Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Ursachen, Symptome und Behandlung

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten Hormonstörungen bei Frauen im gebärfähigen Alter und eine der häufigsten Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch. Es handelt sich um ein komplexes Syndrom, das durch eine Kombination verschiedener Symptome gekennzeichnet ist, deren Entstehung noch nicht vollständig geklärt ist. Der Name leitet sich von einem der Hauptmerkmale ab: der Bildung vieler kleiner Eibläschen (oft fälschlicherweise als Zysten bezeichnet) in den Eierstöcken.

Was ist PCOS?

PCOS ist gekennzeichnet durch ein hormonelles Ungleichgewicht, bei dem die Eierstöcke zu viele männliche Hormone (Androgene) produzieren. Dies führt zu einer gestörten Funktion der Eierstöcke und kann verschiedene Symptome hervorrufen.

Die Eierstöcke bei PCOS

Bei einem normalen Zyklus verteilen sich die Follikel gleichmäßig in den Eierstöcken. Bei Frauen mit PCOS sind die Follikel jedoch oft am äußeren Rand der Eierstöcke angeordnet, während sich in der Mitte dichtes Gewebe befindet. Der Eierstock selbst ist im Vergleich zu einem gesunden Eierstock vergrößert. Diese Veränderungen können manchmal der einzige Befund sein, ohne dass weitere Symptome auftreten. In den meisten Fällen geht PCOS jedoch mit einer Reihe von Symptomen einher.

Darstellung eines gesunden Eierstocks im Vergleich zu einem polyzystischen Eierstock mit vielen kleinen Follikeln am Rand.

Der normale Menstruationszyklus im Überblick

Um die Störungen bei PCOS zu verstehen, ist es hilfreich, den normalen Menstruationszyklus zu betrachten. Dieser ist ein komplexes Zusammenspiel von Hypothalamus, Hypophyse, Eierstöcken und Gebärmutter:

  • Hypothalamus und Hypophyse: Der Hypothalamus reguliert die Hormonproduktion und regt die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) zur Ausschüttung von FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) an.
  • FSH: Stimuliert das Wachstum eines Follikels (Eibläschens) in den Eierstöcken und fördert die Östrogenproduktion.
  • Östrogen: Bewirkt das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Ein hoher Östrogenspiegel hemmt die FSH-Ausschüttung und stimuliert die LH-Freisetzung.
  • LH-Peak: Ausgelöst durch den hohen Östrogenspiegel, führt der LH-Peak zur Mitte des Zyklus zum Eisprung (Ovulation).
  • Progesteron: Nach dem Eisprung produzieren die Eierstöcke zusätzlich Östrogen auch Progesteron. Dieses Hormon bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vor.
  • Menstruation: Wenn keine Befruchtung stattfindet, sinken Östrogen und Progesteron, was zur Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut und zur Menstruation führt.

Was bei PCOS anders abläuft

Frauen mit PCOS können keinen dominanten Follikel ausbilden. Die angelegten Eier entwickeln sich zwar, bleiben aber im unreifen Zystenstadium stecken. In diesem Stadium werden vermehrt Androgene (männliche Hormone) produziert, während die Produktion von Progesteron gering ist. Dies kann zu unregelmäßigen oder ausbleibenden Menstruationszyklen führen.

Ursachen von PCOS

Die genauen Ursachen von PCOS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen eine Rolle spielt. In vielen Familien treten PCOS-Fälle gehäuft auf, was auf eine erbliche Veranlagung hindeutet.

Genetische und umweltbedingte Faktoren

Es gibt Hinweise darauf, dass Gene eine Rolle spielen. Allerdings hängt PCOS auch eng mit dem Lebensstil zusammen. Insbesondere Übergewicht spielt eine bedeutende Rolle. Etwa drei Viertel der betroffenen Frauen haben einen erhöhten Body-Mass-Index (BMI).

Hormonelle Störungen

Bei PCOS besteht ein hormonelles Ungleichgewicht. Die Eierstöcke produzieren zu viele männliche Hormone (Androgene). Dies kann zu folgenden Problemen führen:

  • Ausbleiben des Eisprungs.
  • Veränderungen der Körperbehaarung (z.B. vermehrter Haarwuchs an untypischen Stellen für Frauen).
  • Akne.

