oft durch unruhigen Schlaf, starkes Schwitzen und Lautäußerungen im Schlaf. Die Träume verschwinden in der Regel, sobald das Fieber sinkt.
Einfache Maßnahmen wie eine angenehme Schlafumgebung, das Vermeiden von Störquellen, atmungsaktive Bettwäsche, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und das Senken der Körpertemperatur können helfen, Fieberträume zu reduzieren.
Fieber fühlt sich schrecklich an, ist aber eigentlich fantastisch!
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
- Fieber ist eine normale Abwehrreaktion des Körpers.
- Die genaue Temperatur ist weniger wichtig als der Allgemeinzustand des Kindes.
- Bei Säuglingen unter drei Monaten ist bei Fieber ab 38,0 °C sofort ein Arzt aufzusuchen.
- Fiebersenkende Mittel nur bei Bedarf und nach Gewicht dosiert einsetzen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essenziell.
- Bei Fieberkrämpfen Ruhe bewahren und das Kind seitlich lagern.
- Bei Unsicherheit oder besorgniserregenden Symptomen immer einen Arzt konsultieren.