Schwimmhilfen für Kleinkinder: Sicherheit und Testberichte

Die Debatte über den Sinn und Unsinn von Schwimmhilfen für Kleinkinder ist langwierig. Unbestritten ist jedoch, dass sie Kindern helfen können, ihre anfängliche Angst vor dem Wasser zu überwinden und ihnen beim Erlernen des Schwimmens ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Kritiker bemängeln jedoch, dass Schwimmhilfen den natürlichen Bewegungsablauf behindern und später ein Umlernen erfordern könnten. Zudem wird angeführt, dass Kinder mit Schwimmhilfen den natürlichen Auftrieb des Wassers möglicherweise schlechter wahrnehmen.

Einigkeit herrscht in einem Punkt: Kinder sollten so früh wie möglich schwimmen lernen, idealerweise im Alter von etwa vier Jahren. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Informationen zum Thema Schwimmhilfen zusammen, basierend auf verschiedenen Tests und Expertenmeinungen.

Schema mit verschiedenen Arten von Schwimmhilfen: Schwimmflügel, Schwimmringe, Schwimmwesten, Schwimmgürtel, Schwimmkissen

Vielfalt der Schwimmhilfen: Von Flügeln bis Westen

Auf dem Markt gibt es eine breite Palette an Schwimmhilfen, die sich in Material, Form und Funktion unterscheiden. Dazu gehören:

  • Schwimmflügel: Klassische aufblasbare Hilfen, die am Oberarm befestigt werden.
  • Schwimmscheiben: Aus Schaumstoff gefertigte Scheiben, die nicht aufgeblasen werden müssen und schrittweise reduziert werden können.
  • Schwimmgürtel und Schwimmkissen: Diese Hilfen bieten Auftrieb und lassen die Arme frei, können aber bei falscher Anbringung verrutschen.
  • Schwimmwesten: Bieten einen hohen Auftrieb und halten den Kopf sicher über Wasser, schränken aber die Bewegungsfreiheit ein. Sie sind für Kinder ab zwei Jahren erhältlich, sowohl aufblasbar als auch mit integrierten Auftriebsmitteln.
  • Schwimmanzüge mit eingenähten Auftriebsmitteln: Auch als Bojen-Schwimmanzüge bekannt, bieten sie Sicherheit und oft auch UV-Schutz, sind aber preislich höher angesiedelt.
  • Schwimmsitze: Vor allem für Kleinkinder und Babys gedacht, eignen sie sich eher zum Planschen als zum Schwimmenlernen und sollten mit Schwimmflügeln kombiniert werden.
  • Schwimmbretter: Geeignet für Kinder, die bereits erste Schwimmversuche unternehmen, dienen sie dem Üben der Beinbewegungen.

Wichtig: Luftmatratzen, aufblasbare Pool-Tiere und Schwimmreifen sind als Spielzeug konzipiert und keine geeigneten Schwimmhilfen für Kleinkinder.

Sicherheit geht vor: Worauf beim Kauf zu achten ist

Die Sicherheit von Schwimmhilfen hat oberste Priorität. Experten und Testinstitute betonen die Wichtigkeit bestimmter Kennzeichnungen und Merkmale:

Prüfnormen und Siegel

  • EN 13138: Diese europäische Norm legt die Sicherheitsanforderungen für Schwimmlernhilfen fest. Achten Sie auf die Kennzeichnung EN 13138-1 auf der Verpackung.
  • GS-Siegel: Das GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit) bestätigt, dass das Produkt auf Schadstoffe und Sicherheit geprüft wurde.
  • TÜV-Siegel: Ähnlich wie das GS-Siegel steht der TÜV für geprüfte Sicherheit.

Konstruktive Merkmale für Sicherheit

  • Mehrere Luftkammern: Schwimmflügel und andere aufblasbare Hilfen sollten über mindestens zwei separate Luftkammern verfügen. Fällt eine Kammer aus, bieten die anderen weiterhin Auftrieb.
  • Sicherheitsventile: Ventile mit Rückschlagkappen verhindern das ungewollte Entweichen von Luft.
  • Schadstofffreiheit: Achten Sie auf Produkte, die frei von bedenklichen Weichmachern wie Phthalaten, DINCH und DEHT sind. Ein starker Plastikgeruch kann ein Indikator für Schadstoffe sein.
  • Passform: Schwimmhilfen müssen gut sitzen und dürfen nicht verrutschen oder einschnüren. Dies gilt insbesondere für Schwimmwesten, die eng anliegen sollten.
  • Keine scharfen Kanten: Die Schwimmhilfe sollte keine scharfen Kanten oder Kleinteile aufweisen, die abreißen und verschluckt werden könnten.
Nahaufnahme eines Schwimmflügels mit sichtbarem Sicherheitsventil und der Kennzeichnung EN 13138

Testberichte und Expertenmeinungen: Was die Stiftung Warentest und andere sagen

Verschiedene Tests haben gezeigt, dass nicht alle Schwimmhilfen halten, was sie versprechen. Insbesondere günstigere Modelle aus dem Ausland wurden teilweise mit erheblichen Sicherheitsmängeln und Schadstoffen beanstandet.