Das PCO-Syndrom zeichnet sich durch folgende Störungen der Eierstöcke aus:

  • Die Eierstöcke sind mit vielen kleinen Eibläschen durchsetzt (polyzystische Ovarien).
  • Ein Zyklus erfolgt oft ohne Eisprung.
  • Die Regelblutung ist unregelmäßig oder bleibt komplett aus.

Symptome von PCOS

Die Symptome von PCOS können von Frau zu Frau stark variieren. Zu den Hauptmerkmalen gehören:

Zyklusstörungen

  • Oligomenorrhoe: Seltene oder sehr lange Abstände zwischen den Regelblutungen (mehr als 35 Tage).
  • Amenorrhoe: Ausbleiben der Periode.
  • Anovulation: Fehlender oder seltener Eisprung.

Ovulationsprobleme können in unregelmäßige, schwache oder fehlende Monatsblutungen münden.

Androgenüberschuss (Hyperandrogenämie)

Ein erhöhter Spiegel männlicher Hormone kann sich durch folgende Symptome äußern:

  • Akne: Insbesondere hartnäckige Akne im Erwachsenenalter.
  • Hirsutismus: Vermehrter Haarwuchs nach männlichem Muster (z.B. im Gesicht, an der Brust, am Bauch oder Rücken).
  • Haarausfall: Haarausfall nach klassisch "männlichem" Muster (Geheimratsecken, dünner werdendes Haar am Oberkopf).
  • Fettige Haut und Haare.

Polyzystische Ovarien

Bei der Ultraschalluntersuchung sind typischerweise mehr als 12 kleine Follikel (Bläschen) mit einem Durchmesser von 2-9 mm pro Eierstock sichtbar, die perlschnurartig unter der Oberfläche liegen.

Weitere mögliche Symptome und Begleiterkrankungen

Frauen mit PCOS können zusätzlich folgende Probleme aufweisen:

  • Übergewicht und Gewichtszunahme: Viele Betroffene neigen zu Übergewicht, wobei sich das zusätzliche Fett bevorzugt um die Taille ansammelt.
  • Insulinresistenz und Diabetes mellitus Typ 2: Erhöhte Insulinspiegel (Hyperinsulinämie) sind ein häufiges Problem. Fettgewebe sondert chemische Substanzen ab, die zu einer reduzierten Insulinsensitivität führen. Mangelnde körperliche Betätigung kann dies verschärfen. Unbehandelt kann Insulinresistenz zu Prädiabetes und Diabetes mellitus Typ 2 führen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Eine reduzierte Insulinsensitivität stört den Fettstoffwechsel im Blut und erhöht das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen.
  • Hoher Blutdruck.
  • Erhöhter Cholesterinspiegel.
  • Unerfüllter Kinderwunsch: PCOS ist eine häufige Ursache für Unfruchtbarkeit oder Schwierigkeiten beim Schwangerwerden.
  • Psychische Belastungen: Sorgen um den Kinderwunsch, körperliche Veränderungen und mögliche Folgeerkrankungen können zu psychischem Stress, negativen Körperbildern, Essstörungen oder Depressionen führen.
  • Veränderungen am Darm-Mikrobiom.

Bei einem Teil der Frauen mit PCOS kann zusätzlich ein erhöhter Spiegel von Insulin, einem Hormon der Bauchspeicheldrüse, festgestellt werden. Insulin wird benötigt, um Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen zu leiten, wo er zur Energiegewinnung genutzt wird. Ein vermehrtes Auftreten von Insulin hat jedoch einen ungünstigen Einfluss auf die Follikelreifung und stimuliert die Bildung des Androgens Testosteron. Zudem unterdrückt Insulin in der Leber die Bildung des Sexualhormon-bindenden-Globulins (SHBG), was zu einem Anstieg des freien Testosterons im Blut führt.

Infografik, die die Wechselwirkungen zwischen Insulinresistenz, Androgenüberschuss und den Symptomen von PCOS darstellt.

