Nabelbruch beim Baby: Ursachen, Erkennung und Behandlung

Ein Nabelbruch (medizinisch: Nabelhernie oder Umbilikalhernie; lat.: Hernia umbilicalis) ist bei Babys keine Seltenheit und betrifft etwa 10 bis 30 Prozent aller Neugeborenen. Bei Frühchen ist die Häufigkeit sogar noch höher, hier sind bis zu zwei Drittel der Neugeborenen betroffen. Diese Erkrankung stellt in den allermeisten Fällen keine unmittelbare Gefahr dar und verursacht bei eurem Baby in der Regel keine Schmerzen. Dennoch ist eine ärztliche Untersuchung ratsam, um den Zustand zu beurteilen und gegebenenfalls notwendige Schritte einzuleiten.

Was ist ein Nabelbruch?

Ein Nabelbruch ist im Grunde eine Bindegewebsschwäche im Nabelring. Der Nabelring ist die natürliche Öffnung in der Bauchwand, durch die das Baby während der Schwangerschaft über die Nabelschnur versorgt wurde. Nach der Geburt sollte sich diese Öffnung durch Narbengewebe schließen. Wenn dieser Prozess jedoch nicht vollständig oder zu langsam abläuft, bleibt eine Lücke, die sogenannte Bruchpforte, im Bereich des Nabels bestehen. Durch diese Lücke können sich dann Teile des Bauchfells oder Darmschlingen nach außen durch den Nabelring drücken. Dies führt zur sichtbaren Beule oder Wölbung am Nabel, dem sogenannten Bruchsack.

Der Prozess der Nabelbildung nach der Geburt ist wie folgt:

  • Nach der Geburt wird die Nabelschnur durchtrennt.
  • Der verbleibende Nabelschnurrest wird am Bauch des Babys abgebunden.
  • Der Nabelschnurrest trocknet ein und fällt nach einigen Tagen ab.
  • Die Öffnung in der Bauchwand schließt sich normalerweise durch Narbengewebe.
Schema des Nabelrings und der Bauchwandmuskulatur, das eine normale Schließung und eine Nabelhernie mit Bruchsack vergleicht

Ursachen für einen Nabelbruch bei Babys

Die Entstehung eines Nabelbruchs kann verschiedene Ursachen haben:

Angeborene Ursachen:

Bereits in der Frühschwangerschaft können sich Teile des Darms durch den Nabelring in die Nabelschnur ausdehnen. Normalerweise ziehen sich diese Darmschlingen in der 9. Schwangerschaftswoche wieder in die Bauchhöhle zurück. Wenn dies jedoch nicht geschieht und die Darmschlingen bis zur Geburt im Bereich des Nabelrings verbleiben, kommt das Baby mit einem angeborenen Nabelbruch zur Welt.

Risikofaktoren:

Bestimmte Faktoren können das Risiko für die Entwicklung eines Nabelbruchs bei Babys erhöhen:

  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Vorerkrankungen wie:
    • Trisomie 21 (Down-Syndrom)
    • Schilddrüsenunterfunktion
    • Marfan-Syndrom (eine erbliche Bindegewebserkrankung)
  • Frühgeburt (besonders bei Frühchen ist das Risiko erhöht)

Im Gegensatz zum Leistenbruch, der bei Babys häufiger Jungen betrifft, tritt der Nabelbruch bei beiden Geschlechtern gleichermaßen auf.

Wie erkennt man einen Nabelbruch beim Baby?

Ein Nabelbruch äußert sich in der Regel durch eine Schwellung oder Wölbung im Bereich des Bauchnabels. Die Größe dieser Ausstülpung kann variieren.

Besonders deutlich wird die Hernie oft, wenn das Baby:

  • weint
  • hustet
  • lacht
  • presst (z.B. beim Stuhlgang)

In diesen Situationen erhöht sich der Druck im Bauchraum, was die Ausstülpung stärker hervortreten lässt. Anschließend zieht sich die Beule entweder von selbst wieder zurück oder sie kann vorsichtig zurückgedrückt werden.

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass ein Nabelbruch nicht immer sofort durch die Bauchwand erkennbar ist. Manchmal sind erste Beschwerden nur ein leichtes Ziehen oder Missempfinden rund um den Nabel, was die Entstehung eines Bruchsacks zur Folge hat.

