Rektusdiastase nach Kaiserschnitt: Ursachen, Behandlung und Übungen

Während der Schwangerschaft passt sich der weibliche Körper an die wachsende Gebärmutter an. Organe verschieben sich, die Haut dehnt sich und die geraden Bauchmuskeln weichen auseinander. Diese Muskeln verlaufen senkrecht rechts und links neben dem Bauchnabel und sind durch Bindegewebe verbunden. Der Druck der wachsenden Gebärmutter dehnt dieses Bindegewebe, was zu einem Spalt zwischen den Muskeln führt - der sogenannten Rektusdiastase. Auf der Haut wird dieser Spalt oft als braune Linie sichtbar, die als Linea alba bezeichnet wird.

Nach der Geburt ist eine Rektusdiastase zunächst völlig normal. Studien zufolge ist der Muskelspalt bei den meisten Frauen anfangs mindestens zwei Finger breit. Bei etwa der Hälfte der Frauen schließt sich die Rektusdiastase innerhalb eines Jahres. Spezielle Übungen im Wochenbett und während der Rückbildungskurse helfen dabei, den Körper nach der Geburt zu stabilisieren. Bei manchen Frauen bleibt ein kleiner Spalt zurück, was jedoch nicht zwangsläufig ein Problem darstellt. Entscheidend ist nicht die Größe der Lücke, sondern die allgemeine Stabilität des Körpers.

Schema der Rektusdiastase: Darstellung der geraden Bauchmuskeln und des Spaltes dazwischen.

Ursachen und Risikofaktoren für eine Rektusdiastase

Obwohl eine Rektusdiastase nach der Geburt häufig vorkommt, gibt es Faktoren, die das Risiko für eine ausgeprägtere oder persistierende Diastase erhöhen können. Dazu gehören:

  • Mehrlingsschwangerschaften: Das erhöhte Gewicht und der Druck auf die Bauchmuskulatur können die Entstehung einer Rektusdiastase begünstigen.
  • Große Kinder bei schlanken Frauen: Ein großes Baby in einer schlanken mütterlichen Statur kann zu einer stärkeren Dehnung der Bauchmuskulatur führen.
  • Vorangegangener Kaiserschnitt: Eine Kaiserschnittnarbe kann die Stabilität der Bauchwand beeinflussen und das Risiko für eine Rektusdiastase erhöhen.
  • Mehrere Geburten: Wiederholte Schwangerschaften können die Bauchmuskulatur überlasten und die Wahrscheinlichkeit einer Rektusdiastase erhöhen.

Neben Schwangerschafts-bedingten Ursachen können auch starkes Übergewicht (Adipositas) oder Bauchoperationen zu einer Rektusdiastase führen. Die Lücke zwischen den beiden Muskelsträngen ist dabei häufiger oberhalb des Bauchnabels zu sehen. Insbesondere bei Druck aus dem Bauchraum kann sich die Bauchdecke zwischen den beiden Muskelbereichen nach vorne wölben.

Diagnose der Rektusdiastase

Eine Rektusdiastase lässt sich in der Regel gut ertasten. Dazu legt man sich auf den Rücken und hebt den Kopf leicht an. Durch die Anspannung der Bauchmuskulatur wird der Spalt zwischen den geraden Bauchmuskeln spürbar. Eine erfahrene Physiotherapeutin oder Hebamme kann den Abstand der Muskelstränge und das Ausmaß der Lücke beurteilen. In einigen Fällen, insbesondere bei starkem Übergewicht, können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) zur genaueren Diagnose eingesetzt werden. Dies ist besonders wichtig, um mögliche Bauchdeckenbrüche zu erkennen.

Eine Frau tastet ihren Bauch ab, um eine Rektusdiastase zu ertasten.

Behandlung und Übungen zur Stärkung der Körpermitte

Wenn die Rektusdiastase trotz gezielter Rückbildungsübungen nicht ausreichend zurückgeht oder wenn sie Beschwerden verursacht, ist eine gezielte physiotherapeutische Behandlung ratsam. Das Hauptziel ist die Festigung der Körpermitte, insbesondere die Aktivierung der tiefen Bauchmuskeln und des Beckenbodens. Diese Muskeln bilden ein inneres Korsett, das die Organe und die Wirbelsäule schützt und stabilisiert.

