Junge Elche und ihre Mütter können sich in unerwarteten Situationen wiederfinden, darunter auch die Notwendigkeit, eine Autobahn zu überqueren. Solche Begegnungen stellen eine erhebliche Gefahr für die Tiere selbst und für den Straßenverkehr dar. Die folgenden Beispiele verdeutlichen die Risiken und die Maßnahmen, die ergriffen werden, um solche gefährlichen Situationen zu bewältigen.
Ein junger Elch namens Emil in Österreich
Ein junger Elch, der den Namen Emil erhielt, wurde in Österreich zum Medienstar, nachdem er über einen Monat lang durch das Land wanderte. Seine Erkundungstour fand jedoch ein abruptes Ende, als er sich einer Autobahn näherte. Die Behörden in Oberösterreich gaben bekannt, dass Emil kurz davor stand, über den Zaun auf die Westautobahn A1 zu springen. Dies schuf eine unmittelbare Gefahr sowohl für das Tier als auch für die Autofahrer.
Die zuständige Landesrätin Michaela Langer-Weninger erklärte, dass ein Unfall in dieser Situation "Lebensgefahr für alle Beteiligten bedeutet hätte", und begründete damit die Entscheidung zur Betäubung des Tieres. Claudia Bieber von der Universität für Veterinärmedizin in Wien bestätigte, dass die Betäubung mittels eines Gewehrs "gut geklappt" habe. Nach der Betäubung wurde Emil mithilfe einer Wärmebildkamera und Drohnen verfolgt, um ihn nach dem Einsetzen der Wirkung zu lokalisieren.
Feuerwehrleute hoben den Elch vorsichtig in einen mit Stroh ausgelegten Transportanhänger. Dort kam er bald wieder zu Bewusstsein und wurde, noch leicht sediert, an den Rand des Böhmerwalds gebracht. Schließlich wurde der Bulle nahe dem tschechischen Nationalpark Šumava, einem Gebiet mit einer Elch-Population, in die Freiheit entlassen.

Aufgrund der Seltenheit von Elchen in Österreich zog Emil seit seinem Auftauchen vor gut einem Monat ein großes Interesse auf sich.
Gefährliche Begegnungen in Alaska
In Anchorage, Alaska, konnte eine Kollision zwischen einem Polizeifahrzeug und einer Elch-Mutter mit ihrem Kalb in letzter Sekunde verhindert werden. Dank der schnellen Reaktion eines Polizisten, deren Dashcam den Beinahe-Unfall auf der Autobahn dokumentierte, kamen beide Tiere unversehrt davon. Die Elche überquerten die Straße, stürzten jedoch auf den letzten Metern vor Schreck. Der Polizist konnte seinen Wagen gerade noch abbremsen, und auch die Autofahrer in der Gegenrichtung reagierten vorbildlich.

Trotz vorhandener Zäune und spezieller Unterführungen sind Zusammenstöße mit Elchen in Alaska an der Tagesordnung. Dies unterstreicht die anhaltende Problematik der Koexistenz von Wildtieren und moderner Infrastruktur.
Elche und Straßenverkehr in Deutschland
Die Gefahr durch den Straßenverkehr ist für Elche offensichtlich. Während Wölfe und Bären natürliche Feinde der riesigen Wildtiere sind, stellt der moderne Straßenverkehr eine noch größere Bedrohung dar. Auf einer Autobahn bei Berlin kam ein Elch ums Leben, als er von einem Auto angefahren wurde. Der Elch überlebte den ersten Zusammenstoß zwar, wurde jedoch anschließend von einem Lastwagen getötet. Bei diesem tragischen Unfall wurde auch ein Autofahrer verletzt, und die Strecke musste zeitweise gesperrt werden.

Elche tauchen zunehmend in Brandenburg auf. Seit 1990 wurden sie dort schätzungsweise 70 bis 100 Mal gesichtet, wie Diplom-Forstingenieur Jan Engel vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) berichtete. Insbesondere Jäger in den Gebieten an Oder und Neiße meldeten solche Sichtungen. Engel selbst beschrieb die Begegnung mit Elchen als eine "ganz eigenartige, wunderschöne Beobachtung", die ein Gefühl von "größter Wildnis von Skandinavien" vermittelt.
Die Geschäftsführerin des Wildparks Schorfheide, Imke Heiter, zeigte sich über das zunehmende Auftauchen von Elchen nicht überrascht. Sie erklärte, dass Elche zu den einheimischen Tieren gehören und in ihrem Park drei Elche leben. Auch in freier Wildbahn seien sie seit den 1970er Jahren häufiger gesehen worden, was auf "ganz alte Wildwechsel" hindeute, zu denen die Tiere zurückkehren.
Forstingenieur Engel wies darauf hin, dass es schon immer Elche in Brandenburg gab, sie jedoch nie so heimisch wie in Polen oder weiter östlich waren, sondern eher durchzogen. Zu DDR-Zeiten wurden sie sogar gejagt.
Woher der bei dem Unfall getötete Elch stammte, war zunächst unklar. Die Polizei in Bernau vermutete, dass das Tier über die Oder aus Polen nach Deutschland gekommen sei. Ein Polizeisprecher bemerkte, dass die Beteiligten anfangs noch glaubten, es handle sich um einen Hirsch.
Verkehrsunfälle mit Elchen sind vor allem aus Skandinavien bekannt, aber auch in Brandenburg gab es in der Vergangenheit bereits Vorfälle. Im August 2000 verendete ein Elch nach einem Zusammenstoß mit einem Linienbus im Spreewald. Insgesamt wurden seit der Wiedervereinigung acht tote Elche in Brandenburg gefunden.
Da Brandenburger Jäger seit Jahren immer häufiger Elche in den Wäldern beobachten, ist das Agrarministerium an einer Bestandsaufnahme interessiert. Die Forschungsstelle Wildökologie und Jagdwirtschaft beim LFE soll bis Jahresende einen Managementplan erstellen, der Empfehlungen zum Umgang mit den Tieren gibt. Jan Engel fasste das Ziel zusammen: "Es geht um eine Beschreibung der Situation und die Frage, wie gehen wir mit ihr um."
Die Rückkehr der Elche | Die Nordreportage | NDR Doku
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