Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ist ein lebenswichtiges Organ, das sich während der Schwangerschaft in der Gebärmutter bildet. Sie stellt eine entscheidende Verbindung zwischen Mutter und Kind dar und übernimmt zahlreiche wichtige Funktionen:
- Produktion von Hormonen zur Aufrechterhaltung der Schwangerschaft.
- Anpassung des mütterlichen Organismus an die Schwangerschaft.
- Förderung der Entwicklung und des Wachstums des Kindes.
- Regulierung der Durchblutung der Gebärmutter.
- Einleitung der Geburt.
Über die Blutgefäße versorgt die Plazenta das Kind mit lebensnotwendigen Nährstoffen und Sauerstoff und entsorgt gleichzeitig dessen Abfallstoffe über das Blut der Mutter. Zusätzlich schützt sie das Baby vor vielen Schadstoffen und Infektionen. Alle wesentlichen Nährstoffe, Sauerstoff und Antikörper gelangen zum Kind, während die meisten Viren und Bakterien die sogenannte „Plazentaschranke“ nicht überwinden können. Allerdings können für den Embryo gefährliche Substanzen wie Nikotin und Alkohol diese Barriere passieren.

Entwicklung und Struktur der Plazenta
Die Plazenta entwickelt sich aus der befruchteten Eizelle und verankert sich in der Gebärmutterschleimhaut. Im Verlauf der Schwangerschaft wächst sie stetig. Kurz vor der Geburt erreicht sie die Form einer Scheibe mit einem Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern, einer Dicke von zwei bis vier Zentimetern und einem Gewicht zwischen 500 und 650 Gramm. Sie besteht aus Gewebe der Mutter und des Embryos und ist über die Nabelschnur mit dem Embryo verbunden. Das Besondere an der Plazenta ist, dass das Blut von Mutter und Kind nicht direkt in Kontakt kommt, was als „Plazentaschranke“ bezeichnet wird. Diese Barriere ermöglicht, dass nur bestimmte Stoffe aus dem mütterlichen Blut zum Embryo gelangen.
Was passiert mit der Plazenta nach der Geburt?
Nach der Geburt des Babys wird auch die Plazenta, die sogenannte Nachgeburt, ausgestoßen. Dies geschieht in der Regel schmerzfrei innerhalb von 30 Minuten nach der Entbindung des Kindes. Hebammen und Ärzte prüfen sorgfältig, ob das Organ vollständig ausgestoßen ist, da verbleibende Reste zu Komplikationen wie verstärkten Blutungen oder Infektionen führen können. Heutzutage wird die Plazenta meist entsorgt, obwohl es auch Traditionen und Rituale gibt, bei denen Eltern sie aufbewahren.
Hormonproduktion durch die Plazenta
Die Plazenta produziert wichtige Hormone wie Progesteron und Humanes Choriongonadotropin (HCG). HCG sorgt bereits früh in der Schwangerschaft dafür, dass eine erneute Regelblutung ausbleibt. Progesteron erhält die Gebärmutterschleimhaut aufrecht und bereitet das Brustgewebe auf die Milchproduktion vor.
Plazentainsuffizienz: Wenn die Versorgung gestört ist
Eine Plazentainsuffizienz ist eine Funktionsstörung, bei der die Durchblutung der Plazenta beeinträchtigt ist und der Stoffaustausch zwischen Plazenta und Fötus nicht richtig funktioniert. Dies gefährdet die Versorgung des Babys und kann zu Wachstumsstörungen führen. Mögliche Ursachen können Vorerkrankungen der Mutter sein, wie beispielsweise Durchblutungsstörungen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, eine gestörte Versorgung frühzeitig zu erkennen.
Häufig wird der Begriff Plazentainsuffizienz im Zusammenhang mit einer verkalkten Plazenta verwendet. Die Plazenta hat eine begrenzte Lebensdauer während der Schwangerschaft. Mit fortschreitendem Alter werden die Zellen der Plazenta nicht mehr erneuert und altes Gewebe wird abgestoßen - die Plazenta verkalkt. Dieser natürliche Prozess beginnt bei jeder Schwangeren zu unterschiedlichen Zeitpunkten und ist in der Regel kein Grund zur Sorge. Nur in sehr seltenen Fällen beginnt der Alterungsprozess sehr früh und kann zu einer Plazentainsuffizienz führen.
▶ Was genau ist eigentlich die Plazenta?
Ursachen und Risikofaktoren einer Plazentainsuffizienz
Die Gründe für eine Plazentainsuffizienz sind vielfältig. Zu den möglichen Ursachen und Risikofaktoren für eine chronische Plazentainsuffizienz zählen:
- Anlage- und Bildungsfehler der Plazenta.