Stiftung Warentest (2011 und aktuellere Berichte)

Die Stiftung Warentest hat wiederholt Schwimmhilfen geprüft. Im Test von 2011 wurden beispielsweise die Bema Original Schwimmflügel als einzige Schwimmhilfe als sicher, schadstofffrei und korrekt gekennzeichnet eingestuft. Sie sind nach wie vor ein bewährter Klassiker.

Aktuellere Tests (z.B. 2024) heben oft runde Schwimmflügel hervor, da sie keine spitzen Ecken haben und durch zusätzliche Schaumkerne auch bei Luftverlust für Auftrieb sorgen. Modelle wie die Flipper Swimsafe Schwimmflügel erhielten Bestnoten für Sicherheit und Handhabung. Sie zeichnen sich durch eine Anti-Rutsch-Folie und einen PE-Schaumkern aus.

Schwimmscheiben wie die von Delphin (Fashy) werden als aufblasfreie Alternative geschätzt. Sie ermöglichen eine schrittweise Anpassung des Auftriebs, können aber beim Tragen scheuern.

Kritikpunkte bei Tests waren unter anderem:

  • Unzureichender Auftrieb (z.B. bei Fashy Schwimmflügeln)
  • Leicht abreißbare Ventilkappen
  • Falsche Anwendungshinweise (z.B. bei Fashy Schwimmgürtel)
  • Hohe Schadstoffbelastung (z.B. Chrom VI bei Decathlon Schwimmflügeln, Weichmacher bei Edwekin)
  • Verrutschen oder Kentern von Schwimmsitzen und Schwimmringen

Expertenmeinungen der DLRG

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) rät insbesondere von Schwimmsitzen und Schwimmringen ab. Diese seien für die Wassergewöhnung ungeeignet, da sie den direkten Wasserkontakt verhindern und eine trügerische Sicherheit vermitteln. Auch Halsringe werden aufgrund möglicher negativer Auswirkungen auf die Halswirbelsäule kritisch gesehen.

Die DLRG betont, dass Schwimmhilfen keine Lebensversicherung gegen Ertrinken darstellen. Eltern sollten ihre Kinder niemals unbeaufsichtigt lassen, auch nicht mit Schwimmhilfe.

Augen auf beim Schwimmwestenkauf | Kanujugend

Schwimmhilfe vs. Schwimmlernhilfe: Ein wichtiger Unterschied

Experten unterscheiden zwischen:

  • Schwimmhilfen (z.B. Schwimmwesten): Sie unterstützen Kinder, die bereits schwimmen können, aber noch unsicher sind.
  • Schwimmlernhilfen (z.B. Schwimmflügel, Gürtel, Kissen): Diese sind für Anfänger gedacht, die noch keine Schwimmkenntnisse besitzen. Sie helfen, die richtige Position im Wasser zu finden und Auftrieb zu geben.

Unabhängig von der Art der Schwimmhilfe ist das richtige Anlegen und die ständige Aufsicht durch Erwachsene unerlässlich.

Alternativen und Ergänzungen zum Schwimmenlernen

Neben den klassischen Schwimmhilfen gibt es weitere Ansätze, Kindern das Schwimmen näherzubringen:

  • Schwimmkurse: Professionell geleitete Kurse sind oft die effektivste Methode, um Kindern das Schwimmen beizubringen. Angesichts der aktuellen Knappheit an Kursplätzen kann es jedoch sinnvoll sein, die Grundlagen selbst zu vermitteln.
  • Spielerische Wassergewöhnung: Regelmäßige Besuche im Schwimmbad, bei denen Kinder planschen, springen und tauchen können, helfen, die Angst vor dem Wasser abzubauen.
  • Schwimmbretter und Poolnudeln: Diese können als Hilfsmittel dienen, um die Schwimmbewegungen zu üben, sobald die Grundfertigkeiten wie Schweben und Gleiten beherrscht werden.
  • Haiflosse (SwimFin) und Schlori-Schwimmkissen: Diese Produkte werden am Rücken befestigt und ermöglichen eine natürlichere Wasserlage als Schwimmflügel, was das Erlernen der Schwimmbewegungen erleichtern kann. Sie werden teilweise auch von Schwimmschulen eingesetzt.

Die beste Schwimmhilfe sind letztendlich aufmerksame und verantwortungsbewusste Eltern, die ihre Kinder stets im Auge behalten und ihnen die nötige Sicherheit und Unterstützung im Wasser bieten.

Grafik, die die verschiedenen Klassen von Schwimmhilfen (A, B, C) gemäß EN 13138 erklärt

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