Die Position des Kindes im Mutterleib vor der Geburt, auch Kindslage genannt, spielt eine entscheidende Rolle für den Geburtsverlauf. Generell hat das Baby in den ersten Schwangerschaftsmonaten viel Platz, um sich frei zu bewegen und seine Position zu ändern. Mit fortschreitender Schwangerschaft wird der Raum enger, und die Bewegungen nehmen ab. Die meisten Babys nehmen bis zur 34. Schwangerschaftswoche ihre endgültige Lage ein.

Definition und Klassifizierung der Kindslage
Die Kindslage beschreibt, wie sich der Fötus im Mutterleib positioniert hat. Diese Position wird durch vier Begriffe bestimmt:
- Lage (Situs): Bezieht sich auf die Beziehung der Längsachse des Babys zur Längsachse der Mutter.
- Stellung (Positio): Gibt an, auf welcher Seite der Rücken des Kindes liegt.
- Haltung (Habitus): Beschreibt, wie Kopf, Arme und Beine des Babys bei der Geburt positioniert sind.
- Einstellung (Praesentatio): Definiert die Beziehung des vorangehenden Teils des Kindes zum Geburtsweg.
Alle diese Faktoren sind für Hebammen und Ärzte wichtig, da sie den Geburtsmechanismus und damit den Ablauf der Geburt beeinflussen. Die Kindslage wird während der Schwangerschaft und Geburt kontrolliert, da sie unter Umständen darüber entscheiden kann, ob ein Kaiserschnitt notwendig ist.
Die verschiedenen Kindslagen
Schädellage (Kopflage)
Die Schädellage gilt als die ideale und regelrechte Geburtsposition. Etwa 94 bis 96 Prozent aller Föten nehmen diese Lage rechtzeitig zur Geburt ein. Dabei ist die Körperachse des Babys parallel zur Körperachse der Mutter ausgerichtet, und der Kopf zeigt nach unten in Richtung des mütterlichen Beckens.
Innerhalb der Schädellage gibt es weitere Unterscheidungen:
- Vordere Hinterhauptslage: Der Hinterkopf des Babys schiebt sich zuerst durch den Geburtskanal. Dies ist die häufigste und vorteilhafteste Position.
- Hintere Hinterhauptslage ("Sternengucker"): Etwa ein Prozent der Babys in Schädellage blicken mit dem Gesicht nach oben. Diese Position kann den Geburtsverlauf etwas erschweren.
Die vordere Hinterhauptslage ist die optimale Voraussetzung für eine vaginale Geburt, da der Kopf den Geburtsweg am besten vorbereitet und aufdehnt.
Beckenendlage (Steißlage, BEL)
Die Beckenendlage (BEL), auch Steißlage genannt, tritt in etwa drei bis sechs Prozent aller Schwangerschaften auf. Hierbei liegt das Gesäß oder die Füße des Kindes in Richtung des Geburtskanals, während der Kopf unterhalb des Rippenbogens der Mutter liegt.
Die Beckenendlage gilt als Lageanomalie, da Gesäß oder Füße weniger gut geeignet sind, den Geburtsweg aufzudehnen. Dies kann zu Komplikationen führen, wie:
- Abdrücken der Nabelschnur, wenn der Kopf noch in der Gebärmutter verweilt.
- Hoher Druck auf den Kopf und die Wirbelsäule des Babys.
- Sauerstoffmangel (Asphyxie) oder Hirnblutungen beim Neugeborenen.
Obwohl eine vaginale Geburt aus der Steißlage grundsätzlich möglich ist, wird sie nur selten durchgeführt und erfordert ein erfahrenes Geburtsteam. Risikofaktoren für eine Beckenendlage können sein:
- Atypische Form der Gebärmutter (z.B. herzförmig).
- Gutartige Tumore der Gebärmutter (Myome).
- Angeborene Gebärmutterfehlbildungen.
- Verengtes mütterliches Becken.
- Zu wenig oder zu viel Fruchtwasser.
- Mehrlingsschwangerschaften.
- Kurze Nabelschnur.
- Frühgeburt.
Es gibt verschiedene Varianten der Beckenendlage, abhängig von der Position der Beine:
- Reine Steißlage: Das Gesäß liegt voran, die Beine sind nach oben geschlagen.
- Steiß-Fuß-Lagen: Eine oder beide Füße liegen ebenfalls im Geburtskanal.
- Reine Fußlagen: Ein oder beide Füße liegen voran.
- Knielagen: Ein oder beide Knie liegen voran.
Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein Kaiserschnitt bei BEL nicht immer notwendig ist. Die Entscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem erwarteten Gewicht des Kindes, dem Fehlen von Fehlbildungen und dem Verhältnis zwischen mütterlichem Becken und kindlichem Kopf.