Diagnose von PCOS

Die Diagnose von PCOS basiert auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und spezifischen Tests. Die sogenannten Rotterdam-Kriterien werden häufig angewendet, nach denen mindestens zwei der drei Hauptkriterien erfüllt sein müssen:

  1. Zyklusstörungen: Seltenen oder fehlenden Eisprung, lange Abstände zwischen den Regelblutungen oder Ausbleiben der Periode.
  2. Erhöhter Spiegel männlicher Sexualhormone (Androgene) im Blut und/oder äußere Anzeichen eines Androgenüberschusses (z.B. Akne, Hirsutismus).
  3. Zahlreiche kleinblasige Veränderungen der Eierstöcke (polyzystische Ovarien) im Ultraschall.

Körperliche Untersuchung und Anamnese

Der Arzt wird nach Ihrer Krankengeschichte fragen, insbesondere nach Zyklusstörungen, Kinderwunsch, Akne, Körperbehaarung und Gewichtszunahme. Bei der körperlichen Untersuchung können Akne, Hirsutismus oder Übergewicht weitere Hinweise geben.

Hormonuntersuchung im Labor

Eine Blutentnahme dient der Bestimmung verschiedener Hormone:

  • FSH (Follikelstimulierendes Hormon)
  • LH (Luteinisierendes Hormon)
  • Testosteron und freies Testosteron
  • Androstendion (ASD)
  • Dehydroepiandrosteron (DHEA, DHEAS)
  • Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG)
  • Estradiol (E2)
  • Prolaktin
  • Insulin

Bei PCOS ist typischerweise das Verhältnis von LH zu FSH erhöht (oft größer als 2), während die Androgenkonzentrationen erhöht sind und das SHBG erniedrigt ist. Dies führt zu einem erhöhten Spiegel an freiem Testosteron.

Ultraschalluntersuchung

Eine vaginale Ultraschalluntersuchung dient der Beurteilung der Eierstöcke. Normalerweise sind 3 bis 8 Follikel pro Eierstock zu sehen. Bei PCOS zeigt der Ultraschall oft mehr als 12 Follikel pro Eierstock, die perlschnurartig unter der Oberfläche angeordnet sind.

Spezielle Labortests

  • Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): Dieser Test wird oft zusammen mit der Bestimmung des Insulinspiegels durchgeführt, um eine Insulinresistenz festzustellen. Bei vorliegender Insulinresistenz steigt die Insulinkonzentration im Verlauf des Tests stark an.
  • Dexamethason-Test: Dieser Test dient der Lokalisation der Androgenproduktion, da diese von den Eierstöcken und Nebennieren ausgehen kann. Er hilft, andere Ursachen für einen Androgenüberschuss auszuschließen.

Behandlung von PCOS

Die Behandlung von PCOS ist individuell und richtet sich nach den spezifischen Symptomen und dem Kinderwunsch der Frau. Es gibt keine universelle Heilung, aber die Symptome können effektiv gemildert und Folgeerkrankungen vorgebeugt werden.

Lebensstiländerungen

Ein gesunder Lebensstil ist die Basis jeder PCOS-Therapie:

  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme entscheidend. Sie kann den Hormonhaushalt normalisieren, die Insulinsensitivität verbessern und die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Ovulation erhöhen. Ein BMI von unter 25 kg/m² ist ideal.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine kalorienreduzierte, entzündungshemmende Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, sowie moderaten Mengen gesunder Fette, ist empfehlenswert. Zucker, Weißmehl und sehr fettige Lebensmittel sollten reduziert werden.
  • Regelmäßige körperliche Bewegung: Moderate Ausdauertrainings und Kraftsport (2-3 Mal pro Woche) verbessern die Insulinsensitivität und das allgemeine Wohlbefinden.
  • Stressmanagement: Techniken zur Stressbewältigung können sich positiv auf den Hormonhaushalt auswirken.

Ernährungsberatung und professionelle Unterstützung beim Sport können sehr hilfreich sein.