- Mütterliche Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzfehler.
- Intrauterine Infektionen, bei denen Erreger von der Mutter über die Plazenta zum Kind gelangen.
- Schwangerschaftsspezifische Erkrankungen wie Präeklampsie oder Eklampsie.
- Chronisch niedriger Blutdruck (Hypotonie).
- Chronische Mangel- oder Fehlernährung.
- Rauchen.
Die akute Plazentainsuffizienz beruht auf einer akuten Durchblutungsstörung und tritt meist während der Geburt auf. Mögliche Ursachen hierfür sind:
- Komplikationen im Bereich der Nabelschnur, wie ein Nabelschnurvorfall.
- Vorzeitige Plazentalösung.
- Vena-cava-Kompressionssyndrom (Einklemmung der unteren Hohlvene durch die wachsende Gebärmutter).
- Wehensturm (zu kräftige oder zu häufige Wehen).
Symptome und Spätfolgen der Plazentainsuffizienz
Die Symptome einer Plazentainsuffizienz können vielfältig sein. Bei den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft fällt oft auf, dass das ungeborene Kind für die entsprechende Schwangerschaftswoche zu klein ist. Es kann auch weniger aktiv sein als Gleichaltrige. Die Menge an Fruchtwasser kann geringer sein (Oligohydramnion). Bei einer akuten Plazentainsuffizienz leidet der Fötus unter plötzlichem Sauerstoffmangel, was lebensbedrohlich ist und zu einer Früh- oder Totgeburt führen kann.
Viele werdende Mütter bemerken von einer Plazentainsuffizienz nichts, während andere Symptome einer Präeklampsie mit Bluthochdruck und Eiweißverlust über den Urin zeigen. Eine chronische Plazentainsuffizienz kann dazu führen, dass die Schwangere weniger an Umfang und Gewicht zunimmt als erwartet. Langfristige Folgen für das Kind können ein höheres Risiko für:
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).
- Fettleibigkeit (Adipositas).
- Bluthochdruck (arterielle Hypertonie).
- Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) sein.
Kinder, die im Mutterleib einer Plazentainsuffizienz ausgesetzt waren, schneiden in Intelligenztests später tendenziell schlechter ab. Bei Frühgeburten besteht zudem ein erhöhtes Risiko für geistige Behinderungen.

Diagnose und Behandlung der Plazentainsuffizienz
Die Diagnose einer Plazentainsuffizienz erfolgt durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Der Arzt befragt die Schwangere zu ihrer Krankengeschichte und führt Untersuchungen durch. Im Ultraschall erkennt der Arzt einen möglichen Wachstumsmangel des Kindes und beurteilt die Größe und Form der Plazenta. Eine besondere Form des Ultraschalls, die Doppler-Sonografie, stellt den Blutfluss in der Nabelschnur dar. Bei Verdacht auf eine akute Plazentainsuffizienz wird eine Kardiotokografie (CTG) durchgeführt, um die Herzschlagfrequenz des Fetus und die Wehentätigkeit aufzuzeichnen.
Eine kausale Therapie der Plazentainsuffizienz gibt es nicht. Das Ziel der Behandlung ist die rechtzeitige Entbindung, wobei angestrebt wird, die Schwangerschaft so lange wie möglich fortzuführen, ohne dass für Mutter oder Kind eine Gefahr besteht. Bei schweren Symptomen werden die Risiken einer Frühgeburt in Kauf genommen. Bei chronischer Plazentainsuffizienz wird zu Bettruhe geraten und empfohlen, Stress und körperliche Aktivität zu vermeiden. Die medikamentöse Einstellung von Blutzucker und Blutdruck ist wichtig, insbesondere bei Frauen mit Diabetes oder Bluthochdruck. Frauen mit Plazentainsuffizienz sollten unbedingt auf das Rauchen verzichten.
Nach der 37. Schwangerschaftswoche oder bei Verschlechterung der Plazentainsuffizienz wird die Geburt eingeleitet oder ein Kaiserschnitt durchgeführt. Eine akute Plazentainsuffizienz erfordert rasches Handeln, eventuell ist eine sofortige Entbindung notwendig.
Vorzeitige Plazentaablösung
Wenn sich die Plazenta vor der Geburt von der Gebärmutterwand ablöst, wird dies als Plazentaablösung bezeichnet. Je stärker die Ablösung, desto gefährlicher ist dies für Mutter und Kind. Eine vorzeitige Plazentaablösung verursacht starke Bauchschmerzen und Blutungen bei der Mutter und führt zu einer lebensgefährlichen Unterversorgung des Babys mit Nährstoffen und Sauerstoff. Dies ist ein Notfall, der eine sofortige Behandlung im Krankenhaus erfordert, gegebenenfalls auch eine vorzeitige Geburt.