Schräglage
Bei der Schräglage liegt das Baby nicht parallel zur Wirbelsäule der Mutter, sondern schräg im Bauch. Der Kopf oder das Gesäß zeigen dabei seitlich am Geburtskanal vorbei. Diese Lage wird auch als "unsichere Kindslage" bezeichnet, da sich die meisten Babys in Schräglage noch in eine Längs- oder Querlage drehen.
Querlage
Die Querlage ist die problematischste Kindslage. Hier liegt das Baby waagerecht im Bauch, sodass seine Längsachse im 90-Grad-Winkel zur mütterlichen Längsachse steht. Aus dieser Position ist eine vaginale Entbindung nicht möglich. Bleibt das Baby bis zuletzt in der Querlage, ist ein Kaiserschnitt erforderlich. Diese Lageanomalie kommt selten vor (weniger als ein Prozent der Babys in der 40. Schwangerschaftswoche).

Diagnose der Kindslage
Die Kindslage wird während der Schwangerschaft und Geburt von medizinischem Fachpersonal überwacht. Die Diagnose erfolgt auf verschiedene Weisen:
- Ultraschalluntersuchung: Dies ist die gängigste Methode zur genauen Bestimmung der Kindslage.
- Leopold-Handgriffe: Hebammen und Gynäkologen können durch Abtasten des Bauches die Position des Kindes ertasten. Dies umfasst das Ertasten des Fundusstandes, die Beurteilung des oberen und unteren Kindsteils sowie die Einschätzung der Beweglichkeit und Lage des kindlichen Kopfes.
- Vaginale Untersuchung: Kann zusätzliche Informationen über die Einstellung des vorangehenden Teils geben.
- Ortung der Herztöne: Die Position, an der die kindlichen Herztöne am besten zu hören sind, kann Hinweise auf die Kindslage geben.
Die ermittelte Kindslage wird im Mutterpass dokumentiert.
Maßnahmen zur Anregung der Drehung des Kindes
Wenn sich das Baby nach der 34. Schwangerschaftswoche noch in einer ungünstigen Lage befindet, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um es zur Drehung in die Schädellage anzuregen:
Äußere Wendung
Bei der äußeren Wendung versucht ein Arzt oder eine Ärztin, das Baby von außen durch sanfte Handgriffe in die Schädellage zu bewegen. Dieser Eingriff wird in der Regel ab der 37. oder 38. Schwangerschaftswoche in einer Klinik durchgeführt. Medikamente werden verabreicht, um Wehen zu hemmen und die Muskulatur zu entspannen. Die Erfolgsrate liegt bei etwa 50-60 Prozent, und es besteht ein geringes Risiko für Komplikationen, die einen sofortigen Kaiserschnitt erfordern könnten.
Video einer äußeren Wendung / ECV
Yoga-Übungen und Körperhaltungen
Bestimmte Yoga-Übungen und Körperhaltungen können das Baby zur Drehung anregen:
- "Indische Brücke": Die Schwangere liegt auf dem Rücken mit erhöhtem Becken, um den Bauch nach oben wölben zu lassen. Dies soll das Baby dazu anregen, aus dem Becken zu rutschen.
- Knie-Ellenbogen-Lage: Die Schwangere begibt sich in den Vierfüßlerstand mit tief nach unten geneigtem Oberkörper, um mehr Platz für das Baby zu schaffen.
Diese Übungen sollten stets nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Hebamme durchgeführt werden.
Weitere Methoden
- Moxibustion (Moxen): Eine Methode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, bei der Akupunkturpunkte an den Zehen durch den Rauch einer Beifußzigarette stimuliert werden.
- Licht und Geräusche: Lichtquellen auf dem Bauch oder Spieluhren sollen das Baby animieren, sich zu drehen.
- Haptonomie: Gezielte Berührungen des Bauches zur Förderung des Kontakts mit dem Baby.
- Akupunktur: Kann die Gebärmuttermuskulatur anregen, birgt aber auch das Risiko vorzeitiger Wehen.
- Zilgrei-Methode: Eine spezielle Atemtechnik mit leichter Massage.
Die Wirksamkeit einiger dieser Methoden ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, aber viele Frauen berichten von positiven Erfahrungen.
Geburt bei Beckenendlage
Wenn sich das Baby trotz aller Bemühungen in Beckenendlage befindet, gibt es verschiedene Optionen:
- Spontangeburt in Steißlage: Unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Kind unter 3500 Gramm, keine Fehlbildungen, erfahrener Geburtshelfer) kann eine vaginale Geburt möglich sein.
- Geplanter Kaiserschnitt: Wird oft bevorzugt, um Risiken für Mutter und Kind zu minimieren.
Die Entscheidung für die Geburtsmethode wird individuell getroffen und sollte in Absprache mit dem medizinischen Fachpersonal erfolgen.