Wichtige Grundsätze beim Training:

  • Fokus auf tiefe Bauchmuskeln: Vermeiden Sie Übungen, die die geraden, oberflächlichen Bauchmuskeln stark beanspruchen (wie klassische Sit-ups oder Crunches), da diese den Spalt vergrößern können.
  • Bewusste Ansteuerung: Lernen Sie, die tiefen Bauch- und Beckenbodenmuskeln bewusst anzusteuern, sodass sie bei jeder Bewegung automatisch stabilisieren.
  • Regelmäßigkeit: Mehrmals pro Woche 15-30-minütige Trainingseinheiten sind für den Erfolg entscheidend.
  • Geduld: Beginnen Sie mit dem Training frühestens sechs Wochen nach der Geburt, und nach einem Kaiserschnitt kann der richtige Zeitpunkt auch später liegen. Lassen Sie sich die Übungen von einer erfahrenen Therapeutin zeigen.

Beispielhafte Übungen zur Kräftigung der Körpermitte:

Diese Übungen sollten idealerweise unter Anleitung einer Physiotherapeutin erlernt werden, um eine korrekte Ausführung sicherzustellen.

  1. Grundspannung aufbauen:
    • Legen Sie sich auf den Rücken, die Beine sind aufgestellt, der untere Rücken in neutraler Position (weder Hohlkreuz noch rund).
    • Atmen Sie ein, und beim Ausatmen ziehen Sie den Bauchnabel langsam und sanft nach innen und oben.
    • Stellen Sie sich vor, Sie würden die Beckenkämme mit den inneren Muskeln aufeinander zubewegen, als ob das Becken schmaler würde.
    • Halten Sie diese Spannung über vier ruhige Atemzüge. Der Rücken bleibt dabei stabil.
  2. Beckenheben mit seitlicher Beinbewegung:
    • Legen Sie sich auf den Rücken, Beine aufgestellt, unterer Rücken neutral. Bauen Sie die Grundspannung auf (wie in Übung 1).
    • Beim Einatmen bewegen Sie das rechte Knie nach außen.
    • Beim Ausatmen bewegen Sie das Knie mithilfe der Beckenboden- und Bauchmuskulatur wieder zur Mitte zurück. Das Becken unter den Händen darf sich dabei nicht bewegen.
    • Wiederholen Sie dies mit dem linken Knie.
  3. Beinheben im rechten Winkel:
    • Legen Sie sich mit aufgestellten Beinen auf den Rücken. Bauen Sie die Grundspannung auf.
    • Beim nächsten Ausatmen heben Sie das rechte Bein in einen rechten Winkel über der Hüfte an.
    • Nehmen Sie beim nächsten Ausatmen das linke Bein dazu.
    • Halten Sie beide Beine für einige Atemzüge oben und stellen Sie sie dann ausatmend nacheinander wieder ab.
  4. Isometrische Anspannung mit Bein-/Armbewegung:
    • Legen Sie sich auf den Rücken mit aufgestellten Beinen. Bauen Sie die Grundspannung auf.
    • Heben Sie beide Beine im rechten Winkel über die Hüfte an.
    • Legen Sie beide Hände nah am Knie auf den linken Oberschenkel. Drücken Sie Knie und Hände gegeneinander.
    • Beim Ausatmen versuchen Sie, das rechte Bein so weit wie möglich zu strecken, und beim Einatmen ziehen Sie es wieder heran.
    • Wiederholen Sie dies dreimal, dann dreimal mit dem anderen Bein.

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Sport nach Rektusdiastase

Sobald die Körpermitte stabil ist und die Bauchmuskeln wieder normal belastbar sind, kann mit sportlichen Aktivitäten begonnen werden. Die Wahl des Sports hängt auch vom Zustand des Beckenbodens ab. Sportarten, die mit Hüpfen verbunden sind, wie beispielsweise Joggen oder Springen, sind oft erst ein bis anderthalb Jahre nach der Geburt wieder möglich. Achten Sie auf Warnsignale: Wenn beim Springen unwillkürlich Urintröpfchen verloren gehen, ist es ratsam, noch abzuwarten und den Beckenboden sowie die Körpermitte weiter zu kräftigen.

In sehr seltenen Fällen, wenn die Rektusdiastase trotz intensiven Trainings instabil bleibt und erhebliche Beschwerden verursacht, kann eine operative Korrektur in Erwägung gezogen werden. Dies ist jedoch die Ausnahme, und in den meisten Fällen lässt sich eine deutliche Verbesserung durch gezielte Übungen erzielen.

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