Foto eines Babys, das eine sichtbare Wölbung im Nabelbereich zeigt, insbesondere beim Weinen

Behandlungsmöglichkeiten bei einem Nabelbruch

In den meisten Fällen ist bei einem Nabelbruch bei Babys keine spezifische Behandlung notwendig, da sich die Hernien bei etwa 90 Prozent der betroffenen Kinder innerhalb der ersten Lebensjahre von selbst zurückbilden. Die Lücke in der Bauchwand schließt sich mit der Zeit.

Abwarten und Beobachten:

Bei einem asymptomatischen Nabelbruch (also ohne Beschwerden) ist es üblich, bis zum vierten oder fünften Lebensjahr abzuwarten, ob sich die Lücke nicht doch noch von selbst schließt. Die Methode, einen Nabelbruch bei einem Baby mit einem Bruchpflaster zu behandeln, wird heute nicht mehr angewandt.

Operation (Operativer Bauchpfortenverschluss):

Wenn sich der Nabelbruch bis zum Vorschulalter nicht zurückgebildet hat, ist eine Operation erforderlich. Der chirurgische Eingriff dient dem Verschluss der Bruchpforte.

  • Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert in der Regel nur etwa 20 bis 30 Minuten.
  • Aus ästhetischen Gründen wird bei der Operation darauf geachtet, die typische Einbuchtung des Bauchnabels zu erhalten, sodass er nicht einfach nur gerade zugenäht wird.
  • Der Eingriff kann oft ambulant erfolgen, das heißt, das Kind kann nach dem Aufwachen aus der Narkose wieder nach Hause entlassen werden.

Offene, minimal-invasive Hernienreparation mit Netz (MILOS, sublay) - Prinzip

Wann wird ein Nabelbruch gefährlich?

Obwohl Nabelbrüche bei Babys meist harmlos sind, gibt es Situationen, in denen sie gefährlich werden können:

Brucheinklemmung (Inkarzeration):

In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass sich Teile des Darms im Bruchsack einklemmen. Bei dieser sogenannten Brucheinklemmung wird das eingeklemmte Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und kann absterben. Dies ist ein Notfall, der eine sofortige operative Intervention erfordert.

Anzeichen für eine Brucheinklemmung können sein:

  • Plötzlich auftretende, starke Schmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Eine verhärtete und druckempfindliche Bauchdecke im Nabelbereich
  • Die Beule ist prall gefüllt und lässt sich nicht mehr zurückschieben

Wenn ihr solche Symptome bei eurem Baby bemerkt, sucht umgehend einen Arzt oder eine Ärztin auf!

Größenveränderung oder Schmerzen:

Auch wenn der Nabelbruch an sich keine Schmerzen verursacht, solltet ihr euch kinderärztlichen Rat suchen, wenn:

  • euer Kind Schmerzen im Bereich des Nabels zu haben scheint.
  • sich die Ausstülpung plötzlich vergrößert.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Ein Arztbesuch ist grundsätzlich ratsam, wenn euch am Bauchnabel eures Babys eine Ausstülpung auffällt oder ihr den Verdacht auf einen Nabelbruch habt. Auch wenn die Hernie in der Regel harmlos ist, kann ein Kinderarzt oder eine Kinderärztin die Ausprägung einschätzen und die weitere Vorgehensweise empfehlen.

Bei Erwachsenen kann ein Nabelbruch auch erworben sein, beispielsweise durch Bindegewebsschwäche, Übergewicht, Schwangerschaft oder das Heben schwerer Lasten. Auch hier sollte bei einer tastbaren Beule im Nabelbereich ein Arzt aufgesucht werden. Wenn die Region um den Nabel härter und schmerzempfindlicher wird, kann dies auf eine gefährliche Einklemmung hindeuten.

Diagnose und Unterschiede zu anderen Hernien

Ein Nabelbruch wird meist durch sorgfältiges Abtasten festgestellt, oft unterstützt durch Aufforderungen zum Husten oder Pressen, um den Druck im Bauchraum zu erhöhen. Mit einem Stethoskop können Darmgeräusche abgehört werden. Bei unklaren Befunden können eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie), seltener auch eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), zur Klärung beitragen.

Es ist wichtig, einen Nabelbruch von anderen Hernien, wie beispielsweise einem Leistenbruch, zu unterscheiden:

  • Nabelhernien treten rund um den Nabel auf.
  • Leistenbrüche treten in der Leistenfalte oder am Hodensack auf und sind bei Männern deutlich häufiger als bei Frauen.

Beide Hernienarten sind Lücken in der Bauchdecke, die angeboren sein oder durch Bindegewebsschwäche entstehen können.

tags: #nabelschnur #bandchen #mabe