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Medikamentöse Behandlung

Bei Kinderwunsch:

  • Metformin: Dieses Medikament wird häufig bei Insulinresistenz eingesetzt. Es verbessert die Insulinsensitivität und kann die Follikelreifung sowie den Eisprung fördern.
  • Clomifen / Letrozol: Diese Medikamente werden zur Stimulation des Eisprungs eingesetzt. Letrozol ist ein Aromatasehemmer, der die Östrogenproduktion signalisiert und so die FSH-Ausschüttung anregt.
  • FSH-Injektionen: Wenn orale Medikamente nicht wirken, können tägliche Injektionen von FSH das Wachstum der Eibläschen stimulieren. Hierbei besteht ein erhöhtes Risiko für Mehrlingsschwangerschaften, weshalb eine sorgfältige Überwachung mittels Ultraschall notwendig ist.

Bei fehlendem Kinderwunsch (zur Symptomkontrolle):

  • Antibabypille: Die Pille unterdrückt die Bildung von Androgenen und kann Symptome wie Akne und Hirsutismus lindern. Sie reguliert den Zyklus, löst aber nicht die Ursache des Problems. Oft werden Pillen mit antiandrogener Wirkung bevorzugt.
  • Progesteron-Substitution: Die Gabe von Progesteron (z.B. vom 12.-26. Zyklustag) kann helfen, ein hormonelles Gleichgewicht herzustellen und die Menstruation auszulösen.
  • Spironolacton: Dieses Medikament hat eine antiandrogene Wirkung und kann bei übermäßigem Haarwuchs und Akne eingesetzt werden. Eine Schwangerschaft muss während der Einnahme unbedingt vermieden werden.
  • Saw Palmetto Kapseln: Können bei PCOS-bedingter Akne hilfreich sein.
  • Inositol: Dieses Präparat kann die Insulinempfindlichkeit verbessern, Androgene senken und die Eierstockfunktion regulieren.

Reproduktionsmedizinische Verfahren

Wenn medikamentöse und hormonelle Behandlungen nicht zum Erfolg führen, stehen weitere Optionen zur Verfügung:

  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Bei der IVF werden Eizellen außerhalb des Körpers befruchtet. Bei PCOS-Patientinnen muss hierbei besonders auf das Risiko einer Überstimulation geachtet werden.
  • Laparoskopischer Drilling (LOD): Bei diesem minimalinvasiven chirurgischen Eingriff werden kleine Löcher in die Eierstöcke gemacht, um die Funktion zu verbessern. Diese Methode kann ähnlich effektiv wie FSH-Injektionen sein, birgt aber nicht das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften.

Risiken und Langzeitfolgen von PCOS

Unbehandelt kann PCOS zu verschiedenen Langzeitfolgen führen:

  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel)
  • Gebärmutterkrebs: Durch den ständigen Östrogeneinfluss ohne Progesteron kann die Gebärmutterschleimhaut übermäßig wachsen.
  • Schwangerschaftskomplikationen: Bei schwangeren Frauen mit PCOS treten häufiger Gestationsdiabetes, Fehl- und Frühgeburten auf.

Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung sind daher essenziell, um diese Risiken zu minimieren.

PCOS und Kinderwunsch

PCOS ist zwar eine häufige Ursache für Fruchtbarkeitsstörungen, aber es bedeutet nicht zwangsläufig Unfruchtbarkeit. Viele Frauen mit PCOS können mit der richtigen Behandlung schwanger werden.

Schwanger werden mit PCOS

Frauen mit PCOS haben oft gelegentlich einen normalen Eisprung und können daher auch ohne Behandlung schwanger werden. Wenn dies nicht der Fall ist, können verschiedene Therapien helfen:

  • Gewichtsreduktion und Lebensstiländerungen sind oft die effektivste erste Maßnahme.
  • Medikamentöse Stimulation des Eisprungs (Clomifen, Letrozol, FSH-Injektionen).
  • Reproduktionsmedizinische Verfahren wie IVF.

Es ist wichtig, dass Frauen mit Kinderwunsch eng mit ihrem Arzt zusammenarbeiten und alle verfügbaren Optionen besprechen.

Schwangerschaftsrisiken bei PCOS

Obwohl eine Schwangerschaft möglich ist, sind bei Frauen mit PCOS bestimmte Risiken erhöht:

  • Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)
  • Fehlgeburten
  • Frühgeburten
  • Präeklampsie

Eine engmaschige ärztliche Überwachung während der Schwangerschaft ist daher unerlässlich.

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