Traditionelle Tragetücher in Afrika und ihre kulturelle Bedeutung

Das Tragetuch ist keine Erfindung unserer Zeit; es hat auf vielen Kontinenten eine lange Tradition. Wer eine Reise nach Afrika unternimmt und sich fragt: Tragetuch in Afrika - wie genutzt?, wird auf den traditionsreichen Märkten des Kontinents immer wieder Frauen sehen, die ihre Kinder auf dem Rücken tragen. Hierbei nutzen Mütter ein oft sehr buntes Tragetuch.

Natürlich gibt es auch in Afrika moderne Städte, wo das Wasser aus der Leitung kommt. Doch ebenso gibt es viele Regionen, wo die Frau das Wasser von einer Wasserstelle holen muss, die viele Kilometer von der eigenen Hütte entfernt ist. Generell wird man auf diesem Kontinent oft Frauen sehen, die sich zu Fuß fortbewegen müssen und dabei ein Kind auf dem Rücken tragen werden. Für das afrikanische Tragetuch werden dünne und sehr strapazierfähige Stoffe verwendet. Das traditionelle Tuch wird hier als Kanga oder als Pagne bezeichnet.

Frauen mit bunten Tragetüchern, die Kinder auf dem Rücken tragen, auf einem afrikanischen Markt.

Ist man auf der Suche nach einem perfekten Tragetuch für den nächsten Urlaub in heißen Regionen, dann muss die Mutter zwar nur die Rückenposition für das Kind nutzen, aber der hervorragende Stoff sorgt dafür, dass ein Kind auch im Urlaub beim Tragen nicht schwitzen muss.

Vergleich mit westlichen Tragetuchpraktiken

Im Gegensatz zu den oft detaillierten Überlegungen in westlichen Kulturen bezüglich der Wahl des Tragetuchs, der Länge und der geeigneten Tragetechniken für verschiedene Situationen, greifen afrikanische Mütter oft zu einfacheren Lösungen. Sie schnappen sich ein Handtuch oder scheinbar irgendein Tuch, wickeln es einmal herum und das ist gut. Diese "deutsche Gründlichkeit" im Umgang mit Tragetüchern steht im Kontrast zur pragmatischen Herangehensweise in vielen afrikanischen Kulturen.

Kangas halten übrigens besser als Tücher ohne Inhalt, weil das Gewicht des Kindes die Kante festzieht. Bei schweren oder älteren Kindern werden auch gerne gleich zwei Tücher genommen. Ein normales Tragetuch ist oft zu lang und zu schmal; Kangas sind meist etwa 1,5 x 1 Meter groß. Alternativ könnte man ein Baumwollbettlaken oder irgendein anderes Baumwolltuch nehmen, das annähernd die passenden Maße hat, vielleicht eine Tischdecke oder einen Pareo.

Kulturelle Unterschiede in der Kindererziehung und -pflege

Es gibt unterschiedliche Ansichten über die Auswirkungen des Tragens von Kindern auf dem Rücken. Eine Physiotherapeutin äußerte die Meinung, dass Kinder von Afrikanerinnen kaum Mimik hätten, da sie den ganzen Tag auf dem Rücken hängen und kaum mal das Gesicht der Mama sehen könnten. Auch wird die Sorge geäußert, dass Kinder möglicherweise nicht ergonomisch korrekt getragen werden.

Andererseits wird berichtet, dass Babys und Kinder in Afrika kaum weinen. Dies wird teilweise darauf zurückgeführt, dass die Kinder frühzeitig an das Tragen auf dem Rücken gewöhnt werden und dadurch stillhalten. In Kulturen, in denen Frauen hauptsächlich gebückt arbeiten, wie beispielsweise auf dem Feld, ist das Tragen anders zu bewerten. Die Kleinen liegen dort eher auf dem Rücken der Mutter und werden lediglich mit Hilfe des Tuches fixiert.

Nahaufnahme eines afrikanischen Kindes, das sicher in einem bunten Tragetuch auf dem Rücken seiner Mutter getragen wird.

In anderen Kulturen, wie bei verschiedenen Indianerstämmen in den Regenwäldern, ist die gängigste Trageweise die Hüfttrage. Die Kleinen sitzen von Beginn an in einer Hüftschlinge auf der Hüfte der Mutter, die meist nur einen Lendenschurz trägt. Dies ermöglicht den Kindern, jederzeit zu stillen, was sie auch sehr häufig tun, teilweise im 15-Minuten-Takt. Die Hüfttrage ist weltweit gesehen die am häufigsten genutzte Trageweise. Bauchtrageweisen werden als ein Zeichen von Luxus betrachtet, da sie Frauen, die arbeiten müssen, zu sehr behindern würden.

Traditionelle Kulturen leben häufig in einem anderen sozialen Umfeld mit engen Großfamilien oder Dorfgemeinschaften, in denen Kinderbetreuung selbstverständlich nebenbei laufen kann. Der enge Körperkontakt ist bei vielen Ureinwohnern ganz selbstverständlich - sowohl tags als auch nachts. Die Kinder sind immer dabei, ohne dass sie eine übergeordnete Rolle erhalten und den ganzen Tag betüddelt werden.

Stillen und Umgang mit Trotzphasen in traditionellen Kulturen

Die Frage nach dem häufigen Stillen in Kulturen, in denen Frauen viel arbeiten müssen, wirft die Überlegung auf, wie dies ohne Unterbrechung der Arbeit möglich ist. Berichten zufolge wird sich darüber keine großen Gedanken gemacht: Wenn das Kind wach ist und weint, wird es schnell an die Brust angelegt, egal wo und wann und wer dabei ist. Es ist einfach normal. Sobald das Kind satt ist, kommt es wieder auf den Rücken. Das Tragetuch wurde primär dazu benutzt, damit die Frauen arbeiten können.

Der Umgang mit Trotzphasen wird in einigen traditionellen Kulturen als weniger problematisch angesehen, da ein Kind zunächst als kaum wertvoll betrachtet wird, solange es nicht mithelfen kann oder verkauft wird (wenn es heiratet). Daher wird auf Säuglinge kaum Rücksicht genommen; sie sind einfach da, aber man muss sich nicht besonders um sie kümmern. Wenn das Kind meint, bocken zu müssen, wird es zu Hause gelassen, oder man geht eben alleine. Das bedeutet nicht, dass es keine Liebe gibt, sondern dass die Prioritäten und das Verständnis von Kindheit und Entwicklung anders gelagert sind.

Wie leben Kinder in Indien? | Der Elefant | WDR

Es ist wichtig zu betonen, dass viele dieser Beobachtungen auf persönlichen Erfahrungen und Berichten beruhen. Für ein tieferes Verständnis könnten Bücher wie "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" oder ethnografische Studien hilfreich sein.

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