Die genauen Ursachen für eine vorzeitige Plazentaablösung sind nicht immer bekannt, jedoch können Faktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und vorangegangene Ablösungen das Risiko erhöhen.
Tiefsitzende Plazenta
Normalerweise sitzt die Plazenta im oberen oder seitlichen Bereich der Gebärmutter. Wenn die Plazenta sich jedoch tiefer ansiedelt, kann dies als tiefsitzende Plazenta bezeichnet werden. Eine tiefsitzende Plazenta reicht in der Regel nicht bis zum inneren Muttermund heran, wodurch der Geburtskanal offen bleibt. In manchen Fällen kann sie jedoch bis zum inneren Muttermund reichen oder diesen teilweise bedecken (Plazenta praevia partialis).
Häufige Ursachen für eine tiefsitzende Plazenta sind vorausgehende Schädigungen des Unterleibs, beispielsweise durch Operationen oder Kaiserschnitte. Symptome treten nicht in allen Fällen auf; oft wird eine tiefsitzende Plazenta im Ultraschall entdeckt. Wenn Symptome auftreten, sind dies meist Blutungen, die ab der 20. Schwangerschaftswoche auftreten können. Starke Blutungen deuten auf eine größere Verletzung der Plazenta oder eine vorzeitige Ablösung hin. Regelmäßige Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen sind entscheidend für eine frühzeitige Erkennung. In den meisten Fällen wandert eine tiefsitzende Plazenta mit dem Wachstum der Gebärmutter weiter nach oben. Bleibt sie tief und verdeckt den Geburtskanal, ist oft ein Kaiserschnitt notwendig. Bei starken Blutungen vor dem Geburtstermin kann eine frühere Kaiserschnittentbindung erforderlich sein.
Placenta accreta Spektrum (PAS)
Das Plazenta accreta Spektrum (PAS) ist eine seltene, aber ernste Komplikation, bei der die Plazenta ungewöhnlich fest mit der Gebärmutterwand verwachsen ist. Dies kann verschiedene Grade erreichen:
- Plazenta accreta: Die Plazenta wächst über die innere Schleimhautschicht hinaus und haftet fest am Muskel.
- Plazenta increta: Die Plazenta dringt tief in die Muskelschicht der Gebärmutter ein.
- Plazenta percreta: Die Plazenta wächst durch die äußerste Schicht der Gebärmutter und kann andere Organe beeinträchtigen.
Meist zeigen Frauen mit PAS keine Symptome und die Störung wird zufällig im Ultraschall entdeckt. Risikofaktoren für PAS sind unter anderem vorangegangene Kaiserschnitte, Placenta praevia, ein Alter von mindestens 35 Jahren, mehrere frühere Schwangerschaften, Myome oder frühere Operationen an der Gebärmutter.
Die Diagnose erfolgt mittels Ultraschall und gegebenenfalls Magnetresonanztomographie (MRT). Bei Verdacht auf PAS wird in der Regel eine engmaschige Überwachung durchgeführt und die Entbindung oft einige Wochen vor dem errechneten Termin per Kaiserschnitt geplant. Im Rahmen des Kaiserschnitts wird das Baby entbunden, und da die Plazenta fest haftet und ein hohes Blutungsrisiko besteht, ist in den meisten Fällen die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) zusammen mit der Plazenta das sicherste Vorgehen.

Überwachung der Plazentafunktion
Die Gesundheit und Funktion der Plazenta während der Schwangerschaft werden durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und Bluttests überwacht. Dabei achten die Ärzte auf die korrekte Position der Plazenta und suchen nach Auffälligkeiten wie Verkalkungen oder Anzeichen einer Unterversorgung des Babys.
Frühgeburt und die Plazenta
Bei einer Frühgeburt kann die Funktion der Plazenta beeinträchtigt sein, da sie möglicherweise noch nicht vollständig entwickelt ist. In solchen Fällen ist eine intensive medizinische Betreuung in einem Perinatalzentrum unerlässlich, um das Baby optimal zu versorgen.
Traditionen und Rituale rund um die Plazenta
In einigen Kulturen wird die Plazenta als Symbol des Lebens betrachtet. In Deutschland hat sie für manche Mütter und Eltern eine besondere Bedeutung. Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Plazenta oft beerdigt und darauf ein Baum gepflanzt, da ihre Form mit den Blutgefäßen an einen Baum erinnert. Manche Mütter konsumieren die Plazenta in verarbeiteter Form (Pulver, Kapseln), was jedoch wissenschaftlich nicht belegt ist. Familien gestalten manchmal auch Plazenta-Abdrücke als Erinnerung.