Lachgas als Schmerzmittel bei der Geburt: Eine moderne Alternative

Die Geburt ist ein einzigartiges Ereignis im Leben einer Frau. Um diesen Moment für werdende Mütter so angenehm wie möglich zu gestalten, gewinnen alternative Methoden zur Schmerzlinderung zunehmend an Bedeutung. Eine dieser Methoden, die in modernen Kreißsälen wieder an Popularität gewinnt, ist die Anwendung von Lachgas.

Was ist Lachgas?

Lachgas, mit dem korrekten Namen Distickstoffmonoxid (N₂O), ist ein farbloses Gas, das zur Gruppe der Stickoxide gehört. Es ist eines der ältesten Narkosemittel, das der Medizin bekannt ist. Ursprünglich seit Mitte des 19. Jahrhunderts als kurzzeitiges Narkosemittel eingesetzt, findet es heute, teils in modifizierter Form, wieder vermehrt Anwendung in verschiedenen medizinischen Bereichen, einschließlich der Geburtshilfe.

Anwendung von Lachgas bei der Geburt

Die Anwendung von Lachgas während der Geburt wird als Gemisch aus 50 Prozent Lachgas und 50 Prozent Sauerstoff verabreicht. Dieses Gemisch wird über eine Maske inhaliert, die die Gebärende selbstständig über Mund und Nase hält. Die Anwendung kann in verschiedenen Phasen der Geburt erfolgen, von der Eröffnungsphase über die Pressphase bis hin zur Versorgung von Geburtsverletzungen nach der Entbindung.

Der Ablauf der Anwendung

Der Ablauf ist in der Regel unkompliziert. Nach einer kurzen Anleitung durch das medizinische Personal inhaliert die schwangere Frau das Gasgemisch. Die Wirkung tritt schnell ein, oft schon nach wenigen Atemzügen. Die Frau behält während der Anwendung das Bewusstsein und kann sich frei bewegen. Dies ermöglicht eine Flexibilität bei der Wahl der Geburtsposition und fördert die aktive Teilnahme der Mutter am Geburtsvorgang.

Schema zur Inhalation von Lachgas während der Geburt mit einer Maske und dem mobilen Gerät

Selbstbestimmung und Mobilität

Ein wesentlicher Vorteil von Lachgas ist die Möglichkeit der Selbstbestimmung. Die Gebärende kann die Intensität der Schmerzlinderung durch die Häufigkeit und Tiefe der Inhalation selbst steuern. Lässt die Schmerzwahrnehmung nach, kann die Maske abgenommen werden, und die Wirkung lässt innerhalb weniger Minuten nach. Dies steht im Kontrast zu anderen Schmerzmitteln, deren Wirkung länger anhält und weniger individuell dosierbar ist. Die Mobilität der Frau wird durch die Anwendung von Lachgas nicht eingeschränkt, was ihr ermöglicht, verschiedene Positionen einzunehmen, die sie als angenehm empfindet.

Wirkung und Vorteile von Lachgas

Lachgas zielt nicht darauf ab, den Geburtsschmerz vollständig auszuschalten, sondern ihn erträglicher zu machen, indem es die Schmerzspitzen nimmt. Gleichzeitig hat es eine entspannende und angstlösende Wirkung, die den Geburtsverlauf positiv beeinflussen kann. Viele Frauen berichten von einem Gefühl der Ruhe und einer gedämpften Wahrnehmung der Situation, vergleichbar mit einem leichten Rausch.

Vorteile im Überblick

  • Schnelle Wirkung: Die Schmerzlinderung tritt innerhalb von Minuten nach Beginn der Inhalation ein.
  • Kurze Wirkdauer: Die Wirkung lässt nach Absetzen der Inhalation rasch nach.
  • Selbstbestimmung: Die Frau kann die Dosierung nach eigenem Empfinden anpassen.
  • Mobilität: Die Gebärende bleibt während der Anwendung beweglich.
  • Bewusstsein: Die Frau bleibt bei vollem Bewusstsein und kann kommunizieren.
  • Positive Auswirkungen auf das Ungeborene: Meist werden die Herztöne besser, da die Mutter entspannter ist.
  • Keine Nachteile für die Mutter: Im Gegensatz zu Opiaten muss der Körper das Lachgas nicht lange abbauen.
Infografik, die die Vorteile von Lachgas bei der Geburt gegenüber PDA und Opiaten aufzeigt

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Obwohl Lachgas als relativ sicher gilt, sind wie bei jedem Schmerzmittel mögliche Nebenwirkungen nicht auszuschließen. Dazu gehören:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel, Benommenheit oder ein Gefühl der Desorientierung
  • In seltenen Fällen Halluzinationen

Diese Nebenwirkungen treten meist nur vorübergehend auf und lassen nach Absetzen des Gases nach. Es ist wichtig zu beachten, dass Lachgas die Wirkung anderer sedierender Medikamente verstärken kann.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Bei bestimmten Vorerkrankungen oder Mangelzuständen ist besondere Vorsicht geboten. Dazu zählen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Sedierungen können den Kreislauf beeinflussen.
  • Vitamin-B12- oder Folsäuremangel: Lachgas kann Vitamin B12 vorübergehend inaktivieren und Stoffwechselprozesse beeinflussen, die für Nervenfunktion und Zellteilung wichtig sind. Bei bestehendem Mangel kann sich das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.

Schwangere, die sich für Lachgas interessieren, sollten dies unbedingt vorab mit ihren Gynäkologen und Hebammen besprechen. Einige Experten weisen auch auf den potenziellen Schaden für die Umwelt hin, da Lachgas ein starkes Treibhausgas ist.

Lachgas im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln

Lachgas wird oft als Alternative oder Ergänzung zur Periduralanästhesie (PDA) und zu Opiaten betrachtet. Während die PDA Schmerzen sehr zuverlässig ausschaltet, ist sie ein invasiver Eingriff, der die Mobilität einschränken kann. Opiate lindern Schmerzen, können aber stärkeren Einfluss auf die Atmung von Mutter und Kind haben und länger im Körper verbleiben.

Vergleichstabelle

Merkmal Lachgas (N₂O/O₂) Periduralanästhesie (PDA) Opiate
Wirkungseintritt Schnell (Minuten) Langsam (15-30 Min.) Schnell (Minuten)
Wirkdauer Kurz (solange Inhalation) Lang (Stunden) Moderat
Schmerzlinderung Reduziert Spitzen, nicht schmerzfrei Hohe Schmerzlinderung bis Schmerzfreiheit Moderate Schmerzlinderung
Mobilität Erhöht Stark eingeschränkt Eingeschränkt
Bewusstsein Vollständig Erhöht, aber eingeschränkt Eingeschränkt
Nebenwirkungen (häufig) Übelkeit, Schwindel Blutdruckabfall, Fieber, Kopfschmerzen Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit
Invasivität Nicht-invasiv (Maske) Invasiv (Katheter im Rücken) Invasiv (Injektion/Infusion)

Wo kann mit Lachgas entbunden werden?

Nicht jede Klinik verfügt über die notwendige technische Ausstattung oder die entsprechenden Sicherheitsprotokolle für die Anwendung von Lachgas im Kreißsaal. Kliniken wie das Klinikum Saarbrücken bieten diese moderne Schmerztherapie jedoch bereits an. Es ist ratsam, sich im Vorfeld bei den behandelnden Ärzten oder Hebammen zu erkundigen, welche Kliniken diese Option anbieten, und gegebenenfalls eine Klinik zu wählen, die auf diese Form der Schmerzbehandlung spezialisiert ist.

Geburt mit PDA ja oder nein? Hebammentipps von Laura

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